vorgreifen,
verb. ,
s. fürgreifen
th. 4, 1, 1,
sp. 737;
mhd. vor-, vürgrîfen Lexer 3, 468; 585;
praecarpere vorgriffin Diefenbach
gl. 451
c;
praeoccupare vur-, vorgriffen 455
b;
praeripere (
nd.:) vorgripen 456
a;
mnld. voregripen Verwijs-Verdam 9, 991; vorgreyffen,
praetentare Maaler 475
c; vorgreifen
praeripere, praevenire, anticipare Stieler 700; für-
et vorgegriffen, ich greiffe vor,
praeripio, praeoccupo, praevenio Steinbach 1, 642; vorgreifen Adelung; Campe;
dän. foregribe
ist dem deutschen worte nachgebildet. 11)
in eigentlicher bedeutung mit der hand nach vorn greifen: vorgreyffen, die hend vor im här strecken, vor im anhingreyffen Maaler 475
c; (
ritz in brettern,) den ich, ungefehr mit den händen vorgreiffend, ... angetroffen
theatrum amoris (1626) 105; (
im bilde:) wenn er nicht mehr spricht, greift er mit der hand vor, immer noch den discurs fest am schopf zu halten maler Müller (1811) 3, 38. 22)
vierfüszige thiere greifen
zum lauf mit den vorderfüszen vor,
weit ausholendes v.
bezeichnet schnellen lauf (
vgl. ausgreifen): den wilden anblick dieses herausstürmers vermehrt das gewaltige v. der pferde (
auf einem bilde) Göthe 49, 1, 102
W.; die pferde sind unvergleichlich. voll vermögen! was das arbeitet! was das vorgreift! Ayrenhoff (1814) 3, 64. 33)
übertragen auf den menschlichen fusz: der vorgreifende rechte fusz hat einen festen stand Engel (1801) 7, 383; bald mit weit vorgreifendem fusze nach einem entdeckten, sichereren standort ... haschend H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 449. 44) v.
wird schon in älterer sprache als jagdausdruck gebraucht: swer diser vart nû rehte wil kumen nâch, der muoz fürgrîfen wîte Hadamar v. Laber 60 (
u. ö.)
Schm.; es were hiervon noch viel zu sagen von den jägern, vor- und nachfährt ... geäsz, gefresz, gelösz, fürsuchen, fürgreifen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 117. —
dann in bestimmten bedeutungen: v., '
vom hirsche so viel als sich übereilen' Krünitz
öconom. encycl. 231, 390. — vorgreiffen, mit dem leithunde, ist umb oder in einem holtze herumbziehen, zu vernehmen, ob das wiltpreth, welches an einem orthe hineingespühret, darzwischen bleibe Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. (1682) 1, 15; vorgreiffen ist so viel, dasz man quer vor ziehe und sehe, wo die hirsche her oder weiter hingezogen Döbel
neueröffn. jägerpractica (1754) 1, 88; der jäger greift mit dem schweiszhunde vor, sobald dieser die fährte eines angeschweiszten stücks verloren hat, indem er einen groszen bogen mit ihm schlägt, um die stelle zu finden, wo die fährte hinausführt Behlen
forst- u. jagdkunde (1840) 6, 170. 55)
von der eigentlichen bedeutung (1)
ausgehend: wenn es (
Ruszland) wegen seines vorgreifens nach dem Bosporus von andern mächten angegriffen wird Bismarck
ged. u. erinn. 2, 264
volksausg.; von unpersönlichem: gleich einzelnen lauten an ihrer stelle wirken auch einzelne worte im satz auf einander hin, bald vor, bald zurückgreifend J. Grimm
kl. schr. 3, 312; so kann es auch ... vorgreifende begriffe ... geben
F. H. Jacobi (1812) 2, 32; vorgreifende (
motive) Göthe 41, 2, 222
W. im unterschiede zu der im entwickelten nhd. häufigsten anwendung auch in durchaus günstigem sinne: sîn wîser, vorgrîfender sin
pass. 375, 92
K.; welches dann also unsern nachkommen, lieber aber unsern vorgreifenden anheimgestellt sei Göthe 42, 2, 69
