welf,
m., n. ,
junges von säugetieren, besonders von hunden und wilden tieren, näheres s. u. ahd. welf,
mhd. welf;
as. hwelp Sehrt 286,
nd. welp(e) (
s. d.),
mnl. welp Verwijs-Verdam 9, 2, 2131;
ags. hwelp Bosworth-Toller 573
b;
an. hvelpr Cleasby-Vigfusson 299
b,
norw. kvelp A. Torp 345,
dän. hvalp Falk-Torp 437,
aschw. hwælp,
schwed. valp Hellquist 1086. (a
nach Kock
sv. ljudhistoria 1, 243, Brøndum-Nielsen
gammeldansk gr. 1, 192
in schwach betonter stellung im 2.
compositionsglied [biorna-, leonakwalper
u. ä.]
entstanden.)
auszergerm. entsprechungen fehlen. Persson
Bezzenbergers beitr. 19, 275, 6,
dem Fick 3
4, 117, Falk-Torp
a. a. o. u. 1486, Hellquist
a. a. o., Torp
a. a. o. folgen, stellt das wort zu
germ. hwel- (
idg. [s]q
el-,
wurzelvariante zu kel- '
rufen')
in ags. hwelan, hwæl '
widerhallen, brüllen' Bosworth-Toller 573,
an. hvellr '
gellend' Cleasby-Vigfusson 299,
ahd. (h)wel (
flekt. [h]weller) '
procax'.
germ. *hwelpa- (
daneben * hwelpaz-
s. u.)
wäre demnach das '
heulende, winselnde',
dann '
junge tier'.
vgl. dazu als bezeichnung für schrillschreienden vogel ags. hwilpa '
vogelart (
regenpfeifer?')
s. Toller
suppl. 582
und Holthausen
ae. et. wb. 182,
nnl. wulp '
regenpfeifer' Dale
groot wb. 2, 2010,
fries. wylp '
brachvogel' Dijkstra 3, 449,
nd. regenwölp '
wasservogel, krummschnabelige schnepfe' Dähnert 377, regenwülp '
regenpfeifer' Mensing
schlesw.-holst. 4, 72, regenwilp
dass. Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 24
neben regengilp
ebda zu gilpen '
laut u. scharf schreien'
ebda 1, 627;
auch neunorw. kvelpa '
plätschern, glucksen, glucken' A. Torp 345. —
es wären dann weiter anzureihen baltoslav. bezeichnungen für hund und hundebellen: lit. kãlė '
hündin',
poln. skolič, skulić '
wie ein hund winseln',
tschech. skoliti '
belfern' (
nach Brückner
d. slav. fremdw. 131
ist lit. skãlyti '
fortgesetzt bellen, anschlagen',
wozu skalìkas '
bellender jagdhund',
vgl. apreusz. scalenix '
vorlauf' [
d. i. vorstehhund],
aus dem slav. entlehnt) Fick 3
4, 116
f., sowie alb. kelǘš '
tierjunges, bes. junger hund',
mir. cuilén,
cymr. colwyn,
bret. kolen '
junger hund' (<
*kol-igno-),
s. auch Walde-Pokorny 1, 445 (
bes. über die zugehörigkeit von σκύλλαξ) u. 1, 318,
ebenso Franck-van Wijk 786.
anders, doch wenig wahrscheinlich stellt Much
in zs. f. dt. wortf. 2, 287 welf
zur sippe von *hwalbjan '
wölben'
als urspr. '
das gewölbte' (
griech. κόλπος <
*πόλπος),
dann '
mutterleib, junges',
analog zur bedeutungsentwicklung von kalb;
zu aslav. kolĕbati '
schwanken machen' Uhlenbeck
in PBB 26, 311.
als starkes mask. und neutr. seit dem ahd. gleichmäszig bezeugt: uuelfa (
catuli)
Tatian 85, 4
S., daz welf
Windb. ps. 16, 13; ire welf (
catuli) Cranc 20
Z.; seineu welf Konrad v. Megenberg
buch d. natur 204, 3; die welff H. Österreicher
Columella 1, 103
lit. ver.; der welf Platen
s. w. 4, 119
K.-P. der plural auf -er
ist über das mhd. hinaus nicht mehr bezeugt: uuelfir
ahd. gl. 3, 17, 21 (
alem. 10.
jh.); uuelfer 3, 80, 43 (12.
jh. u. sp.); 3, 201, 61 (12.
jh.); uuelfer (
catuli) Notker
ps. 103, 21, welfer Konrad v. Würzburg
lieder 1, 65, die welfer
Daniel 4947
H., den welfern
Trebn. ps. 56, 5
P.; vgl. welferchen
bei welfchen
und welferlein
bei welflein.
