zeigen,
verb. ahd. zeigôn,
mhd. zeigen;
auf das hd. sprachgebiet beschränkte ableitung aus der wurzel idg. *dik-,
germ. tih-,
aus der z.
über urgerm. *taih-ṓn,
das verb. zeihen
über *teíhan
entstanden ist; weiter ab steht zeichen (
sp. 476)
aus der germ. wurzel *tik-.
unzulässig ist daher die gleichsetzung des hd. zeigen
mit ae. tǽcean (
s. sp. 488).
doch ist den drei stämmen z., zeihen, zeichen (zeichnen)
die grundbedeutung weisen, zeigen gemeinsam, vgl. unter zeihen.
im wettbewerbe mit dem synonymen mhd. zöugen (
s. 2zeugen)
siegt z.
begünstigt durch die entrundung, welche den haupttheil des obd. gebietes heimgesucht hat. auch 1zeugen,
mhd. ziugen,
mehrte infolge der entrundung den bestand der zeigen-
formen. die sonderung der drei verben von einander läszt sich, namentlich da sich auch 1zeugen
und z.
in der bedeutung nahe rücken, daher nicht restlos durchführen. die ältere schreibung zaigen
hält sich im bair. bis ans 18.
jahrh., die darüber hinaus geltende schreibung zeygen
etwa ebensolange. dem kräftigen ahd. endungsvocal verdankt das noch im 18.
jahrh. nicht seltene -e-
in zeiget, zeigete, gezeiget
seine bewahrung (
vgl. zeiget Gottsched
sprachk. 44, zeigete Chr. Weise
erzn. 28
neudr.);
selten begegnet -cht,
z. b. gezeicht S. Franck
chron. Germ. (1538) 73
b.
die form zeichen
begegnet gelegentlich bei md. schriftstellern (Göthe IV 5, 77
W.).
in den mundarten des hd. gebietes erscheinen die regelrechten laut- und flexionsformen, die md. und nd. mundarten kennen als echtes volkswort z.
nicht, sondern gebrauchen weisen
dafür. von weisen
scheidet sich z.
derart, dasz z.
lediglich die handlung des zeigens meint, während weisen
auszerdem [] das ziel des kennenlernens, gemäsz seiner stammverwandtschaft mit wissen,
bezweckt, vgl. Weigand
wb. d. dtsch. syn.2 3, 1152.
in seinem vollen und eigentlichen begriff umfaszt z.
ein thätiges wesen, welches einen gegenstand dem auge eines anderen wesens vorhält, um dessen blick darauf zu lenken; daneben steht die wohl gleichfalls ursprüngliche construction, in welcher allein die richtung des zeigens ohne ausdrückliche bezugnahme auf das blickende auge eines zweiten wesens ausgedrückt wird. indem sich dann beide gebrauchsweisen mischen, tritt die absicht, den blick zu lenken, zurück; diese wird auch durch die übertragung auf sächliche subjecte beeinträchtigt. schlieszlich kann dem vorzeigen das hervorholen des gegenstandes voraufgehn, so dasz z.
die bedeutung enthüllen gewinnt. zu beachten ist auch der unterschied der bedeutung bei perfectivischem oder imperfectivischem sinn von z. II.
