torf,
m. ,
der als brennmaterial verwendbare erdstoff, der im boden des heidelandes und auf dem grund von mooren bei der zersetzung abgestorbener pflanzentheile sich bildet. das wort gilt etwa seit dem 17.
jh. als die normale bezeichnung für den gattungsbegriff; vgl. im folg. 6.
es stammt aus dem niederd.: dasz ein niederd. ausdruck in der nhd. schrift- und umgangssprache zur bezeichnung der '
brennerde'
verwendet wird, ist in ihrer besonderen wirthschaftlichen bedeutung gerade für Norddeutschland und Holland begründet; die niederd. herkunft des wortes ist auch an seiner lautform deutlich erkennbar, an dem der germ. tenuis entsprechenden anlautenden t
und an dem auslautenden f,
das nach dem zeugnis der roman. lehnentsprechungen ein germ. B
wiedergibt. nur auf nieders., niederl., fries., engl. und skand. gebiet erscheint auch das substantiv als bodenständige bildung und im lebendigen sprachgebrauch zur bezeichnung nicht nur für die '
brennerde',
sondern auch für die '
erdscholle'
überhaupt, nur hier ist es auch schon in alter zeit bei schriftlichen aufzeichnungen als ausdruck für diese begriffe regelmäszig verwendet worden. die substantivbildung begegnet als starkes masc., das als a-
stamm und als i-
stamm flectiert werden kann, es tritt aber auch gelegentlich als starkes neutr. und, wie z. b. im ags., als starkes, nach dem typus der i-
stämme flectiertes fem. auf; dem entsprechend erscheint o
und u
als vocal seiner stammsilbe, der unverändert bleibt oder umgelautet wird. ferner sind auch schwache formen als masc. und fem. gebräuchlich. die in der nhd. schrift- und umgangssprache verwendete form entspricht der in den nieders. maa. geltenden lautung: torf
brem.-nieders. wb. 5, 84; Schütze
holstein. 4, 271; Mi
Mecklenb.-Vorpommern 94; Schambach
Gött. und Grubenh. 232; Woeste
westf. 273; Bauer-Collitz
waldeck. 106;
auch im schwed. ist torf
die normallautung Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 2, 1275;
sie ist auch in der mnd. und altisl. überlieferung regelmäszig festgehalten Schiller-Lübben 4, 583; Fritzner 3, 712
f.; der plur. wird vielfach mit umgelautetem stammvocal gesprochen: törwe Schambach; Woeste;
im ostfries. platt und in Groningen lautet auch der sing. törf Doornkaat-Koolman 3, 425; Molema 428;
im dän. tørv Falk-Torp.
die form turf
gilt im niederl. v. Dale
groot woordenb. 1802;
im ostfries. platt Doornkaat-Kolman 3, 448;
im fries. Dijkstra 3, 352;
im engl. Skeat
et. dict. 672;
sie erscheint auch schon in westniederd. gll. aus dem 10.
jh. (
vgl. im folg. 3);
im afries. Richthofen 1095;
im ags. (
gen., dat. tyrf,
plur. tyrfe) Bosworth-Toller 1021.
in der mnl. überlieferung begegnen torf
und turf Verdam
handwb. 599.
die fem. bildung torfa
wird im schwed., neunorw. und auch schon in der altisl. überlieferung verwendet Falk-Torp; Fritzner
; auch im altniederfr. [] sind torba, turba
vorauszusetzungen, denn auf ihnen beruhen die roman. lehnentsprechungen, die von du Cange-Favre 8, 125
auch in lat. aufzeichnungen aus dem 13.
jh. nachgewiesen worden sind; vgl. ital. torba,
span. turba,
franz. tourbe
bei Meyer-Lübke
rom. etym. wb. nr. 8991
und die aus dem roman. ins schweiz. eingedrungenen formem torba, turba Tobler
Appenz. 146; tórbe Hunziker
Aargau 56.