W.; seine frische, seine eigensinnige herbe jungfräulichkeit, sein rücksichtsloses um- und v. (
als tugenden des deutschen geistes) Immermann 1, 194
B. —
die übertragene anwendung kann das wort je nach dem zusammenhange in sehr verschiedener färbung der bedeutung zeigen, neutral oder in dem sinne, dasz nicht der gewöhnliche, zu erwartende oder berechtigte zeitpunkt gewählt ist, anderseits, und mehr in älterer sprache, dasz zugleich über das zustehende gebiet, recht, vermögen hinausgegriffen wird: vorgreiffen,
praejudicare, id est vor anderen, denen es gehört, uhrtheilen Schottel
haubtspr. (1663) 652
b;
einfach von einem vorausnehmen in der zeit ohne jede miszbilligung: an dem durch serenissimi gnade vorgreifenden fest einer fünfzigjährigen dienstfeier Göthe IV 40, 153
W.; die akademie pflegt alljährlich an diesem tage vorgreifend das geburtsfest des königs feierlich zu begehen Döllinger
akad. vorträge (1888) 1, 55. —
dagegen mit der vorstellung verbunden, dasz von dem normalen verfahren abgewichen wird: v., '
in der forstwissenschaft so viel als überhauen' Krünitz
öcon. encycl. 231, 390; '
dasz aus einem forste mehr holz genommen wird, als nach der berechnung ... jährlich gehauen werden soll' Behlen
forst- u. jagdkunde (1840) 6, 106. 66)
es zeigt sich also, dasz der gebrauch des verbums, wenn es allein steht, immerhin etwas beweglicher ist, als wenn es mit einem dativ verbunden ist (
s. unten 9),
wenn es natürlich auch in ganz gleichem sinne gebraucht werden kann wie in der verbindung mit einem dativ: ob er vorgreift und sich der nächsten stufe über ihm gleichzustellen sucht Lavater
physiognom. fragm. (1775) 1, 16; jeder anfang ist ein v., so wie jede philosophie nur eine vorübung Hegel (1832) 1, 280; der vierte act ist der schwierigste und am meisten dem v. ausgesetzt Grillparzer im
jahrb. d. Grillparzerges. 1, 214; seine (
Österreichs) politik will nicht vorgreifen Görres
schr. (1854) 2, 333; er glaubte sogar vorgreifend an seine groszmut O. Ludwig (1891) 1, 239; du greifst vor. das sind gefühle, wenn man sich im walde verirrt hat Fontane I 4, 351; freilich war das etwas stark von mir! vorgreifend etwas: denn künftgen zeiten kann ich nicht gebieten Herder 28, 250
S.; da ich es sehen musz, wie ihr vorgreift in allem und euch selbst und eure kraft durch ungezähmten willen noch vor der reife bald zu welken zwingt
M. v. Collin
dram. dicht. (1813) 3, 184; dasz ich die rachegötter vorgreifend nicht um ihren raub betrüge Grillparzer
Sappho 5, 3. 77)
alleinstehendes v.
wird im sinne von vorwegnehmen in beziehung auf darstellung und erzählung gebraucht: (und damit ich mit der erlaubnisz meiner leser vorgreife) er legte wirklich sein amt über ein kleines nieder Hippel
lebensl. (1778) 2, 502; eine bemerkung, um möglichen miszverständnissen durch v. vorzubauen Fichte (1845) 2, 114; (
fragen,) über die ich mich, um nicht vorzugreifen, hier nicht weiter auslassen kann K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 14; wir stellen hier vorgreifend die einzelnen legenden ... zusammen Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 170; ich will ein wenig v. in meiner erzählung
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 174; ich greife in der zeit vor, in dem ich hier ... einschalte Bismarck
ged. u. erinn. 2, 29
volksausg. —
im passiv.: es ist daher in dem ersten theile hier und da vorgegriffen worden Gervinus
a. a. o. 2, 3. 88)
häufig, auch in der umgangssprache, doch will ich nicht v.
