erfinden Etwa 350 Belege, auch subst u PartPrät subst. Mehrf noch iS einfachen Findens (1), intensiviert als Auffinden durch angestrengtes u intelligentes Nachdenken, Kalkulieren u Kombinieren (2) u als Entwickeln u Konstruieren neuer Geräte u Verfahren in der techn-wiss Forschung (3). Deutl Schwerpunkt im ästhet Bereich (4): in der Geniezeit u Frühklassik einerseits Betonung der irrationalen u subjektiven Momente des Schöpfungsaktes, mehrf begleitet von innerer Bewegung, auch Bedrängnis, od innerer Stille; andererseits nachahmungsästhet Konzepte, in denen ‘Erfinden’ als das sinnl Erfassen u Wiedergeben einer individuellen Naturwahrheit verstanden wird. Seit den 90er Jahren verstärkt als einer unter mehreren Begriffen innerhalb des von G adaptierten Systems akadem Kategorien, wobei teilw eine irrational gesteuerte Einbildungskraft in Spannung zur rational gesteuerten Ausarbeitung steht, aber auch die Tradition mitwirkendes Moment im Erfindungsprozeß sein kann, das Erfinden reduziert wird auf den ‘Gedanken’ (s 4 b) od Erfindungsvermögen bei vorgegebenem Thema sich auf das ‘Wie’ der Darstellung, die reine Kunstsphäre, beschränkt. — Mehrf auch unabhängig vom ästhet Bereich als ein Erdichten von Unwahrem, als Selbsttäuschung (5). 1
jdn, etw als so od so geartet erkennen, entdecken; meist pass: sich als etw zeigen, erweisen ein .. Verlangen, zu wissen .. in wiefern sie [
Gretchens Bekannte] mit in jene Verbrechen verwickelt oder unschuldig möchten erfunden sein GWB26,341,9 DuW 5 ich Herrn Cammerherrn von Preen, so manche Jahre her, als treuen Freund und Mitarbeiter an einem wichtigen Werke [
Schadows Blücherdenkmal in Rostock] erfunden habe GWBB34,8,3 Both 3.11.20 Verzeihen mir jedoch meine Freunde, wenn ich künftig wortkarg erfunden werde GWB30,207,9 ItR Mitbürger .. welche, bey denen, neuerdings .. begründeten und durchgeführten Anstalten [
insbes mBez auf die Gewerkschule], sich unterrichtet, erhoben und aufgeklärt e. [> finden > fühlen] GWBB48,317 Maria Paulowna 16.2.31 K Ungeheure, fratzenhafte Bilder, deren hohler Körper mit Gold und Juwelen ausgefüllt erfunden ward, schlug man in Stücke GWB7,43,8 DivNot
uö 2
mit stärkerer Betonung des konstitutiven Moments: finden als verstehen od aussinnen a
iSv aufspüren, erkennen [
Melina will das Theater verlassen] Du fühlst nicht das zusammenbrennende, zusammentreffende Ganze, das allein durch den Geist erfunden, begriffen und ausgeführt wird GWB21,81,3 Lj I 14 [
üb Aufzeichnungen in Makariens Archiv] Resultate waren es, die .. uns .. nöthigen, vermittelst eines umgekehrten Findens und E-s, rückwärts zu gehen und uns die Filiation solcher Gedanken .. zu vergegenwärtigen GWB24,190,6 Wj I 10
uö b
iSv ausfindig machen, ersinnen, zB einen Ausweg, eine Lösung, einen Rat Hindernisse, die man .. den Zusammenkünften dieser beiden Liebenden entgegengesetzt .. welche Kunstgriffe sie erfunden, nur um sich sagen zu können, daß sie sich liebten GWB20,126,1 Wv I 11 Auf den Sommer muß ich mir was e., es sey was es will, um mir eine gewisse Heiterkeit wieder zu geben GWBB14,30,12 Schiller 3.3.99 [
