vorrede,
f. ,
vgl.fürrede th. 4, 1, 1,
sp. 788; vorrede
mhd. wb. 2, 600
b; Lexer 3, 477; Jelinek 886; Schiller-Lübben 5, 422
b;
mnld. voreredene (
vgl. ahd. redina) Verwijs-Verdam 9, 1059;
prefatio, prologus ein vorrede
gemma gemmarum (1508) t 7
b;
antiloquium ein vorrede b 2
a; vorred Maaler 476
b; vorred,
prohemio Hulsius (1618) 271
a; vorrede Reyher
thesaurus (1686) o 3
a; Stieler 1546; Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
b; Steinbach 2, 235; Adelung; Campe;
vgl. Schmeller-Frommann 2, 54;
schweiz. idiot. 6, 536. — vorrede
ist dem lat. praefatio nachgebildet, ebenso wie ahd. forasprâhha (Graff 6, 385);
aus nachbildung des lat. erklärt sich auch die glossierung proverbium forasprâhha Graff
ebda, proverbium vorred Diefenbach
gl. 468
c;
liber proverbiorum dasz buch der forrede der wisen
nov. gl. 233
b. 11)
im älteren nhd. ist die apokopierte form sehr häufig, die dann vom 17.
jh. an unter mitteldt. einflusz zurücktritt: vorred, vorrede,
thema, prohemium voc. inc. teut. m m 3
b;
prooemium ein anfang der red, vorred Calepinus
dict. XI ling. (1598) 1171
b;
prooemium vorred Zehner
nomencl. (1645) 11; vorred,
prologus Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 337
b; dü vorred diss buoches Seuse
dt. schr. 3
B.; ein vorred, anfang und bereytung Luther 2, 83
W.; und ende damit mein vorred
Till Eulenspiegel 4
ndr.; vorred Jesuwalti Pickart Fischart
bienenk. (1588) a 2
b; vorred Dannhawer
catech.-milch (1657) ):( 2
a; in der vorred da sagt der verfasser ganz frei Ditfurth
volksl. d. bayer. heeres (1871) 151. (
oberdeutsch parodistisch:) und waisz es in der vorred zu ruhmen Schwabe
volleingeschancktes tintenfässl (1745) a 4
a. — Fischart
bildet zu vorred (
oder für vorredns?)
einen genitiv vorreds: daran ich hab vorreds gnug
Eulenspiegel 261
H. vorher aber vorrede. 22)
die durch den zeitlichen sinn von vor
bedingte bedeutung des wortes erscheint in älterer sprache in verschiedenen abwandlungen: nu kume ich wider an die vorrede,
auf das früher gesagte zurück Königshofen
dt. städtechron. 8, 332. —
besonders früher beredetes, dann in engerem sinne vorverhandlung, abmachung, verabredung, vertrag u. ä. vgl. Lexer 3, 478; Jelinek 886; Schmeller-Frommann 2, 54; Schiller-Lübben 5, 422
b; ein vorred, ee sich der krieg an vieng
dt. städtechron. 2, 123
Nürnberg; und wolt mit der lantschaft ain vorred thain Füetrer
bayer. chron. 239
Spiller; dar en hebbe he myt ome neyne vorrede van ghehad
dt. städtechron. 16, 58
Braunschweig; do mande den gast der vörrede de wert Gerhard v. Minden 9, 23
Leitzmann; auch von den einzelheiten, den bedingungen einer abmachung: mit den vorreden, ... als her nach geschrieben
dt. städtechron. 17, 261
Mainz. —
auf die bedeutung vorbesprechung, vorhergehende abmachung gehen sprichwörter zurück: die vorreden sind besser denn die nachreden Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) r 5
a; vorrede bewahrt nachrede,
reservatio impedit lites Pistorius
thes. paroem. (1715) 923; vorrede macht keine nachrede,
ce dont on est convenu est hors de dispute Schwan
nouv. dict. 2, 975; vörrede hett nenen striid Dähnert 531
b;
vgl. Wander dt. sprichw.-lex. 4, 1697. 33)
als rechtsausdruck der älteren sprache, erklärung auf die eine gegenerklärung erwartet wird Haltaus 1994 (15.
jh.);
schweiz. idiot. 6, 536 (14.
