lind,
linde,
adj. und adv. mollis, molliter. Ein dem hochdeutschen und niederdeutschen sprachgebiete gemeinsames wort: ahd. linthi, lindi, lind,
mhd. linde, lind,
alts., wo der nasal gewichen, lîði,
ags. ebenso lîðe,
engl. lithe.
im gothischen fehlt das wort, im altnordischen desgleichen, das hier vorkommende linr,
weich, nachgiebig, gehört einer andern sippe an. zusammengestellt wird lind
mit lat. lentus
und lit. lëtas
blöde, dumm, einfältig (Fick
2 s. 392),
ob mit recht, steht dahin. eher möchte das littauische slidus
glatt, blank, schlüpfrig als verwandt heranzuziehen und zusammenhang von ahd. lindi
mit ahd. slindan
schlingen anzunehmen sein, als dessen grundbedeutung ja das schlüpfen oder gleiten lassen hervortritt. denn es scheint sicher, dasz der eigentliche begriff von lind
sich auf den tastsinn bezieht, lind
ist das was sich glatt oder weich anfühlen läszt, und bildet ursprünglich den gegensatz zu rauh:
[] Jâcôb sprach dô sîner lieben muoter zuo: nu weist du wole, muoter, daʒ rûch ist mîn bruoder, ich bin sleht unde linde.
genesis in den fundgruben 2, 38, 9;
vergl. die zusammensetzung lindglatt: aber gleich wie vom fenchelkraut den schnecken lindglatt wird die haut, also macht man die weiber lind (
vgl. unten 9), wann man mit lindigkeit sie gwinnt. Fischart
dicht. 3, 262, 95
Kurz. aus jener ersten haben sich die unten folgenden weiteren bedeutungen entwickelt. lind
bezieht sich demnach 11)
auf weiche, zarte gliedmaszen der menschen, glatte menschliche haut oder thierisches fell: lind hend und behent bedäutent vil weishait und guot vernunft. Megenberg 48, 21; slehteʒ hâr und lindeʒ bedäut ainen vorchtigen menschen .. aber kraus hâr bedäut kuonhait. 42, 30; an linden blanken armen ir kleinen kint si (
die Trojanerinnen) truogen und rouften unde sluogen sich beide stille und offenbâr. si brâchen ab ir gelweʒ hâr und zarten abe ir lindeʒ vel.
troj. krieg 12940; die haut fein lind, als ob sie jn ein ewige jugend anmaszeten. S. Frank
mor. encom. 14
a; jr leib war recht saftig, weich und lind.
Garg. 76
b; den linden bauch der crocodylen. Forer
thierb. 166
b; lindfüszig, der lind, weich oder zart fsz hat,
mollipes Maaler 273
c; es machet eine schöne und linde haut. Tabernaem. 563; die frauen leiber sind etwas völliger und runder von fleisch, auch die musculen linder und erfüllter. Sandrart
academie 1675 1, 68; der luchs hat einen linden lichtgelben balg mit röthlichten flecken gesprenget. Heppe
jagdlust 1783 1, 347; linde haut haben,
sprichwörtlich für bestechlich sein: das ist ein armer fürst .. der solche diener hat, die sich so leichtlich bestechen lassen, die so gern linde häut haben, sich schmieren zu lassen. Fischart
Garg. 263
b; wan man sie mit gelt salbet, so werden sie so lind, dasz man ein roszeisen in sie schwetzet.
bienk. 242
b. 22)
auf stoffe, die zart oder weich anzufühlen sind: als lind machen, als wullen,
cogere in mollitiem lanae. Maaler 273
d; darumb solche binden von altem gebrauchten tuch (
leinwand) gemacht werden sollen, welches doch nit zu schwach sei, oder zu sehr abgenützt und verschlissen, doch lind und zart, sauber und rein. Ryff
chirurgie 1559 85
a; dasz das tuch bei faulem, dunkelm und nassem wetter .. lampender oder linder werde. Thurneiszer
von wasser 1612 225; nu duhte Tristanden, dô er eʒ (
ein hündchen) handelen began, er griffe palmâtsîden an, sô linde was eʒ überal.
