kiefeln,
kifeln,
kiffeln,
demin. zu keifen
zanken und kifen
nagen, mhd. kifelen (
s. u. 3).
wie schon diese beiden, so sind noch mehr die deminutiva im gebrauch und bewusztsein in einander verflossen in der form wie im sinne, als wären sie nicht zwei verschiedne wörter. s. mehr zuletzt. 11)
nagen, eigentlich kifeln
mit kurzem vocal. 1@aa)
eigentlich: kiflen,
gnagen, arrodere, rodere. Maaler 243
b; das kiflen,
rosio daselbst; oder leg für dein nebengast (
bei tische) ein stück, davon du gessen hast und lang gekiffelt wie ein hund. Scheit
grob. D 1
a; und heltst die hend auf beiden backen und kiffelst was dir wol thuot schmacken. M 3
a,
in letzter stelle scherzhaft für gierig behaglich kauen, wie ein hund; da weder zbrocken noch zreiszen ist, weder zkiflen noch zbeiszen. J. Rasch
fastenlob 1588.
Noch in Österreich, nagen, kauen, hart kauen, an einem bein (
knochen) kifeln, es abkifeln Castelli 182. Höfer 2, 133: nein, bhüet mich gott dafür, dasz ich mich bei enk aufm kirter (
kirchtag, kirchweih) ladet, wan ês (
ihr) selber ninx zu kieffeln und zu beiszn habt. Schwabe
tintenfäszl A 5
b; es küffelt ein schneider ein gaisfusz ab.
volkslied bei Abraham a.
s. Clara; sie wollen behaupten, so einem traumet, er esse hartes eisen und küffele hufnägel, seie ein unfehlbarer vortrapp eines langwürigen lebens.
ders., Judas 1, 2.
auch kärnt., bair. (
z. b. am hungertuch kifeln),
schweiz., vorarlb. (
auch naschen) Fromm. 3, 301. 116.
auch schles. kîfeln;
vgl. bekiefeln bei Weise. 1@bb)
übertragen. in Östreich sagt man von einem still betenden spottweise, er kifelt fleiszig. Höfer 2, 133,
nach der gleichen bewegung des kiefers, vgl. Wielands den rosenkranz käuen
sp. 313. 1@cc)
vom neide, der andere benagt: und wann nyd kyfflet, nagt langzyt, so iszt sie sich (
selbst), sunst anders nüt (
nichts), wie Ethna sich verzert allein. Brant
narrensch. 53, 23.
ähnlich von gram, kummer, selbstpeinigung (
vgl.kauen 2. 3): also küfflet und nagt ein mensche sich selber on underlasz. Keisersberg
seelenpar. 138
b.
s. auch bekiefeln. 1@dd)
dasselbe musz auch sein folg. tirol. kiefeln: ich kann diesen menschen nicht kiefeln,
nicht leiden, ausstehen. Schöpf 315,
eig. wol von einer harten speise, kauend bezwingen, wie norddeutsch verknusen. 22)
keifen, und zwar anhaltend, wiederholt oder kleinlich oder heftig, mhd. kivelen (
s. 4,
b).
oft in den vocc. des 15.
jh., als erklärung von altricari, altercari, cavillari, rebellisare, disceptare, rixari, jurgari; aber auch garrulare, s. Dief.
s. vv., gewöhnlich kiffeln, kyffeln,
aber auch kifeln, kyfelen,
seltner kiefeln,
wie in kiefelnde
contentiosus Dief. 146
b.
bei Keisersberg
bilg. 140
c kiffeln,
schiff der pen. 50
c kiflen.
s. weiter 4,
c. 2@aa)
intrans., allein oder mit mit: will er sunst, so wil si so ... will er traben, so wil si zelten, will er kifflen, so wil si schelten.
fastn. sp. 494, 28,
als zwei unterschiedne dinge, schelten
das stärkere; ein ieder luog das er so leb das er sinr frow kein ursach geb ... noch kyfel mit ir nacht und tag. Brant
narr. 33, 57; so wirt eine zeit des zankens und kyfelns darausz. Luther
tischr. 281
a; sie (
Xanthippe den Sokrates) fluocht in sehr und stelt sich lätz ... (
sie) gaben nichts auf iren zorn und war ir kiffeln all verlorn. Scheit
grob. H 3
a; so ist gottes wort nichts anders dann der ausflusz, wesenausgusz, bild, charakter und schein gottes in allen creaturen, sonderlich aber in aller gelassenen menschen herz als ein siegel getruckt, das in allen creaturen weset, in allen glaubigen prediget, in allen gottlosen kifelt, küplet, hadert und die welt um die sünd straft. S.