unter angabe der richtung, in der regel absolut gebraucht. I@11)
in verbindung mit auf,
seltener in, zu
u. a. präpositionen, a)
häufig mit dem finger z.: mit dem finger drauff z. Luther 27, 537
W.; dasz man im land mit fingern zeygen müst auf dich H. Sachs 17, 54
G.; Adam zeygt auf Eva 1, 28
K.; zeigte ... auf ihn Göthe 33, 121
W.; die stummen z. mit den henden zum maul, damit sie essen und trincken deuten wollen Pape
garteteufel L 4; in die ferne z-d Brentano
ges. schr. 1, 169; b)
von der uhr: meine uhr zeigte auf sechs Storm
s. w. 1, 255;
s. aber 2
a; c)
auf künftiges oder fernes hindeuten, es im voraus andeuten: guhr ... zeiget auf ertz Chr. Herttwig
bergb. 195
b ; Noel Chomel 8, 1380; jedes in dem lande zeigt auf kommende zeiten Stifter
s. w. 3, 195;
eigenartig auf verborgenes hinweisend: denn s höfli' sein dös zoaget allweil auf an schlechten beamten K. Stieler
ged. 4, 39
Recl.; d)
unter ergänzung der richtungsangabe: wie er meiner ansichtig ward, zeiget er mit der wehr v. Schweinichen
denkw. 181; subtile suche heiszet: wenn der hund ... scharf aufgreifen musz, wenn er darauf (
auf der fährte) nachhängen, zeichnen und z. will v. Heppe
lehrpr. 26;
bildlich: jede kenntnisz, die dort (
im tempel der kunst) zeiget oder warnt Klopstock
od. 2, 13
M.-P.; I@22)
transitiv, a)
geläufig von der zeitangabe der uhr: die stunden z. Kramer
teutsch-it. 2, 1435
b; wie ... unsere uhren sie (
die stundenzahlen) z. Göthe III 1, 210
W.; die uhr zeigt zwölf G. Hauptmann
weber 5;
auch vom compasz: der (
magnet) hab alle vier ort der welt gezeigt Matthesius
Sar. (1571) 142
b; b)
ungewöhnlich: wenn man mit dem finger gen himmel weiset oder den mond und die sterne damit zeiget J. Prätorius
philos. col. 220; er schwört bey dem himmel, den er mit der hand zeigt Ramler
einl. 4, 204; dasz ... die ... mägd mich mit fingern gezeigt haben Schupp
schr. (1663) 760; dasz der finger des volks mich als den sänger zeigt Ramler
lyr. ged. 197; c)
ungebräuchlich und wol für nd. wisen: zeige mich hin zur stadt J. H. Vosz
Od. 108
B.; IIII.
in transitiver verwendung II@11)
bei sinnlich greifbarer bedeutung II@1@aa)
mit einem gegenständlichen object α)
und angabe der person, der dieses gezeigt wird, im dativ: zeichen sint, diu uns etewaz zeigont Notker
ps. 104, 27 (2, 447
P.); der herr zaig dir sein antlútz
4. Mose 6, 25 1.
dtsche bib. 4, 24; Luther
Luk. 24, 40; er zeigt ihm den dolch Lessing 2, 321
L.-M.; zeigte ihr die schönsten bilderbücher Brentano
ges. schr. 5, 114;
so reichlichst belegt; auch vorzeigen: das do ward gefangen von den wilden tieren, das zaiget (bracht Luther) ich dir nicht
1. Mose 31, 39
erste bib. 3, 149; baten in, daz er in zaigt ein zaichen vom himel (
vulg. ostenderet, Luther sie ein zeichen ... sehen liesze)
Matth. 16, 1
erste bib. 1, 61; niemand passieret hier durch, bisz er den pass mir gezeigt
xenien in schr. d. Götheges. 8, 2;
[] geläufiges object sind örtlichkeiten, länder, landschaften: gehe ... in ein land, das ich dir z. wil Luther 1.
Mose 12, 1; der teufel ... zeiget im alle reich der welt
Matth. 4, 8;
dafür nebensatz: (
ich) tzayg ewch zw disser fryst, wo meines herren haws ist Wackernell
altd. passionssp. a. Tirol 21;
besonders gern ist weg
object: jemandem den weg zum dorfe z.; sal ih iu zeigon den ... weg Notker
ps. 71, 16 (2, 286
P.);
übertr.: dasz er dir den weg zeige zuo der seligheit Zwingli
dtsche schr. 1, 74; warum sucht ich den weg so sehnsuchtsvoll, wenn ich ihn nicht den brüdern zeigen soll? Göthe 1, 6
W.; β)
meist ohne dativobject, αα)
das theils ergänzt werden kann: zeigte ihre wund gearbeiteten hände Langbein
s. schr. 31, 10,
theils in der regel unausgedrückt bleibt, weil eine unbegrenzte menge von betrachtenden gedacht wird: er konte 45 wundmAehler an seinem leib z. (
vorzeigen, vorweisen) Grimmelshausen
Simpl. 119
Kög.; eine zufriedene miene z. Göthe 45, 22
W.; zeig deinem vater ein heitres antlitz Schiller 12, 27
G.; hier ist die bedeutung sehen lassen recht ausgeprägt; die flagge z.
