wanst,
m. baucheingeweide, gekröse, erster magen der wiederkäuer, schmerbauch, ahd. wanast, wenist,
mhd. wanst. II.
herkunft, form und verbreitung. I@11)
mit anderer ablautstufe entspricht norw. vinster,
f., meist vingster,
auch vistr,
vierter magen der wiederkäuer, labmagen, schwed. dial. vinster, venster Aasen 937
a;
isl. vinstr,
f., der dritte magen, der blättermagen Cleasby 709;
formal nahe steht aind. vaniṭhú '
mastdarm oder in der nähe des netzes liegender körpertheil',
verwandt scheinen ferner zu sein ai. vastí '
harnblase',
lat. vensīca, vēsica '
harnblase', venter '
bauch' Brugmann,
idg. forsch. 12, 183
anm. Falk
u. Torp 450. Walde
2 817. I@22) wanst
ist m., nur für wenns '
gekröse' (
in Passau)
gibt Schmeller
2 2, 961
das neutrum (
beeinfluszt vom neutr. krös?)
an. ahd. steht wanast, Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 525, 64
neben wenist 537, 1. 3, 154, 38,
daher auch wanest 2, 510, 52, wanesta (
pl.) 2, 564, 16
neben wenest 564, 15. 382, 33. 493, 3, wenem (!) 385, 48,
auch wenosta (
pl.) 395, 56; wanst 3, 154, 37. 213, 72
neben wenst 3, 154, 38, wensth 2, 482, 8;
nom. sg. wennst
auch noch in den Nürnberger polizeiordnungen 229 (15.
jh.),
dat. sg. wenste
von guter speise 26 (
nr. 86), wenst H. Sachs 4, 320, 1
Keller (
aber nom. sg. wanst 17, 414, 16);
noch mundartlich in der bedeutung '
gekröse'
oberösterr. wennst Klein 2, 230, wenns, wens (
in Passau) Schmeller
a. a. o. eine abweichung von der starken declination zeigt nur Schummel
spitzbart (1779) 89
acc. sg. wanzen,
wol beeinfluszt vom synonym pansen.
der plural hat meist umlaut, z. b. nom. pl. wenste Luther 32, 472, 40
Weim. ausg., so auch jetzt schriftsprachlich wänste,
selten wanste Schubart
leben u. ges. 1, 144,
dat. pl. wansten W. Alexis
der falsche Waldemar (1842) 1, 55;
im oberhessischen pl. wāñsd
neben wēnsd Crecelius 2, 893;
der pl. wenster
bei H. Sachs
fab. u. schwänke 4, 14, 5
Götze-Drescher, jetzt mundartlich wänster (
neben wänste) Hertel 253, wansd Kürsten 22,
auch in Leipzig wänster
besonders in der bedeutung '
ungezogene kinder'. I@33)
nebenformen von wanst
sind: wamst,
über das schon sp. 1471
gehandelt ist; hinzuzufügen ist noch wambst Lindener 125
Lichtenstein; wamst Laukhard
leben 2, 11. Heine 5, 554
Elster (
lesart des originaldrucks von 1839,
im text 5, 475 wanst),
nach Gombert 4, 4
auch in Berlin zuweilen wamst, wambst
für wanst.
rein phonetisch erklärt sich der einschub eines übergangslautes in wantzt Heyden
Plinius (
Frankfurt 1565) 106,
der z. b. auch im thüringisch-obersächsischen lautgesetzlich ist. die form wanz Stahl
forst-, fisch- u. jagd - lex. 4, 1057. Nemnich 2, 976. Kehrein
wb. der weidmannssprache 317; an den wanzen Schummel
a. a. o.; feiste wänz
quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 4, 277, 24 (1663); wänze fegen Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 121
erklärt sich wol durch anlehnung an panze (
s. d.),
ebenso ist schweiz. wansch, wantsch Stalder 2, 433. Frommann 4, 149 (
in Bern)
beeinfluszt von bansch (
s. d.), bantsch.
auffällig ist aber die t-
lose form das wenns, wens (
in Passau) Schmeller
a. a. o.;
schwer zu erklären (
vielleicht wiedergabe einer aussprache wãst
mit nasalirtem a)
ist auch die bes. alem. und. rheinfränk. form wangst (
vgl. norw. vingster
neben vinster): wangst S. Brant
narrenschiff 83, 135 (18, 3 wanst); geitzwangst Keisersberg
narrenschiff (355)
Scheible; wangst S. Franck
chronica zeytbuch (1531) 99
b. Fischart
Garg. 408
Scheible (wanst 347
Alsleben). Hock
blumenfeld 4, 7. Zinkgref
apophth. 2, 92. Philander (1650) 2, 658. Dannhawer
catechismus milch 2, 440
auch bei Duez
nomencl. (1652) 106; dreck-wangst
Simpl. 4, 65, 10 (
vogelnest 2, 8)
Kurz; wangstdiener Comenius
janua (1644) 264.
aus neuerer zeit wangst Vollmann (Gräszli)
burschic. wb. 496;
elsässisch Martin-Lienhart 2, 840.
