unterpfand,
n.; zu den formen s. pfand.
mhd. underphant;
mnd. underpant;
mnl. onderpant,
nl. onderpand;
altfries. onderpand;
dän. underpant;
isl. undirpantr.
das verhältnis zum grundwort und der sinn des präfixes sind verschieden aufgefaszt: bei bed. 3
liegt 1unter III B 1
a α und gs. zu mnl., mnd. pant
lacinia vor; im Brabanter mnl. war onderpant
ein bei- oder nebenpfand im gs. zum eigentlichen pfand (
mnl. wb. 5, 385;
1unter III B 1
a ε);
die verbreitetste auffassung sieht in u.
ein pfand, das zur sicherung einer forderung oder verpflichtung in jemandes gewahrsam oder verfügung gegeben wird (
1unter III B 1
a γ;
1unter II A 1
e, 2
e; under sich be halden
als pfand quelle bei Haltaus 1468; unter
im wechsel mit hinter Haltaus 911; Meibom
d. d. pfandrecht [1867] 37
anm. 64;
aber hinterpfand
gehört zu pfand
portio, segmentum);
vgl. ags. underwed.
rechtsgeschichtliche forschung findet den anlasz zur entstehung des wortes darin, dasz, im gegensatz zu dem in pfandbesitz übergehenden pfand, u.
ein pfand bezeichnete, das der pfandempfänger unter oder hinter dem verpfänder beläszt; W. Arnold
zur gesch. des eigentums (1861) 127; Meibom 37.
s. d. rechtswb. oft ist ein unterschied zwischen pfand
als beweglichem und u.
als unbeweglichem gut gemacht (Sattler
phraseologei [1631] 291; Staub Tobler 5, 1143; Corvinus
fons lat. 627; Stieler
zeitungslust 449; Apinus [1728] 275; Chr. Wolf, Haltaus, Möser),
aber, wie schon Adelung
feststellte, der nhd. sprachgebrauch hat das nicht anerkannt; '
pignus ein beweglich und fahrend underpfandt' Sattler
a. a. o. 550; 'u., pfand
von liegenden und sonst kostbaren fahrnus' Kramer (1702) 2, 193
b;
allg. haushaltungslex. (1749) 3, 612. 11)
rechtssprachlich. als wichtige form des wirtschaftlichen verkehrs mit der jüngeren satzung im 13.
jahrh. entstanden (Arnold 134
ff.),
wird u.
zunächst in urkunden mit subpignus, hypotheca wiedergegeben (Arnold 127
ff.; locavimus nomine ypotece, quod vulgo underphant
nuncupatur wirtemb. urkb. 7, 154 [1271]),
in glossaren auch mit subtervadium (Haltaus 1957; Diefenbach
gl. 562
c),
arra (Diefenbach
gl. 50
b),
arrabo gemma [1508] b 4
b),
contrapignus (Diefenbach
gl. 147
b;
gemma [1508] 9
b; vgl. dazu mhd. widerphant,
nhd. gegenpfand,
beide in übertragener bed.).
synonym satz Frisius 1004
a; Staub - Tobler 7, 1521; satzung 1583; einsatz Frischlin (1591) 428; Staub-Tobler 7, 1542; Henisch (1616) 855;
mnd. undersat, -settunge
wb. 5, 33
a; 35
a.
mit fürpfand (
s. d.),
vorweg gegebenes pfand, verbunden: zu einem für- und unterpfand (1571) Haltaus 558; der weiber heiratgüter werden andern gelaubigern, die davor personlich sprüch oder stilschweigend fürpfand wider den man heten, fürgesetzt. aber welche auszgetruckt underpfand, damit möcht es ain ander gestalt haben Tengler
d. n. laienspiegel (1518) 34
b.
