stapeln,
verb. II.
denominativbildung zu stapel. I@11)
gewöhnlich, in stapel (2)
setzen, schichten, aufhäufen. so schon mnd. stapelen '
aufstapeln; e. ware auf den stapelplatz bringen'. Lübben
handwb. 374
b.
ebenso im neund. s. brem. wb. 4, 1001. Schütze 4, 187. Dähnert 458
a ('stapeln, upstapeln,
in einen haufen über einander legen'). Danneil 210
b ('staopeln 1.
aufschichten z. b. holzkloben, nicht aber kurz gesägtes holz'). Stürenburg 261
b. ten Doornkaat Koolman 3, 301
b. Woeste 253
a.
auch in zusammensetzung mit adverbien, besonders up stapeln '
aufhäufen, ordentlich auf einander legen'.
brem. wb. 4, 1001, '
holz aufeinander in die höhe legen, setzen, bansen'. Schütze 4, 187; dat holt weg stapeln '
das holz ordentlich auf einander legen, damit es aus dem wege komme'.
brem. wb. 4, 1001; hê lett dat holt fer-
oder umstapeln. ten Doornkaat Koolman 3, 301
b.
ebenso nl. stapelen,
in metas sive strues componere. Kilian 2, 630
b;
dän. stable,
schwed. stapla. —
im hd. seit dem 18.
jahrh. bekannt, vgl. Weigand 2, 797:
aufstapeln,
colligere, custodire aliquandiu merces venales, merces promercales in strues erigere. Frisch 2, 320
a; stapeln,
ordinate struere, facere ut res se mutuo sustineant. Belgis stapelen ...
vulgo male exponitur '
congerere, coacervare'.
hoc enim non est ordine struentis, sed temere conjicientis. Wachter 1587; '
ordentlich in haufen legen, auf einander legen.' holz auf einander stapeln. es wegstapeln. Adelung (2).
heute z. th. auch in hd. mundarten eingedrungen, so nordthür. stâpele
aufschichten (
holz). Kleemann 22
a,
häufend aufstellen, uf-, henšdâbeln. Hertel
sprachsch. 233,
mansf. uffstâpeln Jecht 107
a;
preusz. '
in geordnete haufen legen, aufspeichern'. Frischbier 2, 362
b. I@1@aa)
zunächst, gleichartige gegenstände in bestimmter ordnung schichten: holz stapeln,
s. oben: siehe, wie rennend der hahn vom gestapelten holz mit den weibern futter ertrozt. Voss 1, 101 (
Luise 2, 219). auf, über einander stapeln: wann die steine etwas trocken, wurden sie von den bretern abgenommen und besonders auf einander gestapelt.
Rob. Pierot (1742
ff.) 2, 329; kisten .., welche ich mit groszer mühe übereinander stapelte. 4, 200. —
dafür häufig aufstapeln, vgl. oben und theil 1, 745. —
meistens tritt die vorstellung einer bestimmten ordnung zurück vor der eines haufens, einer menge, sodasz (auf)stapeln
den sinn von '
auf-, anhäufen'
annimmt: sie (
die freundinnen) lobten den putz (
der braut), priesen die aufgestapelten schätze. Immermann
Münchh. 3, 14 (5, 12). —
auch von menschen, die in dichtgedrängten reihen über einander sitzen oder stehen: im gerichtssaale ... gibt es ... oben an beiden seiten sehr geräumige galerien mit erhöheten bänken, wo die zuschauer kopf über kopf gestapelt stehen. Heine 3, 456
Elster (
engl. fragm. 5). I@1@bb)
indem der begriff der menge zur hauptsache wird, bezeichnet dann (auf)stapeln
weiterhin nicht nur das schichten oder häufen von vorhandenen gegenständen, sondern das allmähliche zusammenbringen, ansammeln eines haufens oder vorrats: auf anderer leute unkosten immer thaler auf thaler stapeln.
Rob. Pierot 1, 120; was doch frommt ein gewicht unermesslichen goldes und silbers, das du verstohlen mit angst einsenkst in gehöhletes erdreich? 'wenn du kleiner es machst, es verrinnt bis zum schmählichen pfennig.' aber wenn nicht, was hat ein gestapelter haufen (
constructus acervus) noch schönes? Voss
Horat. (1806) 2, 8 (
sat. 1, 1, 43).
so sehr gewöhnlich, auch freier: andere werden vielleicht das erstaunliche wissen, das der verstorbene in seinem gedächtnis aufgestapelt hatte, ganz besonders rühmen und preisen. Heine 6, 115
Elster (
Ludw. Marcus);
[] vergeblich wirst du den Parnasz beackern, und bild auf bild und blum' auf blume stapeln. 2, 65 (
im reim auf zappeln).
