sauber,
adj. und adv. II.
Form und verwandtschaft. das wort ist im ganzen westgermanischen verbreitet: ags. sŷfre,
alts. sûBari, sûBri,
ndl. zuiver,
ahd. sûbar, sûber, sûbiri, sûbri,
mhd. sûber, sûver, sûfer,
als adv. ahd. sûbro,
mhd. sûbere, sûber.
die formen sûver, sûfer
kommen vorzugsweise im alemannischen und im niederd. vor. umgelautete formen finden sich vereinzelt und mundartlich, namentlich in der comparation; schweiz. suber (sufer), süberer, süberist Hunziker 265; sufer (suber), süferer, süferst Seiler 284
b; wer sein haus halten wil gar säuber, hüet sich vor pfaffen und vor täuber, wo sie wonn, pleibt das haus nit rain. H. Sachs
fastn. sp. 6, 84, 113
neudr.; die asche hub er viel säuberer auf als mancher den saffran.
Simpl. 1, 351, 7
Kurz; die säuberste Raimund 2, 239 (
s. die stelle unten 2,
c).
die etymologie des wortes ist noch nicht festgestellt. seine allgemeine verbreitung in den westgerman. dialekten macht die annahme unmöglich, dasz es aus lat. sobrius
entlehnt ist. IIII.
Bedeutung. hier zeigt sauber
eine grosze ähnlichkeit mit rein.
die grundbedeutung ist '
frei von fremden, äuszerlich anhaftenden oder innerlich beigemischten bestandtheilen',
meist mit dem nebenbegriffe des zierlichen und wohlgefälligen. in übertragener bedeutung ist es schon in alten denkmälern bezeugt. die verschiedenen arten der bedeutung gehen häufig durch einander und lassen sich nicht immer scharf von einander trennen. II@11)
im eigentlichen sinne. II@1@aa) sauber,
rein. II@1@a@aα)
frei von fremden, beigemischten oder zugesetzten bestandtheilen. rein
überwiegt in dieser bedeutung bei weitem, sauber
kommt nur vereinzelt vor: [] sauber wasser Stieler 1688;
ostfriesisch ebenfalls vom wasser im gegensatz zu faul, faulig,
mit bezug auf den geruch Frommann 4, 123, 58; rein und sauber korn,
rein gesiebt Maaler 330
a; wenn man sauber korn hat, so spricht man, es ist eben als hetten es die tauben zesammen getragen. Keisersberg
brösamlin 2, 88
b; sauberes gold,
frei von fremden bestandtheilen, unvermischt Campe;
niederd. suver gold
brem. wb. 4, 1107; daʒ silber ist sauber, aber niht sô vil als daʒ golt. Megenberg 476, 25. II@1@a@bβ)
frei von aller äuszerlich anhaftenden unreinigkeit. in dieser engen bedeutung kommt sauber
nur im süddeutschen häufig vor (Schm. 2, 103),
während sonst gewöhnlich rein
angewendet wird: saubere wäsche, saubere kleidung, sauberes glas, sauberer tisch, sauberer hausrat, sauberes bett, saubere nase (
davon als eigenname gebildet Saubernäslin Fischart
groszm. 597
Scheible), saubere gefäsze
u. s. w.; als adv.: sauber waschen, sauber fegen, sauber putzen, sich sauber in der kleidung halten
u. s. w.; ein haffner der het vor im ligen ein groszen klotz leymen, er gryfft dar in mit der hand und nympt einen klotz leymen, und macht dar usz ein geschirr das man bruchen sol zuo wuost und zuo unflot, und das man dar in feget thuo. darnoch nympt er mit der hand aber einen klotz leymen, und macht dar usz ein schön, rein trinckgeschirr, das zuo suferen dingen gehört zuo bruchen. Keisersberg
christenl. bilger 78
c; halt sie (
die wunden) sauber, und beschirms vor den äuszern und zufallenden feinden. Paracelsus
chir. schr. 3; endlich ward einhellig beschlossen, dasz ein jeder von den sauber - gemachten bauern solches an zehen soldaten also wett machen .. solte.