er ist entweder analogisch nach andern tiernamen (
vgl. ähnlich dierer, damir, swinir
bei Schatz
ahd. gr. 211
f.)
gebildet oder bezeugt alten s-
stamm. dasz aus diesem der a-
stamm erwachsen sei, wie Palander
d. ahd. tiernamen 18
und Kluge-Götze 683
annehmen, [] ist angesichts der übereinstimmung des nord., ags. u. as. mit einem teil des hd. im masc. ganz unglaubhaft. vgl. auch Osthoff
etym. parerga 315. —
daneben schwache beugung seit dem mhd. (
vgl. auch das vereinzelt im ags. belegte schwache m. hwelpa Toller
suppl. 580): daz ... welfe Hans v. Bühel
Dyocletianus 4504
K., ein welfen saugen lassen (
v. j. 1475)
bei Birlinger
schw.-augsb. wb. 430
a, ainem ... welffen Mynsinger 55
lit. ver., die welffen Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 600
a, den welfen Wieland
Lucian 3, 423.
rundung zu ö
ist frühnhd. bezeugt: ein hindtin sambt den wölfen (
v. j. 1451)
bei Fischer
schwäb. 6, 665, das jung wölffen (
hund) Ryff
thierbuch Alberti (1545) A 6
b, junger wölffen zway (
löwen) Wickram
w. 7, 192
B. späterhin bildete man dazu den analogischen singular wolf: wenn die hündin einen von ihren jungen wölfen zum ersten auffasset ..., hält man es vor das gewisseste zeichen, dasz dieser junge wolf der allerbeste unter dem ganzen wurf seie Heppe
lehrprinz (1751) 397.
die parallelität der formen (
s. auch wölflein
unter welflein
und wölfen
unter welfen)
führte ältere lexikographen zu der irrtümlichen annahme eines ursprünglichen zusammenhanges mit wolf '
lupus' ('
gemeiniglich hält man wolf,
ein junger hund, und wolf,
lupus, für wörter eines stammes, allein im schwedischen sind beyde genau unterschieden' Adelung [1793] 4, 1603),
s. dazu auch Vilmar
Kurhessen 446. welf,
ursprünglich auf dem gesamten deutschen sprachgebiet zu hause, wird von den hochdeutschen mundartenwörterbüchern nicht mehr als lebendig bezeugt. Vilmar
Kurhessen (1868) 446
bezeichnet es als auch in fachsprachlichen kreisen aussterbend. nur noch in randgebieten des niederdeutschen lebt es als welp (
s. d.)
weiter. schon im 16.
jh. scheint das bedürfnis der worterklärung zu bestehen: welff ... heist in alter sechsischer sprache ein jung hündelein
M. C. Schütz
hist. rer. pruss. (1592) K 1
a (
näheres s. u.).
heute ist an die stelle von welf (welp)
das substantivierte neutrum des adj. jung
getreten, s. teil 4, 2, 2372.
vgl. auch v. Bahder
wortwahl 146
f. 11)
ahd. und mhd. geht der gebrauch am weitesten. vorwiegend steht welf
von jungen hunden und löwen: uuelfa (
catelli) ezzant fon brosmun theo dar uallent fon discu iro herono
Tatian 85, 4
S.; losta mina sela uzzer mitten leuuon uuelferen (
de medio catulorum leonum) Notker
ps. 56, 5; Judas min sun ist welf des levin (
catulus leonis Juda filius)
ahd. physiologus bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdenkmäler 27, 4,
doch bald darauf: so diu levin birit, so ist daz levinchelin tot (
cum leena peperit catulum, mortuum eum generans ...); ist diz der helt Achilles, der grimmen löuwen freissam ir welfer ab der brüste nam? Konrad v. Würzburg
troj. krieg 29 552
K.; er stüende reht als ein jungez welf bî alten hunden Hugo v. Trimberg
d. renner 2118
E.; das ich uch möcht gehelfen recht als der leo sin welfen mit rufen birt daz leben meister Altswert 135
H.-K. von sonstigen, meist wilden tieren, so als junges von tiger und affe: tigris chit sagitta ... der imo sin uuelf ferstilet ... der netruet imo nieht enfaren Notker 1, 164, 22
P.; ter affo guuinnet io zuei uuelfer
ebda; von jungen drachen: waz solte ich an iu welfernêren hie begân?
Wolfdietrich A 599, 3
Amelung; die lebart mit ir welfe
d. jüng. Titurel 5609
H.; das kalb und der ber werden mit enandir weyden, ire welf (
catuli) werden mit enandir ruwen Claus Cranc 20
Z.; dass er ihnen ein hindtin sambt den wölfen entfieren lassen (
v. j. 1451)
bei Fischer
schwäb. 6, 665; er wút, als ob einer berin wúrden gezúckt die welff
erste dt. bibel 5, 196.
im älteren nhd. lebt der gebrauch für das löwenjunge noch fort, es sind vor allem biblische texte, die zu dieser verwendung anlasz geben: jagest du dem löwen den raub oder speysest du seine wälffen mit dem wildprätt?