seemänn. fachausdruck; beachtenswerthe fälle mit einem thätigen subject der unbeseelten natur: wenn es beginnt zu tagen, und furchtsam tritt herfür der Rötin bunter wagen und zeigt ihr braunes liecht der aufgeweckten welt Fleming
dtsche ged. 1, 59
L.; wachst guten bäumen gleich, die jährlich früchte zeigen J. G. Neukirch
anf. 409; nur kurze zeit werden das zertretene stroh und die eingegrabenen kochlöcher noch eine spur z. Göthe 22, 3
W.; die veilchen zeigten dicke knospen Storm
s. w. 5, 207;
ββ)
im bes. ergiebt sich die bedeutung vorzeigen: wo der brief fürkhombt, gezaigt und glesen würdet v. Brandis
landesh. v. Tirol 46; Zwingli
dtsche schr. 1, 123; sie lieszen ... die gemeine zusammen blasen, zeigeten ... den brief und sagten
grillenvertreiber 56; er wirbet nicht lange, er zeiget nicht gold Schiller 11, 212
G.; object ergänzt: zeigt! das ist eine pracht von einem becher 12, 165
G.; zeig her! (
das täubchen) Göthe 2, 205
W.; γγ)
ausstellen, zur schau stellen: sant Matthias zaigt man zuo Rom zuo sant Maria maior Jac. Strausz
christ. unterr. (1523) B 3
a; man ... zeigt ihr (
der riesen) gebein in den kirchen Fischart
Garg. 56
neudr.; bin. (1588) 155
b;
auch mit dat.-obj. reliquien ..., die alle jahr ... dem gläubigen volk gezeigt wurden Ranke
s. w. 1, 163;
besuchern als schaustück vorzeigen: dieser graff (
von Gleichen) ist mit seinen zweyen weibern in einen stein gehawen und wird gezeiget auff dem Petersberge zu Erffurt Binhardus
thür. chron. 174; II@1@bb)
in redewendungen und sprichwörtern, um jemand zu verspotten, mit den fingern oder sonstigen gebärden thiere oder gegenstände anspielend nachbilden: das weib zeigt im die feygen H. Sachs 9, 110
K.; Eberlin v. Günzburg 1, 7
neudr.; Fischer 6, 1094; das weib zeigt im den esel H. Sachs 9, 110
K.; 21, 23
G.; do zeigt er mir den kolben (
des narren) glych Murner
narr. 2, 78
neudr.; seinen plAeuel z. Fischart
schiff 38
neudr.; den spiegel zeygen heyst ... eim den text lesen ... und sagen, wer er ist S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 11
b;
sprw. klugred. 138
a;
ohne anspielung: wer wird mir einen spiegel z., dasz ich mich schaue? Bettine
Günd. 1, 97; den hintern z., den mitlen finger z. Eyering
prov. 1, 401; die fAersinen z., die flucht nemmen Frisius
dict. 441
a; die flüchtgen sohlen z. Fouqué
held 1, 117; die zähne z.: Äg. Albertinus
zeitk. 146
b; Gervinus
in brfw. zw. Jac. Grimm u. Gervinus 2, 12; zeigte meine krallen E. Th. A. Hoffmann 10, 44
Gr.; jemand die kalte schulter z.