auch für bair. wöst, west Adelung
s. v. gekröse
ist nasalirter vocal anzunehmen s. Schmeller
2 2, 1044. I@44)
nach Bödiker (1690) 178
ist pantzen
niedersächsisch, wanst
oberländisch, doch kommt panse (
vgl. auch bansch)
auch im oberdeutschen vor, während allerdings wanst
im nd. in älterer zeit nicht belegt ist, es fehlt bei Schiller-Lübben,
von den nd. dialektwörterbüchern führt es nur Bauer-Collitz 111
an; im preuszischen (Frischbier 2, 455)
wird es aufs md. zurückgehen. auch im nl. fehlt das wort. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) wanst
bezeichnet eingeweide der bauchhöhle und zwar, nach den älteren belegen zu urtheilen, zunächst nur bei thieren, magen und gedärme mit netz und gekröse, von auszen betrachtet den thierbauch, besonders dessen fettablagerungen, eine schon in ahd. glossen vorkommende bedeutung; erst später ist die engere bedeutung '
pansen, erster magen der wiederkäuer'
belegt, doch ist vielleicht gerade sie in hinblick auf das nordische, wo das verwandte vinstr
ebenfalls wiederkäuermagen, allerdings den dritten und vierten, bezeichnet, als sehr alt anzusetzen; bisweilen scheinen umgekehrt gedärme, netz und gekröse ohne den magen gemeint zu sein. II@1@aa)
eingeweide, gekröse, gedärme. die zuweisung und genaue bestimmung der belege ist oft nicht möglich; die lat. entsprechungen omasum,
eigentlich '
kaldaunen'
und omentum,
eigentlich '
netz',
sind vieldeutig, vgl. unter wamme (
sp. 1447)
δ; auch die erklärung '
gekröse'
ist mehrdeutig, da das wort neben der eigentlichen bedeutung '
den darm umschlieszende bauchfellfalte'
die weitere '
baucheingeweide'
hat: omasum dic. intestinum ovis vel porci, eyn wanst Diefenbach
mlat.-hd.-böhm. wb. v. 1470, 195; wanst,
omasum voc. theut. (1482) nn 1
a;
omentum, omasum, wanst
Münchener hs. bei Schmeller
2 2, 920; wanst
in pecudibus est omasum et pantices Stieler 2427; wennst
in Oberösterreich das gekröse Klein 2, 230; das wenns, wenst
in Passau das (
kalbs - )
gekröse Schmeller
a. a. o. u. 961;
hierher wol: salsicia wrst (wurst),
farcimen wanst Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 154, 37 '
wurstfüllsel', '
darmwurst' (?); dimidius wanst pro sulz (
Straszburg 13.
jh.)
Mones anzeiger 6, 4; keinen wanst im schlachthausz ligen lassen, sondern abflaissen
würtemb. metzger-ordnung v. 1651 (
gedr. 1654) 7.
ohne genauere anatomische beziehung '
bauchhöhle': als man eine (
schlange) ... erschlagen, fand man ein gantzes kind in ihrem wantzt Heyden
Plinius (1565) 106 (8, 14, 37); (
eine kröte, welche) umb willen sie den wanst voller laich hatte, kümerlich kriechen ... konte
Simplic. schriften 3, 423, 28 (
vogelnest 1, 20)
Kurz; sie stunden in den gedancken, es habe der arme esel ... den mond in der pfütze mit eingesoffen: deshalben sie den verlohrnen mond in des esels wanste wieder suchten
polit. maulaffe (
vorr.). II@1@bb)
der magen, der pansen: rumen, magnus venter, ingluvies, der erste magen der wiederkäuenden thiere Nemnich 4, 1181; der magen (
der wiederkäuer) besteht aus vier, mindestens drei verschiedenen theilen: dem pansen oder wanst, dem netzmagen ..., dem faltenblättermagen ... und dem ... käsemagen Brehm
thierl.2 3, 57. II@1@b@aα)
bei den wiederkäuenden hausthieren, besonders beim rind: ein ochsenwanst,
the paunch of an ox Ludwig 2382; wanst,
pansen, rindsmagen Frischbier 2, 455. Lenz
vergl. wb. 76. Seiler 309
b. II@1@b@a@11))
hierher sind wol folgende belege zu stellen: der einen fladen machen wölle von fleische, der nem fleisch daʒ do ge von dem lumbel (
s.lummel) oder von dem wenste
von guter speise 26 (
nr. 86),
vgl. nr. 87
u. 91; ein yedes kalbskross mitsambt dem wenst darzu gehorig
Nürnberger polizeiordnungen 229
Baader; daʒ gewait daʒ da ist unter dem wenst
beleg bei Schmeller
2 2, 962; das sol aber das recht der priester sein an dem volck und an denen, die da opffern, es sey ochs oder schafe, das man dem priester gebe den arm und beide backen und den wanst (
ventriculum vulg., magen Kautzsch)
5. Mos. 18, 3; dicker lappen, heiszet ... dasjenige stück am rinde, so aus dem wanst gehacket wird Amaranthes
frauenzimmer-lex. 415
f., ähnlich Jacobsson 2, 559
a. II@1@b@a@22))
in der häufigen zusammenstellung wanst und magen
wird meist wanst
den ersten, magen
einen andern wiederkäuermagen bedeuten (
so heiszt jetzt der 3.
magen schlechthin magen),
doch können einige stellen unter wanst
auch '
kaldaunen'
meinen: ich hab wenst und magen, flaisch und auch würst.
fastnachtsp. 618, 33; ein schaffmagen ... 1 dl., und ein wenst ... 1 dl.
Nürnberger polizeiordnungen 229 (15.
jh.)
Baader; wanst und mäglein (
eines schöpsen) iedes 3 pf.
codex Augusteus 2, 794 (1623); vom magen und wanste (
folgen recepte für ochsenmagen, schafwanst, ochsenwanst, rinderkaldaunen)
wol unterwiesene köchin 407; wenn aber ein thier (
rindvieh) geschlachtet ... ist, musz man acht haben ..., ob der magen, der wanst, und vor allem, ob der faltenmagen ... roth oder blau aussehe R.