u. ä., eine zeit lang fast geflügeltes wort durch die kriegsberichte Wippchens (J. Stettenheim)
in den Berliner '
wespen': ich will nicht v. Lavater
verm. schr. (1774) 2, 132; aber wir möchten nicht gern v. Laube (1875) 14, 337; aber ich will nicht v. Fontane I 1, 257. 99)
verbindet sich das verb. mit einem dat., so wird die bedeutung im allgemeinen schärfer bestimmt, bis zum eigenmächtigen, unerlaubten; im entwickelten nhd. hat dabei vor
immer den sinn, dasz die handlung zeitlich der einem andern zukommenden oder von ihm zu erwartenden vorausgeht, während in älterer sprache auch das blosze übergreifen in das gebiet, recht eines andern gemeint sein kann (
s. unten die stelle aus Morhof): es soll keiner dem andern v.,
regendi sunt officiorum fines Stieler 700; fürgreiffen, einem, ihm ins amt fallen,
to invade anothers province Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 676; sonsten ist nicht zu leugnen, weil sie (
die englische sprache) den wörtern und der construction nach teutsch, sie billig an dem lob dieser sprache mit einen theil habe, jedennoch, dasz sie sich nicht unternehme, der mutter vorzugreiffen Morhof
unterricht v. d. dt. spr. (1682) 1, 228;
in besonderer wendung: damit diesem übel bey uns an der wurzel vorgegriffen würde Lenz
vertheidigung des herrn W. (1776) 7; schon unsrer väter schild musz uns bewegen, vereinet diesem jungen weiberreiche in seinen bösen früchten vorzugreifen Brentano (1852) 6, 116. 9@aa)
mit dem dativ einer person oder mehrheit von personen verbunden; vereinzelt auch in günstiger bedeutung: ich habe immer gern achtung und nachsicht gegen einen autor, von dem ich lerne, und dessen ideengang mir forthilft und vorgreift G. Forster (1843) 8, 160;
nur das zeitliche vorausgehen bezeichnend: indessen hatte ein kunstfreund, im jahre 1822 Meyerbeer vorgreifend, vorgeschlagen, die partie des comthurs durch ein sprachrohr ... singen zu lassen O. Jahn
Mozart (1856) 4, 446. — greifen
in eigentlicher bedeutung: jemand vorgreiffen bey der tafel,
esser il primo al piatto, pigliare il primo boccone Kramer
teutschital. dict. 1 (1700) 562
b. —
gewöhnlich bezogen auf amt, tätigkeit, wirkung, entscheidung, meinungsäuszerung; er greifft dir für,
partes tuas praeoccupat; er griff mir vor,
me antevertebat Steinbach 1, 642; einem v.,
praeoccupare partes et jura vel judicium alicujus Haltaus 1992; einem v., '
etwas eigenmächtig thun, was dem andern zu thun gebührete' Adelung. 9@a@aα)
in bezug auf übermenschliche wesen: man musz unserm herrn gott nicht vorgreiffen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, O o 2
b; wenn schon jetzt ... der blutige Mars oder die donnernde Bellona der freundlich saumseligen Klotho
vorgriff Lessing 1, 151
L.-M.; gnade dem knaben, der dir vorgreiffen wollte. — dein eigen allein ist die rache Schiller
räuber 5, 2; wir haben philosophen gehabt, die hierin längst dem teufel vorgegriffen haben Klinger (1809) 3, 58; (
einem) vermessenen und gott strafbar vorgreifenden manne Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 4, 126; sie sollen unserm herrgott nicht v. wollen Holtei
erz. schr. (1861) 14, 210; zu dem, was hat der jude gott denn vorzugreifen Lessing
Nathan 4, 2; greift blutig nicht dem gnadenengel vor Schiller
Wallensteins tod 4, 6. 9@a@bβ)
gegenüber menschen: dadurch dem pabst das wenigst entzogen oder vorgriffen werden mechte
polit. korresp. Moritz v. Sachsen 2, 361
Br.; wie solches die andern fürsten hören, wollen sie dem herzog aus Holstein auch nicht v. Schweinichen
denkw. 385
Ö.; (
dasz) keines dem andern ... v., sondern als treue mitglieder beisammen stehen sollen (1618)
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 16,
anm. 1; daher er andern, so der sache mehr erfahren, hierin nicht v. wolte Chemnitz
schwed. kr. 2 (1653) 20; weil nun der könig selbst zugegen war, wolten sie ihm nit vorgreiffen Agyrtas
grillenvertr. (1670) 103; ihm (
dem sammler von J. V. Andreäs schriften) also nicht vorzugreifen, spreche ich von den lateinischen schriftchen dieses mannes kein wort mehr Herder 16, 233
S.; vermeinte er, es habe ihm bereits eine diebskonsorte vorgegriffen Musäus
volksm. 1, 52
H.; regentin: rede grad heraus, Machiavell.