Frank lob des göttlichen worts (
zweiter theil des encom. moriae) 168
a,
in einem andern druck kifet (
sp. 445); do ist des keifn und kiefln so viel. Hayneccius
schulteufel (1603) 1, 3.
Es ist noch schweiz., kifeln
mit groszem wortaufwand keifen und zanken Stalder 2, 99 (
nebst gekifel
n., kifler,
adj. kifli);
aber auch milder: wenn eine alte frau mit mir gekiefelt hat, wie ich immer lachen und springen möge. Gotthelf 2, 389; wenn Vreneli (
als braut) so mit Uli lieblich kifelte. 2, 370.
ferner im Vorarlberg (
auch ärgerlich sich austhun) Fromm. 3, 301,
bair., tir., östr. (
hier '
heimlich zanken' Höfer),
immer mit kurzem vocal; schlesisch kîfeln.
im md. scheint es erloschen, während es doch Luther
brauchte (
s. auch 4,
c). 2@bb)
trans., wie keifen 2,
c u. ä. (
s. sp. 444): wenn sie mich kiffelt, schmecht und schilt. H. Sachs 1, 357
b (1590)
u. ö.; (
ich habe) ein altes weib, die küeffelt (
so) und naget mein leib (
für mich,
wie mhd.). J. Ayrer
fastn. 11
b (
verwechs. eheleut).
nach kyfeln
stimulare Dief. 553
a auch reizen, ärgern. 2@cc)
refl., wie zanken
u. a.: sich sol niemand schelten, kiefeln noch schlagen (
bei der innungsversammlung). Haltaus 1086,
Zittauische kramerordnung von 1381; das sie sich
unter einander dar kieffelten und hadderten. J. Greff
Lazarus F 4
a; mit der ich schätzchen und herzchen mich heisze.
echo 'kieffel und beisze'. Logau 2, 6, 34; sis schade, dasz ihrch (ihr ich,
d. i. üch, euch) su mit enander kifelt. Gryphius
Dornrose 56,
wie noch schles. sich kîfeln. 33)
das verflieszen der beiden kifeln
zeigt sich schon mhd.: lebete mîn frowe noch, siu kifelte mir den hals abe. Scherz 784
aus einer zeugenaussage; es ist doch wol gemeint '
keifte mich zu tode',
nicht wirkliches beiszen, aber der hals
und das abe
zeigen, dasz es unter dem bilde des nagens gedacht ist. so gemeint ist noch Logaus 'kiefeln und beiszen', Ayrers 'küefeln und nagen',
sie dachten zugleich an kifeln
nagen. umgekehrt meint wol Brant
u. 1,
c mit 'kiffeln, nagen'
zugleich das zweite kifeln
mit, durch fortwährendes keifen verkleinern, beschädigen; selbst in kippeln
erscheint diese vermengung. auch nagen
selbst hat diesen doppelsinn erhalten (
s. unter kiefen),
die falsche zunge nagt
verläumdend (
z. b. Hätzl. 257
a),
wie sie schneidet, sticht, verwundet. auch kafeln
nagen heiszt schweiz. zugleich keifen, ebenso nl. knibbelen
und knabbelen
nagen und keifen (Kil.). 44)
formen und verwandtschaft. 4@aa) kifeln
nagen, mhd. kifeln,
ist von kifen, kiefen,
s. d. und das ablautende kafeln
nagen. auch nl. kevelen
mühsam kauen. 4@bb)
das zweite kifeln
hiesz mhd. kivelen,
nach kivelwort
pl. zankende worte myst. 1, 318.
das ist demin. von dem starkformigen keifen,
mhd. kîven
neben kîben?
s. dazu sp. 443;
oder auch von dessen nebenform kifen (
mit kurzem i)
sp. 445.
es bestand auch, mit r
für l,
mhd. kiveren,
nhd. kiefern (
s. d.).
übrigens hatte auch keifen
selbst, in der praesensform, sein dem. keifeln. 4@cc) kyveln
schreibt noch ein md. voc. d. 15.
jh. Dief. 26
c (
in demselben voc. aber kywelunge,
altricatio, s. kiebeln
sp. 656);
auch in dem Leipz. voc. opt. 1501 kyveln
cavillari E 5
b (y
gleich i).
eine andre md. form ist kefeln:
rixari, kefeln mit den worten Dief. 499
a;
garrulare kefeln,
abgarrulare abkefeln 258
a. 2
b, kefiln
in dem Bresl. voc. v. 1422 (
mhd. wb. 1, 804
a),
das kurze i
zu e
getrübt, wie in kebeln,
mnd. keveln (
sp. 656).
s. auch kibbeln
und kippeln. 4@dd)
merkw. hier wieder auch ü,
wie bei dem verwandten kiefe,
in küflen
u. 1,
c Keisersberg,
sogar küefeln 2,
b Ayrer.