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vorwort

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorwort n.

Bd. 26, Sp. 1960
vorwort. n. , ahd. furiuurti proverbium (10. jh.) ahd. gl. 1, 231, 14 St.-S.; mhd. vür-, vorwort mhd. wb. 3, 809; Lexer 3, 485; frühnhd. für-, vorwort Diefenbach gl. 468c s. v. proverbium (s. auch fürwort teil 4, 1, 1, 947, wo das verhältnis beider formen im älteren nhd. dargestellt ist); an. fororð Fritzner 1, 460; mschwed. fororþ Söderwall 1, 297; schwed. förord ordbok över svenska sprket F 3047; n. forord ordbog over det danske sprog 5, 743; ae. forword Bosworth-Toller 326, foreword (-wyrd) Toller supplement 241; engl. foreword Murray 4, 447 (neubildung des 19. jhs.); afries. forword Richthofen 755; fries. foarwird Dijkstra 1, 383; mnd. vorwort Schiller-Lübben 5, 510; mndl. vorewort Verwijs-Verdam 9, 1, 1147; ndl. voorwoord Dale 2, 1934. in heutiger mundart: vüarwoart Leithäuser Barmen 167; furwurt, vorwordt Bauer-Collitz waldeck. 141; virwûrt luxemb. 471; für-, vorwort Fischer schwäb. 2, 1887; fürwort schweiz. id. 1, 961. — kompositum mit wort, das im ahd. nur vereinzelt als wiedergabe von proverbium auftritt, in mhd. und frühnhd. überlieferung jedoch als juristischer terminus in mannigfaltiger anwendung erscheint (vgl. die parallelen in den anderen germ. dialekten); dieser gebrauch zeichnet sich vielleicht schon in der glossierung der ahd. form ab (s. Habel mlat. gl. 318 s. v. proverbium), wenn auch ein späterer einzelbeleg, voc. theut. (Nürnberg 1482) mmb, die bedeutung 'sprichwort' zeigt. im frühen nhd. wirkt erneut das lat. (prae-verbium, pro-nomen, pro-logus, prae-fatio) bestimmend auf den anwendungsbereich des wortes ein, wobei sich letztlich die form fürwort (s. dort) für 'pronomen', vorwort für 'prologus' durchsetzt; die anwendung als juristischer terminus hingegen ist seit dem frühnhd. bis auf mundartliche reste (s. Fischer u. schweiz. id.) geschwunden.daneben findet sich im an. (forvǫrðr), ae. (foreweard), mndl. (vorewaerde), mnd. (vorwarde) und frühnhd. (vorwarte, für-, vorwarde) eine präfixbildung zu warte, f., teil 13, 2112 (prae-cautio), die sich lautlich und bedeutungsmäszig weitgehend mit vorwort (1) deckt (vermutlich daran angeglichen); wortbildungsmäszig jedoch steht sie wohl im gleichen verhältnis dazu wie ahd. mhd. ant-wart(i) 'gegenwart' zu ahd. mhd. ant-wurt(i) 'antwort' (s. Verwijs-Verdam 9, 1, 1128; 1148 s. v. vorewaerde und vorewort, sowie vorwarde, vorwarte teil 12, 2, 1887f.). 11) in der rechtssprache. 1@aa) 'vorherige absprache, verabredung, abmachung, vereinbarung (zwischen rechtsparteien)', auch 'vorverhandlung, vorheriges übereinkommen' (vgl. vorrede teil 12, 2, 1405 [2] und vorgeding ebda 1081): dasz alle wahlen on alle abredung und vorwort beschehen sollen (1368) städtechron. 34, 174 (Augsburg); daz zwischen dem ... bischoffen ... vnd vns, vnser stat zu Swinfrt, ... ein vorwOert beredt vnd beteydingt (verabredet) ist. daz selbe vorwort sol eine parthie der andern ein halp jar vor auf sagen (1388) mon. boica 45, 525; ir werdet ... schwören, das ir (gerichts-procuratoren) ... mit den partheyen khainerlay vorgeding oder vorwort machen ... (1557) niederösterr. landgerichtsordn. 13b; ähnlich: ich (fürsprecher, procurator) gelobe ..., mit den partheien keinerlei vorwort oder fundung (verabredung) umb einen theil weniger oder viel an der sachen zu machen haben (1662) zenten des hochstifts Würzburg 1, 1, 704 Knapp; vereinzelt 'rechtsanspruch auf grund vorheriger vereinbarung' (vgl. mndl. vorewaerde recht of aanspraak Verwijs- Verdam 9, 1, 1133 [5]): en halfbroder, ... den en hedde neyn recht thuo deme herwede noch thuo deme erve, he ne mochte en sunder recht eder vorwort dar ane bewisen (1. hälfte d. 14. jhs.) Kurt Klatt das heergewäte 265 (deutschrechtl. beitr. 