die niederd. bezeichnung ist gewisz schon vor ihrer normalen schriftsprachlichen verwendung auf hochd. boden mehrfach gebraucht worden. die lautung dorf, dorfft
in frühnhd. denkmälern verrät, dasz das wort durch die umgangssprache verbreitet wurde; die form dorp,
die daneben z. b. von Stieler
stammbaum 351
verzeichnet wird, kann nur als zeugnis für gelegentliche versuche künstliche verhochdeutschungen einzuführen gelten. der volksthümliche gebrauch von bodenständigen hochd. entsprechungen mit der anlautenden affricata z
und dem verschluszlaut b
ist heute nirgends nachweisbar. von den beiden zeugnissen aber, die man für ihre frühere verwendung anzuführen pflegt, kann das eine sofort als unecht erwiesen werden. die grundlage für den allgemein wiederholten hinweis auf die ahd. form zurba
als glosse zu cespes, terra avulsa (
vgl. z. b. J. Grimm
rechtsalterth. 1
4, 159; Graff
sprachschatz 5, 706)
ist ausschlieszlich der auf einer unrichtigen lesung beruhende ansatz Lindenbrogs im
glossar zu seinem cod. leg. antiq. (1613)
s. 1499.
in der von ihm benützten Florentiner glossenhs. steht cespes est terra avulsa C h'ba [cum herba];
vgl. zs. f. d. alterth. 15, 354.
somit bleibt als einziges zeugnis das auftreten des wortes im text der lex Alamannorum aus der ersten hälfte des 8.
jhs. in rund 50
hss. des 9. bis 11. jhs.; vgl. die in den monum. Germ. erschienene ausgabe von Lehmann (1888)
s. 145.
allein das wort ist hier in durchaus ungewöhnlicher und vielfach grob entstellter orthographie überliefert, die erkennen läszt, dasz den copisten die hochd. wortform nicht vertraut war. die in etwa 12
hss. festgehaltene unform curffodi
verdankt ihr dasein gewisz ausschlieszlich einer mechanischen doppelschreibung der ersten silbe des im text folgenden dicunt.
ferner sind offenbar gerade die für hochd. lautgebung characteristischen zeichen erst secundär und nicht consequent eingeführt worden: der anlautende dental erscheint in etwa 20
hss., und zwar gerad in jenen mit der ursprünglicheren textgestalt, nicht als z,
sondern als c,
in je einer als zc, zt
und t,
der labiale laut aber in fast allen nicht als b,
sondern als f;
die vorauszusetzende ahd. normalentsprechung zurb
steht in einer einzigen hs. die schreibung mit f
weist auf die niederd. lautform als grundlage der überlieferung, und aus einer solchen ist auch die auffallende wiedergabe des anlautes erklärbar: das t
in karolingischer minuskel konnte leicht als c
verlesen werden. die zeichen z
und b
waren also nicht im archetyp enthalten, sie sind wohl auf rein mechanische verhochdeutschungsversuche zurückzuführen. das erscheinen der niederd. form im urtext wird mit der allgemein angenommenen mitwirkung von organen der fränk. reichsregierung bei der abfassung des altalem. gesetzes zusammenhängen. ein niederfränk. concipist hat offenbar den ihm geläufigen ausdruck aufgenommen, und seine geltung auch in Alemannien ist von ihm mit unrecht vorausgesetzt worden. das wort war im 8.
jh. ebensowenig wie heut auf hochd. gebiet wirklich bodenständig, und sein erscheinen im altalem. gesetz ist nur als das älteste zeugnis für den gebrauch der form turf
im niederfr. aufzufassen; vgl. dazu im folg. 3.