M.: ich möcht euch nicht v. Göthe 8, 233
W.; dasz ich zwar von herzen bereitwillig sey, dem kranken zu dienen, aber seinem ihm verordneten geistlichen nicht wohl v. könne Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 18; er wolle in die generaldiscussion nicht eingehen, dem staatsministerium nicht v. Bismarck
polit. reden 2, 76
Kohl; das ist nun das bedencken mein, doch soll niemand vorgegriffen sein Dedekind
papista conversus (1596) k 6
b; vergebt mir, werthe herrn! dasz ichs gewagt euch vorzugreifen Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 6, 93. 9@bb)
mit einem unpersönlichen dativ verbunden; auch hier gelegentlich neutral oder günstig: anstatt aber auf dem wirklich hohen standpunct unserer zeit der nachwelt vorzugreifen, ... so verwirrt sich der fühlende, denkende, urtheilende mit in der tagesmenge Göthe IV 25, 226
W.; der nur verdient geheimnisvolle weihe, der ihr durch ahnung vorzugreifen weisz I 10, 306
W.; an irgend etwas ernsthaftes, der zeit vorgreifend, dachte er nicht
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 3, 18. 9@b@aα)
dabei kann natürlich logisch eine person oder persönlich gedachtes bezeichnet werden; oder eigenschaften, wirkungen, die von der person ausgehen, vertreten diese selbst: ginge nun ein schriftsteller nur obenhin drüber weg, so würde man ihn tadeln, dasz er bessern federn vorgegriffen
d. neueste aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 8, 425; ohne deinem durchdringenden verstande v. zu wollen Klinger (1809) 6, 75; dieses macht mich zu schüchtern, der mich leitenden hand irgend vorzugreifen J. v. Müller (1810) 6, 103; (
wunsch,) der dem himmel vorgreift Raupach
dram. w. kom. gattung (1829) 3, 346; niemand wird es wagen, der weisheit euer gnaden vorzugreifen Bauernfeld (1871) 6, 153; es soll keiner der vorsehung v. wollen H. Schmid
alte u. neue gesch. aus Bayern (1861) 99; dürfe man dem göttlichen erbarmen v.? Ranke (1867) 31/32, 45; o! lasz mich immerhin vorgreifen deinem zögernden vertrauen Schiller
Piccolomini 5, 1; aber euch gebührte nicht der milde unsres herzen vorzugreifen
Maria Stuart 5, 15.