Trist. 399, 11; linde kleider,
kleider von feinem, nicht rauhem stoff: oder was giengt ir aus ze sehen? einen menschen angeleget mit linden cleidern?
bibel 1483 499
a (
Luc. 7, 25
hominem mollibus vestimentis indutum vulg., in weichen kleidern
Luther);
als tracht der vornehmen: sy haben edle guote schaaf, darvon sy adeliche linde kleider machen. Frank
weltb. 188
a;
adverbial: auszbündig lind und wol gekleidet. 188
b. 33) lind,
sodann auch im gegensatz zu hart;
ein lindes bett,
worauf man weich liegt: dann aus einem harten bette ist dieser gestalt gar schwerlich ein lindes zu machen.
Laz. de Tormes 76; weilen er .. in das linde bett geleget wird.
Simpl. 1 (1713) 223; zuo sînem meister leite er sich ûf einen flins hert unde breit, .. pfülw und linder bette was Achilles niht gewent.
troj. krieg 13766;
ein linder. weg,
der weich zu gehen ist: der boden ist oben linder als auf der landstrasz. Auerbach
dorfgesch. 4, 13;
und bildlich: dies alles bei seite setzen und den linderen weg gehen. Schweinichen 1, 83;
von andern dingen: dar umb ist diu lung lind sam ain padswamp, daʒ si den luft gevâhen müg. Megenberg 29, 25; welher mensch vil flaischs hât und daʒ selb hert ist, daʒ bedäut groben sin und hert vernunft. aber welhes menschen flaisch lind ist, daʒ bedäut ain guot nâtûr. 47, 10; des paumes (
der buche) pleter sint gar lind und habent süeʒ fäuhten, und dar umb, wenn sie dannoch junk sint, sô machent arm läut muos dar auʒ. 323, 34; auch wird anders das gestein des hangenden, so es lind ist, und sich leicht brechen läszt, gehauen, auch anders ein vest gestein.
[] Bechius
Agricola (1557) 82; er aber (
eine gattung adlerstein) ist also lind, dʒ man jn mit den fingeren mag kratzen. Heuszlin
vogelb. (1582) 6
a; da lag der groszmächtige Goliath, der frefle eisenbeiszer, der so wenig darnach gefragt, wann es musqueten-kuglen hagelte, als wann es linde schneeflocken gerisselt hätte.
Simpl. 4, 172
Kurz; lindes holz,
im gegensatze zu hartem: wâ man lindeʒ holz trucken helt, da wachsent niht würm inn, und auch in aicheim holz wachsent si niht gern. Megenberg 309, 5; die büchs sol man in lindes holz legen.
feuerwerkbuch v. 1432
bei Lexer 1, 1925;
vom rohr, nicht spröde: ein aichbaum falt bald von dem wind, ein ror nit bald, denn es ist lind. Thurneiszer
archidoxa s. 59;
unsinnlicher, von der aussprache der consonanten (
vgl. dazu hart,
theil 4
2, 500
unten): desz todes anfang zwar, bringt mit ein hartes t, das ende zeucht nach sich alsdann ein lindes d, das mittel ist ein o, es ist ein augenblick, so kümmt für harte pein, ein jmmer sanftes glück. Logau 1, 107, 50 ('
des todes buchstaben');
und in der musik: dasz sein gesang aus lindem b, und nimmer nicht ausz hartem geh, musz machen, wer bei hofe singt und wil, dasz alles lieblich klingt. Logau 2, 91, 66 (
gesang ausz b moll),
wo die bedeutung no. 6
anklingt. Die kupferstecher brauchen lind
von den kupferplatten, wenn der grabstichel leicht und rein schneidet, und weder springt, noch das kupfer scharf ist. Jacobsson 2, 616
a. 44) lind,
von speisen, meint 4@aa)
weich, gegensätzlich zu hart: mach einen linden teigk.
kuchemeisterey b 8; lind kestinen, die vom braaten oder sieden lind werdend,
castaneae molles Maaler 273
d; mit vielen streichen wird der stockfisch lind.
sprichwort bei Lessing 11, 682, ein lindeʒ brôt nam er dar în (
in die hände), und wolte eʒ eʒʒen sam diu kint ..
