erzeigen ,
praestare, praebere, exhibere, indicare, ostendere, erweisen, weisen, praet. erzeigte.
mhd. erzeigen,
praet. erzeicte
und erzeigete.
ahd. irzeigan
oder irzeigôn
unverzeichnet, obschon einfaches zeigan, zeigôn
vorkommen. goth. weder taihjan, taihôn,
noch ustaihjan, ustaihôn,
doch verwandt scheinen taiknjan, ustaiknjan,
welchem in einzelnen stellen erzeigen
gerade der bedeutung nach entspricht, der gestalt nach das vorausgehende erzeichnen.
in taiknja
sind, mit haftender tenuis k,
genau die κν von δείκνυμι.
man kann über erzeigen
nicht sprechen, ohne vorweg auf das einfache zeigen
einzugehen. wie sich erzeigen
und erzeugen, bezeigen
und bezeugen, zeigen
und zeugen
in den buchstaben und dem sinn berühren und vermengen, liegt ihnen auch der analog gebildete stamm zeihen
und ziehen
unter, ahd. zîhan
und ziohan =
goth. taihan
und tiuhan,
lat. dicere
und ducere.
schon das mhd. erzeigen (: neigen, veigen)
schwankt in erzöugen, erzöigen (
vgl.ougen, öugen
entstellt in eigen). dicere
ist künden, hörbar machen, ducere
leiten, weisen, sichtbar machen = zeigen,
z. b. das haus, den weg zeigen,
monstrare, und alles geht hier auf sinnliche wahrnehmung und weisung hinaus. wenn aus videre
ein frequentatives visere,
aus goth. vitan
ein veisôn
folgt und veis,
ahd. wîsi,
nhd. weise
der sehende ist, weisen
sehen lassen, so scheint auch für zeigen =
δεικνύναι eine sinnliche grundbedeutung nothwendig. sie liegt im einfachen zeigen
noch unverhüllter als in erzeigen,
das meistentheils schon von abstracten subst. oder adj. begleitet wird. ich bemühe mich aber für erzeigen
ebenfalls den schleier zu lüften und unter 1
wie 3,
a—
c die vorstellung des blühens, leuchtens d. i. erscheinens, sichtbar werdens darzulegen. denn auch schînen
ist leuchten, erscheinen (
sp. 957)
ist zeigen, declarare, goth. gabairhtjan,
und augjan, ougan
fällt zu augô, ouga. 11)
blühen, blätter, blumen sichtbar werden, hervortreten lassen: mhd. in den zîten dâ die rôsen erzeigeten manec schœne blat.
MS. 1, 19
a,
blätter, blumen trieben, zeigten, vorwiesen, freilich auch hervorbrachten, wie Hel. 132, 15
von den bäumen: than sie brustiat endi bloiat endi bladu tôgeat, lôB antlûkit,
wo dem zeigen tôgean = zöugen
begegnet; daʒ blinde volk dô dûchte, wie des liechtes clârheit, als in erzeigete sîn cleit, Herodem dran wolde êren.
pass. H. 159, 44,
wo sich 'in'
für den dat. pl. oder acc. sg. nehmen, auf die leute oder auf Herodes beziehen läszt, die sonnenstrahlen lieszen das goldne kleid erglänzen. nhd. erzeige deine hand und rechten arm herlich.
Sir. 36, 7; er fraget menniglich, wo der riese wär, denn er wolt ihn mit streit bestehen. also ward er ihm erzeiget (
gewiesen, mit den händen gezeigt), denn er hett sein wohnung auf eim starken schlosz.
b. d. liebe 273, 4; alsdan auf dein gebot hat sein haupt stolz und boch aufrichtend in den luft ein jeder berg erzeiget. Weckherlin 223,
vgl. ps. 104, 8
die berge gehen hoch erfür. wir sagen heute zeigen, weisen, nicht mehr erzeigen. vgl. hernach 3, a. 22)
häufig bei abstracten vorstellungen, 2@aa) kraft, macht, gewalt, muth, meisterschaft erzeigen:
mhd. ich wæne ëʒ wil winter sîn, dër uns sîne kraft erzeiget.
