strampeln,
vb. ,
die beine abwechselnd heftig auf und ab bewegen. form und herkunft. seit dem 15.
jh. bezeugt. heute in den nd. und md. maa. weit verbreitet, s. Doornkaat-Koolman 3, 332; Mensing
schlesw.-holst. 4, 877; Schambach
Göttingen 213; Danneil
altmärk. 226; Frischbier
pr. wb. 2, 377; Bauer-Collitz
waldeck. 100; Kleemann
nordthür. 22; Kehrein
Nassau 1, 395;
Elberfelder ma. 158; Follmann
lothr. 504; Lenz
Handschuhsh. 69 (strawln); Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 571; Kisch
siebenbürg.-moselfränk. 217; Kramer
Bistritzer dial. 128.
neben strampeln
ist im md. selten strampfeln
bezeugt, s. Bernd
Posen 296; Weise
Altenburg 118; Spiess
henneberg. 245; Hertel
Thür. 237.
auch in den obd. dialekten heiszt es, soweit das wort dort vorkommt, meist strampfeln,
s. Fischer
schwäb. 5, 1824; Schöpf
Tirol 718. — strampfeln
steht seit dem 16.
jh. ohne bedeutungsunterschied neben strampeln,
z. b. strampflen
bei Seb. Franck
gegenüber Luthers strampeln (
sp. 831).
heute ist strampeln
in der schriftsprache durchgedrungen; doch schreibt z. b. Rosegger
auf grund seiner ma. strampfeln (
sp. 831). Heynatz
antibarb. 2 (1797) 455
verwarf strampeln
zugunsten von strampfen (
s. d.). —
neben strampeln, strampfeln
sind formen mit e
bezeugt: strempeln Steinhöwel (
s. u.); strämpfelen Stieler
stammbaum 2120; strempeln
sive strempfelen
ebda 2300; strempeln Frischbier
pr. wb. 2, 380; strämpeln Jungandreas
schl. zeitw. 74; strempfeln
im bair. wald, s. Bayerns maa. 2, 259. —
die ältesten zeugnisse des wortes weisen auf md., nicht aber nd. herkunft. das vb. scheint sich als iterativum zu strampen,
meist strampfen,
ähnlicher bed. (
sp. 832)
zu stellen. am nächsten stehen im nd. und nl. verba der bed. '
straucheln'
: mnl. strampelinge '
das straucheln (
beimreden)'
a. d. j. 1388,
s. mnl. wb. 7, 2268;
mnl. strompelen,
nl. strompeln '
humpeln',
mnd. strumpeln '
straucheln' (
teil 10, 4,
sp. 110),
vgl. Walde-Pokorny 2, 632,
und nur mundartlich bezeugte verba der bed. '
watend gehen': schtrampen '
im kote mühsam sich fortbewegen' Kramer
Bistritzer dial. 127; strampfen
dass. Lexer
Kärnten 243; strompen, strumpen '
durch wasser, gras, koth gehen' Kehrein
Nassau 1, 397; strumpfln (
im schnee)
waten Bacher
Lusern 397; strumpfen '
schleppend oder watend gehen' Unger-Khull
steir. 585
b;
vgl. hierzu im kot strampflen Seb. Frank,
s. u. sp. 831. —
andererseits wurde in strampeln
eine entsprechung mit beweglichem s
zu trampen, trampeln
und dessen verwandten gesehen, s. Walde-Pokorny 1, 797.
anwendung und bedeutung. 11)
am ältesten bezeugt in der bis heute festen verbindung mit den beinen, füszen strampeln:
strepetus stramplen mit füssen
obd. voc. v. j. 1486
bei Diefenbach
nov. gl. 350
a;
calcitrare mit füssen strampflen,
calcitrosus das immerzu mit füssen strampflet oder schlecht Serranus
dict. (1539) c 7
b; wann er umb sich hin und her sehen wirt, und mit den feüsten auff die tafeln klopfft, mit den fssen strempeln (
wird), un(d) seinen stuol darauff er siczt auffhebt, so kumpt die tobsucht an in Steinhöwel
Aesopus (1487) 104,
andere la. strögeln 334
Österley; schlage deine hende zusammen und strampel mit deinen fssen
Hesekiel 6, 11 (
percute manum tuam et allide pedem tuum),
dagegen stampfen
Zürch. bibel, trampen
Lüb. bibel (1533), stoszen
erste deutsche bibel; mancher patient ... schirmet mit den feusten, strampelt mit den fssen L. Pollio
zum ewigen leben (1583) 101
b; da gehen viel solche böse vögel herum,
[] treten des sonntags unter der predigt vor die kirchthüren, fallen um, schmeissen und strampeln mit haupt, händen und füssen G. Dexelius
hist. lustgarten (1701) 329; noch andere strampfelln mit den füszen und fechten mit den händen (
vor zorn) Wolff
vern. ged. v. gott (1720) 244; ihr strampelt beyde mit händen und füssen
theater der Deutschen (1768) 2, 340; meine kleine Valeria strampelte vor ungeduld mit den kleinen füszchen ... ich umschlang ihre taille und warf mich gegen ordnung und gesetz in den tanz Hartmann
erz. m. freunde (1860) 6; welches (
glas) er nie umstiesz, obgleich er fortwährend mit den beinen strampelte, wenn er geigte, und so eine art von eiertanz damit vollbrachte Keller
ges. w. (1889) 4, 147;
von pferden nur lexikograph.: strampfeln, strampfen
oder strampeln mit den füszen,
wie die pferde zuweilen thun Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1886. 22)
in junger zeit hauptsächlich auf die charakteristische bewegung kleiner kinder angewandt: es wurde kirschbraun und so zornig, dasz es für zorn mit händen und füszen strampelte Chr. Thomasius