Z. Becker
noth- und hülfs-büchlein3 (1789) 1, 118; die kutteln, die gedärme sammt wanst und magen Schmeller
2 1, 1312. II@1@b@a@33))
die mägen des kalbs und rinds dienen ebenso wie die des schweins als hülle der magenwürste: gute wenst zu füllen
Straszburger küchenmeisterei, Alemannia 18, 264; gefüllte wänste. nimm kälber - wänste ..., hacke ein krösz, thue eyer und gewürtz darunter, fülle es zusammen in den wanst
die curieuse köchin (
Nürnb. 1706) 136. II@1@b@a@44)) die kappe des wanstes oder die sogenannte hungergrube R.
Z. Becker
noth- u. hülfsbüchlein3 (1789) 1, 410;
s. wanstkappe. II@1@b@bβ)
in der weidmannssprache: wanst '
der (
erste)
magen des roth-, dam- und rehwildes' Behlen
lex. der forst- und jagdkunde 6, 227;
besonders des hirsches: die gedärme (
des hirsches) heiszen das gescheide, worum das netze schlieszt. das grosze theil daran heiszt der wanst Döbel
jägerpractica2 1, 18
b;
ähnlich Stahl
forst-, fisch- und jagdlex. 3, 849; wanst, wanz, waidsack, panzer, genusz Nemnich 2, 976; wanz, wanst Kehrein
wb. der weidmannsspr. 317; öffnet alsdann den leib mit vorsicht, dasz der wanst (
des hirsches) nicht mit zerschnitten wird v. Göchhausen
notab. venatoris (1741) 261; einen hirsch aufbrechen, heiszet: wenn der jäger denselben den wanst aufscharfet und das gescheide ... heraus nimmet v. Heppe
aufrichtiger lehrprinz (1751) 420; (
ein hirsch) in dessen magen und wanste kaum ein paar hände voll vom geäsze gewesen Döbel 1, 13. II@1@cc)
gelegentlich '
uterus': das ja der wanst (
der mauleselin) ze klein, ... dareyn der somen nit gstracks fallen ... möge (
propter uterum nimis parvum) Herold
u. Forer
Gesners thierbuch (1563) 50. II@1@dd)
der schmerbauch an den thieren Adelung:
abdomen, pinguedo carnis i. wenest Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 493, 3;
auch die übrigen glossenstellen aus dem 2.
bd. (
oben I 2)
zeigen diese bedeutung. überhaupt '
thierbauch'
: im Elsasz wangst
im besonderen leib des rindviehs Martin-Lienhart 2, 840;
des trächtigen viehs jahrb- f. Elsasz - Lothr. 4, 47; endlich ... gab der dachs ... sich der sonne preis, indem er ihr ... den wanst zuwandte Brehm
thierleben3 1, 648; ein abgezehrter wolf ... sah einen feisten hund bey nacht umherspazieren. sein wanst gefiel ihm sehr. Hagedorn
poet. werke (1769) 2, 44; den schweren wanst (
des nashorns), der trutzig schwillet, hält eine schwarze rind umbhüllet. J. A. Schlegel
verm. gedichte (1787) 1, 73; will ihn ein hund an dem gehöre darnieder reiszen auf den kies, fühlt er auch schon die blut'ge lehre, in seinem wanst des hirschen spiesz. Immermann 13, 61
Boxberger; des wildschweins: wie der sau das aug' heut' glühte, als ich, pressend ihr die keulen, auf den feisten wanst ihr kniete.
Z. Werner
das kreuz an der Ostsee (1806) 18; der gnäd'ge herr risz ihn (
den keiler), wie er war, zu boden — ich, nicht faul, sprang auf den wanst. Müllner
dram. werke (1828) 2, 35 (
die schuld 1, 8); sein (
des ebers) sehn'ger wanst, mit straffem haar bewehrt, stichfest und derb, braucht keinen speer zu scheun. Freiligrath
ges. dicht. (1870) 6, 212. II@22)
seit dem 15.
jh. begegnen belege, in denen wanst
den menschenbauch und dann den menschen selbst bezeichnet; es scheint erst vom thierleib übertragen zu sein und (
im gegensatz zu wamme,
s. sp. 1444)
nie eine edlere bedeutung gehabt zu haben, es war stets nur in derber und derbster rede- und schreibweise möglich, Luther
gebraucht es sehr oft; im 19.
jahrh. hat sich die bedeutung noch weiter verschlechtert, so dasz es jetzt litterarisch kaum noch vorkommt. genauere anatomische vorstellungen werden damit meist nicht verknüpft, es bezeichnet ganz allgemein den unterleib, den bauch, meist mit betonung des feisten, unförmlichen, oder die bauchhöhle als empfängerin und verarbeiterin der nahrung;
doch belegt Hyrtl
kunstworte der anatomie 98
und 159
die bedeutung mesenterium, gekröse in engerem sinne, aus dem 17.
