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gieren

ahd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
17 in 14 Wb.
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17

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gieren vb.

Bd. 7, Sp. 7370
gieren, vb. , heftig nach etwas begehren; das heutige sprachbewusztsein lehnt das wort an gier an; doch scheint die hauptwurzel das nd. (und nl.) gieren (Schiller-Lübben 2, 114a, Verwijs-Verdam 2, 1953; woordenbook 4, 2289) zu sein, das zu der wurzel germ. gî-, idg. hī- 'gähnen, klaffen' gehört, s. o. 1gier. fraglich bleibt, in welchem umfange eine alte ableitung von gir im spiele ist, wieweit erst jüngeres sprachgefühl eine sekundäre anlehnung an gier vollzog. zu dieser auffassung führen ebenso sprachgeographische wie bedeutungsmäszige gründe. 11) das erst in mhd. zeit auftretende wort ist in älterer sprache nur auf md. und nd. boden nachzuweisen, abgesehen freilich von Osw. v. Wolkenstein, und ist bis auf den heutigen tag ein kenntlich norddeutsches wort. in den wörterbüchern für avere girin, giren (15. jh. md.) Diefenbach 60b; gieren avide petere, inhiare, affectare Stieler 643; gieren desiderare avidamente Jagemann dt.-ital. (1799) 521; mit deutlicher beziehung auf gier: 'gieren, welches ... nur selten gebraucht wird, aber auch hier alle mahl mit dem nebenbegriffe einer sehr heftigen ungeordneten begierde' Adelung 2 (1796) 683. aber gerade den alten nordd. belegen haftet ein sinnliches element an, das an den aufgesperrten rachen denken läszt: her (satan) ist gizic menschen blutes und giert uf al sulchen mort, daz her sie vorslinde dort Heinrich v. Hesler apok. 10827 H.; (teufel:) wir mgen nach was anders gyren! dis ist dahin, und uns entzckt (entrissen), Jonas auch aus dem netz gerckt A. Pape Jonas rhythm. (1605) g 3b; er giert darauf wie eine dohle auf eine nusz (inhiat rei) Stieler 643. auch moderner sprache ist dies keineswegs fremd: schon umkreiste ihn (den ertrunkenen) die raubmöwe, den kopf mit dem furchtbaren schnabel prüfend über ihn gierend D. v. Liliencron s. w. (1896) 2, 92; schornsteine, sehr hoch gereckt mit schwarzen, schwelenden rauchfahnen wie gierende hälse unheimlicher ... bestien H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 11. daher bis auf den heutigen tag gern mit objecten aus den bereichen nahrung oder beute, oft auch auf tiere angewendet: gieren avere ingordigia, essere ghiotto Jagemann dt.-ital. (1799) 521; ... welch einen verhungerten bettler da hast du, der nach speis und weine nur giert (οἴνου καὶ σίτου κεχρημένον) Voss Odyss. (1793) 20, 377; der tyger, der des tags sich scheute, läszt seine höhle, giert nach beute J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 7; schaum vorm maul, die leiber lang gezerrt, gieren sie (die hunde) nach etwaigen durchbrennern (bei der treibjagd) Viebig d. schlafende heer 135. im bild: schon giert mit neuem drange, so viel sie erde schon verdaut, nach erd in mir die schlange Nietzsche w. (1895) 5, 16. bezeichnend auch: vnde se ghyrden vnde weren dorstich sines dodes Schiller-Lübben 2, 114a; vgl.: doch was verbrach Alzir? ach, welcher unmensch giert nach ihrem blute? Fr. W. Gotter ged. (1787) 2, 464. daneben ist alt der bereich von macht, ehre, besitz: gyrende vnde iagendhe na grotem ghude Schiller-Lübben 2, 114a; her (der geistliche mensch) sal mê ringen nôch geistlîchen gute, dan kein mensch mac gegiren in dirre werlde nôch lîplîchem gute dt. myst. 1, 106 Pf.; aufruhr, rebellion, betrug und stolz giert sonst nach dem verwaisten thron Weisze nach Adelung (1793) 2, 683; nach gold und vorrang gieren wir, mann und greis J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 32; sie (die schauspieler) gieren einzig nach groszen gehalten, orden und guten rollen F. Wehl zeit und menschen (1889) 2, 271; nach dem ersteren (dem lobe) wirst du verlangen, zuletzt nach ihm gieren, vor dem letzteren (dem tadel) bangen, endlich vor ihm zittern F. Spielhagen