Simpl. 1, 51
Kurz; sonsten wars sauber in seinem haus und aufgeraumt, weil er nichts unter den füszen litte, auch kein geringes strohälmlein oder abschnützling vom papier, noch sonst etwas, was das feuer verzehren kan. 351; müssen .. im dreck, dasz sie auch oftermal nicht einen saubern stein haben, under haupt zu legen, sich behelffen. Kirchhof
milit. discipl. 116; schickt es sich aber, dasz jr zwen nicht mögen baid am saubern gehn, so eyl dich bald, mach nit vil wort, und tring dich an das sauber ort und lass jn in dem dreck umbwatten. Scheidt
Grob. 1230
neudruck; ihr brüder! rief ein fürst der winde, der götter haupt kehrt bei uns ein, und alles liegt voll staub, geschwinde, die straszen müssen sauber sein. Lichtwer
fabeln 2, 21. II@1@a@gγ)
auszer der bedeutung '
rein'
hat sauber
vielfach zugleich den sinn '
ordentlich, in ordentlichem zustande': koch sauber, halts hausz hübsch rein. Schmelzl
hochzeit 20
b; auch sol er sie mit allem ernst anhalten, dasz sie jhr gewehr sauber und rein halten. Troupitzen
kriegsk. 7; gleich wie die taub gantz reynlich ist, und wirfft aus jhrem näst den mist, also soll auch ein weib vorauss reinlich und sauber halten hauss. Fischart
ehz. f 2. II@1@a@dδ)
in der verbindung sauber waschen,
hier als bild für plündern gebraucht: des bischoffs dreck us essich essen, sin seckel suber und rein wäschen von aller siner barschaft gar, das im ist bliben weder hut noch har: dise schindery kompt vom bapst us Rom.
N. Manuel 73, 1105
Bächtold. II@1@a@eε)
symbolisch bezeichnet sauber
die innere reinheit: thô quad imo ther heilant: thiede sûbri ist ni bitharf ni sî thaz her fuoʒʒi wasge, oh ist al sûbri. inti ir birut sûbrê, nalles allê.
Tatian 155, 6. 7; so hat man dich auch mit wasser nicht gebadet, das du sauber würdest.
Hes. 16, 4; wer sauber ist, darf sich nicht waschen (
sprichwort: wer schuldlos ist, braucht sich nicht zu entschuldigen). Lehmann 204; es ist alles sauber üm tugendhafte leute herüm (
sprichwort). Stieler 1688; der saubere mund,
der nur redet, was dem reinen innern gemäsz ist: kein ort am menschen hat man als gern suber, als den mund. Keisersberg
narrensch. 143
a;
auch verschwiegenheit bewahrend, durch verrat sich nicht befleckend, in Süddeutschland saubern mund halten (
vgl. dazu unter mund
th. 6, 2676, rein
oben sp. 697);
in einer drohung: man wird dirs maul sauber halten (
sorgen, dasz du nicht schwatzest). Schiller 3, 366 (
kab. 1, 2). II@1@bb) sauber
in der bedeutung '
rein und ordentlich'
mit dem nebensinne '
zierlich'.
in diesem sinne sagt man, auszer im süddeutschen (
s. 1,
a, β),
gewöhnlich saubere wäsche, saubere
[] kleidung, sauberes glas
u. s. w. rein
und sauber
sind im allgemeinen in dieser stellung nicht identisch: rein
heiszt einfach frei von schmutz und unreinigkeit, sauber
dagegen frei von allem, was den wohlgefälligen eindruck stört: verfügten sich hierauf in ihr zimmer, legten sich ein wenig sauber an, und giengen insgesambt zuerst auf das rathhaus. Ettner
unwürd. doctor 719; ich erfuhr erst später, dasz Römer während unsers verkehrs fast immer gehungert und dabei seine spärlichen mittel beinahe nur für den unterhalt einer saubern äuszern erscheinung geopfert hatte. G. Keller
grüner Heinrich 3, 67; lustige vögel, die gerne schwatzen (
die Tiroler), tragen sich sauber und führen batzen. Schiller 12, 15 (
Wallenst. lager 1).
