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kifeln

mhd. bis nhd. · 2 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kifeln

Bd. 11, Sp. 666
kiefeln, kifeln, kiffeln, demin. zu keifen zanken und kifen nagen, mhd. kifelen (s. u. 3). wie schon diese beiden, so sind noch mehr die deminutiva im gebrauch und bewusztsein in einander verflossen in der form wie im sinne, als wären sie nicht zwei verschiedne wörter. s. mehr zuletzt. 11) nagen, eigentlich kifeln mit kurzem vocal. 1@aa) eigentlich: kiflen, gnagen, arrodere, rodere. Maaler 243b; das kiflen, rosio daselbst; oder leg für dein nebengast (bei tische) ein stück, davon du gessen hast und lang gekiffelt wie ein hund. Scheit grob. D 1a; und heltst die hend auf beiden backen und kiffelst was dir wol thuot schmacken. M 3a, in letzter stelle scherzhaft für gierig behaglich kauen, wie ein hund; da weder zbrocken noch zreiszen ist, weder zkiflen noch zbeiszen. J. Rasch fastenlob 1588. Noch in Österreich, nagen, kauen, hart kauen, an einem bein (knochen) kifeln, es abkifeln Castelli 182. Höfer 2, 133: nein, bhüet mich gott dafür, dasz ich mich bei enk aufm kirter (kirchtag, kirchweih) ladet, wan ês (ihr) selber ninx zu kieffeln und zu beiszn habt. Schwabe tintenfäszl A 5b; es küffelt ein schneider ein gaisfusz ab. volkslied bei Abraham a. s. Clara; sie wollen behaupten, so einem traumet, er esse hartes eisen und küffele hufnägel, seie ein unfehlbarer vortrapp eines langwürigen lebens. ders., Judas 1, 2. auch kärnt., bair. (z. b. am hungertuch kifeln), schweiz., vorarlb. (auch naschen) Fromm. 3, 301. 116. auch schles. kîfeln; vgl. bekiefeln bei Weise. 1@bb) übertragen. in Östreich sagt man von einem still betenden spottweise, er kifelt fleiszig. Höfer 2, 133, nach der gleichen bewegung des kiefers, vgl. Wielands den rosenkranz käuen sp. 313. 1@cc) vom neide, der andere benagt: und wann nyd kyfflet, nagt langzyt, so iszt sie sich (selbst), sunst anders nüt (nichts), wie Ethna sich verzert allein. Brant narrensch. 53, 23. ähnlich von gram, kummer, selbstpeinigung (vgl.kauen 2. 3): also küfflet und nagt ein mensche sich selber on underlasz. Keisersberg seelenpar. 138b. s. auch bekiefeln. 1@dd) dasselbe musz auch sein folg. tirol. kiefeln: ich kann diesen menschen nicht kiefeln, nicht leiden, ausstehen. Schöpf 315, eig. wol von einer harten speise, kauend bezwingen, wie norddeutsch verknusen. 22) keifen, und zwar anhaltend, wiederholt oder kleinlich oder heftig, mhd. kivelen (s. 4, b). oft in den vocc. des 15. jh., als erklärung von altricari, altercari, cavillari, rebellisare, disceptare, rixari, jurgari; aber auch garrulare, s. Dief. s. vv., gewöhnlich kiffeln, kyffeln, aber auch kifeln, kyfelen, seltner kiefeln, wie in kiefelnde contentiosus Dief. 146b. bei Keisersberg bilg. 140c kiffeln, schiff der pen. 50c kiflen. s. weiter 4, c. 2@aa) intrans., allein oder mit mit: will er sunst, so wil si so ... will er traben, so wil si zelten, will er kifflen, so wil si schelten. fastn. sp. 494, 28, als zwei unterschiedne dinge, schelten das stärkere; ein ieder luog das er so leb das er sinr frow kein ursach geb ... noch kyfel mit ir nacht und tag. Brant narr. 33, 57; so wirt eine zeit des zankens und kyfelns darausz. Luther tischr. 281a; sie (Xanthippe den Sokrates) fluocht in sehr und stelt sich lätz ... (sie) gaben nichts auf iren zorn und war ir kiffeln all verlorn. Scheit grob. H 3a; so ist gottes wort nichts anders dann der ausflusz, wesenausgusz, bild, charakter und schein gottes in allen creaturen, sonderlich aber in aller gelassenen menschen herz als ein siegel getruckt, das in allen creaturen weset, in allen glaubigen prediget, in allen gottlosen kifelt, küplet, hadert und die welt um die sünd straft. S. Frank lob des göttlichen worts (zweiter theil des encom. moriae) 168a, in einem andern druck kifet (sp. 445); do ist des keifn und kiefln so viel. Hayneccius schulteufel (1603) 1, 3. Es ist noch schweiz., kifeln mit groszem wortaufwand keifen und zanken Stalder 2, 99 (nebst gekifel n., kifler, adj. kifli); aber auch milder: wenn eine alte frau mit mir gekiefelt hat, wie ich immer lachen und springen möge. Gotthelf 2, 389; wenn Vreneli (als braut) so mit Uli lieblich kifelte. 2, 370. ferner im Vorarlberg (auch ärgerlich sich austhun) Fromm. 