erinnerungen (1911) 334. eindeutiger an gir schlieszt sich der alte obd. gebrauch bei Osw. v. Wolkenstein (der auch für das subst. gier hat): mai, dein geschrai sich florieret, zieret, gieret köstlicher gelüste Oswald v. Wolkenstein 111 Schatz; vgl.: gezwait gevieret, schärlich tieret, schrailich gieret, kurzlich schieret alle gnucht ebda 105 (s. dazu den commentar v. Schatz). dem entspricht gelegentl. bezeugung in obd. mundarten als 'starkes verlangen äuszern': ergiret 'leidenschaftlich auf etwas erpicht' Staub-Tobler 2, 407; mit den augen begehrlich hinstarren: gier et a sou her, pikimst dechter nicht! Lexer kärnt. 114; vgl. auch spitzengiren huren Fischer schwäb. 5, 1558. 22) eigen ist der gebrauch bei Matthesius, insofern er das verbum mit stöhnen und seufzen verbindet, also anscheinend ein akustisches moment hinzutreten läszt: da hebt man an, nach hlff vnd trost zu gieren vnd seufftzen Sarepta (1571) 139a; so sihet doch unser getrewer gott auff das, so der glaub ergreiffet oder darumb er sehnlich giret, stOenet vnd seufftzet ebda 52b; auch absolut: und den unaussprechlichen seufftzen und gyren des geschenckten heiligen geistes, der offt in tieffster noth ... krefftiger für uns stönet und gyret als jemand dencken kan drey predigten (1564) d 3b; seufftzet mit willigem vnd girendem hertzen vmb den heyligen geist ausgew. w. 2, 177 Loesche. vielleicht spielt hier das vb. 3gieren 'schreien' mit herein; vgl. auch: wir schrein und gieren tagelang nach dingen allein, weil sie nur schwierig zu erringen A. v. Düring Chaucer (1883) 2, 347. 33) seit dem 18. jh. erlebt das verbum eine literarisierung, die es nun auch bei süddeutschen autoren auftreten läszt: als ahnte es (das wild), wie grimmig die menschen nach seinem fleische gierten H. Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 268. sie erweitert seine anwendungsmöglichkeiten: ja, die leute schienen förmlich nach händeln zu gieren wie nach branntwein Peter Dörfler Apollonias sommer (1932) 25; sie weinte auch, die tolle, ... als wenn ein fluch, ein knirschen mit den zähnen und eine that, nach der wir hoffend gierten, nicht besser sie, als alle thränen zierten M. Waldau o diese zeit (1850) 44; daz sie (die menschen) beständig nach künftigen dingen gieren Bode Montaigne (1793) 1, 17; nicht neugier rath ich dir, die giert nur nach dem neuen Rückert w. (1867) 8, 295. sie erweitert auch seine constructionsmöglichkeiten; an die stelle der alten, echten präpositionalen verbindung mit nach und auf treten mancherlei andere fügungen: je mehr du hast, je minder darf vor dürftigkeit dir grauen. du hast nun, was du giertest; lasz es dann dabei bewenden (quod avebas) Wieland Horazens sat. (1786) 1, 19; so verschanzt gierte er in ein geschichtenbuch Peter Dörfler Apollonias sommer (1932) 136; aber er scheute sogar den groszen gott nicht und gierte, jenen (Äneas) zu tödten, und ihm die berühmten waffen zu rauben Bürger w. 226 Bohtz; er liebt diese infinitivconstruction, vgl.: doch dichtnachsausenden fluges stöszt er (der falke) beständig, und giert sie zu haschen ebda 236; gierte nun schon vorhin sein herz, mit den Troern zu streiten ebda 222. unpersönlich gewendet: es giert in ihm, sein geschick selbst zu finden H. Fr. Blunck weibsmühle (1927) 176. 44) objectloser gebrauch in reiner kunstsprache: weg mit den augen! weg! ich kenne sie! voll tücke giert raub und blutbegier in jedem ihrer blicke C. F. Weisze trauerspiele (1776) 1, 104; gern als substantivierter infinitiv in erotischem sinn: und zähmt zuletzt doch mit gewalt das gieren der sinnlichkeit Wieland s. w. (1796) 18, 83; könnt ich zu euch hinunter noch einmal mit aller menschenlust und süszem gieren! Jul. Mosen s. w. (1863) 2, 95; ein heischen und gieren trieb mund zu mund und leere und lechzen umschlangen sich Fr. Wolters in bll. f. d. kunst (1910) 117.
7539 Zeichen · 128 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    giêrênsw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch

    gi- êrên sw. v. , mhd. geêren. — Graff I,447 f. ka-er-: 3. sg. prt. -eta Gl 2,343,19 ( clm 6325, 9. Jh.; -&-); ke-: 2. s…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gierensw. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    gieren , sw. V. Vw.: s. giren

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gieren

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Gieren , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nur selten gebraucht wird, aber auch hier alle Mah…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gieren

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gieren , das Ausweichen des Schiffes bald nach der einen, bald nach der andern Seite des Laufs.

  5. modern
    Dialekt
    gieren

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    gieren s. gären .

  6. Sprichwörter
    Gieren

    Wander (Sprichwörter)

    Gieren Er hat zu spät gegiert wie Gebande. – Pisansky, 144.

  7. Spezial
    gieren

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    gieren nach etw. oder j-m ~ жаждать (чего-л. или что-л. сделать); алкать книж. ; настоятельно нуждаться в чём-л.; настоя…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gieren

67 Bildungen · 1 Erstglied · 64 Zweitglied · 2 Ableitungen

gieren‑ als Erstglied (1 von 1)

gierenziegel

DWB

gieren·ziegel

gierenziegel , m. , soviel wie gehrenziegel teil 4, 1, 2, 2552; nebenform hierzu, s. unter 1 gierung. die bezeichnung ist von der schräg zul…

gieren als Zweitglied (30 von 64)

abreagieren

Pfeifer_etym

reagieren Vb. ‘eine chemische Veränderung, Umwandlung eingehen, auslösen, zeigen’, entlehnt (18. Jh.) in die Sprache der Chemie aus spätlat.…

AGGREGIEREN

DWB2

AGGREGIEREN vb. von lat. aggregare beigesellen, zuzählen, zusammenhäufen ( zu lat. grex, gen. gregis herde, schar ) . 1 vereinigen, zusammen…

arrangieren

Pfeifer_etym

arran·gieren

arrangieren Vb. ‘gestalten, anordnen, einrichten’, entlehnt (1. Hälfte 18. Jh.) aus gleichbed. frz. arranger, afrz. arengier ‘reihen, ordnen…

Aussspargieren

Wander

aus·s·spargieren

Aussspargieren Etwas aussspargieren. Etwas verbreiten, z.B. Bücher, ein Gerücht etc. Ein im 17. Jahrhundert beliebtes Wort im Alemannischen,…

bandagieren

Pfeifer_etym

banda·gieren

Bandage f. ‘Wund-, Stütz-, Schutzverband’, Entlehnung (Anfang 18. Jh.) von gleichbed. frz. bandage, einer Ableitung von frz. bander ‘binden,…

brangieren

DWB

brang·ieren

brangieren , brangnieren , was brangen, prahlen: sin tröwen und prangnieren was gar und ganz verlorn. Halbsuter bei Wackern. 927, 24; wer al…

corrigieren

Lexer

corrigieren swv. corrigere Mf. 184. Evang. 273 a . Heum. 374.

dirigieren

Pfeifer_etym

dirigieren Vb. ‘leiten, lenken’ (seit dem 17. Jh. besonders von musikalischen Aufführungen), in der 1. Hälfte des 16. Jhs. aus lat. dīrigere…

engagieren

Pfeifer_etym

eng·agieren

engagieren Vb. ‘in ein Arbeitsverhältnis nehmen’ (besonders bei Bühne und Film), auch ‘zum Tanz auffordern’, reflexiv ‘sich für eine Angeleg…

figieren

Lexer

fig·ieren

figieren swv. BMZ treffen wie mit einem geschosse Trist. 4624 ; s. v. a. figûrieren Reinfr. B. 20792. mit ge-. aus lat. figere, s. fischiere…

flogieren

KöblerMhd

flog·ieren

flogieren , sw. V. nhd. prunken, sich gefallen, prahlen, sich brüsten, sich aufschwingen in, hinschwanken und herschwanken, flattern, wogen …

fungieren

DWB

fung·ieren

fungieren , die dienst- oder amtspflicht ausüben. als untersuchungsrichter fungieren. das wort steht bereits bei Sperander 271 b mit der erk…

gefigieren

Lexer

ge-figieren swv. BMZ Trist. 10847, var. gefeitieren.

geregieren

KöblerMhd

gere·gieren

geregieren , sw. V. nhd. regieren Hw.: vgl. mnl. geregeren Q.: Diocl (1412) E.: s. ge, regieren W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 874 (geregieren)…

grōgieren

KöblerMhd

grōgieren , sw. V. Vw.: s. kroijieren

herbergieren

DWB

herbergi·eren

herbergieren , verb. , was herbergen. Stieler 165 . das mit ausländischer endung umkleidete wort galt schon im mittelalter. Lexer wb. 1, 125…

inrangieren

MeckWBN

Wossidia inrangieren einrichten Müll. Reut. 60 b .

korrigieren

Pfeifer_etym

korrigieren Vb. ‘regeln, ausgleichen, berichtigen, verbessern’, mhd. corrigieren, entlehnt aus gleichbed. lat. corrigere (vgl. lat. regere ‘…

krīgieren

KöblerMhd

krīgieren , sw. V. Vw.: s. kreiieren

legieren

DWB

legie·ren

legieren , verb. 1 1) testamentarisch vermachen: das ist disz, so ich hab legiert. L. Sandrub kurzweil (1618) 136 ; wenn unser voreltern, de…

logieren

Pfeifer_etym

logie·ren

Loge f. ‘durch Seitenwände abgeteilter kleiner Raum mit wenigen Sitzplätzen im Theater’, Übernahme (Ende 17. Jh.) von gleichbed. afrz. frz. …

obligieren

DRW

obligieren, v. I (sich) verpflichten, verbinden soelen ... onse ... naecomelinge daer voer verbonden sijn ende obligeert den ... M. ... die …

Ableitungen von gieren (2 von 2)

urgieren

GWB

urgieren [bisher nicht publizierter Wortartikel]