MS. 1, 19
a; dër erzeicte getriuwen muot.
Iw. 2700; wan si im erzeigte ir lîbes meisterschaft.
Nib. 620, 2;
nhd. eben darumb hab ich dich erweckt, dasz ich an dir meine macht erzeige (
goth. ei gabairhtjau bi þus maht meina).
Röm. 9, 17; und hette gott nicht raum, seine weisheit und gewalt uber unser weisheit und verstand zu erzeigen. Luther 6, 80
b; hat doch zu unser zeit auch papst Paulus seinen obergewalt erzeigt.
bienenk. 132
b. 2@bb) hülfe, gnade, gunst, freundschaft, güte, treue, liebe, minne:
mhd. got sol uns hëlfe erzeigen. Walth. 77, 1; owê, kund diu minne ander hëlfe erzeigen.
Tit. 71; als ein stumbeʒ tier dem man vriuntschaft erzeigen kan.
Iw. 7768; kein (
freundliches) wort er im nit erzeiget.
Diocletian 673; warum redest du mit mir niht, du erzeigest mir kein friuntschaft niht wëder mit worten noch mit gesiht. 774; erzeict im sîne minne.
Iw. 3872; hie erzeigte sîne hövescheit hër Gawein der bescheiden man. 2714; getürstekeit erzeigen.
tr. kr. 11673; daʒ du mir solt erzeigen gnêdiclich genâd ze allen stunden. Hadamar 172;
nhd. bringet in herab zu mir, ich wil im gnade erzeigen. 1
Mos. 44, 21; er wird gott bitten, der wird im gnade erzeigen.
Hiob 33, 26; wird denn der herr ewiglich verstoszen und keine gnade mer erzeigen?
ps. 77, 8; daselbs wil ich euch kein gnade erzeigen.
Jer. 16, 13; jedem erzeigt ihr recht und gnade; gott erzeigt mir reichlich seine güte.
ps. 59, 11; erzeige im güte und trewe. 61, 8; das du keinen bund mit inen machest, noch inen gonst erzeigest.
5 Mos. 7, 2; und barmherzigkeit erzeige in viel tausent, die mich lieben und meine gebot halten. 5, 10; ich wil euch barmherzigkeit erzeigen und mich uber euch erbarmen.
Jer. 42, 10; und die barmherzigkeit erzeigete unsern vetern (
goth. taujan armahairtiþa).
Luc. 1, 72; und nicht mer liebe erzeigen.
Hos. 9, 15; erzeiget nu die beweisung ewer liebe (
goth. ustaiknein friaþvôs), 2
Cor. 8, 24; einem ein freundlich herz, ein frölich angesicht erzeigen, ein väterlich herz erzeigen. Maaler 120
b; ein fröud in den augen erzeigen,
gaudium oculis proferre. ebenda; das du solch löbliche that gethan hast und Israel so grosze wolthat erzeiget hast.
Jud. 15, 12; das sol mir angenehm sein und wil meine ehre erzeigen, spricht der herr.
Haggai 1, 8; erzeigen sie uns die ehre herein zu treten; einen dienst, gefallen erzeigen; den traurgen dienst der traurigen erzeigend. Schiller ...; gott hat ihm diese gnade nicht erzeigt. 441
b; die gefälligkeit erzeigen.
Felsenb. 1, 109; bedankte sich vor (
für) erzeigende höflichkeit.
unw. doct. 641. 2@cc) zorn, rache, klage, untreue, reue, schmerz, neid, hasz:
mhd. erzeigte ir riuwe. Kelle
spec. 50; sît got sô sêre sînen zorn an dir gedâcht irzeigin.
