wuseln,
wusseln,
vb. , '
sich wimmelnd bewegen'.
bewegungsnachahmendes verb, wie verschiedene gleichbedeutende wörter ähnlicher lautgestalt, z. b. wutzeln (
s. u.),
1wudeln (
sp. 1734), wurlen
und wurren 2 (
sp. 2225
und 2294),
3wispeln
und wispern 3 (
sp. 738
und 741), wuspeln (Vilmar
Kurhess. 462,
vgl.wöspelen
wb. d. luxemb. ma. 492
a), wuschpern (Knothe
Nordböhm. 547; Anton
Oberlausitz 6, 7);
vgl. auch wieseln
teil 14, 1, 2,
sp. 1598
und gewusel, gewutzel '
gewimmel'
teil 4, 1, 4,
sp. 6872
u. 6873.
die in der literatur gewöhnlichere form des wortes ist wuseln. wusseln
findet sich bei Weckherlin (
s. u.), Starklof (
s. u., daneben wieseln,
s. d.), Paul Ernst
frühe geschichten (1931) 11 (
daneben wuseln,
s. u.).
mundartlich ist wuseln
und (
oder)
das zugehörige adj. wuselig (
s. d.)
für das ostfränk. (
Rappenau),
schwäb., bair., steir., kärnt. und für das nordwestliche mitteldeutsche (
Aachen, Eifel, Trier, moselfränk.-siebenbürg.)
verzeichnet. wusseln
und (
oder) wusselig
herrscht im elsäss., lothring., pfälz., oberhess. und thüringischen; schwanken zwischen -s-
und -ss-
zeigt sich u. a. im kurhess. (
vorwiegend -ss-)
und obersächs. (
vorw. -s-).
ferner begegnet wûzeln Schmeller-Fr. 2, 1064; Autenrieth
pfälz. 153; Weinhold
schles. 106
b sowie wusern
in Tirol (Schatz 715)
und im Allgäu (Reiser
sagen 2, 745). —
mundartliche verwendungen von wuseln
für '
wachsen, gedeihen' (Schmeller-Fr. 2, 1039; Klein
provinzialwb. [1792] 2, 239 [
Augsburg])
stimmen mit 2wudeln,
sp. 1735,
überein und hängen vielleicht mit bildungen gleichen anlauts, wie schweiz. wüed '
üppig', wühlen '
wuchern'
und bair.-schwäb. wüch '
üppig' (
s. d. sp. 1689),
zusammen. —
das wort verbindet sich sehr leicht mit präpositionaladverbien oder bildet mit ihnen komposita, z. b. hin und her- (
s. u. Göthe), durcheinander- (
s. u. Starklof), herumwuseln (
s. u. Grimmelshausen);
vgl. ferner 2 a. 11)
wimmeln, sich flink durcheinander bewegen, von einer vielheit (
kleiner)
lebewesen. lexikalisch nur ganz vereinzelt gebucht: wuselen
serpere, ut pediculi solent Aler
dict. (1727) 2, 2221
a (
nicht bei Stieler, Kramer, Adelung
u. Campe). 1@aa)
am frühesten in unpersönlicher oder kollektivischer fassung es
oder alles wuselt (von etwas): auch wuszlet alles voll von käfern und häwschrecken Weckherlin
ged. 2, 160
Fischer; da trippelt ein die kleine schaar (
der gnomen) ... im moosigen kleid mit lämplein hell bewegt sich's durcheinander schnell ... und wuselt emsig hin und her, beschäftigt in die kreuz und quer Göthe I 15, 1, 53
W.; und alles springt und wuselt froh belebt Paul Ernst
kaiserbuch 2, 2 (1927) 202.
auch eine bezeichnung des ortes, wo es wimmelt, kann als subjekt stehen: ertönte eine stimme aus dem wuselnden innern (
eines überfüllten omnibusses) J. Scherr
gröszenwahn (1876) 59; hätte der sturm die hütte abgedeckt, dasz man gar von oben ins wuselnde kindernest hineinsehe Rosegger
wildlinge (1906) 133; unkraut wächst, steine stecken in den beeten, der boden wuselt von ungeziefer Carossa
eine kindheit (1922) 48. 1@bb)
mit persönlichem subjekt: diese (
junge hündlein) wuselten behend in der zelt hin und wieder herumb (1669) Grimmelshausen
Simpl. 161
Scholte; ich sahe ... sehr viel kleine kinderlein wuseln
türckischer vagant (1683) 138; es kostete einige mühe, bis von den vielen kellnerinnen, die im hause durch einander wusselten, eine uns stand hielt Starklof
vierzehn tage im gebirge (1837) 389; und die ferkels wuselten quietschend hinter ihr drein Viebig
die vor d. toren (1955) 48.
hierzu auch: wo der Franzose (
Rabelais) einen narren in ein wort sperrt, sperrt Fischart ein ganzes narrenhaus in einen satz, dasz dem leser vor diesem wirbelnden wuseln der gedanken und vorstellungen schwindelt Goedeke
elf bücher deutscher dichtung (1849) 1, 159. 22)
seltener von einzelnen lebewesen '
sich wimmelig, lebhaft aber etwas konfus bewegen'. 2@aa)
allgemein: bald hier, bald da wuselt eins der jungen über die ledrigen laichkrautblätter Löns
aus forst u. flur (
o. j.) 113; aus einer hütten wusselt ein kleines maidlein herauf und lief auf uns zu Kolbenheyer
meister Pausewang (1910) 263; hinterdrein wuselt frau Powenz mit der petroleumlampe Penzoldt
Powenzbande (1949) 40.
auch: einmal fuhr die dampfbahn vor und lud post aus. dann wuselte sie nach ihrer art eilig weiter Schaffner
Konrad Pilater (
31910) 457. —
hierzu komposita des sinnes '
sich wuselnd aus etwas herausarbeiten': und ich freue mich über jede kleine schote, die aus ihrem weiszen westerhemdchen hervorwuselt Wieland in:
br. an Merck 2, 148
Wagner; die menschheit musz sich ganz allmählich selbst herauswuseln. die menschen wollen nur durch schaden klug werden Otto Ernst in der
jugend (1898) 106
c. 2@bb)
sich in dieser weise zu schaffen machen; besonders auch '
sehr geschäftig thun ohne besonderen erfolg' Schmid
schwäb. wb. 540: das kleine männchen ... putzte und rückte immer fort an den uhren, zog sie auf, und sorgte und wuselte immer fort Brentano
ges. schr. (1852) 5, 361; auf dem hof gab es nur den fremden mann und den alten knochen, ... den schnapstrinker, grosz im trinken und im geschäftigen wuseln Erhard Wittek
bewährung d. herzen (1937) 101;
so auch: nur ein artiges mädchen wuselte mit dem staubtuch an den ... gläserbrettern herum Muellenbach
silberdistel (1903) 28.