üb Beschäftigungsmöglichkeiten eines Bildhauers in Weim] Ein Künstler, der zwecklos angestellt wird, muß sich Zwecke suchen und e. und da ist der Bildhauer vielleicht gefährlicher als ein anderer GWBB27,31,10 CarlAug 27.5.16
uö 3
als schöpferischer Akt des Entwickelns, Konstruierens, meist techn-wiss mBez auf Geräte, Verfahren, Techniken, Methoden, vereinzelt unter instrumentalem Aspekt auch mBez auf Sprache u Schrift; in der Spätzeit mehrf Akzentuierung als ‘e. im höheren Sinne’ für eine inspirierte Geistestätigkeit [
üb das Manometer] Dieses Instrument, schon von Otto von Guericke erfunden, nachher auf mannichfache Weise verändert und verbessert GWBN12,82,3 Witterungslehre 1825 bey ihm [
RBacon] hat alles die schönste Folge .. daher er denn auch voraus sieht, was noch künftig zu e. ist GWBN5
2,250,26 FlH III Plp mündliche Überlieferung wird immer mährchenhaft wachsen. Ist aber die Schrift erfunden, ergreift die Schreibseligkeit ein Volk vor dem andern GWB7,48,10 DivNot E. und Entdecken [
Titel] .. warum die vielfachen .. Contestationen über Priorität bei Entdecken und E. beständig fortdauern .. Zum Entdecken gehört Glück, zum E. Geist
1) .. Das Erkennen und E. sehen wir als den vorzüglichsten selbst erworbenen Besitz an GWBN11,255,1u4u6u12 Alles was wir E., Entdecken im höheren Sinne nennen, ist die bedeutende .. Bethätigung eines originellen Wahrheitsgefühles .. Es ist eine aus dem Innern am Aeußern sich entwickelnde Offenbarung, die den Menschen seine Gottähnlichkeit vorahnen läßt. Es ist eine Synthese von Welt und Geist GWBN11,128,6 MuR(562) GWBFaust II 6655 GWB33,197,27 Camp GWB36,56,14 TuJ GWBN11,247,8 u 15 MeteoreLiterarHimm [
für: ritrovare] GWB44,358,16 CellAnh XVII
uö 4
künstlerisch, sowohl für den konzeptionellen wie für den gestalterischen Vorgang, oft beides umfassend u ineinander übergehend a
dichterisch konzipieren bzw imaginieren; vereinzelt auch mBez auf poet Formelemente u Namensschöpfungen; in der Geniezeit stärkere Betonung der irrationalen, unbewußten, spontanen Momente, seit der Hochklassik auch in einer traditionalist Systematisierung des künstlerischen Prozesses iUz ‘schematisieren, anordnen, ausführen, bearbeiten’ uö; häufig mit positiven Qualifikationen wie ‘wohl, gut, glücklich, gehörig, anmutig, meisterhaft’ Noch einige Plane zu grosen Dramas hab ich erfunden, das heisst das interessante Detail dazu in der Natur gefunden und in meinem Herzen GWBB2,172,14 Schönborn 1.6.[74] so wenig man mit Bewußtseyn erfindet, so sehr bedarf man des Bewußtseyns besonders bey längern Arbeiten GWBB10,338,16 Schiller 25.11.95 sich auf die Zeitumstände beziehende Stücke .. keines .. ist so glücklich erfunden, so heiter und zugleich so rührend ausgeführt als das .. zurückfolgende [
des Adressaten] GWBB24,240,7 Peucer 4.5.14 den ersten Act [
des Faust II] .. der bis auf’s letzte Detail erfunden ist und ohne dieses Unheil [
Tod von CarlAug] auch schon in behaglichen Reimen ausgeführt stünde GWBB44,226,28 Zelter 26./27.7.28 Behramgur, sagt man, hat den Reim erfunden GWB6,180 Vs 1 DivSuleika GWBTgb 30.3.80 GWB27,373,22 DuW 10 Gespr(He2,608) Laube [1808/10]
2) GWB41
1,180,5 DreiKönige