ebenso als adv.: sauber hat sie den saum des hemdes zur krause gefaltet, die ihr das kinn umgibt, das runde, mit reinlicher anmuth. Göthe 40, 285. ein sauberer mensch, ein sauberes mädchen
u. s. w.; in dieser verbindung bezieht sich sauber
auch auf reinliche und anständige kleidung, doch schwankt die bedeutung hier in die folgende hinüber. II@1@cc)
wohlgefällig in der gestalt und äuszern erscheinung, hübsch, schön, schmuck; vielfach auch zur bezeichnung eines gesunden, frischen aussehens angewandt. besonders in Süddeutschland sehr im gebrauch: e saubere bue, e saubers deanl, e saubers leut. Schm. 2, 207; es subers pürstli, es subers g'sichtli. Hunziker 265; mini, mini ist e fini, aber dini nid so gar, mini hed es subers chini, aber dini struffelhor. 261.
nicht so sehr ist sauber
im übrigen Deutschland in dieser bedeutung verbreitet, doch ist es selbst für das niederdeutsche als '
schmuck'
nachgewiesen (Mi
wörterb. der mecklenburg.-vorpommerschen mundart 74);
in älteren schriftlichen quellen mehr als in neueren: o wie ein grosz sünden daʒ wär, daʒ man so einen jungen saubern knaben und wolgezogen, als in den tod gab.
gesta Romanorum 63
Keller; aber die man, die ir frawen des morgens gegen tag beslâfend, wenne des rainen pluotes zeit ist, die machent gar saubreu degenkindel oder gar frecheu röscheu maidel. Megenberg 183, 13; er soll ein wunderschön weib verloren haben. ja ja, der tod will auch was saubres haben. Lenz 1, 132; nu sach daʒ herze übel wîp, daʒ sîn wünneclîcher lîp sûber unde süeʒe was. Wirnt von Gravenberg
Wigalois 5435;
als adv.: dô kam ein hane in daʒ hûs gevlogen mit den hennen sî
n. vil stolz was sînes kambes schîn; sîn sporn im sûfer stuonden
an. Boner
edelst. 43, 25. II@22)
in freierem gebrauch. II@2@aa)
frei von krankhaftem, besonders von ausschlag und andern sichtbaren zeichen einer krankheit: willa, wis sûbiri! inti sliumo ward thô giheilit sîn rû
f. Tatian 46, 4; wan sô hât sich paideu, fraw und man, ain klain ergangen von dem pett und dar nâch wider zuo gehüllet und ist die nâtûr ring, rain und sauber. Megenberg 183, 16. II@2@bb) sauber
auf das gebiet des sittlichen übertragen: rein, unbescholten, schuldlos, frei von sünde: sâlîgê sint thiê thâr sint sûberê in herzôn, wanta thiê gisehent
got. Tatian 22, 13; darumb redstu böse und wüste ding, so glaub ich dir nit, daʒ dein hertz guot und suber sei. Keisersberg
narrensch. 143
b; ein sauberes herz,
mens casta Stieler 1688; saubere sitten,
mores incorrupti. ebenda; es ist leider dahin kommen, das nichts mehr für sünde gehalten wird: denn die arge welt alles verklügeln, und nicht geizig, sondern heuslich und sparsam, nicht hoffärtig, sondern erbar und sauber seyn wil. Butschky
kanzl. 447; das land bekahm einen glantz von seinem saubern und blinckendem hertzen. Olearius
pers. baumg. 1, 6; wer aber nicht sauber von gemüthe ist, der sagt allerwegen: gib nur her. 15; wer boszhafftig ist, befleiszige sich, sauber zu werden. 7, 30; meynstu, dasz indem du voller unreinigkeit und boszheit bist, es unerlaubt sey, dasz aufrichtige und saubere leute deine unreine werke sehen? 9, 14; ihr, die ihr liebt gerechtigkeit und sauber von gemüthe seyd, freut euch im herzen, singt und ehret den, dessen huld euch singen lehret. Opitz
psalmen 23, 11; bisz der, der sich erkühnt mein sauber herz zu schmehn, von blut und thränen nasz sich nach uns um wird sehn. A. Gryphius (1698) 1, 313. sauber = '
rein in geschlechtlicher beziehung, unbefleckt, keusch'
scheint nur im niederdeutschen gebräuchlich zu sein, rein
ist in [] dieser bedeutung gewöhnlich: saubere jungfer Campe,
vgl. niederl. suyver,
castus, a libidinis labe immunis Kilian,
niederd. ene suvere jumfer,
eine reine, unbefleckte jungfer. brem. wb. 4, 1107. sauber
im sinne von '
offen, aufrichtig'
kommt vereinzelt vor: i draue dämm ämmel au nitt, dä isch nitt sufer. Seiler 284
b.