absolut, neben einem synonymon: o, staple nicht noch speichre. Rückert (1882) 11, 289 (9.
mak., wo die alten einzelausgaben des Hariri v. 1826 1, 230
und v. 1837 1, 87:
stapple haben). I@1@cc)
zuweilen überwiegt auch bei aufstapeln die vorstellung der höhe, während die der menge aufgegeben wird, sodasz es einem '
aufthürmen'
nahe kommt. so zunächst ein lager aufstapeln,
wobei immerhin noch ein aufbauen aus mehreren bestandtheilen stattfindet: die mutter zeigte ihm ein von polstern bequem aufgestapeltes bett, worin er schlafen sollte. Kleist 3, 326, 16
E. Schmidt; weder des essens begehren sie ... noch späterhin ... des lagers, das sie ihnen, weil sie müde scheinen, im nebengemach aufgestapelt hat. 385, 6; das lager, von polstern bequem und prächtig unter einem thronhimmel aufgestapelt. 417, 9.
weiterhin: die weiber werden sich haarhörner (
haarfrisur in form von hörnern) in die höhe
aufstappeln ... und werden noch ganze getrocknete vögel drauf setzen. Vischer
auch einer 1, 269.
so im part. hoch(auf)gestapelt: ein hochaufgestapelter busen, der mit steifen spitzen ... wie mit thürmchen und bastionen umbaut war. Heine 3, 20
Elster (
Harzreise).
auch bildlich, hochmütig (
oder zu stapeln II,
s. Sanders 3, 1179
b unter 3,
b?): der heidekrüger ist ein braver herr, aber zu hoch studirt. ... als sie (
die frau) starb, wollt' ich fort, weil mir der herr zu hochgestapelt war und für unsereins kein gehör hat. Gutzkow
ritter v. g. 1, 200. I@1@dd)
die beziehung zu stapel 3 (
waren zum verkaufsplatz bringen)
ist in der ältern sprache zuweilen deutlich, s. oben Lübben
mnd. handwb. und Frisch,
später ist sie aufgegeben. I@22)
mnd. stapelen
bedeutet ferner '
die grenze durch pfähle etc. bezeichnen'. Lübben
handwb. 374
b. I@33) '
im schiffbaue, den kiel stapeln,
die stapelblöcke unter den kiel legen.' Campe (II, 2),
vgl.stapel 4. IIII.
davon zu trennen ist ein anderes, intransitives stapeln,
ein ausdruck für gehen, doch stets mit besondern nuancen, das im nhd. seit dem 18.
jahrh. bezeugt ist (
das bei Sanders 3, 1179
b angezogene staplen
der pferde aus Ryff
thierb., 1545,
ist druckfehler für stapfen,
s. das. II, 2,
c)
und auch in hd. wie in nd. mundarten begegnet. ist zusammenhang mit stapfen
möglich? II@11)
bezeichnung eines langsamen, steifen schreitens: '
als ein neutrum mit dem hülfsworte seyn,
mit langen, hoch aufgehobenen beinen langsam daher schreiten. sehr ernsthaft einher stapeln. gestapelt kommen.' Adelung (1); wo stapelst du hin? Campe (I, '
besonders im nd.'); noch gut stapeln können. Krünitz 169, 705.
litteraturbelege, gewöhnlich mit adverbien, her, hin, hinauf stapeln
u. ähnl.: da der alte herr baron wieder herauf gestapelt kam.
cav. im irrgarten 85; ich stapelte immer rasch den sandberg hinauf. Seume
spazierg. (1803) 351 (
zweites); mad. Streckeisen stapelt im gröszten regen und nässe von der allee her mit zwei herren ... zu mir. Rahel 2, 591; das männlein stapelte wacker mit seinen kurzen beinchen die dorfgasse hinauf. Holtei
Lammfell 4, 6; es sitzet die krone noch gar nicht fest, und schon kommt der kaiser gestapelt in's nest. Arnim 6 (
schaub. 2), 32.
bildlich: wiewol der freund noch elendiglich mehrere bogen nebenher mitstapeln musz. J. Paul 26 (
flegelj. 1), 145. —
so in nd. mundarten: altmärk. 'staopeln
ist nämlich auch s. v. a. stapfen =
hochbeinig gehen, in welchem sinne es auch noch hie und da gebraucht wird. na! watt staopelst denn in'n dreck rümm?' Danneil 210
b;
waldeck. štāp(e)l(e)n '
darauf los schreiten'. Bauer-Collitz 98
b;
westf. '
langsam einher gehn. se kuəmet 'ran gestapelt'. Woeste 253
b. II@22)
bettelnd umherziehen, zunächst von '
fahrenden schülern': 'stápeln, a) (
von ärmeren lateinischen schülern)
auf vacanzreisen um ein viaticum zusprechen, —
zunächst bey geistlichen und andern studierten, mitunter aber auch bey bürger- und bauersleuten. abstápeln die pfarrhöfe, die klöster, ein dorf, eine stadt. derstápeln,
durch stápeln
erhalten, sammeln.' Schm.
