grundstein,
m. 11)
nicht vor dem 14.
jh. zu belegen; vgl. entsprechend gebildetes ags. grundstânas
cementum Wright-Wülcker
voc. 1, 191; gruntstain
primarius (
globulus) Diefenbach
nov. gl. 303
a (
voc. a. d. j. 1429); der grundsteyn des baws
primarius lapis Alberus L l 3
a;
gr. lapis fundamentalis Stieler 2139. 1@aa)
im eigentlichen sinne: '
einer der steine, die den grund
des gebäudes bilden, besonders der zuerst gelegte, meist ein eckstein' Mothes
baulex. 2, 503
a,
vgl. der irst grontsteyn un eym gebucz (
l. gebuw?)
primarius (
globulus) Diefenbach 459
a; (
ich) wil nicht nemen von dir noch gruntsteine noch ecsteyne, spricht der herr Claus Cranc
proph. 157
Zies. (
non tollent de te lapidem in angulum et lapidem in fundamenta Jerem. 51, 26); das man weder eckstein noch
gr. aus dir nemen könne
Jerem. 51, 26;
vielfach mit älterem eckestein (Benecke-Müller-Zarncke 2, 2, 614)
bedeutungsgleich verwendet, vgl. im bilde: sint er (
Hieronymus) ein gruntstein der heiligen kirchen gewesen ist, dorein si gevestet und gepawet ist Joh. v. Neumarkt
Hieronymus 246
Kl. (=
sancte matris ecclesie lapidis angularis, in quo admodum firmata consistit); eyn kostlichen ecksteyn odder grundsteyn Luther 12, 305
W.; dieser felsz und stein, den die bauleut ... verworfen und gott zum eck-, schlosz- oder
gr. gemacht Mathesius
Sarepta (1571) 91
a (
s. auch formelhaft verbunden grund- und eckstein
unten e); unser haus hat ein bösen gibel, uns ist gewichen der grundtstein, fürcht nur, es fall ein mal gar ein Hans Sachs 14, 319
K.-G.; die seulen, stützen, pfeiler und
gr., darauf das reich stehet Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 104; ehe man bawet, sihet man erst nach einem guten
gr. Petri
d. Teutschen weiszheit s 3
a; den thurm durchfährt ein zittern vom grundstein bis zum knauf Uhland
gedichte 1, 231
Sch.-H.; und die starken mauern wanken und der grundstein tief sich senkt Gaudy
s. w. 3, 10;
specifisch der bei der feier der grundsteinlegung
aufgestellte stein, in dessen höhlung documente vermauert werden: denkschriften, welche in die grundsteine groszer öffentlicher gebäude ... eingelegt werden Kinderling
reinigkeit 371; deszwegen machen wir diesen
gr. zugleich zum denkstein. hier in diese unterschiedlichen gehauenen vertiefungen soll verschiedenes eingesenkt werden zum zeugnisz für eine entfernte nachwelt Göthe 20, 99
W.; der in dem grundsteine zu verschlieszenden kapsel übergaben wir ... einen ... vers R. Wagner
ges. schr. 9, 325; sein gedicht und seine auf dem
gr. gehaltene rede waren vortreflich Schubart
br. 1, 62
Strausz. 1@bb)
formelhaft in religiöser sprache für Christus (
gott)
und die apostel: Christus unser einiges heubt und
gr. Luther 24, 510
W.; denn so fest und steif der felsz,
gr., Christus selber ist Joh. Mathesius
Sarepta 52
a; o mach dein volck heilig und rein, sei sein haupt und grundstein
gesangbuch d. brüder in Behemen (1560) 100; ... o selig, wer baldt schaut drob Abraham sich freut, undt auf den grundstein baut A. Gryphius
sonn- u. feiertagssonette 29
ndr.; ehr (
Judas) war ein grundtstein der gantzen christenheitt wie Petrus Luther 33, 305
W.; da ... die zwölf apostel als grundsteine der mauern angesehen werden Jung-Stilling
w. 3, 224. 1@cc)
vielfältig bildmäszig oder halb entsinnlicht für das, was die stütze, grundlage eines dinges oder zustandes darstellt: er (
der text Joh. 6, 47) ist der
gr. unser rechtfertigung Luther 33, 161
W.; das fundament und der
gr. dieses
[] bundes ist der gesegnete saamen Dannhauer
catechismusmilch 1, 91; nachdem mahl aber das vornemste fundament des kriegsstats ... auf dem ertzstift und der stadt Cölln ... beruhen that ..., suchte der h. reichscantzler gelegenheit, dem gegentheil solchen ansehnlichen