2). vielfach nimmt vorwort die konkretere bedeutung 'schriftliches übereinkommen, vertrag, pakt, bündnis' an: vber dise vorwort gib ich disen brif mit minem insigel besigelt (1305) monumenta Wittelsbacensia 2, 134 Wittmann; daz wir und unse nakomen allewege gantze muge (macht, möglichkeit) haben, die furworte eyn jair zufurentz uzzusagen (wohl ufzusagen kündigen), als wir daz von beider site ... han verbrievet und versiegelt under eynander kurtrierische städte 1, 357 Rudolph; das sie dann einander getrew hülffe vnd beystand thätten mit allen iren vermogen vnd kayn tail kein vorwort mit dem konig haben oder machen, dasz vnder jnn die hilff versperr (1481) d. kaiserl. buch des markgrafen Albrecht Achilles (1470-86) 11 Minutoli; auch 'eheliche abmachung, heiratsvertrag': wan zwey eheleut, als magdt undt knecht ... zusammen kommen undt auff der ehe keine vorwort noch beredung machen ..., ererbt das uberlebend alles dasjenig, so dem abverstorbenen ... gewesen (1588) luxemb. weist. 466 Hardt. in sprichwörtlicher wendung: vorwort brechen nachwort (mit parallelen im nord. und ndl., etwa 'vorrede verhütet nachrede', zugrunde liegt das lat. 'praecedens pactum bellandi perimit actum' Falk-Torp 1, 261 s. v. forord) Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2 Xx 7a; ähnlich: vorworte brechen alle rechte bei Wander sprichw. 4, 1709; s. auch u. vorworten (1). 1@bb) 'im voraus (einseitig) abgegebene erklärung'. 1@b@aα) 'versicherung, zusicherung': lât one (den menschen) leven! he schal di (dem löwen) vorwort des geven ... dat du des mannes mester sîst Gerhard von Minden 69, 46 Seelmann; wer sweyne vorkoufft, der sal sy reyne geweren, is sey denne, ab sie der kouffer in sulchen vorworten kouft, das her sy nemen wil, als sie seyen (15. jh., 2. hälfte) Danziger willkür 58 in: qu. u. darst. z. gesch. Westpreuszens 3; auch '(vorheriges) versprechen, gelübde' (zu wort I F): so solen diese dri man van jren vorworden ledich sin (1258) altdt. orig. urk. 1, 74 Wilhelm; daz derselbe ertzbischoff vnd alle sin diener vnd die sinen irs gefengnisz ... ledig und loz sin sollen ane alle furwort, glubde, eyde vnd buntenisz (bindende zusicherungen) (1388) monumenta Wittelsbacensia 2, 538 Wittmann; item ock en schal nen knecht twen heren vorwordt geven (1390) Lübeck. zunftrollen 384 Wehrmann; Tele Jacob Kunnen wedewe claget an ere dochter Greten unde Claues Wygghere der sulvesten Greten man umme vorworth, de sze Jacob Kunnen gesecht unde gelavet hebbe (1518) Magdeburger schöffenspr. 227 in Wasserschleben dt. rechtsqu. (1892). ferner 'vorher gelobte sicherheit, bürgschaft, im voraus zugesagtes geleit' (vgl. dazu F. Frensdorff recht und rede in: hist. aufs. f. Waitz (1886) 485): civibus Mulhusensibus ... securitatem pacis, que in vulgari vorwort dicitur, ... elargimus (1306) Mülhäuser urk.-b. 254 Herquet, ebda auch: treugas pacis que vulgariter dicuntur vorworth (1301) 225; den ... vredebrekeren scal me nene vorword gheven (1335) Halberstädter urk.-b. 1, 340 Gustav Schmidt; heische der eyner eynen frieden vor dem andern, deme sal und mag unsers obgen. herrn von Spanheim vogt eynen frieden und vorwort geben (1424) weist. 2, 502; käme ein verfesteter (geächteter) mensch in unser stadt, ohne vorwort und geleit, das tritt ihme an seinen selbst hals (1577-83) lüneburgisches stadtrecht 765 in: F. E. Pufendorf observationes 4 (1770) appendix. vereinzeltwohl durch einflusz von vollbort, vollwort (s. teil 12, 2, 600; 725) — findet sich vorwort in der bedeutung '(vorherige) billigende erklärung, zustimmung, erlaubnis': den Lettowen ir gemûte bran in zornes glûte, daz alsô vermezzen die brûdere wâren gesezzen bie in, âne vorewort livländ. reimchron. 5505 Leo Meyer; so heft desse vorbenomede Bertold koft an mynes heren guderen sunder jenigerleyge willen vnde vorword (1458) Lübecker urk.