2 2, 773;
vgl.: stappeln,
betteln. (
bair.) Klein 2, 168,
und: '
in Baiern hat man das verstärkungs- [] oder veröfterungswort stappeln, auf solche art wiederholt hin- und hergehen; dann, betteln.' Campe (I).
doch ist die gebrauchsweise nicht auf Baiern beschränkt, sondern war auch in Norddeutschland üblich: '
in frühern zeiten gingen die chorschüler staopeln,
d. h. sie besuchten die umgegend oft in beträchtlicher entfernung und warteten mit ihrem gesange auf.' Danneil 210
b; es war um neujahr, als ich die flucht nahm, und gab vor, ich und noch ein paar schüler wollten aus, stapeln gehen. war das eine sitte zu der zeit bei den studenten zu Lemgo. wenn man kein geld hatte und der magen mehr brummete und knurrete als nöthig war, so ging man aus, ein paar meilen von der stadt, und sang in den städten und auf den ämtern bei den vornehmen leuten das neujahr, acht tage lang. W. Raabe
ges. erz. 1, 74 (
schulm. Michel Haas; in Lemgo kommt auch der familienname Stapel
vor).
ebenso in der gaunersprache stabeln, stappeln, stapeln '
als bettler vagiren, mit dem bettelstab umhergehen'. Avé-Lallemant 4, 610.
dann auch transitiv, erbetteln, zusammenbetteln, so in den ältesten litteraturbelegen: gesetzt es liesz sich auch nicht thun, ... so lieff ich lieber durch die welt, und stapelte hierzu das geld, eh ich den titul missen wolt, und nicht magister werden sollt. Menantes
ged. (1706) 224. II@33)
verschiedene nuancen bieten die lebenden mundarten. II@3@aa)
bair.-österr. im anschlusz an 2: 'stápeln ... b)
von haus zu haus etc. gehen überhaupt. alle kirchen abstápeln. maister Hämerl stápelt mit amuletten pfarrhöfe und abteyen ab.' (
aus einer ältern quelle.) Schm.
2 2, 773,
der die bedeutung von stapel (3)
ableiten und aus der sprache der handels- und fuhrleute stammen lassen möchte, kaum mit recht. österr. li wia(r)thshaisa hschdap'ln,
in alle wirtshäuser gehn. Castelli 233;
dazu wol in Wien stppeln, '
das umherfahren der lohnkutscher auf den straszen, um kunden zu finden'. Hügel 155
b. II@3@bb)
mitteld. '
scherzweise für gehen, bes. von kindern',
so in Leipzig, dazu stapelmatz (
s. das.). Albrecht 216
a,
ebenso nordthür. stâpele, '
scherzweise für gehen'. Kleemann 22
a,
mansf. Jecht 107
a (
kinderspr.). II@3@cc)
nd. im sinne 1,
s. das.; stärker: 'stapeln,
stapfend u. tappend gehen, unsicher u. stockend gehen, stolpern etc.; hê stapeld d'r hen as 'n old mannetje'. ten Doornkaat Koolman 3, 301
b;
stappeln '
mit mühe gehen'. Schambach 208
a.
vgl. dazu: stappeln, caespitare. vide stolpern. Wachter 1588. (
ebenso schwed. stapla
straucheln, stolpern.) II@3@dd)
dagegen in Berlin schtapeln '
laufen, gehen, emsig gehen'. Brendicke 178
a. II@44)
abweichende bedeutungen. II@4@aa)
südhann. stâpeln '
tändeln, spielereien treiben, possen treiben'.
dazu stâpelær
possenreiszer, fem., -ærsche; stâpelîe
tändelei, possen; stâpelig,
possenhaft. Schambach 208
a. II@4@bb)
preusz. stâpeln
nachgraben. 'kartoffeln stâpeln,
nach beendigter ernte nach den im acker zurückgebliebenen kartoffeln graben, was arme leute thun.' Frischbier 2, 362
b. (
zu 2?)