aus der im folg. dargestellten entwicklung ihrer verschiedenen verwendungsarten ist erschlieszbar, dasz die bezeichnung ursprünglich als ausdruck für den aus einer masse zusammengeballten '
klumpen'
gebraucht wurde und als solcher kann sie auch sprachlich bestimmt werden. verschiedene, noch nachweisbare secundäre verbalableitungen wie ahd. zerben,
mhd. zirben '
sich drehen',
ags. tearflian '
sich rollen'
haben den früheren gebrauch eines primären verbalstammes terB-, tarB-, turB- '
drehen, walzen'
im germ. zur voraussetzung. dazu hat man auch turB-
als verbalabstract gebildet und damit zunächst die '
drehung',
dann auch einen gedrehten, gewalzten, gegenstand, den gewalzten, geballten '
klumpen'
überhaupt und besonders den '
erdklumpen',
später gerade den '
klumpen brennerde'
bezeichnet; vgl. besonders Doornkaat-Koolman 3, 448
und Falk-Torp
bei Fick 3
4, 158.
[] 11)
die seiner ursprünglichen bedeutung entsprechende verwendung des subst. wird festgehalten sein, wenn es in nieders. maa. nicht nur gerade die erdscholle sondern mitunter auch einen '
klumpen'
überhaupt bezeichnet Schambach 232; en torf
ist z. b. auch '
ein klumpen aus ofenrusz',
und man nennt auch '
dicke garnbünde' grṻlich dicke törwe
ebenda. 22)
der allgemeine gebrauch des subst. im sinne von '
klumpen'
überhaupt kann auch zugrunde liegen, wenn im ostfries. platt mit törf
ein '
klotz von einem menschen'
eine '
dumme, verwirrte person',
ein '
dummkopf'
verglichen wird Doornkaat-Koolman 3, 425;
man sagt z. b. hê is so dum as'n törf; du törf fan 'n wicht, kanst du den hêl niks begripen; so'n törf as du bist heb' 'k mîn dage doch noch nêt sên
ebenda. 33)
dasz früher das subst. auf skandin. boden in der lautung turf
und auf engl. boden in der lautung torf
gerade den '
geballten erdklumpen'
bezeichnet hat, ist an der verwendung secundärer verbalableitungen in der bedeutung '
bewerfen'
erkennbar: sie müssen ursprünglich den begriff '
mit festgeballten erdklumpen bewerfen'
ausgedrückt haben und setzen den entsprechenden gebrauch des subst. voraus; vgl. altn. tyrfa Fritzner 3, 738
und ags. torfa Bosworth-Toller 1003.
in dieser bedeutung scheint das deutsche subst. noch im 17.
jh. von Prätorius
verwendet worden zu sein: auff solche art sol es auch mit der beerdigung des Katzenveits zugegangen seyn: als auff welchen ein ieder landesknecht des kriegesheers einen torff geworffen
Katzenveit c 2
b; dannenhero sie heutiges tags allen mortuis in sepulchro erdkräntze oder runde törffe umb den hals, wie ein kragen oder hälsgen legen
philosophia colus 124.
als bezeichnung für den '
erdklosz, die erdscholle, das rasenstück',
wird torf
im nieders. heute noch verwendet Schambach 232;
auch in Lief und Esthland kann '
jedes rasenstück, selbst die auf dem felde durch die egge zusammengezogenen graswurzeln' torf
heiszen, und man legt hier saamen in torf
d. h. '
zwischen rasenstücke' Hupel 239.
in der bedeutung '
erdscholle, rasenstück'
sind altn. torf
und ags. turf
auch alt bezeugt Fritzner, Bosworth-Toller;
im afries. erscheint das subst. turf
mit dem adj. grêne
in stehender verbindung; al hwenne opa there hirthstede en grene turf waxt
fries. rechtsquellen 538, 16
Richthofen; in den Werdener Prudentiusgll. aus dem 10.
jh. steht '
cespes' vuaso endi turf
und '
palustri cespite' an themo fenilicon turva
gll. 2, 589, 39
und 585, 37
Steinmeyer-Sievers; auch noch in niederd. vocabb. aus dem 15.