Otte mit dem barte 64;
etwas lind backen, sieden: gepacken linde unde guot.
kuchemeisterey b 3; um ein paar eier dabei lind zu sieden. Wieland
in Mercks briefs. 1, 102. 4@bb)
leicht, im gegensatz zu schwer
oder hart
bezüglich der verdauung: gar ein lindesz essen den krank lewten.
kuchem. c 7; du solt merken das man zu allerzeit die guten speise und die linden die sich gern dewent in dem menschen, des ersten sol essen und die hertten darnach. Ortolf
arzneipuch (1477) 4
a. 55) lind,
sanft, leicht, in bezug auf eine bewegung, ein verfahren: that einige linde griffe auf ihrem saitenspiel. Herder
z. litt. 20, 74; mit dem lindesten griff in deine saiten bändigend der entbrannten wuth. 3, 194; fühlst du, beim seligen verlieren in des vergangnen zauberland, ein lindes, geistiges berühren, wie zephyrs kusz an lipp und hand, und wankt der kerze flatternd licht: das ist mein geist, o zweifle nicht! Matthisson
ged. 190.
gern als adverb: die peinlich frag soll nach gelegenheit des argwons der person vil, oft oder wenig, hart oder linder .. fürgenommen werden.
Carolina art. 58; so müszt jhr dasselb (
bienengeschlecht) nur lind und wol, wie gewachtelt stiffel mit öl beschmieren. Fischart
bienk. 245
a; der Beldt der war mir gut. die Düne flosz mir linde. die Nau die (
Lappenberg bessert Narve) war mein freund. Fleming 72; die gicht lehrt frömmigkeit, jhr volk musz gehen linde; wer seine mutter trit, der thut ja grosze sünde. Logau 2, 136, 91; nein! lasz vielmehr durch schlag und leid mein festes herz zerspalten, schmeisz deinen zorn in fleisch und blut, weil so ein schmerzen linder thut, als balsam auf der scheitel. Günther 70; ihn führt gleitend in säuselndem hauch .. lind ein nachen. Stolberg 2, 23; schlinge die rechte lind um ihn! 4, 272; der gröszte Matz kocht oft den besten brei, weisz er den gut zu präsentiren, und jedem lind ins maul zu schmieren, fährt er ganz sicher wohl dabei. Göthe 57, 262; was kost so sanft und küszt so süsz, und hält so lind umfaszt? Uhland
ged. 306. 66) lind,
sanft, wolklingend, in bezug auf sprache und töne: wie nun biszweilen eine solche zusammenstoszung der buchstaben
[] recht und gut: soll man sie doch sonsten mit einander so wissen zu vermengen, dasz nicht die rede dadurch gar zu raw oder zu linde werde. Opitz
poeterei 36; die weiber sein voller untreu, ihre wort seindt süsz, lind und glatt, ihre zung aber ein stachel hat. J. Ayrer 100
b (505, 17
Keller); dieses liedes linde weisen sollen deine zukunft preisen. Fleming 433; wenn dir die scheu der Peitho heilig ist, und meiner zunge lindes, schmeichelnd wort. Stolberg 15, 237;
adverbial: hohen ohren recht zu singen, musz der thon gar linde gehn, kein gesang wil lieblich klingen, wo der warheit noten stehn. Logau 3, 208. 77) lind,
sanft, mild, vom sonnenschein, dem himmel, dem wetter, dem winde, dem dufte: die winde wâren von ir (
der linde) schate süeʒe linde küele.