jh. (
s. auch wanstader);
auch die engere bedeutung '
magen'
macht sich bisweilen geltend, vgl.: allein der magen, der faule wanst, ligt mitten im leib, lässet sich mesten wie ein saw Luther
tischr. 23
a; (
die glieder spotten des magens:) nehre dich selbst, du fauler wanst, lasz sehn, was du erwerben kanst? wir wollen dir nicht mehr so geben, das du führest ein müssig leben. Rollenhagen
Froschmeuseler 2, 2, 13 (
cc 6
a). II@2@aa)
ohne betonung des feisten (
s. auch die belege unter 3
a): inn dem verschwand das gespenst und liesz ausz seynem wenst ein sehr ublen geschmack. H. Sachs 4, 320, 1
Keller; die gret würden im bauch ein stechen, dasz eim der wanst drob möcht auff-brechen. 17, 414, 16; sie schafft dir auch ein kleid an deinen werthen wanst. Picander
ged. 4, 275; dasz ihm etliche thaler in der tasche wären gesünder gewesen, als den gästen das bier im wanste Ch. Weise
polit. näscher (1686) 2; die ganze gesellschaft (
in dieser geschichte) ist eine steife marionettennation, panzer, schnürbrüste und wänste, durchaus mit lumpen ausgestopft Göthe 38, 351
Weim. ausg. II@2@bb) wanst
in der bedeutung '
feister bauch',
meist mit zusätzen (
s. 4),
doch auch ohne solche: wanst,
feyste und grösze des bauchs, pantices Dasypodius 452
a; der wanst, füllbuch,
venter, Bacchus Maaler 484
a;
abdomen, venter pinguis Stieler 2427; wanst, wampe, dicker bauch,
pens, buik Kramer (1719) 259;
abdomine tardus, der für seinem wanst nicht wohl kan fort kommen Bas. Faber
thesaurus ling. lat. (1692) 6,
ähnlich Steinbach 2, 933; wamms, wansch, wantsch,
schmerbauch Stalder 2, 433; wangst,
schmerbauch, auch schwangerer leib Martin - Lienhart 2, 840; wangst,
bierbauch Vollmann (Gräszli)
burschic. wb. 496; Christine ... schikte zum nächsten prediger ... er kam, oder vielmehr sein wanst kam vor ihm, ins zimmer Hermes
Sophiens reise (1769
ff.) 5, 192; ob er (
der Serer) gleich das dreyfache kinn und den wanst seiner landsmännin reitzender finden würde Wieland 1, 152 (
Agathon 3, 5); wie jener seinen wanst läszt in ein schnürleib zwingen. Canitz
ged. (1734) 253; und fehlt ihm (
dem gemälde des stolzes) ja noch was an ähnlichkeit, so gieb ihm Calchas kropf, und wanst, und priesterkleid. Hagedorn
poet. werke (1769) 1, 152; dasz Laar nur müszig geh, wie kann man dieses sagen? hat er nicht schwer genug an seinem wanst zu tragen? Lessing 1, 27; wo die dumme, plumpe freude mit dem wanst, nicht mit dem munde lacht. Goekingk 1, 47. II@33)
verbalverbindungen. II@3@aa)
der wanst
als angriffsobject (
ohne betonung des feisten). II@3@a@aα) zu Olten auf der gassen ward er gegriffen an; beim wanst thät man ihn fassen: woher, meineider mann?
schweiz. volkslieder 49, 17 (1653)
Tobler. II@3@a@bβ) in, durch
c. acc.: man hat ihm eins in den wanst gegeben,
un coup dans la panse Rondeau; Amasa hatte nicht acht auff das schwert in der hand Joab, und er stach in damit in den wanst, das sein eingeweide sich auff die erden schüttet
2. Sam. 20, 10; volgt er dir nit nach, so gib im die feüst in den wanst, oder stich im ein aug ausz Boltz
Terenz deutsch (1539) 161
a (
Phormio 5, 8,
v. 988); dasz er ... einem ... die sebel von der seiten wegriesz, und selbte beyden in den wanst stiesz Lohenstein
Arminius 1, 427
b; und dann die hand heimlich ausreckt, und ihm ein schwerdt in sein wanst steckt. Frischlin
deutsche dichtungen 111; und da sie solten jetzt gebrauchen lantz und wehre, nur zur beförderung des heilgen glaubens lehre, so rennen ihnen sie die selbst in wanst hinein. D. v.
d. Werder
Ariost 17, 65, 3; aber wenn sie mir ihren bratspiesz durch den wanst gejagt hätten Fr. L. Schröder
dram. werke (1831) 3, 48. II@3@a@gγ) in
c. dat.: zurück, und rühr' ihn noch mit einem finger an, wofern dich's jückt mein schwert in deinem wanst zu fühlen. Wieland 22, 22 (
Oberon 1, 34, 5); laut aufjauchzend sprach Lykaons herrlicher sohn nun: tief getroffen im wanst (
κενεών)! du wirst es, däucht mir, nicht lange mehr verschmerzen. Bürger 224
a (
Il. 5, 284); o dasz du ihn (
den speer) ganz im wanst (
χρώς) erst hättest! 238
a (22, 286). II@3@a@dδ)
accusativisch: solt ich dir zerreiszen dein wanst, du feindselig schendtlicher glaub? H. Sachs 6, 179, 20
Keller; es hat Heraclius höchst-rühmlich sich gerochen, weil er den geilen wanst des Phocas durchgestochen. Ziegler
asiatische Banise (1689) 905; und ehe ein mensch sich's versah stach er dem thäter den wanst durch und durch Göthe 43, 140
Weim. ausg.; er durchstach ihm weichen und wanst Niebuhr
röm. gesch. 1, 456. II@3@bb) sich den (wohlgenährten) wanst mit der hand streichen,
meist als zeichen satter zufriedenheit und selbstgefälligkeit: zuletzt so fuhr er (
der bauernstolz) auf, strich krächzend wanst und bart. J. J Schwabe
tintenfässl (1745) 23; indem er mit der rechten hand seinen wanst und mit der linken seinen knebelbart strich Wieland 6, 42 (
gold. spiegel 1, 1); wenn ich denke, dasz ... der bettelkerl hier säsze ... und sich dann hinstreckte in den sorgenstuhl und sich den wanst striche am werkeltage Raupach
dram. werke ernster gattung (1835
ff.) 3, 186.
