gegenander,
genander,
bequeme sprechform für gegeneinander,
die vor der wiederherstellung des 17.
jh. (
vgl. sp. 1601)
auch schriftlich ohne anstosz war. 11) gegenander
im 16.
jh., wie in der aussprache noch heute: doch wundert mich warumb etliche klüglinge nicht das ganze büchlin (
wider die aufrührischen bauern 1525) durch aus gegenander halten, weil sichs doch selbs gnugsam erkleret. Luther 3, 151
a; sie kennen sich gegenander,
gegenseitig. 8, 334
a; und gebe euch die liebe gegenander zu dienen.
br. 2, 221.
auch mit -nn-
also dem ursprünglichen näher (
s. unter 3): wenn wir nu alles gegennander halten. 4, 7
a; figur und erfullung der figuren haben sich kegennander wie ein leiplich und geistlich odder euszerlich und innerlich ding.
vom bapstum 1520 D 3
b (
Dietz 2, 39
b).
in der bibel getrennt gegen ander,
ungut, weil das n
eben so zu ander
gehört, was bei dem versuch der berichtigung übersehen ist (
doch vergl. 3,
c): ire andlitz stunden gegen ander.
2 Mos. 37, 9; ein geschrei gegen ander. 32, 18.
daneben voll gegen einander
1 Sam. 18, 7. 22)
ebenso geinander, genander: inmaszen wir dasselb (
die abschrift und das original) geinander fleiszig verlesen und geleichlautend befunden.
weisth. 2, 684,
anfang 17.
jh.; nu hörend zuo, ir christenleut, wie leib und seel genander streit. H. Witzstat,
weim. jahrb. 4, 466.
so noch tirol. genander (
zusammen),
wie auch vonander, beinander, zuenander Fromm. 4, 62,
kürzungen wie sie auch sonst in der lebendigen sprache vielfach gelten, nicht blosz beim gemeinen mann. 33)
und die kürzung ist alt, was nachträglich zu J. Grimms
artikel einander
anzudeuten erlaubt sei. 3@aa)
schon mhd. enander, sicher weit öfter in der rede als in der schrift, z. b. Nib. 548, 3
in J, im Schwabenspiegel u. a., s. Lexer 1, 521.
so ist gegenander
zunächst aus gegenenander
entstanden, wie auch jetzt noch im leben die gewöhnliche sprechform ist, oder gegnenander,
wenn man von gegenander
zum genaueren zurückstrebt; ebenso unternander.
im 15.
jh. z. b.: unde disse obgeschriben rechnunge (
gegenseitige abrechnung) ist geinenander vorzedelt (
s.gegenzettel).
Leipz. urk. 1, 350. 3@bb)
aber auch anander, gekürzt aus ainander,
s. Schm. 1, 75,
mhd. wb. 1, 37
b, 28
ff., Lexer 1, 53,
Nib. A 212, 2. 548, 3. 551, 1. 874, 4; ist ouch daʒ liute mit anander spilent bî der naht.
Augsb. stadtb. s. 219.
Daraus begreift sich an einander
für einander,
indem das ohr jenes an-
auch für die praep. nehmen konnte, da der gedanke das oft zuliesz, z. b.: schlugen si sich, stachen an einander under die pfert (
d. h. sich einander vom pferde herunter).
Wilw. v. Schaumburg 70; si wollen an einander gehorsam sein. Liliencr. 2, 462
b, 22.
der schreiber der Gudrun schrieb gern so, s. 834, 3. 877, 2. 1409, 4,
aber auch schon in den Nib. der schreiber von D 1248, 2 an einander grüeʒen,
und an einer stelle ist es selbst durch den vers gesichert: doch wolden nie gescheidendie fürsten und ir man, sine kunden von ir triuwean ein ander niht verlâ
n. 2047, 4
A (ein ander
die anderen),
zu welcher stelle es Lachmann
aus Lichtenstein
nachweist, durch den vers gestützt; s. auch in Dietrichs flucht Berl. heldenb. 2, 329, anenander betriegen
tod. gehüg. 393.
es ist im grunde eine von den falschen wiederherstellungen (
sp. 1603),
wie sie aus dem denken über die bequeme sprechform hervorgehen. 3@cc)
aber auch blosz ander,
wie umgekehrt blosz ein III, 145 (
s. auch anein, durchein),
d. h. auch innerlich gekürzt, wie dort äuszerlich: underander
mutuus, auch adj. unterandrig Dief.
nov. gl. 260
b,
schon mhd. mitander
Nib. C 14.
avent. überschr. (
s. 124
Zarncke), bî ander sîn
Trist. 527, 14
Maszmann (
var. bî andern).
schon im 12.
jahrh.: ain ander si chusten, daʒ pâce (
friedenskuss) si ander gâben.
Rol. 205, 24,
und schon im merigarte 2
a, 16 andere
für einander. das könnte auch in dem biblischen gegen ander
unter 1
doch nachwirken.