ablehnung zeigen; einn newen schwalben oder blawen hund zeygen,
unter: das ssz umbs maul streichen
sprw. klugred. 143
b;
bauernregel: der april musz dem mai die ähren z.,
d. h. das korn musz schon im april weit entwickelt sein, wenn die ernte gut gerathen soll Wetterau; volksläufige redewendungen: jemandem z., wo der
[] zimmermann das loch gelassen hat
die thür weisen, vgl. Follmann 555
b; wu der hund s loch hat
einem den standpunkt klar machen ebda; wo Bardel (
Barthel) de muschd (
most) holt
ebda; weitere rdaa. bei Martin-L. 2, 893
b;
die kinder an den ohren aufheben und Rom z. Fischart
Garg. (1590) 125;
ähnlich de groszbaba z. Follmann 555
b; II@22)
in abgeschwächter bedeutung, II@2@aa)
zunächst noch mit gegenständlichem object, beweisen, dasz man herr, mann ist: ihnen mit steinen und prügeln den meister ... z. U. Bräker
s. schr. 1, 25;
bereits 1545: das werck zeyget seinen meister
res indicabit Tappius
adag. 8
a; Ch. Schmidt
Straszb. wb. 119
a; Seiler
Basl. mda. 322
a; zeigt ihr den mann Schiller 12, 480
G.; E. Zahn
held. d. alltags 90;
ähnlich: ein herr ..., dessen kleidung und anstand den edelmann zeigt Mörike
w. 3, 19; zeige den muthigen streiter Bürger 1, 237
Bohtz; ihr gesicht ... zeigt ... die Französin E. Th. A. Hoffmann 14, 151
Gr.; II@2@bb)
fähigkeiten als object, beweisen, aufweisen, zeigen, α) unsere fertigkeit (
im französischen) ... z. Gottschedin
br. 1, 6; ein meisterstück ... z. Gottsched
n. ged. 13; ihre kunst (
im fliegen) z. Göthe 23, 158
W.; mit nebensatz: z., was ich gelernet hätte
Leipz. avanturieur 1, 23;
mit zurückweisendem es: es is am ende doch was mit ihm, un er kann es man blosz nich so z. Fontane
ges. w. I 5, 184;
β)
object ist es;
der sinn ist prägnant, indem es
zur ergänzung aus dem zusammenhang nöthigt: der ausgang wird es zeigen v. König
ged. 126; ich ... schwur, ich wollte es ihm schon z. (
meine überlegenheit, stärke) Göthe 43, 58
W.; respekt vor dem wirt, ..., der zeigts einem (
weisz sich respect zu verschaffen)
V. v. Scheffel
ges. w. 3, 126;
volksthümlich sehr geläufig dem werde (will) ichs (schon) z.
eine strafpredigt halten, züchtigen, zurechtweisen, vgl. Kramer
teutsch-it. 2, 1435
b, Seiler
Basl. mda. 322
a, Ch. Schmidt
Straszb. wb. 119
a, Martin-L. 2, 893
b, Fischer 6, 1094,
auch norddeutsch: ich will ihm was anderes z.
will ihn mal auf eine andere art vornehmen, anders mit ihm reden; γ)
els. wird der imperativ im sinne eines verstärkten bitte
gebraucht: zeig, loss mich ouch luegen!
auch drohend: zeig, ich will dir! Martin-L. 2, 893
b; II@2@cc)
mut, liebe u. a. gefühle oder eigenschaften beweisen: zorn oder unwillen z. Luther 30, 2, 223
W.; so zeygt dir gott sein gnedig huld H. Sachs 1, 230
K.; hochmuth z. Fischart
flöhhatz 45
neudr.; ein willig hertze z. Opitz
poet. 39
neudr.; zeigte darin weder verstand noch gelehrsamkeit Liscow
sat. u. ernsth. schr. 6; ihm meine ganze liebe z. Göthe 21, 6
W.; seinen verdrusz 21, 223; zeigte keine härte 22, 103; neigung 25, 5
W.; muth zeiget auch der Mameluck Schiller 11, 282
G.; hier gilt es, deine majestät zu z. 12, 535
G.; geschmack v. Ayrenhoff
w. 3, 33; zeigte ... theilnahme Ranke
s. w. 1, 99;
so allgemein gebräuchlich; bisweilen für erzeigen: dem zeige nun die zAertlichkeit, die seine mutter fodern kOennte Gottsched
ged. 167; II@2@dd)
anstatt sonst geläufigerer verben: ja weil mir deine huld von dir die kenntnisz zeiget (
kenntnis gibt) J. Schwabe
belust. 1, 93; ein beispiel zeigt (
gibt) er uns, wie er die armut liebt A. Hartmann
volksschausp. in Bayern 315; zeigt (
leistet) er widerstand v. Ayrenhoff
w. 1, 187; II@33)
mit erweiternder bestimmung des objects, α)
prädicatsnomen: die beyden schaurohre ... z. die gestalten ausgesucht schön Göthe IV 29, 215
W.; unser gemeinsames deutsches schicksal sein angesicht nackend zeigt Hans Grimm
volk ohne raum 1, 10; bis ... Jesaias ... ein nichtiges idol als idol zeigte Herder 12, 18
S.; β)
übertragen, mit dem zusatz in einem ... lichte: konnte Othello in keinem so rührenden lichte gezeigt werden Gerstenberg
schlesw. litbr. lit.-dkm. 29, 124; in einem ganz neuen lichte (
zeigen) Pfeffel
pros. vers. 5, 26;
auch: von einer andern seite ... z. Gerstenberg
rec. lit.-dkm. 128, 145;
[] II@44)
etwas erst aus einem versteck oder einer umhüllung hervorholen und danach zeigen, wie z. b. zeige mir dein messer,
wenn dieses noch in der tasche des aufgeforderten ist; ähnlich, wenn sich die hülle beiseite schiebt: eine jähe kluft ... that sich vor ihnen auf und zeigte gegenüber eine bisher verborgene hohe mauer Göthe 24, 63
W.; indem eröffnete sich ... der vorhang ... und zeigte ... eine leere, dunkle öffnung 23, 121
W.; nahe steht der fall, dasz die hülle die umrisse der verhüllten form ausprägt: ihre (
der falten) lage ist gut, sie z. aber die glieder nicht Göthe 47, 340
W.; gazestoffe, die die formen mehr zeigten als verhüllten Mommsen
röm. gesch. 2, 402; II@55)
in imperfectivischer action besitzt z.