Trist. 431, 23; wer mäszigt den glühenden sonnenstrahl zum linden kusz? Fr. Müller 1, 238; die einwohner allesammt hatte der linde herbsttag hinausgelockt. Scheffel
Ekkeh. 62; dasz heitre mit des himmels lindem hauch in leisem flug umschwebe dieses land. Stolberg 15, 238; ich sah sie, wann der abend floh, der linden maienkühle froh, im kleinen blumengarten. Hölty 142
Halm; holdes gesäusel bald, schmeichlerisch linde, wie durch den espenwald buhlende winde. Schiller
Laura am klavier; linde maienwinde kräuseln den umbüschten stillen Rhein. Platen 4; die linden lüfte sind erwacht. Uhland
ged. 35; sonnenregen, linde luft! 37; mich grüszt kein säuseln linder frühlingslüfte. 132;
adverbial: aus runden flaschen duftet lind die alte kraft vom Rhein! Stolberg 1, 419; die stämme wiegen sich, in allen zweigen von ihrer anmuth lind und leis umweht. Göthe 13, 252; er steht im schiff am zweiten morgen; die lüfte wehen lind und warm. A. W. Schlegel
in Wackernagels leseb. 2 (1876) 1322; dasz ein traum dich lind umwehe aus der kindheit rosenzeit! Uhland
ged. 193; die winde die wehen so lind und so schaurig. H. Heine 16, 238. 88) lind,
mild, wolthuend, weich, von empfindungen: lindes gefühl von ruhe und aufsprossender gesundheit durchströmte ihn. Scheffel
Ekkeh. 331; Thalia haucht, im ersten frühlingswinde, dem undankbaren zögling linde begeisterung in das gesicht. Gotter 1, 336; ein lindes erbeben (
der seele). Hölty 103
Halm; vom schlafe: (
die kranken) fallen aber in ein linden schlaf. Paracels. 1590 7, 197; (
einen) in das lindeste laueste schlafen .. setzen. J. Paul
herbstblum. 3, 265; wenigen, linden schlummer, liebes grillchen (
bringe durch dein zirpen), dasz die marter in meiner seele raste. Hölty 100
Halm; dessen fahne donnerstürme wallte, dessen ohren mordgebrüll umhallte, .. (
der) schläft hier linde bei des baches rieseln. Schiller
Elysium; o schlummre fort so lind! Uhland
ged. 240;
von einem schmerzstillenden mittel: (
das zipperlein) lest sich durchausz nicht curirn, dann mit gar linden selblein schmirn. J. Ayrer
fastn. sp. 44
c (2560, 1
Keller);
weich, wolthuend für das auge: ein gewand .. mit linden brüchen flieszender falten. Winkelmann 6, 314; trat ein mägdlein aus den büschen, jung und frisch und lind und zart. Uhland
ged. 283. 99) lind,
in bezug auf das gemüt, mild, sanft, gütig, im gegensatz zu unserm hart
oder streng: man sol nit allein den freundlichen linden obern gehorchen, sondern auch den unwirsen, harten.
kriegb. d. fr. 169; du fandest stets den linden, milden gott, der sanft verzeihend straft. Herder
z. litt. 4, 66.
