grasig,
adj. ,
mit gras bewachsen, grasähnlich. mit dem adjektivsuffix ahd. -ag,
nhd. -ig
gebildet zu gras,
n. (
s. d.).
ahd. grasag,
mhd. grasec;
vgl. graminosa grasagiu (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 714, 25
f. St.-S. in alem. quellen oft umgelautet: grAeszig Keisersberg
schiff d. penitentz (1512) 70
a; grAesig Österreicher
Columella 2, 3
lit. ver.; gresig Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 142
lit. ver.; noch in jüngerer mundart gräsig
neben grasig,
vgl. Fischer schwäb. 3, 799.
mit metathesis gersəg Schmidt-Petersen
nordfries. 50
a. 11)
mit gras bewachsen. 1@aa)
im eigentlichen gebrauch meist attributiv, nur selten prädikativ (
s. unt. α). 1@a@aα)
im hinblick auf den graswuchs auf wegen, plätzen, flächen: diu erda ist ... feselîg unde grasegiu Notker 1, 747, 1
P.; ein schœne grasege hovestat neben dem graben vor dem tor, an einem bergelîn enbor, dar sült ir den kampf legen Heinrich v.
d. Türlin
diu crône 15 336
Scholl; und ein klain grasigs grablin darvor (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 5, 5; Teurdank kam auf ein grasig gleit und wart, bis im der jager bracht sein schaft Maximilian
Teuerdank 50
G.; dann der (
der bauer) frOewt sich aller maist des gebuwen und rainen ertrichs, aber der (
hirt) des nuwenn und grAesigen, der hoffett die frucht ussz dem ertrich, der von dem vich Österreicher
Columella 2, 3
lit. ver.; unsre grasigen oder bebüschten oder besäeten hügel und berge (1768) Caroline Lucius
in: Gellert
briefw. mit dem. Lucius 557
Ebert; als sie Mykene verlieszen und heimwärts wollten, da kamen sie zum binsenvollen Asopos mit grasigem ufer Stolberg
ges. w. (1820) 11, 133; steine, felsen, grasiger boden, alles dieses ist vortrefflich ... dargestellt Göthe I 48, 128
W.; (
pflanzen,) die die grasigen uferhöhen mit ihren schönen blüthen schmückten Nehring
tundren u. steppen (1890) 15; unter den hohen glitzernden bauschigen silberpappeln am grasigen wegrand Dauthendey
gedankengut a. m. wanderjahren 2 (1913) 297.
im bild: gott hatt ym (
dem menschen) beuolhen, daszs ainig schAeflin zu waidnen, das ist sein sel die selb sol er waidnen, vf den grasigen wegen Keisersberg
pred. teütsch (1508) 27
b.
prädikativ: ihr feld ist eben, smpffig, vnd gar grAesig, vnd fruchtbar an hew Seb. Münster
cosmogr. (1598) 1108; deren (
der insel) halber theil sehr morassig und grassig zur weide und ftterung nicht unbequem Abelin
hist. antipodum (1631) 189; der garten ist noch recht grün für die herbstzeit, aber die steige sind grasig Bismarck
br. an s. braut u. gattin 167
H. v. Bism. 1@a@bβ)
im mhd. auch im sinne des unwegsamen, verwilderten: der grasege wec ungebert der truoc sî verre in einen wert, dâ der vischære bî dem sê saz, dâ von ich iu sagte ê Hartmann v. Aue
Gregorius 3237;
vgl. Erec 8884; einem stîge volget er nâch ûz gegen der linken hant, der was grasic unde ungebant Wirnt v. Gravenberc
Wigalois 6258
Kapteyn. 1@a@gγ)
im 18.
jh. in antikisierender sprache als schmückendes attribut, etwa im sinne von fruchtbar, grün, saftig. dieser gebrauch klingt aber auch schon in der prädikativen anwendung unter α an; vgl. auch einen entsprechenden frühen gebrauch unter grasicht 1: zwischen diesen wäldern und den weisen gipfeln grasige weiden Stolberg
ges. w. (1820) 3, 127; bei den übrigen (
kälbern) sorgt man nur für grasige weide Bock
Virgils lehrged. v. landbau (1790) 99; (
zwei rosse) weidend auf grasiger wies' an Okeanos' strömenden wassern J. H. Voss
poet. w. 4, 249
Hempel. 1@bb)
übertragen in der wendung den grasigen weg gehen, ziehen;
wohl von a
β her. 1@b@aα)
etwas ungesetzliches, verwerfliches tun: wir wellen Barrabam haben, der lat uns bi dem alten grasigen weg bliben Tholniceus
anzaigung d. d. röm. bull (1522) c 4
b; o Plas (
d. i. Blassenburg, eine raubritterburg), dw lest deiner pocksprung nit ... dv nömst deinem pesiczer den zaumb, und gingest wider deinen grasigen weg, wie dein art ist Hans Sachs 23, 48
lit. ver.; ich (
gott) han dich (
Basa) erhebt aus dem kot und ein fürsten gemacht über mein volk Israhel, du aber gehst gleich den grasigen weg, den Jeroboam ... gangen ist, und verfüerst mir mein volk und raizest mich zu zorn Aventin
bayer. chron. 1, 241
L. 1@b@bβ)
sterben: das ist des fleischs vnd natürlichen menschen bitterer todt, nicht mer fleisch vnnd ein mensch sein, ... ja on alle exempel allein, ein ongebanten, engen, grasigen weg, an hin gehen Seb. Franck
paradoxa (
o. j.) 111
b; den grossigen weg durch ziehen (1622) Fischer
schwäb. 3, 799 (
noch in jüngerer mundart ebda); Jesus will bey diesem gras-mahl (
der speisung der fünftausend) seinen gAesten stillschweigend predigen, sie werden alle ins gras beissen, den grasigen weg gehen, und sich in die erde lagern mssen: uns wirds nicht anderst gehen Otho
evang. krancken-trost (1683) 363;
ebda 481. 22)
dem gras ähnlich: heu und gras würden so ziemlich gedeihen und was heuartig ist und grasig Görres
ges. schr. (1854) 5, 138.
besonders im hinblick auf den reifegrad, geschmack oder geruch von gewächsen und früchten; '
wie gras schmeckend' Sallmann
neue beitr. z. dt. ma. in Estland 75; '
unreif, noch grün (
vom obst)'
schweiz. id. 2, 798; Woeste
westf. 84
b: wann das korn reif und wetter ist, mag man dasselbe nach gelegenheit schneiden, niderlegen und einen tag, doch darnach das grasig ist, truckenen lassen (16.
jh.)
haushaltung in vorwerken 62
Ermisch-W.; wann der hopfen zu zeitig oder zu grüne abgenommen, reucht man es balt. dann er reucht noch gar grasig
ebda 138; dat smekd so grasîg Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 672
a.