eine andere geste: ich bin, sprach herr von Pilz, vom ältesten geschlechte! und stemmt an seinen wanst die linke und die rechte. Boie
bei Weinhold
Boie 324. II@3@cc)
auf die nahrungsaufnahme bezügliche wendungen. II@3@c@aα) den wanst, die wammen füllen,
empirsi la pancia Krämer 1209; nachdem er nun seinen wanst gefüllet, oder foll gefressen hatte Ludwig 2382; der duot eym narren an die schuo, der weder tag noch nacht hat ruow, wie er den wanst füll, und den buch und mach usz im selbs eyn wynschluch. S. Brant
narrenschiff 18, 3
Zarncke; die zwen köch gingen auch ihr stras, zu füellen ire wenster. H. Sachs
fab. u. schwänke 4, 14, 5
Götze-Drescher; ich füll mein wanst, und wasch mein kragen, lasz weib und kind am hungrtuch nagen.
werke 17, 147, 27
Keller-Götze; füll den wanst und stopff den magen. Wickram 4, 54, 1619
Bolte; füllest vom bier so voll dein wanst, das du nicht wider naus her kanst. Eyering
prov. cop. 2, 7; aber nachdem der kyklop den mächtigen wanst sich gefüllet fressend das menschenfleisch, und gelöscht vom lauteren milchtrunk. Voss
Odyssee 9, 296; denk, was das heiszt, den wanst sich füllen, sich den rücken kleiden mit so unsauberm laster!
Shakespeare, maasz für maasz 3, 2; die bauchdiener und freszlinge ..., die durch das predigen nichts suchen, denn das sie genug haben und yhren wanst füllen Luther 24, 191, 32
Weim. ausg.; nicht zufrieden sich den wanst so voll zu stopfen. bis nichts mehr hinein wollte Wieland
Lucian (1788) 3, 43; wenn er bey jemanden zu gaste ist und sich den wanzen voll friszt und säuft Schummel
spitzbart (1779) 89. in den wanst stopfen, stecken: wie sie dann zuo disputieren pflegen, was gesundt oder ungesundt ist, und nur die guoten biszlein in iren wambst stecken Lindener 125
Lichtenstein; thu nicht alles, ob du schon kanst, füll nicht alles in deinen wanst. Kirchhof
wendunmuth 2, 199
Österley. II@3@c@bβ) den wanst nähren, mästen, pflegen, für ihn sorgen
und ähnliche wendungen, in denen zuweilen die weitere bedeutung '
leib, leibliche wohlfahrt' (
vgl. 5)
durchscheint: der nur auf seinen wanst dänckt,
abdomini tantum natus Steinbach 2, 933; er ... leszt yhm ander fur erbeyten, und weydet seynen wanst von der andern schweysz und blut Luther 12, 108, 23
Weim. ausg.; (
die mönche) erbeyten nicht, aber verzeren gleichwol blut und schweys der armen, welche das brod ym hause nicht haben, die mussen yhren wanst mit aller fulle erneeren 23, 594, 1; nun Eulenspiegel kam auff morgen und wolte seinen wanst versorgen, wolt sein beym pfeiffenmacher gast, er hett ein weil darauff gefast. Fischart
Eulenspiegel v. 8701
Hauffen; er (
ein säufer) pfleget seinen wanst, verschluckt den besten wein.
vernünft. tadlerinnen (1725
ff.) 2, 56; wer eine blut'ge thränenfluth aus wittwenaugen presst, und seinen fetten wanst vom blut zertretner waisen mäst't. Schubart
ged. (1825) 1, 193; Michel! fürchte nichts und labe schon hienieden deinen wanst. Heine 1, 318
Elster. II@3@dd) der wanst schwillt, strotzt, spannt, platzt, schrumpft ein, schmilzt
u. ä.: wann es (
das thier) sich schon so voll gefressen, das im der wanst wie ein trumm strotzet und spannet Fischart
ehzuchtbüchlein 250, 7
Hauffen; wer so sich stopft, wie du dich gestopft ... er trägt den tod in seinen eingeweiden, darum verschone mich mit deinem platzenden wanst Rückert
werke 11, 322; denn unser küchen und prebend uns (
den pfaffen) werden fast an allem end des Böhmer-lands enzogen. daher manchem der feiste wanst thut mercklich sehr abschmelzen. Soltau
volksl. 463 (1622). II@44)
adjectivische und andere bestimmungen. II@4@aa) unersättlich, übersättigt, unlustig: ein vielfrasz, dessen unersätlicher wangst nicht zufüllen Zinkgref
apophth. 2, 92; es ist nicht eyn überdrüssiger trungk, macht nicht eyn unlustigen wanst Luther 34, II, 189, 20
Weim. ausg.; ein überdrüssiger wanst 189, 9. II@4@bb) voll, gefüllt, beladen: denn meszig bey dem glück und vollen wanste seyn erfodert kluge sinn' und starcke riesenbein. Rist
poet. lustg. H 3
b; gewisz, weil Nero nichts als blutt gewohn't zu trincken, wird sein gefüllter wanst ein reicher spring-brunn seyn. Lohenstein
Epicharis 115, 369; sie (
die welt) raubt sein (
gottes) wort und lehre, sein ordnung und befehl und setzt an dessen stat, was ihr gevöllter wanst zur zeit getraumet hat. Logau 1, 3, 33 (
s. 62
Eitner); da ein beladner wanst mit angst die ruhe sucht, die ihn mit recht, wie er die arbeit, stets verflucht. Weichmann
poesie der Niedersachsen 5, 223; nach der schale tappen trunkne, überfüllt sind kopf und wänste. Göthe 15, I, 244 (
Faust II, 10 036)
Weim. ausg.; er kan sich der ehelichen liebe ... gebrauchen ... niemals mit vollem wanst Harsdörffer
der teutsche secretarius 1, Gg 6
b; wenn das nicht geschlafen, und nicht den wannst voll hat, so ist das eine abgelaufene uhr v. Kotzebue
dram. werke (1827) 3, 145. II@4@cc) fett, feist, gemästet: Polyphagia ... mit iren auffgeplasenen pfeifferbacken und dem faiszten grosen wanst Fischart
podagr. trostbüchlein 28, 4
Hauffen; hie lyt eyn herr, ist woppens gnosz ... und wer hie zücht eyn feyszten wangst, des spiszt syn wäpner aller langst. S. Brant
narrenschiff 83, 135
Zarncke; messen, jarzit, vigilg und sölich gespenst, das füllt und macht uns gar grosse feisze wänst.