jh. begegnen als verdeutschung von '
cespes' turf
und torf
gloss. 116
a;
nov. gloss. 87
b Diefenbach. in der alten rechtssprache hat das subst. vielfach das mit gras bewachsene rasenstück als rechtssymbol ausgedrückt. im altn. wurde mit dem fem. torfa
der unterhöhlte und in der mitte durch einen pfahl gestützte grasstreifen bezeichnet, unter dem man die blutsbrüderschaft durch einen feierlichen eidschwur besiegelte, auch einen feierlichen reinigungseid zu leisten hatte;
vgl. die von Fritzner 3, 713
und J. Grimm
rechtsalterth. 1
4, 163
ff. citierten beispiele. im westgerm. waren '
erde und gras'
die rechtsbekräftigenden symbole bei der übergabe eines grundstückes. die tradition erfolgte nach den lat. formeln '
per terram
vel herbam',
auch '
per wasonem terrae
et ramum arboris'
oder '
cum cespite
et ramo';
vgl. J. Grimm
rechtsalterth. 1
4, 157.
diesen lat. paaren entsprach zweifellos im altniederd. das alliterierende torf
und twīg,
das dann in seinem collectiv verallgemeinernden gebrauch bei der umschreibung des unbeweglichen besitzes erscheint; vgl. im folg. 4.
schon im titel 84
des altalem. gesetzes findet sich dieses doppelsymbol, und es kann nicht zweifelhaft sein, dasz der, wie sp. 882
angenommen wurde, niederd. verfasser der stelle bei der einfügung des volkssprachlichen ausdruckes an die durch den stabreim gebundene formel gedacht hat. es wird hier bestimmt, dasz im fall eines streits um ein grundstück beide partheien vor einer gerichtsperson ihren anspruch vorbringen sollen, '
tollant de ipsa terra [cespitem],
quod Alamanni turf
dicunt, et ramos
de ipsis arboribus infigant in ipsam terram',
das symbol soll dann von der gerichtsperson in verwahrung genommen, vor dem [] folgenden zweikampf aber zwischen die kämpfer gelegt und von ihnen mit den schwertspitzen berührt werden. 44)
in collectiv verallgemeinerndem gebrauch bezeichnet dann das subst. die '
erdoberfläche'
überhaupt, vielfach besonders das mit gras bewachsene '
grundstück'.
als ein '
in einigen gegenden, besonders Niederdeutschlands'
gebräuchlicher ausdruck für '
die aus graswurzeln und erde bestehende oberste decke der erdfläche'
und für den '
rasen'
ist torf
auch von Adelung 4, 631
und Campe 4, 851
verzeichnet worden;
auch einfach ein '
stück land, acker, morgen'
heiszt torf Schambach 232;
man sagt z. b. ach, wat wil dat wol med sînen sêben törwen land? '
ach was will die wohl mit ihren 7
ackern land?'
ebenda; im ostfries. platt ist turf
auch das im vorjahr unterpflügte und im darauffolgenden jahr wieder aufgebrochene wiesenland, auf dem die vermodernden pflanzentheile die stelle des düngers vertreten Doornkaat-Koolman 3, 448; tu
orf
ist '
der unfruchtbare acker' Bauer-Collitz
waldeck. 106; torf '
rasen' Woeste
westf. 273.
