geflissen ,
das part. zu fleiszen,
genauer zu sich fleiszen (
s. d. 2),
wie z. b. bemüht
zu sich bemühen, bedacht
zu sich bedenken, bestrebt
zu sich bestreben, angestrengt
zu sich anstrengen,
adjectivisch gebraucht; mhd. gevliʒʒen.
jetzt durch beflissen
vertreten (
vgl. sp. 1623
b),
doch noch im adv. geflissentlich,
auch geflissenheit.
eigen ist gefliessen (Luther 2,
c, Simpl., Fleming, Gryphius 2,
b. c).
noch bei Lessing gefliessenheit, gefliessentlich
und schon im 15.
jahrh. gefliessenhait
bei N. v. Wyle,
also mit verlängerung wie geblieben, gemieden,
aber auffallend vor ss, sz (ʒ),
vgl. unter gefäsz. 11)
im 16.
jh. war der zusammenhang mit sich fleiszen
noch bewuszt, z. b.: sie erzehlten, wie Masinissa sich allweg geflissen hätte, ihnen trewlich zu dienen.
Rihels Liv. 359 (
s. mehr III, 1766
fg.),
jetzt: beflissen gewesen wäre,
eifrig bemüht, denn eifer, bewusztes streben, angestrengte bemühung ist der grundbegriff, auch von fleisz (
eigentlich kampf). 22)
davon dann geflissen sein,
d. h. das part. perf. zur bezeichnung eines dauernden thuns, also mit sogar erhöhtem praesenssinne, wie mhd. geswigen
schweigsam, betrogen
betrügerisch, verzigen
verzicht leistend, geholfen
hilfreich, bescheiden
einsichtig und viele andere, ahd. z. b. kisprohhan wesan
loqui Hatt. 1, 35
b. 93
b,
und wie jetzt noch vergessen
vergeszlich, besorgt
sorgend (
zu sich besorgen), unbeholfen (
s.behelfen 3),
auch die eben genannten bestrebt, bemüht, bedacht sein auf
etwas, eifrig darauf denken. 2@aa)
am alterthümlichsten mit gen. des gegenstandes: sunder, so vil uns müglich ist, der warheit geflissen (
will ich schreiben). Frank
weltb. vorr.; des spilbrets waren sy also giflissen. 43
b,
so eifrig, so erpicht darauf; der arznei geflissen,
der sich fleiszig auf die arzney legt, der kunst überaus geflissen,
diligentissimus artis Maaler 162
a,
wie jetzt der arzneikunde beflissen
u. ähnl.; noch im 18.
jahrh. der singekunst, guter künste und wissenschaften geflissen Weber.
daher in genitivischer zusammensetzung z. b. ehrengeflissen: wann er tugenden und ehrlichen sachen nach henget, machet er seine frau auch ehrengeflissen. Fischart
ehz. 22 (
Sch. 427). 2@bb)
mit auf
oder zu,
eifrig bedacht, bemüht: geflissen auf ein ding,
diligens et attentus. Maaler; wie ietz die welt so gar ist geflissen, gefiert, listen vol und beschissen (
gleich betrogen,
betrügerisch) uf zitlich guot, daʒ zuo gewinnen. Mones
schausp. d. m. 2, 378,
fastn. 820, 6; hierauf waren sie desto gefliessener, weil ..
Simpl. 3, 256, 7
Kz.; was, sprichst du, ist es wol, darauf du dich bemühst, kunst? ehre? reichthum? lust? die lüften gleich und güssen mit uns selbst schieszen hin? ich auch, freund, bin geflissen auf eben diesen sinn. Fleming 549 (
Lapp. 446); wol dem, der stets gefliessen auf ein nicht flüchtig gut und unverletzt gewissen. Gryphius 1, 250; so werden sie hinfort auf tugend sein geflissen. Werder
Ariost III, 62, 5.
mit zu: diser keiser (
war) ... zur besserung gemeins nutz wenig geflissen. S. Frank
Germ. chron. 1538 45
b; auch zu aller boshait gflissen. Murner
schelm. 66, 5; ich bin ihnen zu billigen freundschaftsleistungen stets geflissen. Rabener 3, 188,
als höfliche wendung, daher im sinne geschwächt, wie Aler
es auch angibt als promptus, pronus; schon im 16.
jahrh. so als höfliches wort: zu dienen und folgen .. allezeit erbüttig, willig und gevlissen. Luther
bei Dietz 2, 38
a,
s. auch Schweinichen, Ludwig
unter 3,
b. auch gegen einen geflissen sein,
cupere alicui Weber 330
b. 2@cc)
mit zu
und inf.: der mönsch hat mich lieb, der ... geflissen ist zuo tuond was ich gern hab. Keisersberg
parad. d. s. 1
b; denn wir nach unserm vermügen
gevliessen sind friedlich regiment zu erhalten. Luther 3, 130
a; derhalben mir zu gefallen das tractetlein aufzubringen gevliessen sein wollet. 415
a; der ritter achtet des essens wenig, denn er allein mit seinem herzen geflissen war die schöne Magelonam gnugsam zu besehen.
buch d. liebe 33
a; die liebliche musik, die war bei uns geflieszen euch und auch euren tag mit freuden zu begrüszen. Fleming 77 (
Lapp. 156); ich bin geflissen, dir die vergänglichkeit vorzustellen. A. Gryph. 1, 2; wann du zu allem willig und alles zu vertragen geflissen bist. Schuppius 553,
entschlossen, bereit, geneigt, wie u. b a. e.; indem sie geflissen sind, andere zu verfolgen. Kant 6, 74. 33)
seltener auszer dieser unmittelbaren verbindung mit sein,
in der es entstanden ist, also vom zeitwort weg vollends ins adj. übertretend. 3@aa)
mit andern adj. gesellt: das ich hab bei der wach bestellt .. das sie sein wachtbar und geflissen und vorn bei dem eck aufwarten
u. s. w. Ayrer 446
c (2242, 31); so weis und klug sein als geflissen. Weckherlin 365 (
od. 1, 5). 3@bb)
besonders selten in attributsstellung: mit steten, bereiten und geflissenen diensten. Schweinichen 1, 206 (
s. 2,
b a. e.); der vorwurf einer geflissenen, den schein tiefer einsicht affectirenden dunkelheit im vortrage. Kant 5, 4 (
rechtsl. 1794
s. iv),
absichtlichen, geflissentlichen; he, Ariel, mein gefliszner diener Ariel! Schlegel
Shaksp. (1798) 3, 100,
vergl. als höfliche wendung: (ich bin) meines herrn dienstgeflissener diener. Ludwig 709. 3@cc)
auch als adv. selten (
s. geflissentlich),
das doch oft noch ins adj. überschwankt: damit dise ding dester warlicher gelopt und gefliszner gehalten werden. G. Oheim 47, 36; er schickt nach seinem bauren sampt den andren, so bei disem kauf gewesen. die kamen all ganz geflissen. Wickram
rollw. 73, 13; es hett kaiser Carle nach ufgerichtem interim versehen, das die catholischen ceremonien im munster zu Straszburg widerum sollten ufgericht und gehalten werden. das beschach und muszten die tomherren geflissen wider zu cor gehn.
Zimm. chron. 4, 23, 30,
fleiszig, eifrig; wann ir (
weiber) im haus ganz geflissen bleibet und euch es gleichsam einverleibet. Fischart
ehz. 49 (448
Sch.); ich gehe hier desto geflissener an die arbeit. Bodmer
poet. gem. 518,
vermutlich noch schweiz.; warum ward er, der stets partheygeist neckte, geflissen selbst der stifter einer sekte? Gotter 1, 372.