-b. 9, 598; wann eine frau, so alters halber keine kinder zeugen mag, ... zu der ehe zu greifen bedacht, soll solches mit consens und vorworten ihrer nechsten erben geschehen (1599) Lauenburger stadtrecht 320 in: F. E. Pufendorf observationes 3 (1756) appendix. 1@b@bβ) 'bedingung, vorbehalt' (vgl. vorrede teil 12, 2, 1405 [2] und vorgeding ebda 1081): so hat er ... vergicht (erklärt), daz er ... gegeben habe ... deme convente ... sinen hof ... mit solichen vorworten vnd gedingen, daz (er) ... die wile erlebet (!), eine cappelle in deme selben hove ... machen sol (1338) urk.-b. d. klosters Otterberg 401 Frey-R; wir sullin ... yn helfin ... doch mit sulchin vorwortin (1388) cod. dipl. maioris Poloniae 3 (1879) 610; dar ghaf ik em 150 mark tuo uppe alduosdane vorwort: weret dat he storve sunder erfnamen, suo schal ik desse vorschrevenen 150 mark wedder hebben (um 1400) d. handlungsbuch Vickos v. Geldersen 126 Nirrnheim; is en sy denne das her (der wirt) das pfant (des gastes) mit vorwortin und mit undirscheide ('vorbehalt', s. teil 11, 3, 1770 [12]) neme (um 1400) Magdeburger fragen 160 Behrend; die weltliche fürsten opferten ... unser frowen münster etliche iere eigne land und leut, doch mit solchen fürworten, das das haus und spittal ... bischoff Ulrich ernuwerte (16. jh.) Freiburger diöcesan-archiv 8, 29. mitunter verschärft sich auch die bedeutung zu 'bestimmung, verfügung, anordnung': wente dit synt myne vorbestemmeden vorewort imitatio Christi 80, 1 Hagen; die vor geschreben sune mit allen den vorworten und artikeln und bunden ... stede zu halden (1333) städtechron. 17, 35 (Mainz); ähnlich: in vorworden vnde besceydinghe (festsetzung), alz hirna screuen steit (1361) mecklenburg. urk.-b. 15 (1890) 86 ver. f. mecklenb. gesch. u. alterthumskde; so haben wür sie beiderseit abermahls für unsz vertagt mit den fürworten, dasz jeder theil wasz er sich vermeint zu seiner gerechtigkeit zu behelffen, syen lüth brieff, register, rödel oder anders für unsz zu legen (1698) Freiburger diöcesan-archiv 18, 147; vereinzelt auch 'rechtsbestimmung, richterliche entscheidung': een boeck ... daer men scrijven sal al recht, statute ende vorworde, de men ghevonden heeft (ca 1400) boek van rechten der stad Kampen 1 in: overijsselsche stadtr. (1875) I 1. 1@b@gγ) 'vorgebrachte entschuldigung, vorwand' (zu wort I A 2 f): auch dess kain fürwort oder entschuldigung gehaben mögen (16. jh.) städtechron. 32, 282 (Augsburg); es sollen forderst die geschwornen ... zu und vor dem gericht erscheinen, bey buss 2 pfund d., es wäre dann, dass sie rechtmässige vorwort hätten (1654) zeitschr. f. schweiz. recht 26, 134 Heusler; vorwort praetextus Weismann lex. (1698) 2, 430b; Campe 5 (1811) 522 bucht es als veraltet, es findet sich aber noch bei Gotthelf: diese (die herzenswärme des pfarrers spürenden kinder) haben eben kein vorwort nöthig, wenn sie in die kinderlehre gehen wollen geld und geist (1852) 248. 1@cc) 'das erste wort, das recht, vor allen anderen zu reden' (zu wort I D 1 c γ, s. auch Verwijs-Verdam 9, 1, 1148 [2]): dat eyn jewelik borghermester darsulves eyn halff jare in allen saken des rades dat vorword schal holden qu. v. 1467 in: jahrbuch d. ver. f. nd. sprachforschung 46 (1920) 22a; sie sind alle beystimmig gewesen, und haben deme im langen rock (dem edlen) das vor-wort (anteloquium, prima dicendi vices) zu thun, auffgetragen Reyher thes. 1 (1668) 404; das vorwort haben hafwa första ordet i laget, tala först Lind dt.-schwed. (1749) 1754; mir gebührt das vorwort bei Campe 5 (1811) 522. 22) als grammatischer terminus (s. o.). 2@aa) 'prae-verbium (dem verb vorgestellte partikel), praepositio' (s. auch die belege [a. d. 17./18. jh.] bei Vortisch grammatikal. termini im frühnhd., diss. Freiburg 1910, 60 f.; Jellinek gesch. d. nhd. gramm. 