3, 301, bair., tir., östr. (hier 'heimlich zanken' Höfer), immer mit kurzem vocal; schlesisch kîfeln. im md. scheint es erloschen, während es doch Luther brauchte (s. auch 4, c). 2@bb) trans., wie keifen 2, c u. ä. (s. sp. 444): wenn sie mich kiffelt, schmecht und schilt. H. Sachs 1, 357b (1590) u. ö.; (ich habe) ein altes weib, die küeffelt (so) und naget mein leib (für mich, wie mhd.). J. Ayrer fastn. 11b (verwechs. eheleut). nach kyfeln stimulare Dief. 553a auch reizen, ärgern. 2@cc) refl., wie zanken u. a.: sich sol niemand schelten, kiefeln noch schlagen (bei der innungsversammlung). Haltaus 1086, Zittauische kramerordnung von 1381; das sie sich unter einander dar kieffelten und hadderten. J. Greff Lazarus F 4a; mit der ich schätzchen und herzchen mich heisze. echo 'kieffel und beisze'. Logau 2, 6, 34; sis schade, dasz ihrch (ihr ich, d. i. üch, euch) su mit enander kifelt. Gryphius Dornrose 56, wie noch schles. sich kîfeln. 33) das verflieszen der beiden kifeln zeigt sich schon mhd.: lebete mîn frowe noch, siu kifelte mir den hals abe. Scherz 784 aus einer zeugenaussage; es ist doch wol gemeint 'keifte mich zu tode', nicht wirkliches beiszen, aber der hals und das abe zeigen, dasz es unter dem bilde des nagens gedacht ist. so gemeint ist noch Logaus 'kiefeln und beiszen', Ayrers 'küefeln und nagen', sie dachten zugleich an kifeln nagen. umgekehrt meint wol Brant u. 1, c mit 'kiffeln, nagen' zugleich das zweite kifeln mit, durch fortwährendes keifen verkleinern, beschädigen; selbst in kippeln erscheint diese vermengung. auch nagen selbst hat diesen doppelsinn erhalten (s. unter kiefen), die falsche zunge nagt verläumdend (z. b. Hätzl. 257a), wie sie schneidet, sticht, verwundet. auch kafeln nagen heiszt schweiz. zugleich keifen, ebenso nl. knibbelen und knabbelen nagen und keifen (Kil.). 44) formen und verwandtschaft. 4@aa) kifeln nagen, mhd. kifeln, ist von kifen, kiefen, s. d. und das ablautende kafeln nagen. auch nl. kevelen mühsam kauen. 4@bb) das zweite kifeln hiesz mhd. kivelen, nach kivelwort pl. zankende worte myst. 1, 318. das ist demin. von dem starkformigen keifen, mhd. kîven neben kîben? s. dazu sp. 443; oder auch von dessen nebenform kifen (mit kurzem i) sp. 445. es bestand auch, mit r für l, mhd. kiveren, nhd. kiefern (s. d.). übrigens hatte auch keifen selbst, in der praesensform, sein dem. keifeln. 4@cc) kyveln schreibt noch ein md. voc. d. 15. jh. Dief. 26c (in demselben voc. aber kywelunge, altricatio, s. kiebeln sp. 656); auch in dem Leipz. voc. opt. 1501 kyveln cavillari E 5b (y gleich i). eine andre md. form ist kefeln: rixari, kefeln mit den worten Dief. 499a; garrulare kefeln, abgarrulare abkefeln 258a. 2b, kefiln in dem Bresl. voc. v. 1422 (mhd. wb. 1, 804a), das kurze i zu e getrübt, wie in kebeln, mnd. keveln (sp. 656). s. auch kibbeln und kippeln. 4@dd) merkw. hier wieder auch ü, wie bei dem verwandten kiefe, in küflen u. 1, c Keisersberg, sogar küefeln 2, b Ayrer.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kifelnst. N.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    kifeln , st. N. Vw.: s. kibelen (2)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kifeln

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    kiefeln , kifeln , kiffeln , demin. zu keifen zanken und kifen nagen, mhd. kifelen ( s. u. 3). wie schon diese beiden, s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kifeln

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Zerlegung von kifeln 2 Komponenten

kif+eln

kifeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kifeln als Zweitglied (1 von 1)

ane kifeln

MWB

ane kifeln swV. hier mit alem. Ersetzung von l durch r. ‘annagen’ [ein Heide zum betenden Wolfd.:] wen kiferstu [Laa. kyfels du, rüffestu ]…

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Cotta, M. (2026). „kifeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kifeln/dwb?formid=K04301
MLA
Cotta, Marcel. „kifeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kifeln/dwb?formid=K04301. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kifeln". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kifeln/dwb?formid=K04301.
BibTeX
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