regelmäszig und seit alter zeit wird in dieser bedeutung torf
und torfa
in den skand. sprachen, turf
im fries. und engl. verwendet; z. b. im altisl. þar sem særr mœtisk ok grœn torfa
Norges gamle love 1, 23;
in der ags. poesie of þære moldan tyrf
Phönix 66; of þisse eorþan tyrf 349; on eorþan tyrf
rätsel 41, 25; turf tredan 14, 1
; in einer altfries. rechtsaufzeichnung sa felo ... grenes turves 122
Richthofen; in der analog formulierten mnd. bestimmung hefft he denne buten dykes so vele heles landes nicht und gronen torues, dath he den dykstapell mede holden mach, so horedt eme bynnen dykes druttich voete dykes torves und druttich vademe tho grose
ebenda. als ausdruck für das '
grundstück'
ist das subst. vielfach bei der umschreibung des erbbesitzes verwendet worden; vgl. dazu torfacht [egen]
im folg. meist begegnen alliterierende formeln: im ags. ne turf ne toft '
weder das grundstück noch die heimstätte' Bosworth-Toller
; entsprechend der nach J. Grimm
rechtsalterth. 1
4, 159
mehrfach gebrauchten formel '
in cespite
et fronde'
heiszt es z. b. in einer mnd. aufzeichnung aus dem jahre 1306: (
ein gut) myt syner thobehorynge als et gelegen in holte, in velde, in water, in weyde, in torve, in twyge
urkb. des herzogth. Westfalen nr. 511
Seibertz; mit torve, mit twige, mit wateren, mit weide
cod. dipl. pro hist. ant. com. Bentheimiensis nr. 62
J. H. Jung;
s. weitere beispiele für diese verwendung des alliterierenden paares aus dem mnd. bei Schiller-Lübben 4, 583;
es ist auch im mnl. in solcher weise gebraucht worden Verdam
handwb. 603. 55)
das subst. bezeichnet das einzelne ausgestochene und getrocknete '
stück brennerde',
nach Adelung 4, 631
und Campe 4, 851
ist dieser gebrauch des wortes, '
in dem es den plural leidet',
nur '
im gemeinen leben einiger [
d. h. niederd.]
gegenden'
üblich; torf
heiszt der '
morastige brennbare soden'
brem.-nieders. wb. 5, 85;
man sagt die ausgestochenen, untersten törfe Adelung; Campe;
sprichwörtlich heiszt es twe brokken gaat vor enen torf '
wenn für einen tüchtigen arbeiter zwei schwache und unvermögende da sind', he versteit den torf in dreen to klöven '
wenn man einen höchst sparsamen menschen und kargen haushalter beschreiben will'
brem.-nieders. wb. in gleicher bedeutung gilt turf
im niederl. v. Dale
groot woordenb. 1802.
in Holland und Niedersachsen wird diese verwendung des wortes ihren ursprung haben, und von Niederdeutschland aus hat sie sich offenbar schon in alter zeit auch über das gebiet der skand. und roman. sprachen verbreitet. aus dem mittelalter wird z. b. von einem Lüneburger kloster berichtet, dasz es verlegt werden muszte, weil wegen der verwüstung der umliegenden wälder kein holz herbeigeschafft werden konnte und degher, dat dar nicht en torf ('
kein stück brennerde') gefunden ward
nach Lyszmanns hist. nachricht vom kloster Meding (
Halle 1772)
bei Schiller-Lübben;
gelegentlich erscheint dieser gebrauch im hochd.: wie die stainkolen oder dorffen, welche in Niderlanden und andern mehr orten, da wenig holtz, gebräuchig L. Rauwolff
beschreibung der raisz (1583) 29; das ist der gespenstige gräberknecht, der dem meister die besten torfe verzecht A. v. Droste-Hülshoff 1, 115. 66)
das subst. bezeichnet in collectiv verallgemeinerndem gebrauch als stoffname die '
brennerde'.
auch diese ursprünglich [] niederd. verwendung des wortes ist in den skandin. und romanischen sprachen üblich geworden, sie hat aber auch in der nhd. schrift- und umgangssprache allgemeine geltung erlangt. in dieser bedeutung wird das wort seit dem 17.
jh. von den lexicographen regelmäszig verzeichnet: dorph Henisch 736; dorf, torf, Stieler
stammbaum 351; torff, turf(f) Apinus
gloss. nov. 540; Ludwig
teutsch-engl. (1745) 1993; torff Dentzler
clavis ling. lat. 2, 288; Weismann
lex. bipart. 2, 410; Steinbach 2, 826; Frisch 2, 377; torf Schottel
haubtspr. 1432; Kramer
teutsch-ital. 2, 1102; Adelung 4, 631; Campe 4, 851; Hilpert
engl.-germ. 2, 116;
s. ferner Minerophilus
bergwerckslex. (1730) 665; Leopold
handwb. der ökonomie (1805) 515.