2, 97 u. 361; Leser gesch. d. gramm. terminol. i. 17. jh., diss. Freiburg 1912, 30 u. 55, und vlg. die parallele im ält.n. Kalkar 1, 679): vorwort ist ein unvolkomenes umbstandswort ... also genannt, weil es mehrertheil vorgesetzt wird Helwig allg. sprachkunst (1619) 11; die vorwörter (präpositionen), welche mit der klagendung (akk.) gefüget werden, sind folgende: durch, gen, ohn, umb, wider, sonder Schottel teutsche sprachkunst (1641) 634 u. ö.; die vorwörter (präverbia) werden jhrem gebrauche nach getheilet in absönderliche und in unabsönderliche; unabsönderliche vorwörter sind ... ant-, be-, ent- ... ebda 486 u. ö.; die vorwörter oder praepositiones ...; vorwörter sind, die einen casum zu dem verbo setzen, und auch demselben vorgefüget eine sondere bedeutung geben Bödiker grunds. d. dt. spr. (1709) 490 f.; die präposition oder das vorwort, welches ein compositum macht, z. e. ab, an, auf J. B. v. Antesperg ausz. a. d. dt. schul- u. canzeleywb. (1738) 1, A 7a; Logau trennet von den zusammengesetzten zeitwörtern die vorwörter auch da, wo wir sie nicht zu trennen pflegen, z. e.: 'ei, ich will's ihm ein noch treiben ...' Lessing w. 16, 238 Petersen; um ist in dreyfacher gestalt üblich: 1. als ein vorwort, 2. als ein bindewort, und 3. als ein nebenwort. als ein vorwort fordert es jederzeit die 4. end. (akkusativ) ... z. b. sich um die stadt lagern Braun gramm. wb. (1793) 267 s. v. um; noch Adelung 4 (1801) 1314 verzeichnet vorwort 'präposition' als terminus der 'neuern sprachlehrer'; die verdeutschung setzt sich jedoch in neuerem sprachgebrauch nicht durch (ebensowenig wie vorsetzwort und vorsetzungswort teil 12, 2, 1567, vgl. dagegen die ndl. übersetzungsbildung voor-zetsel) und findet nur noch vereinzelt anwendung: (das österr.) betont bei den vorwörtern mit, vor, von, zu, bei, nach, in, wenn sie mit dem persönlichen fürwort verbunden sind, dieses fürwort, während im übrigen Deutschland das vorwort den ton hat (mit mír: mít mir ...) Martin d. dt. maa. (1939) 6; die hauptabweichungen vom nhd. in der rektion der vorwörter (präpositionen) sind folgende Paul mhd. gr. (1944) 183; die verhältnis- oder vorwörter 'regieren' verschiedene fälle Koelwel kl. dt. sprachlehre (1947) 13; s. auch Wunderlich-Reis d. dt. satzbau 1 (1924) 1, u. vgl. vorwörtchen, vorwörtlein u. vorwörtlich. 2@bb) 'pro-nomen' (die älteren verdeutschungsversuche sowie die verdrängung durch die form fürwort sind teil 4, 1, 1, 949 [9] dargestellt, s. auch Vortisch a. a. o. 50 ff. und Pfaff z. kampf um dt. ersatzwörter (1933) 30); zuerst bei Schottel teutsche sprachkunst (1641) als kurzform neben öfter gebrauchtem vornennwort (s. auch Vortisch a. a. o. 51 u. Leser a. a. o. 52): waserley ... es wird dieses vorwort nicht gar offt gebraucht 409; wo man kan das geschlechtwort ... vorsetzen, gehöret solches wort zu den vorwörteren gar nicht 397 (s. auch u. vorwörtlein); dann gegenüber fürwort (s. dort) zurücktretend und nur noch vereinzelt lexikalisch bezeugt: vorwort ... pronomen Kirsch cornucop. (1718) 2. 340, ebenso: Aler dict. (1727) 2130 und Hederich teutsch-lat. lex. (1753) 2553. 33) im allgemeinen sprachgebrauch. 3@aa) 'fürsprache, empfehlung' (zu wort I D 1 a, vgl. vorsprache teil 12, 2, 1620 [2], vorspruch ebda 1633 [3], vorwortung (u.) und bevorworten teil 2, 1761): fürwort, vid. fürbitte; vorwort Kirsch cornucop. (1718) 2, 126; lassen sie (anrede) mich ... keine fehlbitte gethan haben, und wenn mein vorwort jetzt nicht angeführt werden darf, so möge das Schützische gelten, von dem er auch einen brief an sie mitbringt (4. 10. 1789) Herder an Heyne in: von und an Herder 2, 211 Düntzer; vielleicht thut die loge etwas, wenn man sich auf das vorwort beruft, welches Wieland für sie (eine verarmte frau) eingelegt hätte, wenn er noch lebte Göthe IV 24, 197 W.; auf ihr (anrede) vorwort hätte ich in diesem falle immer gerechnet (22. 2. 