N. Manuel
ablaszkrämer 342
Bächtold; einen gemästeten wanst haben Gerstenberg
schlesw. lit. briefe, forts. 308, 20
neudr. II@4@dd) dick, breit, schwer: dicker wanst,
tripaccia, ventrone Krämer 1209; breiter wanst Schottel 1117; der mit dem nachnahmen von seinem dicken wangst ... Physcon, das ist, der vollwangst, genennet wurde Dannhawer
catechismus milch 2, 440; wie ihr mir ma tante gehen beschreibt, so würde ich i. l. nicht mehr folgen können mitt meinem schwehren wanst Elisabeth Charlotte v. Orléans (1676—1706) 405
Holland; wenn ihr klagen wollt mit den dicken wansten, was sollen wir thun, die an den knochen nagen? W. Alexis
der falsche Woldemar (1842) 1, 55; was zeiget uns dann an dein (
des Bacchus) dicker feister wanst? Opitz
teutsche poemata 202
neudr.; wo man ... nichts aus gottes wort so säuberlich erkläret, als was den dicken wanst der kirchenbäuche nähret. Neukirch
gedichte (1744) 125. II@4@ee) glatt, gespannt, gedunsen
u. ä.: der mensch dient alleyn, damit sein wanst und balg glatt werde S. Franck
sprichwörter (
Frkf. 1541) 2, 31
a; dir wahrheit sagen, o kahlkopf dir, dem der glatte wanst zwei faustbreit vornen hinausragt? Herder 26, 287
Suphan; mit aufgedunsnem wanst und fetten backen erscheint der feldherr nun. Gries
Ariosts rasender Roland (1804) 1, 162; sie reden alle durch die nasen, haben wänste sehr aufgeblasen, und schnauzen jeden Christen
an. Göthe 16, 68 (
pater Brey 213)
Weim. ausg.; der gespannte wanst bei fressern Rumpelt
Plenks lehrgebäude v. geschwülsten übers. (1769) 3; man sieht viel runde gesichter und ausgefüllte wänste Nicolai
reise durch Deutschland (1783
f.) 5, 292. II@4@ff) rund, viereckig, unförmig
u. ä.: gegen einen gehörnten, weitmauligen Silen mit rundem wanste. Wieland 4, 153 (
Amadis 8, 13, 4); ich sehe das blut meines Leanders ... an ihrem viereckigen wanste Hafner
lustspiele (1812) 2, 46; so ein unförmlicher wanst ist nicht natur, ist vermuthlich ein magazin kontrebander waaren Langbein
schriften2 6, 129. II@4@gg) das merkwürdigste an seiner person war ein wanst von einer so majestätischen peripherie, dasz ihm die gröszten monarchen seiner zeit hierin den vorzug lassen muszten Wieland 12, 148 (
don Sylvio 6, 1);
vgl.: dasz der eine sein ansehen der lächelnden miene zu danken hat ...; ein andrer der ansehnlichen periferie seines wanstes 1, 161 (
Agathon 3, 5). II@55)
bildliche verwendung. II@5@aa)
schon in mehreren angeführten belegen (
s. besonders 3 c
β)
stand wanst
als symbol des üppigen leiblichen wohlergehens, doch immer noch in anknüpfung an wirkliche nahrungsaufnahme; weiter von dieser vorstellung entfernt sich wanst
als bild der unersättlichkeit des habgierigen, das besonders Luther
liebt: (
der geizige) knüpft ainen acker an den andern ... ainen zinsz an den andern und allenthalben wo er mag, da raubt er als in seinen wanst Keisersberg
schiff der penitentz m 4
d; er hat heuser zu sich gerissen, die er nicht erbawet hat. denn sein wanst kund nicht vol werden, und wird durch sein köstlich gut nicht entrinnen
Hiob 20, 20; wem kömets zu gute, das dise zigel gestrichen werden? fette wenste werden draus, unsere güter werden uns aus dem beutel genomen, wir sind des bapsts zigelstreicher, er hat seinen wanst gemestet und gefüllet von unsern gütern Luther 16, 76, 28
u. 30
Weim. ausg.; der romisch geytz und raubstul ... eylet nach seinem unsettigen wanst, das es sie (
die lehen) auffs kurtzst hynein reysze 6, 420, 14; gott hat die geitzigen so gehengt an iren wanst, das sie ires ergeitzten guts nimer satt noch fro werden konnen 32, 310, 4; was mugen sie hie tzu sagen, denn das sich yhr geytziger wanst schemen musz, das er alszo genarrt hat mit gottis worten 8, 351, 21;
vgl. geitziger wanst '
geizhals'
unter 7; ich suche geitzig nicht zu füllen mit grossen gütern meinen wanst, wenn ich nur meine noth kan stillen. S. Dach 800
Österley; mit fliehen du ihn (
Herodes) jagen kanst, zu schanden machst sein reichen wanst, dein armut und dein wiegen klein zustört macht, reich und reichthumb sein. Selneccer,
Wackernagels kirchenlied 4, 327 (456, 5). II@5@bb)