es heiszt lind sein, sich lind erzeigen; in diesem büchlin bin ich sehr linde, fahre gar seuberlich. Luther
tischr. 259
b; ich
[] bin den pfaffen und mönchen gar zu weich und zu linde gewesen, ich habe jhnen noch die benediction gegeben, und bin jr schutz gewesen. 445
b; auch sehen wir allzumal im evangelio, wie sanft und linde er sich gegen seine jünger erzeiget, wie freundtlich er jnen jre schwacheit .. zu gut helt. 88
a; Herodes hat sie heftig gescholten, doch sich lind gezeigt. Reiszner
Jerus. 2, 72
a; die maske, sagt Quintilian, desjenigen vaters, der in der komödie bald linde bald strenge sein muszte, war getheilt; die eine helfte zeigte ein glattes, heiteres gesicht, die andere ein finsteres, gerunzeltes gesicht; war der vater itzt linde, so wies der schauspieler den zuschauern die heitere helfte, und muszte er auf einmal streng und zornig werden, so wuszte der schauspieler eine so ungezwungene wendung zu machen, dasz der zuschauer die finstere helfte zu sehen bekam. Lessing 6, 336; jetzt sei lind gegen das mädel und verscheuch mirs nicht. Auerbach
dorfgeschichten 4, 130; ein guot frow, senft des mannes zorn. Assverus hatt ein eid geschworn, noch macht jn Hester weich und lind. Brant
narrensch. 64, 11; der käiser ist zu linde; und scherzt mit seinem heil. A. Gryphius 1698 1, 13;
danach linde gesinnung, linde worte, linde sitten, güte, gnade: ein linde antwort stillet den zorn, aber ein hart wort richtet grim
an. sprichw. Sal. 15, 1; durch geduld wird ein fürst versünet, und eine linde zunge bricht die hertigkeit. 25, 15; jedoch, wie grosz du bist, so lind und gnädig auch dein herz, o vater, ist. Fleming 28; unträglich ist dein zorn, den du den sündern dräuest. doch deine mildigkeit, die du hierbei verleihest, ist mäszig ohne masz, und zu erforschen nicht, wie deinen grimmen ernst die linde gnade bricht.
ebenda; der mehr denn fromme fürst, das bild der linden güte. A. Gryphius 1698 1, 8; weil ihr jungfern seid und bleibt, seid ihr gar von linden sitten; wann ihr weiber worden seid, musz man schlagen oder bitten. Logau 3, 50, 66;
alterthümelnd linder muth: willst du, o sultan, alles was ich sage, auch ohne zorn, im linden muthe hören? Tieck 1, 314,
vgl. ahd. Sŷnôn, bistu muates lindioh bistu ouh dûbûn kind. Otfrid 2, 7, 36;
mit anklang an ein sprichwort auf einem linden loche pfeifen,
sich mild gebahren: ein feind hat mit den nahmen sein leben schon verbührt. so bleibt er stets bei samen, wenn mann ihn ab läszt ziehn. und er gedenkt es doch, und pfiff er einmahl noch so auf ein lindes loch. Fleming 109. lind
adverbial: wann dise fell (
fälle der notwehr) gar subtil underscheid haben, darnach hierinn anderst und anderst, schwerlicher oder linder geurtheilt werden soll.
Carolina art. 142; sein regiment sanft und linde fürete. Schütz
Preuszen 28; merk auch ain weiser seine kind zeücht in der jugent nit zuo lindt. Schwarzenberg 159
a; der fried ist zwar gestift, die krieger handeln linde. Logau 3, 227, 51. lind
substantivisch, als parteibezeichnung: die harten und die linden waren die appenzellischen partheybenennungen im vorigen jahrhundert. Niebuhr 1, 666. 1010) lind,
in den begriff leise, sanft, schwach überschlagend: auf einer linden anhöhe. Rumohr
nov. 47;
von schmerzen: darmit ich meinen groszen schmerzen linder mache.
buch d. liebe 34
a; als nun seine wunde linder wurde. Göthe 2, 51;
vom feuer, das schwach hitze gibt, vom wasser, das wenig netzt: setze es in ein kesselein über ein lindes kohlfeuerlein. Tabernaem. 448; solches lasset man über einer linden gluth gemählich sieden. 339; sehr anmuthig schwebt die unterste (
sylphide), mit schale und krug, an die rosen heran, und spürt, ob durch linde befeuchtung der morgenduft sich möchte entwickelt haben. Göthe 39, 208; der morgen dämmerte. es fiel ein linder thau. Scheffel
Ekkeh. 388 (
Waltharilied); lind gesalzen,
schwach: er (
der haufen) ist keck und lind gesalzen.
fastn. sp. 370, 28; etwas lind machen,
mäszigen, dämpfen: drum bringend mir her seine kind, ich will sein lüstigkeit machen lind (
seine üppigkeit dämpfen, Geszler vom Tell).