Züricher bibel (1531) 2, 14
a;
[] gleich wie ein löw dem raub nachstrebt und davon lebt mit seinen jungen welffen Burkart Waldis
psalter (1553) 24
b.
in der hauptsache schränkt sich das wort auf hunde und heimisches raubwild ein: die wolf saztend den schauffen iere jungen welffen (
zu geiseln) Steinhöwel
Äsop 159
lit. ver.; (
von hundezucht:) man sol die welff (
catulos) die sechs ersten monatt, bisz si erstarckend, nit uss lassen H. Österreicher
Columella 2, 103
lit. ver.; das in teutscher sprach ein junger hund, wolff oder fuchs ain welph haist Dreyfelder
hist. d. hauses Est (1580) 63
a.
gleichzeitig verengert sich die anwendung des wortes sichtlich auf fachsprachliche kreise: das wir ... unsern jegerknecht abgefertigt ... haben, das er ... unsern wasenmeistern (
abdeckern) etzliche junge welfer lifern soll (
v. j. 1566)
bei Vilmar
Kurhessen 446; wann dann die junge welff fünffzehen tag alt, soll man ... hernach ein glaich vom schwantz schlagen
new jägerbuch (1590) 9
a; die hündin ... soll man zu belegen nicht verziehen und sonderlich junge hund darzu brauchen, indem die welffen viel freudiger werden Hohberg
georg.-cur. (1682) 2, 600
a;
in abweichender form: junge wölfe werden genannt die jungen von allen racen der hunden, vor junge wölfe werden auch angesprochen die jungen einer luchsin, wölfin und füchsin C. v. Heppe
lehrprinz (1751) 301.
die sach- und jagdwbb. des 18. u. 19. jhs., wie allg. ök. lex. (1731),
Chomel, Krünitz, Behlen,
führen das wort nicht, Riesenthal (1920)
kennt dafür welpe (
s. d.).
literarisch setzt dagegen eine wiederbelebung ein, vgl. hierzu welpe: indem er in der einen hand den welfen eines löwen emporhält Wieland
Lucian 3, 423;
vgl.: das junge eines löwen nannten unsre alten Deutschen einen welfen. diesz wort ist unvermerckt auszer cours gekommen
ebda; ihm zunächst lag zahm des leun blonde braut, friedfertig saugend hing an der zitze der welf Platen
s. w. 4, 11
K.-P.; es artet in zeiten der welf nach dem leuen Rückert
w. (1867) 11, 276; dazu vier welfe des bären Rückert
nachlasz 67
R.; es wären welfe oder junge hündlein Grimm
dt. sagen (1891) 2, 128. 22)
nur gelegentlich für ausgewachsene tiere, hunde; durchweg nur in bildlich-allegorischer anwendung bezeugt; so als '
höllenhund'
für den teufel: Mary, vor allen dingen kumm mir zuo troust und helff, so mich der leidig welff wölt schlinden unde fressen Hermann v. Sachsenheim
d. g. tempel 1136
M.; für '
höllenhund'
auch im nl., s. Verwijs-Verdam 9, 2, 2132; '
jagdhund': seid mich nit mag gehelffen triu und stättikeit und du ye jagst mit welffen
liederb. d. Hätzlerin 87; das reich will bei dir sein (
d. bair. löwen), es will dir dapfer helfen mit allen seinen welfen, die können jagen und gelfen den von Wirtenberg aus dem holz (
v. j. 1519)
bei Liliencron
hist. volksl. 3, 246.
in allen diesen fällen wird reimzwang den abweichenden sprachgebrauch begünstigt oder veranlaszt haben, doch vgl. auch welfisen '
fuchs- oder wolfsfalle' (
v. j. 1690) Staub-Tobler
schweiz. id. 1, 546. 33)
junger, unerfahrener oder hilfloser mensch; in älterer sprache: so han wir meine sure bat von dem tiefel e bekort ... dez wir cranken welfe sun ir richin helfe demüeteclichen flehin Hugo v. Langenstein
Martina 223
K.; herre, mit der gotes helffe wil ich daz reine welffe uwer kint wol generen Hans v. Bühel
Dyocletianus 4504
K.; ein unverstendig welf bistu
ackermann aus Böhmen 10, 5
Hübner; [] zwar ich pin der kunst ain welf ('
neuling') und an getichte schnöd (
aus d. 15. jh.)
bei Schmeller-Fr. 2, 901; den jungen welffen sol man das gelb vonn schnebeln wüschen, wa sy sitzen ob den tischen
liederb. d. Hätzlerin 156.