der aufgeblähte wanst
als bild des hochmuts (
vgl. oben 2
b Hagedorn
und wanstig '
stolz'): er leufft mit dem kopff an in (
gott), und ficht halsstarriglich wider in. er brüstet sich, wie ein fetter wanst, und macht sich fett und dick
Hiob 15, 27,
ähnlich ps. 73, 7; mir ist ja noch so wol, als dem der wanst zerschwüllt, dieweil er hoffart voll Logau 1, 8, 19 (
s. 164
Eitner); und so wird der arme mensch oftmals durch sein gut verleitet, bläst den wanst von hochmuht auf. Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 49; wenn sein wanst von hoffart schwillet, wird sein wünschen gleich erfüllet. v. Canitz
ged. (1727) 31; der ausgespannte wanst, den hochmuth aufgebleht, strafft offt ein hengend haupt das ruhm und pracht verschmäht. Pietsch
geb. schriften (1740) 189;
er schwillt
von schmeicheleien: was kümmert dich sein (
des thoren) dutzend gäste, nachsinnend, wie es ihm den wanst mit schmeicheleyen und mit lügen mäste? Goekingk 3, 123. II@5@cc)
er birst
vor neid und zorn: bruder, meine mich mit treuen, so du treu es meinen kanst! Zoilus sein falscher wanst berste, wie er will, von neuen! Fleming 1, 329, 33 (
oden 4, 4)
Lappenberg; aber er (
der teufel) musz doch dem wort (
gottes) biszweilen weichen, und wenn ihme gleich sein hellischer wanst darüber zerbersten solte Sandrub
kurzweil 56
neudr. II@5@dd) der wanst,
das becken des meers: das meer will auch den rausch nicht fliehen, sondern es pfleget ohn ablasz brait tieffe flüssz und bäch ohn masz garauszend in den wanst zu ziehen. Weckherlin
ged. 1, 502, 24
Fischer. II@66)
sprichwörtliches und redensarten: auff vollen wanst folget der dantz Fischart
Garg. 347
Alsleben; und ihnen (
den habgierigen) die augen weiter seyn, denn ihr dicker wanst Kirchhof
wendunm. (1587) 293
a (pantzen 1, 362
Österley); nun, so soll das heilige kreuzdonnerwetter dem verfluchten kerl in den wamst fahren Laukhard
leben u. schicksale 2, 11; nachdem er viele tausend schock teufel ... den Hallischen philistern in den wanst gewünscht hatte 2, 226. II@77)
die übertragung des namens eines körpertheils auf den besitzer ist ganz gewöhnlich, doch meist nur in zusammensetzungen, vgl. dickbauch,
krummbein,
groszmaul u. dgl., so auch dick - fett - freszwanst Steinbach 2, 933; freszwangst, füllwangst Martin - Lienhart 2, 840; fraswanst Hentrich 13;
aber auch das simplex wanst
kann allein oder mit hinweisenden zusätzen '
fetter mensch, schlemmer, der völlerei ergebener'
bedeuten; den bedeutungsübergang verdeutlichen belege wie: wann er nit reden künde, so hielt er ihn für ein wangst oder auffgeplasznen schlauch S. Franck
chronica zeytbuch (1531) 99
b; Stilpos degen hat einen abscheu vor allen leuten die blosz wanst sind Klinger
theater (1786
f.) 3, 256; so musz man sich ... vor leeren köpfen und vollen wänsten bücken v. Kotzebue
dramat. werke (1827) 1, 28.
auch die 5
b mitgetheilten bibelstellen leiten zum persönlichen gebrauch über. II@7@aa) wangscht,
schelte für korpulente personen jahrb. f. Elsasz-Lothr. 4, 47 (
Zornthal); die untrewen wenste und unzüchtigen freszling und vollen bauchdienern, die stettigs im quas und sause ligen Mathesius
Sarepta 152
a; es müssen die armen unterthanen offtmals schmachten und hunger leiden, auff das solche wenste in aller fülle leben Milich
schrapteufel J 2
a; begegnet mir ein rechter wanst, mein' ich, den säh' ich schon am pfahl braten Göthe 8, 212 (
Egmont 2)
Weim. ausg.; ich will den wanst (
the guts, den wohlbeleibten Polonius) ins nächste zimmer schleppen
Shakespeare Hamlet 3, 3; der behaglich schmunzelnde wanst (
der dicke wirt) rückte den brüdern ... einen tisch zurecht Gutzkow
ritter vom geist2 1, 72; des römlings trotz hast du gebeugt, verscheucht die heuschreckenschwärme betender wänste. Schubart
gedichte (1825) 3, 15.
als fingirter eigenname: aber was haben sie denn gesehen, sagte Wanst (
ein kurzer dicker mann) Wieland 19, 33 (
Abderiten 1);
Falstaff. wetter! werden sie uns nicht ausplündern?
prinz Heinrich. was? eine memme, sir John Wanst? (
sir John Paunch)
Shakespeare Heinr. IV., 1.