die verbindungen entsprechen im allgemeinen den des grundwortes (
th. 7, 1603
ff.),
doch ist der gebrauch bei weitem nicht so entwickelt. aus dem röm. recht stammen: stillschweigendes, gesetztes, bestimmtes, allgemeines, gerichtliches, auszergerichtliches, richterliches u.,
hypotheca tacita, expressa, specialis, generalis, judicialis, extrajudicialis, pignus praetorium Stieler 1433;
andere attribute: köstliches, schlechtes Stieler
a. a. o., gutes, doppeltes, dreifaches
u. s. w. u. Staub-Tobler 5 1142. 1@aa)
von personen (Meibom 33
ff.): Antiochus ..., der zu Rom ein underpfand gewesen
Züricher bibel (1531) 1
Makkab. 1
a; weil wir ... uns ... nicht darzu ver stehen wolten, lieszen die Tartern zweene fürsten zum unterpfande A. Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 386 früher wechselte man geiseln aus als u. für verträge v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 111;
nicht mehr eigentlich: ich setze mich zum unterpfande für ihn
theater der Deutschen (1768
ff.) 9, 52; dasz er der treue letzte unterpfänder zieht aus des kaisers hand, verkündet uns ... Schiller 12, 79
G. var. (
Wall.);
später: die letzten pfänder seiner treu. 1@bb)
von gliedern des leibes; vgl. fraispfand (Meibom 25): darmit du aber der bezahlung versichert seyest, so wil ich mir ein gliedt, es seye ein arm oder schenckel, abschneyden und dir zum underpfandt lassen
volksb. v. dr. Faust 81
ndr. Br.; wie
d. Faustus geld von einem juden entlehnet und ihme seinen fusz zum u. eingesetzet Widmann
Fausts leben 262
K. 1@cc)
von sachen. 1@c@aα)
von unbeweglichen gütern, zins, rente (Arnold 129
f.): so sollen diese dorff ... ir underphand sin
hess. urk. von 1335
bei Meibom 37
anm. 62;
histor. volkslieder 1, 557
Liliencron; auch seyn ettlich so schlecht eynfeltigen, dasz sie solchen tzinss an grund und unterpfand vorkeuffen odder jhe mehr vorkeuffen, dan der grund tregt Luther 6, 59
W.; H. Sachs 3, 476, 38
K.; wär uff ein husz gelt uszlicht oder für underpfand annimpt, der licht uff ein zber mit äschen Th Platter
selbstbiogr. 95
B.; zum dritten ist auch das u. oder hypotheca zu beschauen Hohberg
georgica (1682) 1, 29; von erkantnus der unterpfänder
bad. weisth. 1, 186 (1770); für die kriegskosten ... räumte
F. dem herzog ein u. (
unterpfandsrecht) an den provinzen ein, die er zuerst unterwerfen würde Eichhorn
d. staats- u. rechtsgesch. 4
3, 234.
von verbindungen seien noch erwähnt: ab underpfanden zinsen Riederer
rhetorik (1493) l 6
b; underpfender fordern S. Münster
cosmographie 950, verlangen Hebbel I 9, 98
W.; genug underpfand verschreiben Kirchhof
wendunmut 2, 224
Ö.; pfandliche caution oder die mit unterpfanden beschicht J. Vetter
practica (1581) 164.
zur unterscheidung von pfand
und u.
s. oben und vgl.: was zur sicherheit wegen des geliehenen oder gethanen vorschubs übergeben wird, heisset ein pfand; was aber nur zur sicherheit entweder mündlich oder schrifftlich eingesetzet wird, wollen wir zum unterscheide ein u. nennen; die sicherheit auf des andern vermögen als ein u. ist es eigentlich, welches man die hypothecke heisset Chr. Wolf
v. d. menschen thun u. lassen (1739) 666; zwar werden in unsern neuern gerichtlichen documenten auch bewegliche güter verschrieben. allein dieses ist eine ... elende ... erfindung, ... die die gläubiger, welche auf bewegliches u. geborgt, mit denen zusammenhetzt, die siegel und briefe haben Möser 2, 102. stillschweigendes u.
an bergwerken Minerophilus
bergwerkslex. (1730) 681.