uö in Gleichsetzung der Phantasieleistung von Dichtung u Aberglauben Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens, beide e. eingebildete Wesen, und zwischen dem Wirklichen, Handgreiflichen ahnen sie die seltsamsten Beziehungen GWB41
2,54,22 Möser
in der Frühzeit einmal für die myth Imaginationsleistung Da Μυθος erfunden wird, werden die bilder durch die Sachen gros, wenns Mythologie wird werden die Sachen durch die Bilder gros GWBTgb 5.4.77 b
mBez auf bildKunst u Dekoratives, seltener (als in der Poesie) als freier Akt der Phantasie, öfter als ein der akadem Kunstlehre verpflichteter Teilaspekt der Werkschöpfung iS der klass Kategorie der inventio, bezogen auf den Inhalt, die formale Gestaltung u die Wirkung, häufig ergänzt durch Ausdrücke wie ‘komponieren, ausführen, kolorieren’, teilw mit Attr wie ‘geistreich, phantasievoll, gewandt, humoristisch’ u iS der Berücksichtigung des Dekorums iVbdgn wie ‘schicklich, mit Geschmak e.’ ich habe eine Landschaft erfunden und gezeichnet
3), die ein geschickter Künstler, Dies, in meiner Gegenwart colorirt GWB32,36,20 ItR Skizzen in Rücksicht auf Licht- und Schattenmassen
4) erfunden GWBTgb 2.8.06 Wahrscheinlich hat die überkräftige Statue [
der ‘Moses’] des Michel Angelo .. sich meiner Einbildungskraft dergestalt bemächtigt, daß ich nicht von ihr loskommen kann .. sei deßwegen das fernere Nachdenken und E. dem Künstler und Kenner überlassen GWB49
2,91,22 Christus nebst 12 alt- u neutest Fig 6 Decorationen [
von Fuentes zu Salieris Oper ‘Palmira’] die auf einander in zwey Akten folgen, ohne daß eine wiederkommt, sie sind mit sehr kluger Abwechslung und Gradation erfunden GWBB12,232,27 Schiller 14.8.97 Der Gedanke, das Entwerfen, | Die Gestalten, ihr Bezug, | .. Wohl erfunden, klug ersonnen, | Schön gebildet, zart vollbracht — | So von jeher hat gewonnen | Künstler kunstreich seine Macht GWB25
1,18,1 Wj II 8 GWB47,240,10 Von Arabesk GWBB22,370,9 Meyer 29.4.12 GWBB3,207,10 ChStein 19.1.78 GWB20,85,13 Wv I 7 GWB22,328,4 Lj VI
uö c
musikal, auch mBez auf den musikal Vortrag [
Ram:] Der Gesang ist eine Nachahmung durch Töne einer, durch Kunst erfundenen [
inventée], oder, wenn es Euch beliebt, durch Natur eingegebenen Tonleiter GWB45,111,11 RamNeffe die Einbildungskraft sei ohnehin ein vages, unstätes Vermögen .. Würde der Musiker einem Schüler vergönnen .. sich .. Intervalle nach eigner Lust und Belieben zu e.? GWB25
1,9,19 Wj II 8 [
mBez auf den Vortrag eines Liedes] Das sei nur eingelernt, sagte ich .. Nun müsse er erst aus eignem Geist und Sinn das Wahre .. selbst e., und dadurch mit Dichter und Musiker als Original wetteifern GWB35,238,3 TuJ
uö d
übertr auf Naturprozesse iSv erschaffen; von Naturgeistern, Gott u dem gedankl die Schöpfung fortsetzenden Menschen (selten) [
Faust üb die Geister im Berg:] In stetem Sondern, Prüfen und Verbinden, | Ihr einziger Trieb ist Neues zu e. | Mit leisem Finger geistiger Gewalten | Erbauen sie durchsichtige Gestalten GWBFaust II 10432 Mit diesem Modell [
der Urpflanze] und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen in’s Unendliche e., die .. nicht etwa mahlerische oder dichterische Schatten .. sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Nothwendigkeit haben GWB31,240,11 ItR ~ GWBB8,233,1 ChStein 8./9.6.87 GWB38,484,18 Späne 5
