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vorgriff

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorgriff m.

Bd. 26, Sp. 1122
vorgriff, m. , das vorgreifen, vorwegnehmen, s. fürgriff th. 4, 1, 1, sp. 737; mhd. vürgrif mhd. wb. 1, 572b; Lexer 3, 599; prerogativa vorgrif Diefenbach gl. 456a; prolepsis, occupatio vorgrieff, begegnung einer einrede Orsäus nomencl. method. (1623) 19; praejudicium ein vorgrieff, verfang, nachtheil Corvinus fons lat. (1646) 446; vorgriff, praejudicium, damnum Stieler 700; v., praesumtio Dentzler clavis ling. lat. (1716) 337a; Adelung (unter vorgreifen mit der bemerkung: 'ob es gleich im hochdeutschen nur selten gehöret wird'); Campe; vgl.n. foregreb neben foregribelse; im entwickelten nhd. ist das wort selten und in seiner anwendung beschränkt, während die bedeutung von fürgriff reicher entfaltet war. 11) im eigentlichen sinne, das nach vorn greifen mit der hand: das klimmen mit senkgriff geschieht immer mit vor- und übergriff Fr. L. Jahn 2, 71 E. 22) zuvorkommendes zugreifen: in jedem lebenden tropfen der austern schien so vergnügt, als sie die gurgel verschlang, ein herz, ein weibliches herz, das mit der schale noch rang, statt sich zu sperren, der hand sogleich entgegenzuklopfen, der im gedränge darnach, die kunst des vorgriffs gelang Thümmel reise (1791) 8, 281. 33) in übertragener anwendung, zeitlich oder im verhältnis zu anderen, in neutralem oder günstigem sinne (s. vorgreifen 5): sie (seine philosophie) ist ein v. der zeit, ein schon in voraus fertiges lebenselement eines geschlechts, das in demselben erst zum lichte erwachsen soll Fichte reden an d. dt. nation (1808) 109; dieser v. in ein vorausgesetztes gebiet ist unvermeidlich Vischer ästhetik (1846) 2, 1, 19. auf sprachliche erscheinungen bezogen: wer zwar vorgriffe natürlich, rückgriffe aber unnatürlich finden wollte, ... hat zu erwägen, dasz der gedanke des sprechenden und redenden blitzschnell alle theile des worts und der worte überschaut, also auf das zuerst verlautende bereits das nachschallende einwirken läszt J. Grimm kl. schr. 3, 312. 44) vorwegnehmen in darstellung und erzählung (s. vorgreifen 7): in der darstellung des zweckes und geistes der rhätischen parteien habe ich einen v. in die erzählung vom gang der begebenheiten gethan Zschokke (1824) 1, 200. 55) die bedeutung des wortes wird dann eingeengt wie die des verbums (s. vorgreifen 9, vgl. auch eingriff und übergriff), sie kann verschlimmert werden bis zur vorstellung des voreiligen, unbefugten, vgl. 'da man eigenmächtig vor einem anderen, d. h. früher als ein anderer etwas thut, das er thun sollte oder wollte; wie auch, dasz man vor der bestimmten zeit etwas thut' Campe: ich schliesze den kirchhof, ehe das stadtthor für mich geschlossen wird. wer mir aber dergleichen vorgriffe übel nimmt, kann mir mehr übel nehmen, wenn es ihm beliebt Hippel lebensl. (1778) 1, 298; für einen v. oder eingriff in die landesherrliche policeygewalt würde man das allerdings ansehen können Berg t. policeyrecht (1799) 1, 110; (die naturphilosophie,) deren sache er nicht für die beste hält, 'vielmehr für einen v. in eine höhere sphäre des lebens' Caroline 2, 287 Waitz; durch eigene versäumung oder durch vorgriffe des stadtrathes Zschokke (1824) 36, 229; ein v. in die zukunft, eine anmaszung gegen die künftigen geschlechter Görres (1854) 2, 278. 66) v. thun mit dem dativ, vorgreifen umschreibend: einem v. in seinem amt, in einer sache thun Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700) 562b; indesz wollte er doch dem verstande durch kindisches zuplatzen keinen v. thun H. C. Arend d. gedechtnisz Albrecht Dürers (1728) § 4. 77) ein v. in der engeren bedeutung kann für andere nachtheilig sein, und so nähert sich das wort dem sinne von schaden, nachtheil, s. oben zu anfang Corvinus und Stieler und vgl. vorgreiflich: gleichwie sie (meine gedanken) keinem zum forgrif und nachteil ans licht gegäben sind Bellin hochd. rechtschreib. (1657) b 7a. 88) technische und besondere anwendungen: 8@aa) vorzeitige entwicklung einer baumknospe: müssen wir es ... einen v., eine vorzeitigkeit nennen, wenn eine knospe ... noch in derselben vegetationsperiode zur entfaltung kommt Roszmäszler d. wald (1863) 81. 8@bb) abholzung im forst über das für das jahr bestimmte masz hinaus, s. vorgreifen: 'v. in der forstwissenschaft so viel als überhauen' Krünitz öconom. encycl. 231, 391. 8@cc) vorsprung, den ein gejagter hirsch gewinnt: da man ihn desto besser, wann er wieder (aus dem wasser) herausgegangen, seinen v. wieder nehmen ... kann Grässe jägerbrevier 67; vgl. vorgreifen 4. 8@dd) fürgriff wird in älterer sprache oft im sinne von accordlohn gebraucht, d. i. einen lohn, der vorgreifend festgesetzt wird, ehe die arbeit geleistet ist, s. fürgriff 3 th. 4, 1, 1, sp. 737: das keyn meister sal vorgriff lozzen seynen gesellen Freiberger stadtrecht 287 (§ 12) Ermisch. 8@ee) es fehlt unter fürgriff a. a. o. die bedeutung von einrede: wir uns eins fürgriffs oder zwüschendred gebruchend, als die poeten ettwenn pflegen zetuon Riederer spiegel d. waren rhetoric. (1493) c 6a. 8@ff) unrichtig angegeben ist unter fürgriff a. a. o. die bedeutung des adverbial gebrauchten gen. fürgriffs ('im allgemeinen, überhaupt'), fürgriffs bedeutet vielmehr' vorgreifend, voreilig, aufs gerate wohl, sei es wie es sei, ohne überlegung': mein meinung ist nit gsein, fürgriffs fürzuosetzen die unandechtigen den andechtigen Keisersberg irrig schaf 18; in gleicher anwendung mnld. voregreeps Verwijs-Verdam 9, 990.
5413 Zeichen · 103 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    VorgriffDer

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Der Vorgriff , — es, Mz . u. 1) Die Handlung, da man vorgreift, besonders da man eigenmächtig vor einem Andern, d. h. fr…

  2. Spezial
    Vorgriff

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Vor|griff m. (-[e]s,-e) antizipaziun (-s) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorgriff

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Zerlegung von vorgriff 2 Komponenten

vor+griff

vorgriff setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorgriff‑ als Erstglied (1 von 1)

vorgrifflich

DWB

vorgriff·lich

vorgrifflich , adj. , vorgreifend, nachtheilig ( s. vorgriff 5 und 7 und vorgreiflich): welches der pabst, weyl es den bistumben in Teutschl…

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Cotta, M. (2026). „vorgriff". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorgriff/dwb
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Cotta, Marcel. „vorgriff". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorgriff/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vorgriff". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorgriff/dwb.
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