mit der negation verbunden, findet sich sauber
in der bedeutung '
nicht zuverlässig',
auch in allgemeinerer anwendung: er ist nid de süberist,
von einem bissigen hunde gesagt, dann auch von einem rohen menschen, dem nicht zu trauen ist. Hunziker 265; es is nid suber,
der sache ist nicht zu trauen. ebenda; er isch nitt sufer über d' läbere, übers nierestük,
bildlich, seinem charakter ist nicht zu trauen. Seiler 284
b. II@2@cc) sauber
in den umgangsformen und im verkehr, wohlerzogen, artig, höflich. in diesem gebrauche nicht sehr verbreitet: de 's nich sauber,
der ist grob. Mi
wb. d. mecklenb.-vorpomm. mundart 74; das alles war recht sauber und verbindlich. Freytag
handschr. 2, 124; die wär nicht so übel, das stubenmädchen, das ist noeh die säuberste,
die umgänglichste. Raimund 2, 239.
als adv., geziemend, wie es anstand und sitte fordern: knie nieder, Florens, sauber knie da nieder. Tieck 1, 288.
zugleich mit der nebenbedeutung '
gelinde, sanft, milde',
selten statt des häufigern säuberlich: einen sauber angreifen, sauber mit jemand umgehen, verfahren. Campe. II@2@dd) sauber
zuweilen zum ausdruck dessen, was man im allgemeinen mit schön, angenehm, nett u. s. w. bezeichnet: z' Rettenbach is 's nid gar sauwa, san wüldi bergen oben, d is a wülds gebir oba. Frommann 6, 342; sufere predig
nennen die landleute im baslerischen eine schöne kanzelrede. Seiler 284
b; unter andern haben ew. gn. das köstliche, in so köstlichen schalen aufgetragene confect gesehen. das hat dieser herr vielleicht viel jahre lang zur tafel tragen lassen. und es stehet sehr sauber und artig. Schuppius 103 (
Salomo 10); 'es ist ein sauberes leben!' rief Hersilie, 'wenn ich mich alle acht tage resignire, so hab' ich es freilich bei dreyhundert und fünf und sechzigen zu gute'. Göthe 21, 125. II@33)
frei von allem, was nicht dahin gehört, frei von jedem fehler und mangel in der ausführung oder behandlung (
richtig, gut),
daher meist den sinn '
zierlich, schön'
in sich schlieszend, oft aber auch nur '
sorgfältig'
bezeichnend: eine gute, saubere sprach; sich sauberer red zevil fleyszen. Maaler 343
a; eine saubere arbeit, eine saubere naht, sauber arbeiten Campe; suffer goldschmidarbeit
Garg. (1590) 193; endi siu sô sûbro drôg al te huldî godes hêlagna gêst, gôdlîkan gumon, ant that sie gode giskapu mahtig gimanôdun, that siu an mannô lioht allaro barnô betst brengean skolda.
Heliand 334; die asche hub er viel säuberer (
sorgfältiger) auf, als mancher den saffran, weil er solche zu verkauffen wuste.
Simpl. 1, 351, 7; er (
ein kupferstecher) radierte sehr sauber, so dasz die arbeit aus dem ätzwasser beinahe vollendet herauskam. Göthe 25, 177; ich wills so sauber schaffen, als wenns die tauben gelesen hätten.
weimar. ausg. 3, 1, 118; ich sprach die musen an auff diesem deinen tag um einen saubern vers, der für gelährte töchte. P. Fleming 190. sauber,
von kunst- und gebrauchsgegenständen, von möbeln, geräthen u. s. w. gesagt, bezieht sich auf die feine, zierliche, im einzelnen sorgfältige und tadellose ausführung: ein sauberes bild, ein sauberer rahmen, saubere stühle
u. s. w. II@44) sauber
als adv., vorsichtig, bedächtig, alles fern haltend, was hindernd oder störend wirken kann; dann sachte, leise Stalder 2, 418; sauber zu werke gehen; er will ganz sauber nach der uhr greifen. Lessing 1, 309; sufer ins dorf (
sprichwörtlich). Brant
narrensch. 72, 31 (
vgl. dazu Zarnckes
anm.).