jh.). 44)
einleitung einer gesprochenen ausführung: ein vorred
thuon anfahen reden Maaler 476
a;
proloquium ein vorred, anfang einer red Calepinus
dict. XI ling. (1598) 1168
a; vorrede, eine rede, durch welche man sich den weg zur hauptsache bahnt Krünitz
öconom. encycl. 231, 436; dis erst stuck genant vindung hat sechs teil, nemlich vorred, verkündung, zerteilung, bekrefftigung, verwerffung und beschlusz Riederer
spiegel d. waren rhetorik (1493) a 6
a; Nestor, nach einiger vorrede, verlangt, dasz man den Achill zurückrufe Göthe 41, 1, 284
W.; freier, mit zwischenpause nach der vorrede: (
du) läszt dir von meinen frauenzimmerchen manches erzählen als vorrede zu dem, was ich bey meiner rückkunft mündlich zu überliefern gedenke IV 23, 66
W. 55) Calepinus
dict. XI ling. 1168
a glossiert prologus mit ein vorred, herold;
er denkt dabei an das durchaus für den vortrag bestimmte schuldrama (
vgl.: vorred desz herolds
schweiz. schausp. d. 16.
jh. 1, 17
Bächtold);
ebenso erklärt es sich, wenn mit vorrede
argumentum, thema, historia glossiert wird, die argumenta der röm. komödie wurden als theile des stückes angesehen und mit vorgetragen: diejenigen knaben, welche die vor-, zwischen- und nachrede ... getahn Schottel
friedens sieg 58
ndr. 66)
praefatio in liturgischem sinne, s. th. 4, 1, 1,
sp. 788: (
der priester darf nicht sprechen) pater noster, er enhabe des ein vorrede und ein entschuldigen und spreche ze vorderest: oremus preceptis salutaribus moniti Tauler
pred. 253
Vetter; er hat neue vorreden insz meszbuch gemacht und verordnet, dasz derselben eine, nach dem es der tag mit sich brächte, solte gesungen werden Fabricius
grempelmarck (1619) 82. 77) vorrede
wird leicht als aufhaltend gedacht, wenn man auf die hauptsache gespannt ist, wobei von dem feierlichen sinn von rede
abgesehen wird; ohne vorrede,
gradezu, ohne umschweife: abrupte, gählingen, ohn alle vorred Calepinus
dict. XI ling. (1598) 11
a; merck, wie langsam, mit wie vil vorred kumpt sie uff das, das sie in bitt hinweg zu ziehen
Terenz deutsch (1499) 11
b glosse; die lange vorrede hättest du bey mir ersparen können Cronegk (1771) 1, 134; was für vorreden, rief Lothar, was für eine unnütze captatio benevolentiae E. Th. A. Hoffmann 9, 16
Gr.; keine vorreden! sie sind verliebt gewesen Grabbe 1, 448
Bl.; ersuchte ihn dann ohne weitere vorrede um einen seiner alten, abgelegten röcke Immermann 2, 111
B.; nur heraus damit ohne lange vorreden Holtei
erz. schr. (1861) 35, 140;
freiere wendung: sollen wir frisch dran (
zu singen), ohne uns zu räuspern oder auszuspeyen oder zu sagen, dasz wir heiser sind, womit man immer einer schlechten stimme die vorrede hält (
which are the only prologues to a bad voice)?
Shakespeare wie es euch gefällt 5, 3.
besonders in Norddeutschland ist gebräuchlich: halte dich nicht, nicht so lange mit der vorrede auf,
sag grade heraus, was du zu sagen hast, vgl. Meyer
d. richtige Berliner 148
b; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 476. 88)
gewöhnlich in neuerer sprache von einer gesonderten, einführenden, berichtenden ausführung vor einer schriftlichen darlegung, einem druckwerk (
vgl. vorwort); von einem vorbericht erwartet man, dasz er kurz, von einer vorrede, dasz sie länger sey Eberhard
synonymik (1795) 6, 308: vorred Ulrichs von Hutten Hutten 1, 447
B.; das nicht die vorrede gröszer werde denn die gantze historia 2.