gr. zu entziehen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 190; sie hätte ... keinen andern
gr. ihrer wohlfarth als die vergessenheit Lohenstein
Arminius 2, 55
a; so rüttelt ietzt mein kiel den grundstein aller sätze, den ich gewisz auch nicht vor unumstöszlich schätze Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 673; diesen
gr. befestiget der verfasser mit schönen gleichnussen Gottsched
beytr. z. crit. hist. 4, 277; das poetisch wahre, welches der
gr. alles ergetzens ist Breitinger
crit. dichtkunst 1, 67; tugend (
ist) allein der echte
gr. einer daurenden verfassung Herder 23, 45
S.; grundsteine der moral und religion Kant 3, 324
akad.; ein ganzes volk (
ist) ohne den
gr. des wohlstandes niemals zu der selbstbefreiung einer höheren cultur aufgestiegen W. H. Riehl
dtsche arbeit 241. 1@dd)
unter betonung des beginnens, anfangens, eintretens '
das erste factum, auf das andere folgen oder von dem eine entwicklung ausgeht',
oft durch adj. wie erste
verdeutlicht: seit dem ersten
gr. des krieges und brudermords, so Cain an seinem bruder Abel begangen Kirchhof
wendunmuth 2, 300
Ö.; das war der erste
gr. des verderbens Becker
weltgesch. 9, 483; eine vollständig neue verfassung, als deren erster
gr. die schon früher durchgesetzte neuerung erscheint Mommsen
röm. gesch. 2, 104;
absolut: ... allein die schlimmsten wercke der weiber geben noch ein werckzeug ihnen ab, ... ihrer männer grab zum grundstein ihres glücks ... zu machen Lohenstein
Sophonisbe (1680) 61; es ist ... vielleicht der
gr. zu seinem künftigen glücke Chph. v. Schmid
ges. schr. 8, 114; wenigstens halt ich dafür, dasz die alten jungfern die grundsteine zu hospitälern gewesen sind Hippel
ehe 85; mit euch bekommt unsere familie
gr., stamm und wurzel bis auf gott hin und vater Adam Herder 7, 5
S.; hier läge denn der
gr. meines tagebuchs Göthe III 1, 9
W.; als den anfang und
gr. eines ehrenvollen lebens Raupach
dram. w. ernst. gatt. 5, 176; der erste keim oder der
gr. einer verworrenen geschichte G. Keller
ges. w. 4, 89. 1@ee)
als zwillingsformel grund- und eckstein: die steinmetzen ..., welche den grund- und eckstein vollkommen bearbeiten Göthe 25, 221
W.; fürsichtige regimentsrähte seyn die seulen, die grund- und ecksteine, worauf die paläste der könige am unbeweglichsten ruhen Butschky
Pathmos 800; allhie lieget der grund- und eckstein Jac. Böhme
schr. 2, 113; dies (
experiment) ist nun der grund- und eckstein des newtonischen optischen werks Göthe II 2, 26
W.; die 'deutsche grammatik', der grund- und eckstein von Jacob Grimms deutschen studien Scherer
kl. schr. 1, 10;
zusammengerückt: usz dem folgt diszer grundteckstein, das kein gröszer ... werck ist Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 9
Kück; den bisherigen eck- und grundstein seiner bürgerlichen existenz Hebbel
w. 12, 42
W. 1@ff)
in festen verbalen verbindungen. 1@f@aα)
am weitesten ausgebreitet den (einen)
gr. legen,
wozu wieder häufig verdeutlichendes erst
beitritt; eigentlich: anno domini ist das kornhaus ... angefangen zu bauen und der erste
gr. gelegt
chron. d. stadt Eger 54
Gradl; der erste
gr. zu der stadtmauren ward geleget Schütz
hist. rer. pruss. (1592) 80
a; wer ein haus will bauen, musz den ersten
gr. auf seinen beutel legen P. Winckler 2000
gute gedancken (1685) b 1
a; die bauleut legen den grundtsteyn dahyn, da er gewisz und fest stehet, das er den gantzen bau tragen kan Luther 12, 305
W.; er hat ... sogleich in Eisenach den
gr. zu einer neuen bürgerschule gelegt Göthe IV 37, 264
W.; in substantivischer wendung: zu legung des grundsteines (
hätte man) den hohen geburtstag sr. königl. majestät ... angesetzet Gottsched