die bedeutung an sich tragen, besitzen, dauernd aufweisen: der griff (
des messers) ... zeigte die freundlichen worte: gedenkt mein Göthe 21, 147
W.; sehr kleine ... grundverschiedne stämme zeigt der Caucasus noch in unsern tagen Niebuhr
röm. gesch. 1, 117; da eben dieser älteste ..., gegen die familienart, schwarzes haar ... zeigte A. v. Arnim
w. 7, 11; ihr gesicht (
auf einem portrait) zeigt edle formen und züge O. Jahn
Mozart 3, 273;
auch vom wegweiser: ein kreütz oder hand oder hauffen stein auf den straszen, die den wAeg zeigend Frisius 223
a; II@66)
unter eigenartiger verschiebung ist subject a)
die erscheinung selbst: die trAeume zeigten mir entsetzliche gestalten Gottsched
schaub. 1, 11; ein schwacher schein am himmel zeigte, wo die sonne verschwunden war Storm
s. w. 1, 223; b)
eine landschaft oder bühne im theater: dieser (
bezirk) ... zeigte ... freundlich ... abwechselnde thäler Göthe 25, 6
W.; wo die gegend einen ganz anderen charakter zeigt Moltke
ges. schr. 1, 218;
ähnlich: er (
der italienische himmel) zeigt uns meist ein reines tiefes blau Göthe II 5, 1, 4
W.; der schauplatz zeigt eine gaststube Chr. Reuter
ehrl. frau 18
neudr.; O. Jahn
Mozart 4, 757; c)
das sehende auge oder der blick: hat der fürst nicht augen, die ihm ... gegenstände ... z. konnten? S. v. Laroche
frl. v. Sternh. 1, 123; dasz es geschwister waren, zeigte der erste blick Fontane
ges. w. I 1, 24; II@77)
früh im geistigen bereich verwendet; a)
mit nominalem object, α)
mit worten oder in der schrift etwas beschreiben, darlegen, auf etwas hinweisen: und Christus zaigt mit worten streng die strasz zur höllen brait und geng J. v. Schwarzenberg
Cic. 130
v; lieszen sie den junckherr berufen und zeigten im iren rathschlag
Amadis 1, 56; fuhr der kaiser fort, den ständen den frieden zu z. (
in aussicht stellen) Schiller 8, 73
G.; Ranke
s. w. 4, 141; wie
s. Johannis exempel zeigt Luther 26, 156
W.; beweisen: was zeiget uns nun dieses alles? Breitinger
crit. dichtk. 1, 110;
anzeigen, verraten: ob iemant derkannt wo er were daz er zaigt, daz sy in vingen
Joh. 11, 57
ält. dtsche bib. 1, 386 (
vulg. indicet, Luther anzeiget); wer ... seine kinde czeiget, precht oder weyset Arigo
decam. 139
K.; aufsagen: zeig das fünfft gebot! H. Sachs 1, 71
K.; β)
anzeigen, vorhersagen, verkünden: ih wæn iz scaden zeiget
kaiserchron. 1655
Schr.; ich musz dem pulss auch greiffen dir, was der für kranckheit zeiget mir H. Sachs 9, 29
K.; geht die sonn schwartzfarb auff, zaigts regen Sebiz
feldb. 9; der (
komet) zeiget vil jamers und blutvergieszens Stumpf
Schweizerchronik 250
b; Moltke
ges. schr. 6, 160; die jugend zeigt den mann, gleichwie der morgen den tag verkündet Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 2;
γ)
bedeuten, andeuten; vgl. den Paulus zeigota (
meinte, im sinne hatte), do er chad Notker
ps. 71, 16 (2, 286
P.); was es (
das gleichnis) zeige Luther 26, 399
W.; Apollo der bedeütt den klaren sonnenschein, Diana zaigt den mon Rompler v. Löwenhalt 1.