man unterscheidet nach seiner stofflichen zusammensetzung, herkunft, beschaffenheit und gewinnung z. b. dwa-, klipp-, sand-, swagertorf
brem.-nieders. wb. 5, 87;
ferner z. b. rasen-, heide-, moor-, sumpf-, see-, meer-, moder-, schlamm-, schilf-, wurzel-, faser-, papier-, holz-, baggertorf;
vgl. Krünitz
encycl. 186, 192 ff., Meyers
convers.-lex. 19
6, 621
und die hier citierte fachliteratur. in liter. gebrauch erscheint die bezeichnung vor dem 17.
jh. nur selten, dann aber unter dem einflusz der aus der umgangssprache des nordens schöpfenden schles. und obers. literatursprache mit zunehmender häufigkeit. 6@aa)
die brennerde ist das naturproduct besonders der heide und des sumpflandes: man hat auch in Meissen an etlichen orten ein kohlerdrich under dem rasen, welches man gebraucht wie kohlen, wird bei uns dorpe genennet, wie man die niderländische zu Antorff durff nennet P. Albinus
meiszn. bergkchron. (1590) 174; der ganze grund von Holland ist von dorf Heinse 7, 306; unter einer sumpfigen decke von torf G. Forster
sämtl. schr. 3, 411; wo der torf nicht zutage lag Fontane I 6, 92; der moosige torf Herder 13, 49; guter torf Göthe III 2, 159
Weim. 6@bb)
die brennerde wird ausgestochen und gegraben, dann getrocknet und aufgeschichtet: torf steken unde graven
aus einem hannöv. stadtrecht im vaterl. archiv für Niedersachsen, jahrgang 1844
s. 170; torf stechen, graben Kramer; Adelung; Campe; Hilpert; daraus man den dorff oder die brennerd grabet Sebiz
feldbau 19; man gräbet auch wol ... torff ... aus den moren Micrälius
altes Pommerland 6, 398; während der zeit die Westphälinger in Holland torf stechen J. Möser 1, 303; sind die sümpfe unausrottbar, so versuche man's mit dem feuer! man steche sie als torf ab Gutzkow
ritter vom geiste 7, 96; wenn wir torf backen, da musz ich mit 'ran Frenssen
Jörn Uhl 74; ein tagewerk torf
bezeichnet die masse getrockneter und aufgeschichteter stücke brennerde, deren rauminhalt 2048
quadratfusz beträgt, sie hält 8192
stücke, wenn ein quadratfusz mit 4
stücken berechnet wird Adelung; Campe. 6@cc)
die brennerde wird an stelle von kohlen und holz als heizmaterial verwendet: alsme nu dar torff brend unde brock ys holtes H. v. Lerbeck
schaumburg. chron. § 159
Fuchs; torfbrennen Kramer; Adelung; Campe; Hilpert; (
sie) warf ... ein paar stücke steinharten torfes auf Fontane I 1, 75; mit trocknem heidereis und torf brachte sie das feuer wieder zum brennen Storm 1, 223; der kamin liegt immer voll torf und holz und giebt eine behagliche temperatur Bismarck
briefe an seine braut und gattin 206; und jeden sonntag hab' ich umsonst die stube mit torfe gewärmet und gewartet, der werber kam mir nicht G. Freytag 1, 314. 6@dd)
gelegentlich wird die brennerde auch als baumaterial oder düngmittel verwendet: das land (
bei Osnabrück ist) schlecht, der torf wird zu mauern um äcker und wiesen angewandt A. v. Haller
tagebücher 67
Hirzel; wo der torf wegen seiner menge, oder wegen zuflusz an anderweitigem brennmaterial nur wenig werth hat, da wird er mit vortheil als dünger verwendet Schwerz
praktischer ackerbau 40.