neueste [] 9, 727; Charlottens geburtstag durch legung des grundsteins zu feiern Göthe 20, 89
W.; vgl. die feyer des grundsteinlegens III 8, 261
und grundsteinlegung
unten; bildlich im sinne '
die grundlage herstellen' (
vgl. c): der himmel musz durch seinen segen, damit das haus besteht, den grundstein darzu legen Stoppe
Parnass 274;
meist aber steht die vorstellung '
den anfang machen, beginnen',
auch '
vorbereiten'
im vordergrunde (
vgl.d): ein guter edelmann, welcher den ersten
gr. seines adels legt Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) n 2
b; zusprechung ohne leutseligkeit legt den ersten
gr. zur feindschaft Butschky
Pathmos 682; auf das wirken dieser männer folgte dann ... die wirksamkeit des Bonifaz und Odilo, gewisz mit ganz anderem erfolge als in Thüringen, wo jener den ersten
gr. zu legen hatte Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht.4 1, 75; dissem hochnützlichen wercke nun einen anfang zu machen und den
gr. darzu gleichsamb zu legen, resolvirte der könig ... v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 435; so seyn hier zween steife
gr. zu dieser ... reformation zu legen Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 843; entschlossen, noch diesen tag den
gr. ihrer wohlfarth und meiner vergnügung ... zu legen H. A. v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 491; gelegenheit, den
gr. zu der vierten monarchie zu legen v. Fleming
soldat, vorber. 9; ... dasz du mit reichem segen des himmels, der dich liebt, den grundstein müssest legen der neuen sicherheit ... Opitz
opera (1690) 1, 22; in der übergangszeit des 17. jahrhunderts wurden ... in Holland ... die grundsteine moderner ... denkweisen gelegt D. Fr. Strausz
ges. w. 11, 3; es gilt den
gr. zu einer neuen ordnung der dinge zu legen Immermann
w. 5, 6
B. 1@f@bβ)
weniger häufig einen
gr. setzen, zum
gr. setzen: (
als) man zu morgens da wolt allein anfangen zu setzn die grundtstein Hans Sachs 15, 469
K.-G.; so kömmt sie (
die liebe) in ein fremdes land und setzt den grundstein auf den sand Chr. Weise
grün. jugend überfl. ged. 96
ndr.; meine absicht war, einen
gr. zu künftigem gemeinschaftlichen bau manches wissenschaftlichen denckmals zu setzen Göthe IV 9, 71
W.; der herr (
hat) ... zuo erstem grundstain aufgesetzt Petrum Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 629
R.; darumb will ich solchs mit einer ... lugen anfahen und die zuom grundtstein setzen Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 3, 81
b; Salomo setzet zum
gr. der weiszheit die erkantnisz solcher eitelkeiten Harsdörfer
frauenzimmergesprächsp. 3, 245. 22)
basisstein; unterster theil der säule, sockel: gr. '
wird von dem Goldmann das unterste und gröste glied in dem fuszgesimse genennet ..., die werckleute hingegen nennen es platte' Chr. Wolf
math. lex. 626;
gr. socle Beil 265; die säulen sind von ihrem grundsteine an mit ihrem ganzen gebälke 58 fusz hoch Nicolai
reise d. Dtschld. 12, 93;
gr. '
der untere mühlstein' Lueger 4, 799;
gr. (
in der mühle)
gîte Beil 265. 33)
als name von gestein, bergmännisch (
wie comp.-typ. 5 o
?, so Adelung
vers. 2, 832):
gr. ist ein grobes sandgestein, mit ... quartzen ... vermenget Schönberg
berginform. (1693) 2, 46; sein (
des '
ziengebürges') vor- und nachgebürge ist ein sandiger
gr. im rechten mittel H. K. Kirchmaier
instit. metall. (1687) 43;
vgl. Krünitz 20, 287;
anders: gr., eine kalkartige felsgebirgsart Mothes
baulex. 2, 542;
gr., in Ostgothland eine art von kalkstein, der die vorwaltende gebirgsart daselbst ausmachen soll Voigt
mineralog. ... abhandl. (1789) 2, 277;
als '
urgestein'
aufgefaszt: gr. roche originaire Beil 265;
weiter: gr., eine sorte bernstein Bechhold
hwb. d. nat. u. med.2 609
b; —