Macc. 2, 33; welches jetzt in der vorred zu lang were zu erzelen Schumann
nachtbüchlein 7
Bolte; die namen der authoren und scribenten findet man verzeichnet nach der vorrede
theatr. diabol. (1569)
titelbl.; damit wir nicht die gräntzen einer vorrede allzu weit ausstecken Lohenstein
Armin. (1689) 1, a 2; dieses sind noch lange nicht alle fehler aus der bloszen vorrede Lessing 8, 6
M.; gewafnete vorreden Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 46; eine rechtfertigung über die ökonomie meines schauspiels selbst würde wohl keine vorrede erschöpfen Schiller 2, 7
G.; siehe die vorrede und nachrede, welche Zwingli ... hinzufügte Ranke (1867) 3, 42; das sind schlechte leser, die von vorreden nichts wissen wollen Fontane I 6, 220; waz unzher ist gelesen, daz ist ein vorred gewesen Heinrich v. Neustadt
Apollonius 2304. 99)
das schriftwerk, dem die vorrede
vorausgeht, steht im genit. oder wird durch präpos. angeknüpft: 9@aa) Plinius ... in seiner vorrede der natürlichen historien Nigrinus
von zäuberen, hexen (1592) 140; vorrede und erklärung des folgenden meines buches Schweinichen
denkw. 6
Ö.; in der forrede seines poetischen lustgartens Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 6; Lukas schrieb, und zwar als gelehrter; daher die vorrede seines buchs Herder 19, 218
S.; im november schrieb er die vorrede einer hebräischen grammatik Ranke (1867) 1, 275. 9@bb) die vorrede des arbeitsamen Johnsons zu seinem englischen wörterbuche Herder 3, 198
S.; besonders artige vorrede zum 2. theil Göthe III 3, 240
W.; wenn ihr eine vorrede dazu wollet geben, könne er das werk drucken A. v. Arnim 15, 197; in seiner vorrede zu Maria Magdalena O. Ludwig (1891) 5, 360. 9@cc)
veraltet, wie die folgenden verbindungen: die vorred Romuli philosophi in das buch Esopi Steinhöwel
Äsop 78
Ö.; vorrhede ynn die predigten Mart. Lutheri über das erst buch Mose Luther 24, 16
W.; hie facht an die vorred in die zehen alter Gengenbach 54
G.; vorred und gemeyne einleytung in die teutsch apoteck Ryff
confectbuch (1548) a 1
a; die vorreden und einleitungen in die übrigen biblischen bücher Göthe IV 27, 236
W. 9@dd) vorrede Jesu Syrach auff sein buch Luther
bibel 5, 65
Bindseil; vorrede auff den Eulenspiegel Fischart 2, 22
H.; d. Lutherus in den vorreden auff die bücher Judith und Tobia Dedekind
d. christl. ritter (1590) a 7
b. 9@ee) her schrîbit in der vorrede über Mathêum
myst. 1, 210
Pfeiffer; hie endet die erste und hebt an die ander vorrede über Matheum
d. erste dt. bibel 1, 5
K.; in der vorrede über die affenteurlichkeit des Pantagruelischen Rabelais Fischart 3, 19
H.; vorred über das erst hundert der evangelischen unwarhait Nas
d. antipap. eins u. hundert 1 (1567)
überschrift. 1010)
beziehung zum leser. a)
im entwickelten nhd. gewöhnlich mit an: eine vorrede machen an den leser Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 293
c; ein vorrede an christliche bergkherrn Mathesius
Sarepta (1571)
inhaltsangabe 1, a; vorred an den christlichen leser
volksbuch v. dr. Faust 6
ndr.; vorred, an den teutschen leser Zinkgref
apophth. 1 (1628)
vorr.; vorrede an den groszgünstigen leser Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 1; vorrede an den geneigten leser Grimmelshausen 4, 505
Keller. b)
veraltet: vorredt zum leser Thurneyszer
magna alchymia (1583) 1. 1111)
selten wird das wort in freier und übertragener anwendung gebraucht: und oft ist die erste verbeugung, die haarfrisur, das kleid die vorrede des menschen Hippel
über d. ehe (1792) 82; die logik ist weder die vorrede, noch das instrument der philosophie
Athenäum 1, 2, 23; alle weltbegebenheiten sind ihm nur gleichsam vorrede W. Scherer
litteraturgesch. 73. 1212)
bei Schmeller-Frommann 2, 54
ist vorrede
aus mundartlichem gebrauch im sinne von fürsprache bezeugt; vgl. vorreder 2, vorredner 5. 1313) vorrede-
als erstes glied von zusammensetzungen, die allerdings z. th. auch auf vorreden
bezogen werden können: man hat auch einen andern