geb. 2;
δ)
lehren, unterweisen: ze wüssen oder kundt thun, ze verstohn gAeben Maaler 513
c;
docere, informare Stieler 2608; die ... schreibart ... gezeiget Bellin
rechtschr. 2
a titel; einem s abc, s lesen, s schreiben z. Schmeller-Fr.
[] 2, 1090; s ratin z.
rechnen lehren Lexer
kärnt. wb. 264; hätte ... ihnen ... das pulvermachen und buchdrucken gezeigt S. Brunner
erz. u. schr. 1, 155; b)
geläufig mit nebensatz als object, wie a α: wer hat dir gezeigt, daz du werst nackent (
indicavit, Luther gesagt)?
1. Mose 3, 11
ält. bib. 3, 52; und kund im doch mit schrifft nit zeigen klärlich, das Luther hett geyrrt H. Sachs 6, 380
K.; doch zeigte der ausgang ..., dasz du recht hattest Göthe 23, 185
W.; mit conj.: 21, 71
W., Herder 15, 309
S.; z., woher denn diese gewisheit komme Chr. Wolff
vern. ged. 3; welche vorsicht zu beachten war, zeigt mein ... schreiben Bismarck
ged. u. er. 2, 32
volksausg.; wie a δ: er zeigte uns, wie wir ... declamiren und gesticuliren sollten Göthe 21, 40
W.; älter mit inf.: wie gott Moysi zeiget den tabernackel zu machen
zu 2.
Mose cap. 26
ält. bib. 3, 469; Satan zeygt Abel zu tödten H. Sachs 1, 83
K. IIIIII.
reflexiv. III@11)
sich sehen lassen, a)
sich dem auge darbieten: ihr naht euch wieder, schwankende gestalten, die früh sich einst dem trüben blick gezeigt Göthe 14, 5
W.; magst du nie dich zeigen der bedrängten welt? Schenkendorf
ged. 72; eine schöne ... zeigte sich Haller
Usong 5; (
Friedrich,) der sich vom wahlplatze verloren und nicht wieder gezeigt hatte Göthe 22, 61
W.; als die ... blattern sich zeigten Pfeffel
pros. vers. 9, 122;
sich offenbaren, erscheinen: der sohn hat in der füll der zeit im fleische sich gezeiget P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 347
a; sie zeigte, wann es zwölfe schlug, itzt alle nächte sich Hölty
ged. 17
Halm; ans licht, an den tag kommen: es wird sich schon z. Kramer
teutsch-it. 2, 1435
b; G. Hauptmann
biberpelz 43; wie sich die leidenschaften bey meinen kindern z. (
äuszern) Klinger
w. 1, 22; hier zeigt sich ein merkwürdiger unterschied alter und neuer zeit Göthe 46, 26
W.; kaum zeigt der frühling sich im rosenkleide Mastalier
ged. 1, 4;
sich kundthun, sich darbieten: deren nutzen sich doch bald gezeiget hat v. Fleming
sold. 34; Karls ideen ... z. sich deutlich in dem neuen huldigungseide K.
F. Eichhorn
staats- u. rechtsgesch.3 1, 321;
sich vorstellen: gehet hin und zeiget euch den priestern Luther
Luk. 17, 14;
sich zur schau stellen, sich producieren: es zeigten sich ... einige männer (
auf dem seil) Göthe 21, 151
W.; Schubart
leb. 1, 208;
sich öffentlich sehen lassen, in der öffentlichkeit erscheinen: wenig findet er lust, sich unter leuten zu zeigen Göthe 50, 197
W.; die promenade ist heute langweilig, mama! ... das thut nichts. man musz sich doch z. Bauernfeld
ges. schr. 2, 32; sich nienen z.