uneigentlich: aber die knecht ... streckten den kopf auf Rom zu, wo'ten irem underpfand (
dem ihnen als beute versprochenen) nachgehen A. Reiszner
historia herrn G. u. C. v. Frundsberg 1568) 1, 144
b; so setzet ich dir doch die hell an statt einer caution zum u. J. Ayrer
processus juris (1600) 272. 1@c@bβ)
von beweglichen gütern: silbery u. Staub - Tobler 5, 1142; do ried der herr burgermeister zum Hirtzen minem fürspräch, er solt sagen, ich hette das underpfand an mim nagell (Staub - Tobler 4, 684 3
b α), sy sölten mich zalen Th. Platter
selbstbiogr. 76
B.; (er wolt) im sine underpfand ledigen 92
B.; da er einmahl gelt mangelt, versatzte er etliche gantz guldine aposteln zu underpfand Fischart
bienenkorb (1588) 231
b; welchem fahrende habe ... zu pfand eingesetzt worden, der mag und soll dieselbigen in seine gewalt und gewarsam nehmen. denn thut er solches nicht, sondern läszt die pfänder hinter dem schuldner liegen, und es trüge sich zu, dasz andere gläubiger einfielen und solche ... unterpfänder pfändeten ...
Solmser landordnung bei Meibom 37
a. 64; schatz- und beutestücke, goldgeräthe und edelsteine wurden die gewöhnlichen unterpfänder, auf welche man noch geld erhalten konnte G. Freytag 17, 287; pfandleiher haben ... ein u bei der staatskasse zu hinterlegen
handwb. d. staatswiss. 4
2, 482
uneigentlich: wer sein geld haszt, der verborgt es auf das u. eines ehrlichen gesichts Musäus
physiogn. reisen 3, 72; das schlechteste u., das ein Franzos in seinem hause habe, sey sein treu und glauben
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 312. 1@c@gγ)
oft wird ein unterschied zwischen beweglichem und unbeweglichem gut nicht gemacht: leyh nicht, du habst denn in der handt zum gsuch ein dryfach underpfandt! H. Sachs 9, 223, 26
K.; ergebung ohn eynicherley underpfandt Carbach
Livius 242
a; er in bälde wider entlehnen und neue unterpfande geben muste Grimmelshausen
Simpl. 497
Kögel; man ... mit billigem u. sich nicht contentiret Dannhawer
catechismusmilch (1657) 2, 321; Lehmann
florilegium (1662) 2, 731; ein einwohner verlanget 140 rth ... gegen gute und sichere unterpfande und gerichtliche obligation
casselische zeitung 1731 29; er leihet gelder aus, doch nicht anders, als auf hohe zinsen und gegen wichtige unterpfänder v Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 39; Möser 5, 63; darlehen gegen u.
handwb. d. staatswiss. 5
2, 423; eh er aus dem hause ist, stehen drei da, die das geld haben wollen, einer davon sogar ohne u. G. Keller 6, 284. 1@dd)
die neuere rechtssprache hat auf unser wort, nicht ohne widerspruch, verzichtet: die ausdrücke u., subpignus oder hypotheca ... sind vollkommen bezeichnend: kein pfand, sondern ein u., wie die sprache noch jetzt fein unterscheidet, während die rechtswissenschaft den unterschied hat fallen lassen, obgleich sie ihn sachlich festhalten und sich deshalb mit dem fremden wort hypothek behelfen musz Arnold
z. gesch. d d. eigentums 127;
trotz aller verdeutschungsvorschläge (
z. b. unterpfandrecht, grundpfandrecht, grundpfand, grundschuld Günther
recht u. sprache 217; Campe
verd. wb. [1813] 359)
ist hypothek (Schulz
fremdwb. 1, 277)
durchgedrungen und im bgb. angewandt. an einigen orten leben noch deutsche ausdrücke dafür, z. b. einsatz
in Frankfurt (Askenasy 100), handfeste
in Bremen, hausposten
in Hamburg (Günther 217). 1@ee)
zusammensetzungen; z. b.