unbelebtes persönlich gefaszt: oder sie (
die erde) hat etwan dem meer, welches dieses wütrichs in seinem schlunde erwartete, nicht vorgreiffen wollen Er. Francisci
traursaal (1665) 1, 917. 9@b@bβ)
dem schicksal, verhängnis u. ä. v.: (
dasz der sohn) dem väterlichen schicksal auch nicht dem scheine nach vorgreife Göthe 7, 203
W.; das hiesze nur der hand des schicksals v. W. Weigand
d. ewige scholle (1927) 584; deren herz in wildem sinn dem verhängnis vorgegriffen Müllner
d. schuld 1, 2; vorzugreifen wage nicht dem schicksal Platen 2, 469
R. 9@b@gγ)
der natur, der zeit, der entwicklung der dinge v.: warumb greiffst du ihr (
der natur) für? Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 1111; man musz ... der zeit nicht fürgreiffen Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 933; die zeit führt ihre entwürfe auf ihre weise aus, der niemand v. darf Herder 23, 450
S.; um der natur vorzugreifen und die frucht abzuschütteln, ehe sie reif ist Bürger 293
b Bohtz; der zeit kann und musz nichts v., nicht religion, nicht weisheit Hippel
lebensl. (1778) 3, 1, 49; darum greift kein ungestümes verlangen im busen der entwickelung der tage vor Immermann 1, 83
B.; so, dasz man ihr (
der zeit) vorgreife, indem man vor der zeit verlangt, was erst die zeit bringen kann Schopenhauer 4, 526
Gr.; warum der zukunft v.? Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. (1879) 4, 115; in der überzeugung, dasz man der vorsehung nicht so in die karten sehen kann, um der geschichtlichen entwicklung nach eigner berechnung vorzugreifen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 14
volksausg.; vergieb du herrliche, die mich gebohren, dasz ich, vorgreifend den verhängten stunden, mir eigenmächtig mein geschick erkoren Schiller 14, 54
G.; mein auge war geblendet, ich griff den zeiten vor mit kühner hand Bauernfeld (1871) 6, 46. 9@b@dδ)
einem urtheil, einer entscheidung, einem beschlusz, rathschlusz, einer meinungsäuszerung v.: hierinnen aber wil ich mehr verständigen gutachten nicht vorgegriffen haben Harsdörffer
t. secretarius (1656) 1, 147; doch ich will dem urtheile der leser nicht v. Lessing 10, 34
L.-M.; der schriftsteller wird also gegen ihn (
einen censor) immer die einrede haben, dasz er dem urtheil der welt vorgreife Herder 17, 306
S.; womit ich indessen der meinung keines menschen v. will Lichtenberg
br. (1901) 3, 9; hier aber wollen wir auf keine art unsern meinungen v. Göthe 41, 1, 234
W.; ich will dem ausspruch des lesers nicht v. Schiller 4, 68
G.; (
sie) dürfen dann der hohen entscheidung des monarchen nicht v. Chamisso (1836) 1, 196; ohne besserem urtheile v. zu wollen Fontane I 2, 188. 9@b@eε)
und sonst in mannigfaltigen verbindungen: hier musz ich abbrechen, um meinem hauptbericht nicht zu viel vorzugreifen Göthe IV 23, 145
W.; ich werde mich wohl hüten, ihren (
der liebe) wirkungen vorzugreifen Caroline 1, 78
Waitz; ohne der gesammtpolitik des eignen vaterlandes vorzugreifen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 254
volksausg. 9@b@zζ)
auch das subject kann unpersönlich sein: die grenzen zwoer künste zu bestimmen, damit die eine der andern nicht v., vorarbeiten, zu nahe treten wolle Herder 3, 10; jene (
einbildungskraft) ist oft auf den ersten anblick mit allem fertig und greift dieser (
vernunft) ... vor Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 322; ich glaube, dasz der instinct im menschen dem geschlossenen urtheil vorgreift Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 27; es wird zeit, diese einleitung zu schlieszen, damit sie nicht, anstatt dem werke blosz voranzugehen, ihm vorlaufe und vorgreife Göthe 47, 31
W.; die furcht vor ... gewalt hat hier der hand des todes vorgegriffen Klinger (1809) 4, 76; diese änderung griff ... dem geiste der zeit vor Mommsen
röm. gesch. (1854) 1, 281; ihm war, als dürfe er die phantasie der überschwenglichen wirklichkeit nicht v. lassen Storm (1899) 1, 307; die politik griff ihrer neigung vor Schiller
dom Karlos 3, 5. 1010)
im entwickelten nhd. wird v.
nicht mit dem acc. eines objects verbunden, wodurch die eigentliche bedeutung von greifen
mehr hervortreten kann: einem was vorgreiffen,
aliquid alicui praecipere Steinbach 1, 642;
passivisch: wie konnte die kammer für das vorgegriffene gehalt zweyer monathe mein haus und meinen garten verkaufen? Klinger (1809) 8, 193. —
dagegen wird dän. foregribe
ganz gewöhnlich im sinne von vorwegnehmen mit dem acc. verbunden. 1111)
hierzu verzeichnet Adelung
das kaum lebendige vorgreifung, f.: excessus mentalis fürgriffung Diefenbach
gl. 215
a (15.
jh.);
mnld. voregripinge Verwijs-Verdam 9, 991;
vgl. vorgriff.