artzenei wider die unvern. liebe (1696) 426; denn da möchte man ja wie ein erschrecktes kind laut hinausschreien, mit den füszen strampeln und nach haus verlangen W. Raabe
Abu Telfan 3 (1870) 11; (
er) fand das kleine ... weinend und strampelnd ohne bettchen im wagen liegen G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 55;
meist als zeichen des wohlbehagens: als er das kind mit seinem namen geruffen, da hat es gelachet und mit den füszen gestrampfelt J. Pollio
todtenseigerlein (1614) 248; das kind strampfelt in der schaube
infans in palla consurgit, obluctatur, obnititur, agitat se Stieler
stammb. 2120; er hatte kugelrunde, rosige wangen und dunkle augen, machte fäustchen, strampelte
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 122; es ist auch gut, schon nach den ersten wochen beim windelwechsel dem kinde für eine nicht zu kurz bemessene zeit die möglichkeit zu geben, mit seinen beinchen zu strampeln Erich Müller
br. an eine mutter (1938) 74. 33)
häufig in allgemeineren wendungen, ohne nennung der beine, und entsprechend in allgemeinerer, auch übertragener bedeutung: (
ein zorniger) strampelt und traplet ietzo hinter sich, bald für sich Konr. Dieterich
ecclesiastes (1642) 2, 97; und da mich gott züchtigen und als sein kind mir zum besten steupen wolte, hab ich erst inn ungedult gestrampelt und heimliche unnd gifftige gedancken gefület Joh. Mathesius
tröstl. de profundis (1571) C 3
b; das kindermachen hatt aber noch wunderbarliche seltzamme nammen, dann es wunder thuot und macht, als: stropurtzeln, ficken ... pampeln, strampeln
M. Lindener
rastbüchlein 7
lit. ver.; vor andern bleht sich auf der Petrus, käucht und schnaubet, stöszt um sich, strampfelt, schlägt Andr. Scultetus
bei Lessing 11, 192
M.; ich schämte mich laut zu schreien, aber innerlichst jauchzte ich und strampelte und tanzte auf dem wagentritt herum Eichendorff
s. w. (1864) 3, 5; einen höhnenden blick nach dem lehnstuhl werfend, von welchem aus die gefesselte küchentyrannin strampelt und droht W. Raabe
chron. d. sperlingsg. (1911) 135; dort insakkierte der Krainer den strampfelnden Spanier und zog mit der dame ab
ders. s. w. I 6, 429
Klemm; in uneigentlichem gebrauch: die steirische mundart ... ist eine hülle, die nach allen seiten reichlich langt, da mag ich hinundherrücken und strampfeln nach belieben, es wird sich kein theil meiner wenigkeit eine blösze geben Rosegger
schr. II 7 (1902) 214; '
sich rühren': zue myner mueder zyt henn mier müe'n anderst stramble! poz dausig un ken end! Arnold
pfingstmontag (1816) 1;
der anwendung von strampfen (
sp. 832)
näherstehend, mit dem beisinn des vorwärtsgehens: sihe wol, sitzt der jung lecker auff dem esel unnd laszt den alten vatter im kot her strampflen Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 83
b. —
im sinn von '
sich wehren': die pfarrkinder fühlen es (
das [] strafen) auch wol, strampeln, murren und bellen wider, wenn man sie trifft Joh. Mathesius
erkl. der ep. Pauli (1591) 1, 130
b; die selben (
die ohne gottes wort sterben) sterben in allem unwillen, strampffeln, stossen umb sich, brüllen wie die lewen, denn sie wöllen nit sterben Veit Dietrich
bei Luther
w. 52, 202
W.; wir (
Deutschen) sind in einen sumpf gerathen, je mehr wir strampeln, desto mehr versinken wir Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 4, 3; dasz ich vielleicht in vier wochen all das unerträgliche wieder zu ertragen habe. nun, wie gott will! aber strampeln will ich dagegen, so lang ich irgend kann Fontane
br. an s. fam. (1905) 1, 26. —
anders: sie (
die briefstelle) ist etwas confus, strampelt in den worten herum Görres
ges. br. (1858) 1, 249. 44)
von der eigenartigen fortbewegung einiger tiere: (
die raubmöwen) stellen sich ... krank ... werfen sich ... auf den boden, schleppen sich ... halb strampelnd ... auf ihm fort Naumann
vögel 10, 531; durch strampelnde bewegungen verläszt das junge (
des vogels) die gesprengte schale Brehm
tierl. 4 (1900) 24
P.-L.; die huf- und pfotentiere gehen oder strampeln im wasser und stoszen sich dadurch weiter
ebda; (
der schwan) richtet dabei (
beim wassertreten) den körper ... auf, und sucht ihn durch ... strampeln ... in aufrechter stellung zu erhalten Naumann
vögel 11, 455; die (
krabbe) aber strampelt unbekümmert fort Görres
ges. br. (1858) 3, 72. —
ungewöhnlich: sobald sie ... den jungen menschen bemerkt und erkannt hatte, strampelte sie hastig von der streue auf und bewillkommte den freund Spindler
vogelhändler (1841) 1, 235.