in dieser bedeutung ist säuberlich
gebräuchlicher. II@55) sauber
als adv., gründlich, völlig, ganz und gar. früher auch in der schriftsprache ganz gebräuchlich, heute nur noch in der sprache des volkes lebend. die handlung des verbums wird durch das adv. sauber
erschöpft, so dasz nichts mehr zu thun übrig bleibt. beim adj. und adv. hebt es den reinen begriff derselben (
ohne alle nebenbegriffe)
hervor und bedeutet '
nichts anders als': sufer nütt,
ganz und gar nichts Seiler 284
b; suber und glatt nicht Stalder 2, 417; da wird saube' nicks draus Schöpf 583; alls suber, alli suber
oder all-suber,
alles, alle zusammen Hunziker 265;
nd. wundet man ok enen man an en let, dat ime vergulden is vor gerichte, howet man 't ime san suver af, he ne mach dar nen hoger gelt an ervorderen
[] denne sine bute.
Sachsensp. 2, 16, 9; und wie sauber sie ihn abkappte, wenn er ihr alle tage, die gott schickt, seinen antrag machte, und sie zur gnädigen frau machen wollte. Schiller 2, 145; er wolt in nider vellen mit dem wedel: do vienc er in, (daʒ wart ze hant sîn ungewin) den sluoc er ime sûber abe wie er wære sam ein nabe. H. v.
d. Türlin
krone 485; seine rathschläg seyn sauber keinnütz. Frischlin
Rebecca 121; aber es ist eben der wunsch jetzunder nur sauber umbsonst. 129; hör auff: ich deiner fragen, hör auff, bin sauber satt. Spee
trutzn. (1649) 70; ach, ach, wan ich zu sinnen fass, wie bald all frewd entflogen, von thränen werd ich sauber nass, o wee, bin gar betrogen! 91; kelt, und winter ist gebrochen, trübsäl ist nun sauber hin, trawrigkeit ist gar erstochen. fröligkeit ist mein gewin. 100; wan dan schallt auff den zweigen gesang der vögelein, noch laut, noch harpff, noch geigen klingt also süss, und rein: ihr lieblichs musiciren mich dünckt so sauber gut. 115; wil sauber nichts verheelen, wasz euch belusten mag. 127.
in diesem sinne sauber
auch wie leer, rein von allem: er het alls suber und rein (alls suberäni) uog'gësse. Hunziker 265.
ebenso etwas sauber zusammentragen,
nichts zurücklassen: than faran thâr alla tuo, halôn it mid ûsson handon, endi that hrên kurni lesan sûbro tesamme.
Heliand 2570. II@66)
im ironischen sinne ist sauber
sehr verbreitet, sowol im eigentlichen, wie übertragenen gebrauch; fast jede bedeutung von sauber
läszt sich durch diese ironische anwendung ins gegentheil verkehren; sauber
ist dann identisch mit unsauber; ein saubrer kerl
kann einen menschen bezeichnen, der schmutzig oder häszlich oder unanständig, unsittlich, roh u. s. w. ist; ein saubrer freund
kann ein schlechter freund genannt werden; das ist mir eine saubere geschichte,
eine schmutzige (
in sittlicher beziehung),
unangenehme, verhängnisvolle oder dergl. so findet sich sauber
in der mannigfaltigsten anwendung, saubere dirn, sauberer vogel Frisch 2, 151: das ist mir ein sauberer wunsch! Campe; des wird a saubri g'schicht wer'
n. Hügel 132; nachgehends wolten sie sich erst resolviren, was sie mit den bauren weiters anfahen wolten, wann sie diese saubere arbeit (10
soldaten den hintern lecken) würden verrichtet haben.