th. 2, 2; was heiszt das für ein leben führen, sich und die jungens ennuyiren? lasz du das dem herrn nachbar Wanst! was willst du dich das stroh zu dreschen plagen. Göthe 14, 87 (
Faust I, 1838)
Weim. ausg. II@7@bb)
mit verdeutlichenden zusätzen: die müszigen, faulfreszigen wenste, als solten sie sitzen und warten, wenn er (
gott) in eine gebratene gans liesze inns maul fliegen Luther 32, 472, 30
Weim. ausg.; so vil ... fauler wenste, schlampamper, und bauchdiener Mathesius
Sarepta (1571) 65
a; er hielt einen albinischen ketzer bei sich, der ... mönche und pfaffen als faule wenste verdampt Hennenberger
preüsz. landtaffel (1595) 297; lasz es seyn, dasz faule und dikke wanste ... unter den tausenden dieses standes sind Schubart
leben u. gesinnungen 1, 144; das der vol wanst dem guoten Lasaro die brösamlin von seinem tisch abgefallen versagt hat Wickram 2, 150, 33
Bolte; das üch gott straff, ir vollen wänst! kennendt ir nüt dann suffen und fressen, so muosz ich üch die kutten messen.
schweiz. schauspiele 2, 151, 1030
Bächtold; ein fetter wanst,
ventrosus, aqualicus Stieler 2427;
a paunch-bellied man Ludwig 2382; geduld ist zwar die kost, davon sich arme nähren; doch wird kein fetter wanst sich sehr davon beschweren. Logau 1, 9, 92 (
s. 204
Eitner); wenn er gehet als ein fetter wanst, ändert den tritt und greifft ins pflaster Westphalen
hoffarts teuffel, theatr. diab. 2, 8
a; eine reiche saw, ein grober ochse, ein fetter wanst Mathesius
Syrach (1586) 127
a; die ... im brod der armer burzländischer pauren ausgemästete feiste wänz und raubische kriegs-gorglen, die dragoner
quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 4, 277, 24 (1663); wir neuern bilden, zum theil noch, den Bacchus als einen fetten wanst Lessing 8, 244; gewisz liegt der fette wanst Pomponius auf seinem sopha und schwelgt Klinger
theater 3, 330; man darf aber nur die alten, fetten wänste von generalen ansehn, in deren hände dieses vortreffliche werkzeug (
das heer) gegeben ist Vischer
briefe aus Italien4 11; ist wol ein diker wanst in solcher heldenzunft? Grob
dichter. versuchg. (1678) 144 (14, 7); sie ligen und mesten sich mit solchem ungerechten erworbenen gute wie die dikken wänste, und tollen auch vollen mast-säue
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 126; kaum hatten sie sich in eine eiche gesetzt, ... als ein dicker wanst in fränkischer kleidung schwerfällig zu ihnen herantrat Gutzkow
werke (1872
ff.) 6, 111; er bildet ihm ein, wir sollen uns vor der menge seiner ausgemästeten wänste fürchten Bucholtz
Herkuliskus (1665) 30; (
in den bädern musz man) alle augenblicke irgend einem aufgedunsenen wanst aus dem wege gehen Wieland
Lucian 1 (1788) 48. II@7@cc) wanst '
habgieriger', geiziger, reicher wanst (
vgl. oben 5 a): und ist kurtz kein unterscheid unter einem bettler für der thür und einem solchen leidigen wanst Luther 32, 310, 26
Weim. ausg.; das sind die rechten, die das evangelium reiche wenste heiszet, die inn groszem gut am aller wenigsten haben und sich nimer lassen gnügen an dem das in gott bescheret 308, 31; der geitzige wanst (
Alexander) kunde nicht von einer welt sat werden, er hette ein weit hertz, wolt noch mehr welt darein fassen 19, 304, 9; '
Neidhart' so gunstus auch, ausz eyffers brauch, eim andern nit, du loser wangst. Hock
blumenfeld 4, 7. '
hochmütiger'
vgl. 5
b: in seide, gold und sammet herein prangen, wie der reiche wanst im Luca Mathesius
Syrach (1586) 3, 33
b; denk, dasz du fallen kanst, du aufgeblasner wanst. Knittel
poet. sinnsprüche 151. II@7@dd)
schimpfwort im allgemeinen, auch ohne beziehung auf wohlleben und üppigkeit: diu frowe begunde in (
den schwiegervater) nîden. er wart ir in den ougen unmêr, sie sprach 'ich mac den wanst gelîden niht'.
meisterlieder der Kolmarer hs. 72, 49
Bartsch; wer es (
gottes wort) verachtet, der verachte es imer hin und bleibe ein wanst und sawe, wie er ist, bis auff den tag, da in gott schlachten wird und dem teufel einen braten zurichten im ewigen hellischen fewr Luther 6 (1557) 35
b; da rollen lauwinen von kernwörtern ... hölle, speyen, tunpahl, wanst und esel ... dahin Lichtenberg
nachlasz 101, 10
Leitzmann. jetzt thür. wanst '
kerl' Hertel 253;
in zusammensetzungen: dürrwanst
ebda; dreckwanst, sauwanst
in Leipzig; lausewanst Jecht 121.
scheltwort für kinder in Hessen, Thüringen und Obersachsen, schon bei Stieler 2427
matres Erfurtenses liberis succensentes ajunt: du siecher wanst! '
überfütterter kleiner junge' Schultze
idiot. der nordthür. ma. 46; '
kleines ungezogenes kind' Döring
Sondershäuser ma. 2, 86. Liesenberg 217; Bauer-Collitz 111
b, 211
a;
auch in Leipzig, plur. wänster,
oft nicht bös gemeint, doch derber als das gleichbedeutende balg (
s. d.);
vgl. auch panze
th. 7,
sp. 1428. II@88)
auf dinge übertragen: 'wanst
heiszt (
beim riemer)
der ort an dem körper des kummets, wo er hinterwärts am breitesten ist' Jacobsson 8, 140
a; zerrwanst '
ziehharmonika' Hertel 253. Döring 2, 86. Ostwald
rinn steinsprache 170.