Tellenspiel im weim. jahrb. 5, 59;
[] lind,
einen höheren grad von leise
bezeichnend: und nun da das ganze glatt und liebenswürdig dasteht, finden sich glücklicherweise die moderflecken nur in dem rahmen sichtbar, im bilde aber nur ganz lind, hie und da ganz leise. Göthe
an Zelter 824. 1111)
auch die bedeutung leicht, von etwas zu vollbringendem, tritt auf: Camille, nem die bürgers kinder! darmit magstu die starken stat bezwingen; ir veter geben dir die stat dest linder, das sie ir sün aus der gefenknus bringen. H. Sachs
dichtungen 1, 57, 13
Gödeke. 1212) Campe
zählt das einfache linde (
gegenüber ge-linde)
zu den veralteten wörtern, welche zu seiner zeit erneuerten gebrauch in der schriftsprache erfahren haben, Adelung
kennt es noch 1796
nur als wort des gemeinen lebens in Ober- und Niederdeutschland. in der that ist lind
namentlich im alemannischen und bairischen sprachgebiete als hauswort in den bedeutungen 1—4
viel gebraucht: baslerisch lindi wulle,
fein anzufühlen (
das gegentheil rûch);
von speisen, genügend gekocht, weich, gar; vom brot frisch; vom wein mild. Seiler 191
b; es ist asa ei guots, linds, delecabs essa, fur de, wers gära iszt. Tobler
alte dialectproben aus der Schweiz s. 41 (
anf. des 18.
jahrh.); es schnäfeli käs und lings brot. J. Gotthelf
schuldenb. 263;
in Appenzell lind
weich von birnen, eiern, fleisch, das lind im brod
die brotkrume; dann aber vom getränke aufgelaufen, schal, linda most,
schaler obstwein, linda wi,
schaler wein, vinum pendulum; und endlich auch kränklich, krank, mislich, schlimm Tobler 300;
bairisch lind,
weich, nicht hart, nicht rauh, von eiern, vom fleisch, vom bett, von der haut, vom sammet. Schm. 1, 1487. 1488
Fromm.; ähnlich in Kärnten Lexer 180.
auch aus dem niederdeutschen wird ein lind, linde
gelind verzeichnet (
brem. wb. 3, 74);
im altmärkischen linn,
gelinde Danneil 127
b;
im siebenbürgischen hat länt
neben der bedeutung gelinde, wenig auch die des nassen, feuchten, de wânt äs länt
die wand ist feucht Kramer
idiotismen des Bistritzer dialects (1876)
s. 78.
die heutigen mundarten haben demnach den gebrauch des wortes da erhalten und ausgebaut, wo ihn die schriftsprache nicht fortsetzte, während wiederum in den bildlichen bedeutungen (5
und folgende),
welche die schriftsprache pflegte (
wie schon das altniederdeutsche dieselben einzig entwickelt hatte),
die mundarten lind
nicht kennen. in diesen letzteren bedeutungen ist lind
in der schriftsprache, wie die oben gegebenen beispiele zeigen, niemals veraltet, aber allerdings im 17.
und in der ersten hälfte des 18.
jahrh. seltener angewendet gewesen (
während die zusammensetzung ge-lind
immer gewöhnlich war),
und erst nach dieser zeit wieder zu häufigerer verwendung, namentlich in der poetischen sprache, gekommen. Die Dänen haben lind,
gelinde, milde, zart, sanft, weich, aus dem hochdeutschen entlehnt.