Simpl. 1, 51, 17; lasz ihm die saubere waare, die er auf den straszen zu Kischmir aufgelesen hat, für sich behalten. Wieland 8, 279 (
Danischmend, cap. 34); sauber compliment für mich. Fr. Müller 3, 128; eine verschwörung unter den männern. ihr saubern zeisige! Göthe 11, 276; das mag mir eine saubere gesellschaft seyn, die sich, mir nichts dir nichts, entschlieszt, zum teufel zu fahren. 297; nun wirst du aber sagen: wie ist denn in eurem saubern plane an mich gedacht? 19, 146; eine saubere gastfreundschaft, auf diese weise dem fremden eine falle zu stellen! 21, 167; saubere nation! woher? das ist einmal wieder von der rechten race. 33, 267; unser junger graf Konrad hat einmal wieder streiche gemacht. ihr werdet das saubere früchtchen heut noch sehen. Arnim
kronwächter 1, 406; durch deinen sauberen höllenzwang aber hast du ihm förmlich den dolch auf die brust gesetzt. G. Keller
grüner Heinrich 3, 82; das ist eine saubere geschichte — wenn ich nur diesmal noch aus der tinte komme! 186; ich aber, ich verzeih' und wil den hohen spott der blutschuld nicht auf sie und ihre köpffe schieben, (die sauber mögen sein!) A. Gryphius (1698) 1, 332; o armes volk, dem je das loos solch eines herrschers fiel! o! saubrer gott der erde! Gotter 1, 64; dein saubrer bub und du dürft euch fürwahr gewaltig brüsten; es ist ein wahrer heldenstreich, ein weib zu überlisten! Blumauer
Äneis 1, 141; dein sohn, der saubre cavalier, wird doch wol nicht drauf zielen, sich so nur en passant bei ihr ein bischen abzukühlen!
ebenda; es ist eine saubre bauerey. Göthe 3, 269; ein saub'res wohlergehn! das fieber möcht' ich kriegen! 7, 42;
[] der saubern herren pfuscherey ist, merk' ich, schon bei euch maxime. 12, 12; ein floh ist mir ein saubrer gast. 110; ah saubrer gast! find ich dich hier, du ungezogen schändlich thier. 13, 95; da! diese neuen, saubern forderungen, die dieser Questenberger bringt! Schiller 12, 66 (
Picc. 1, 1);
Brigella. ein saubrer einfall, den galanten prinzen, die ihr die ehr anthun und um sie werben, drei räthsel aufzugeben, und wenn einer nicht auf der stelle trifft, ihn abzuschlachten.
Truffaldin. mit nichten freund! das ist ein prächtiger, excellenter einfall. 13, 367 (
Turand. 2, 1); wenn aber sie's bezeugt — nimm dich in acht! du und die saub're jungfer Eve dort, wie ihr auch vor gericht euch stellt, ihr steckt doch unter einer decke noch. H. v. Kleist 3, 139. sauber
als adv. wird ebenfalls ironisch gebraucht: das wird mir sauber gehn,
und in ähnlichen wendungen; in der Taxuslaube entstand ein geräusch und hervor trat fräulein Emerentia, die in der laube der ganzen rede zugehört hatte. zum henker, rief der alte baron, das hab ich sauber gemacht. Immermann
Münchh. 1, 129. II@77) sauber
endlich als adj. und adv. frei von störendem, ruhig, ungestört, unangetastet: saubere freundschaft,
inviolata amicitia Stieler 1688; gelt? wenn ich ein solcher plauderer wäre, wie sie immer sagen, so hätt ich es sauber bei mir behalten können, dasz wir das bild zusammt der prinzessin gefunden haben? Wieland 12, 347 (
Sylvio v. Rosalva th. 2,
buch 7,
cap. 1); kurz und gut, herr don Sylvio, ich sage so viel, wenn wir gewuszt hätten, was ich jetzt weisz, so hätte uns die fee Rademante die mühe, dem blauen schmetterling durch dick und dünn nachzulaufen, und eine gute tracht schläge, die wir um seinetwillen bekommen haben, ersparen und uns fein sauber zu hause lassen können. 348; gleichwohl dachte der alte knabe oft an den meister und an die meisterin daheim, und wie er wieder zurück wolle, wenn's sauber (
ruhig, friedlich) sei im reich. Hebel (1853) 2, 212;
der letztere gebrauch besonders anlehnend an das mundartlich alemannische sufer,
im sinne von geheuer, frei von gespensterhaftem: es isch do neume öppis nitt sufer. 's isch dört z' nacht nie sufer. Seiler 284
b.