continere se in occulto Maaler 513
d; b)
sich einfinden, sich einstellen, sich bieten: freuten sich ..., dasz sich ... ein engagement zeige Göthe 21, 237
W.; der schlusz des gedichtes hat sich noch nicht gezeigt IV 12, 145
W.; c)
prägnant, sich sehen lassen können: was sich in der guten gesellschaft z. kann Göthe IV 29, 241
W.; der weinberg darf sich z. Gaudy
s. w. 1, 140
; sich in einer hervorstechenden eigenschaft ausweisen, seine fähigkeit erweisen: bey gewissen gelegenheiten, wo sich der adel oder die bürgerschaft vorzüglich z. (
d. h. den geldbeutel aufmachen) musz
portraits (
Leipzig 1779) 198; nein, nein, so oft man sich hierinnen (
dichtkunst) sucht zu zeigen Neukirch
ged. 164; in der kunst sich neben jedem andern z. Göthe 43, 77
W.; vielleicht glaubt er, als pensionär des königs sich mit etwas 'zeigen' zu müssen Justi
Winckelmann 2, 1, 85; sich ... im besten lichte z. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 64;
ähnlich: ihr habt euch in eurer wahren gestalt gezeigt Lenz
ges. schr. 1, 75
T.; sich z. 1)
sich als partner im kartenspiel zu erkennen geben, 2)
sein wahres [] gesicht zeigen Follmann 555
b; d)
mit nebensatz, α) es liesze sich leicht z. (
nachweisen), dasz er die ordnung selbst befiehlt Lichtenberg
nachlasz 8;
β)
sich ergeben: zu ostern wird sich z., was für plane ... zu machen sind Göthe IV 29, 26
W.; nun wird sichs z., ob ich sieger blieb Kotzebue
dram. w. 2, 30; III@22)
mit prädicatsnomen, a)
substantiv, das in der regel im nom. auftritt; sich bezeigen, be-, erweisen: dich als ein kOenig z. v. König
ged. 34; zeigte sich als ein held Gottsched
schaub. 1, 176; zeiget euch als Moskaus wahrer sohn Schiller 15, 2, 463
G.; acc.: er hat ... sich als einen braven mann gezeigt Lessing 17, 168
M.; Gaudy
s. w. 2, 125; b)
adjectiv, α)
sich erweisen, beweisen, bezeigen, darbieten: ob sich schon einer geistlich zeigt Murner
narr. 183
neudr.; z. sich ... feindlich A. a
s. Clara
m. Wien 144; zeigt sich ... geneigt Göthe 7, 162
W.; elliptisch: wackre männer z. sich (
nämlich wacker) durch wackre handlungen 43, 225
W.; allgemein sich erkenntlich z.: v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 30;
β)
sich darstellen, sich zur schau bieten, erscheinen: eines ... zeigte sich mit ... marmor ... überzogen A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 6; bleigrau zeigten sich die felsen H. v. Barth
Kalkalp. 213. IVIV.
grammatisches. IV@11)
verbalnomina, a)
infinitiv: durch deutung und zeygen Arigo
decam. 118
K.; mit dten und z. Tschudi
chron. helv. 2, 32;
monstrabilis ... z-s wirdig Frisius
dict. 835
b; Hippel
lebensl. 1, 330; wo es an ein neues z. und beschauen ging Storm
s. w. 2, 76; b)
part. präs.: z-der finger Zwingli
deutsche schr. 1, 307; auszerthalb der deutlichen, z-den, augenscheinlichen philosophey Paracelsus
op. (1616) 1, 238 A
H.; ging ... z-d und triumfirend umher Schleiermacher
weihn. 6; IV@22)
in verbindung mit zeugen: wo man dir gottes werck zeiget (
weist) und zeuget (
davon zeugnis ablegt, bezeugt) Luther 26, 151
W.; Christum zeugen, zeygen (
aufzeigen, darstellen) und leren 11, 256
W.; frü bestimbter vögel chor ... zeugt und zeiget meine freud Harsdörfer
secr. 1, 99; IV@33)
zss.: an- (
th. 1, 525), auf- (782), be- (1796), er- (3, 1081), vorzeigen. IV@44) z.
für zeugen
generare, testari s. 1zeugen; IV@55)
zeigen in den formen zeugen, zöugen, zögen
s. 2zeugen.