1797) F. H. Jacobi an K. L. Reinhold in: K. L. Reinholds leben 240 Reinhold; daher findet man in den mehrsten städtischen privilegien, dasz solche auf das vorwort gedachter reichsoberbeamte vom kaiser ertheilet worden Möser patriot. phantasien 1 (1842) 391; neuerer sprachgebrauch kennt das wort in dieser bedeutung nicht mehr, jedoch bezeugt noch Weigand syn. wb. 3 (1852) 1068 'landschaftliches vorkommen' (s. auch Fischer schwäb. 2, 1887 sowie schweiz. id. 1, 961). 3@bb) 'vorangestelltes wort (zu wort I A 4, vgl. auch vorwort 3 c sowie nachwort teil 7, 233 [2]), prolog, vorrede, einleitende vorbemerkung'; ältere sprache bezeichnet dies durch vorsprache (s. teil 12, 2, 1620 [1]), vorrede (s. teil 12, 2, 1406 [8 und 9]) und vorbericht (s. teil 12, 2, 895 [1] — das ndl. braucht auch gegenwärtig noch vorwiegend voorrede und voorbericht), soweit nicht das lat. praefatio, proemium, praeloquium oder prologus verwendet wird. erst im frühnhd. kommt vorwort dafür auf, wobei wohl der einflusz des lat. prologus wirksam ist (vgl. mschwed. förord 'prologus', sowie die parallelen im mndl., ndl., fries., schwed. u. engl.); dies wird zur eigentlichen bedeutung des wortes im nhd. (s. o.): vorwort ... auantparler, ou parole, parlar fatto inanzi Hulsius dict. (1616) 391; vorwort ... prologo, proemio Kramer teutsch-ital. (1678) 1199a, ebenso Rädlein (1711) 1019; eine einleitung zur farbenlehre, dazu ein vorwort, war geschrieben Göthe I 36, 10 W.; richtiger und gemäsz dem vorwort im ersten buche, würde diese schrift trialog genannt, da drei theologen ... sich unterreden Münscher-Neudecker lehrbuch d. christl. dogmengesch. (1838) 2, 2, 13; dasz sie (Erich Schmidt) das bescheidene gänseblümchen meines namens sinngedichtlichen andenkens so groszmütig an das vorwort (des 'Lessing') gehängt haben, darf ich nicht verschämt unerwähnt lassen (12. 12. 1883) G. Keller br. u. tageb. 3, 445 Erm.; die zweiteilung vorwort-einleitung sieht vor, dasz man im ersteren persönlichere fragen, in letzterer zur sache gehöriges klärt. im vorwort haben andeutungen über die geschichte des buches, danksagungen an helfer, erwähnung besonderer umstände und lücken platz H. Becker dt. sprachkunde 1 (1941) 215. übertragen, in besonderer einzelanwendung: à propos de paresse, will ich mir noch eine bitte an dich erlauben, aber mit einem vorwort. wenn ich dich um etwas bitte, so ... liebe (ich) dich nicht weniger und bin dir nicht eine sekunde gram, wenn du meine bitte nicht erfüllst (7. 2. 1847) Bismarck br. a. s. braut u. gattin (1900) 15; was wir bisher zu erzählen versucht haben (renaissance und reformation), war nur das vorwort und vorspiel, gleichsam die prähistorie der neuzeit Friedell kulturgesch. d. neuzeit (1929) 401. 3@cc) 'vorausgehendes, einleitend gesprochenes wort', nur vereinzelt nachweisbar: und unsz warlichen vor der mesz (abendmahl) nach dem gebruch Cristi ... zimpt und gebüret, mit etlichen fürworten das leiden Cristi erstlich zu verkünden Th. Murner kl. schr. 1, 52 Pfeiffer-Belli; dem kongresse, der auch nicht so schnell in die mitte der sachen gelangen konnte, sondern sich in vorworten mühsam heranarbeitete Varnhagen von Ense denkwürdigk. (1837) 5, 31; vgl. aus neuerem sprachgebrauch: das medium, so setzte dr. Krokowski sein vorwort (bei einer spiritistischen sitzung, vor dem eigentlichen experiment) fort ..., bedürfe der einschläferung durch ihn, den arzt, nicht länger Th. Mann zauberberg 2 (1925) 559.
18822 Zeichen · 525 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vorwortstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    vorwort stn. vorher ausgesprochene bestimmung, vorbehalt, vertrag. sundir aller leye vorwort und gelubde Kulmr. r. 4,39.…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    vorwortN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    vorwort , N. Vw.: s. vȫrwōrt (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorwort

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Vorwort , des -es, plur. die -wörter. 1. Fürsprache, Fürbitte, ohne Plural; eine nur im Niederdeutschen übliche Bede…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vorwort

    Goethe-Wörterbuch

    Vorwort [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vorwort

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Vorwort , soviel wie Präposition (s. d.). Auch Vorrede eines Buches ( praefatio ).

  6. modern
    Dialekt
    Vor+wortn.

    Pfälzisches Wb.

    Vor + -wort n. : 'Bedingung, Vorbehalt'. a. 1497: Diese vorgeschrieben gerichtsordnung ist dem gericht gegeben mit den v…

  7. Sprichwörter
    Vorwort

    Wander (Sprichwörter)

    Vorwort 1. Der Vorwort mag nicht zu viel, der Nachwort bekommt doch genug. – Petri, II, 111. 2. Vorworte brechen alle Re…

  8. Spezial
    Vorwort, zur zweiten Auflagen

    Dt.-Russ. phil. Termini · +3 Parallelbelege

    Vorwort , n zur zweiten Auflage предисловие , cp ко второму изданию

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorwort

7 Bildungen · 4 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von vorwort 2 Komponenten

vor+wort

vorwort setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorwort‑ als Erstglied (4 von 4)

vorworten

DWB

vorwor·ten

vorworten , vb. , mhd. vür-, vorworten Lexer 3, 485 ; mnd. vorworden Schiller-Lübben 5, 509 ( davon zu scheiden sind: vorworden < vorwarden …

vorwortlich

DWB

vorwort·lich

vorwortlich , adv. , gelegenheitsbildung zu vorwort 3 b, ' in form bzw. im rahmen eines vorwortes, einleitend ': schreiten wir nun in erinne…

vorwortung

DWB

vorwor·tung

vorwortung , f. , nominalbildung zu vorworten 2 ( zu scheiden ist mnd.-ostmd. vorwortunge < verwortung), vereinzelt lexikalisch gebucht: vor…

vorwort als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von vorwort (2 von 2)

bevorworten

DWB

bevorworten , eigentlich praefari, praefando commendare, dann überhaupt commendare, tueri, excusare, und man hat nicht nöthig befürworten zu…

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „vorwort". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorwort/dwb
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Cotta, Marcel. „vorwort". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorwort/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vorwort". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorwort/dwb.
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