etw erdichten, zurechtphantasieren, fingieren; auch absichtsvoll, meist iS übler Nachrede, etw Unwahres, Absurdes konstruieren; vereinzelt refl: sich selbst etw vorspiegeln, einreden er [
Beireis] wüßte .. Maikäfer in .. Krebse zu verwandeln .. Wir hielten dieß .. für eine im Geist und Geschmack des alten Wunderthäters erfundene Legende GWB35,225,10 TuJ es muß sich bald aufklären, ob die Sache [
betr Herkunft Theresens] wahr oder ob sie erfunden ist GWB23,192,18 Lj VIII 4 [
Baron:] weil aber niemand leicht was Gutes erdenkt, dagegen jedermann sich einen großen Spaß macht, was Böses zu e. und zu glauben, so gibt’s der favorablen Neuigkeiten so viel GWB12,50,10 Lila I [
vermutl nach Lektüre von Cottas ‘Morgenblatt’] daß .. absurde Nachrichten, welche die Unruhe besoldeter Nouvellenschreiber, der Müßiggang und der böse Wille erfindet und verbreitet .. nicht aufgenommen werden GWBB19,428,22 Cotta 7.10.07 diese angeborne Gewissenhaftigkeit .. bildete sich .. zu grillenhafter Schwäche; er mochte sogar sich Pflichten e., da wo sie nicht gefordert wurden GWB24,194,20 Wj I 10 GWB>31,111,7]">B1,60,15 MMoors 1.10.66 GWBN11,149,24 MuR(437)
uö → GWB
durcherfinden GWB
hinzuerfinden nach-Guterfundene GWB
neuerfunden GWB
selbsterfunden GWB
spracherfindend GWB
wohlerfunden Syn zu 1
GWB
befinden GWB
entdecken GWB
entlarven GWB
erkennen GWB
erweisen GWB
finden GWB
zeigen(sich z.) zu 2
GWB
ausdenken GWB
ausersinnen GWB
ausfinden GWB
ausfindig(a. machen) GWB
aussinnen GWB
erdenken GWB
ersinnen sinnen(auf etws.) zu 3
GWB
aussinnen GWB
entdecken zu 4
GWB
aussinnen GWB
denken GWB
entdecken GWB
erdichten GWB
erschaffen GWB
inventieren GWB
konzipieren zu 5
GWB
ausdenken GWB
dichten GWB
einbilden GWB
erdenken GWB
erdichten GWB
erlügen GWB
fabeln GWB
fingieren GWB
phantasieren GWB
simulieren GWB
vorgeben GWB
vorspiegeln 1) G-s Aufsatz ist 1817 entworfen (s JA39,355). Schon 1798 bemüht sich Kant in seiner ‘Anthropologie in pragmatischer Hinsicht’ um eine Unterscheidung der Begriffe: “Etwas erfinden ist ganz was anderes als etwas entdecken. Denn die Sache, welche man entdeckt, wird als vorher schon existierend angenommen, nur daß sie noch nicht bekannt war” (§ 54 ‘Von der Originalität des Erkenntnisvermögens oder dem Genie’; vgl dazu JSchmidt, Die Geschichte des Geniegedankens .., 2,1985,377. 2) Zur Zuverlässigkeit dieser programmat Aussage ist zu beachten, daß sie durch keine authent G-Belege gestützt wird, daß der in diesem Zshg wichtige Begriff ‘Erlebnis’ bei G selbst nicht belegt ist u daß die Äußerung von dem 1806 geborenen HLaube nach ungenannter Quelle in der 2. Aufl seiner Reisebilder 1847 überliefert wird. 3) Die Trennung in einen geistigen Entwurf u eine Zeichnung, die diesen festhält, ist bereits in der Kunsttheorie des 16. Jhs formuliert worden, zB als ‘Disegno interno’ u ‘Disegno esterno’ bei FZuccari (vgl EPanofsky, Idea 31935,47—49). 4) “Licht- u Schattenmassen” gehören ebenfalls als ‘lux et umbra’ in die Skala der akadem Kategorien, vgl etwa den einflußreichen Barocktraktat ‘De Pictura Veterum’ von Franciscus Junius, 1637 (nach JDobai, Die Kunstliteratur des Klassizismus u der Romantik in England, 1, 1974,617).Elke Umbach E. U.