Athis F 35; Marja vor dem kriuze trûreclîche klage erzeiget. Walth. 37, 17; nît, haʒ, dër nie gelac den erzöugte dër ritter dô. Bon. 62, 13; ëʒ erzeicten ir gebærde ir hërzen beswærde.
Iw. 1322
nhd. derhalben da gott wolte zorn erzeigen (
goth. viljands guþ ustaiknjan þvairhein).
Röm. 9, 22; da müst warlich der wettermacherische papst sein päpstliche choleram erzeigen.
bienenk. 235
a; so schwere mir nu bei gott, das du mir kein untrewe erzeigen wollest.
1 Mos. 21, 23. 2@dd) wahrheit, einfalt, list, trug, gewohnheit, wunder:
mhd. dâ scol got sîn wârheit hiute hie erzeigen.
Rol. 301, 15; daʒ ër sîne tugente besceinte und die rëhten wârheit under in erzeicte. 303, 14; dër vuchs erzöugte sînen list. Bon. 16, 24; ach hërre got, wie vil dër ist ûf ërde, die den sëlben list erzöugent. 33, 33; dô erzeicte aver Keiî sîn alte gewonheit.
Iw. 108;
nhd. und vergaszen seiner thaten und seiner wunder, die er inen erzeiget hatte.
ps. 78, 11; in gesatzen und contracten erzeigen si ein grosze einfalt, zanken nicht. Frank
weltb. 193
a; die weisheit gottes wird den hoffertigen nur im euszern schein offenbart, aber den demütigen wird sie in inwendiger warheit und verborgenem grund erzeigt. Luther 1, 32
a. 2@ee)
nicht selten steht bei erzeigen
das blosze pronomen oder folgt ein abhängiger satz darauf: mhd. Tristan sprach aber, diz muoʒ ich mit gotes hëlfe erzeigen.
Trist. 163, 17; daʒ erʒeigten sî wol hie.
Iw. 6996; daʒ wart dâ wol erzeiget. 7091; ich sol in wol erzeigen daʒ.
Nib. 1404, 4; diz wart ouch an Iasône bewæret und erzeiget.
tr. kr. 11263; muge aber ich erzeigen daʒ.
Otto bart 213; her Neithart wart der rede frô, wie wol ers nit erzeigti dô.
Ring 4
a, 7; nu erzeicte dër tôre ze hant, daʒ der tôre und diu kint vîl lîhte ze wenenne sint.
Iw. 3320; op daʒ got erzeige, daʒ ir niht sît veige.
Parz. 558, 15; dër wirt sînen gesten wol erzeigen bat, daʒ man si gërne sæhe in Burgonden lant.
Nib. 738, 2; daʒ ër in willic wære, wol erzeict er daʒ. 1597, 2;
in mehrern dieser stellen hat auch das adv. 'wol'
unmittelbaren bezug auf erzeigen.
nhd. es einem, etwas einem erzeigen,
vgl.denn niemand jamerte dein, das er sich über dich hette erbarmet und der stück eins dir erzeigt.
Ez. 16, 5. 33)
bei dem häufigen reflexivum ist durch den unmittelbaren zurückgang auf die person die sinnliche und lebendige vorstellung gern festgehalten. 3@aa) sich erzeigen,
blühen, grünen, wachsen, hervorthun: swâ sich dër rôse erzeiget.
MSH. 2, 238
a; die mark erzeiget sich und bringt eckern.
weisth. 3, 416; gesetzt aber es erzeigen sich da (
im gebüsch der reimgedichte) sträuch und aufschöszlinge, die dem günstigen leser behagen können. Rompler
vorr. s. 16. 3@bb)
leuchten, scheinen, sich aufhellen, aufgehen, sichtbar werden (
vgl. goth. gabairhtjan
unter 2,
a): über zween tag erzeigt sich das wetter aber schö
n. Frey
garteng. 35,
wo jedoch auf 'schön'
gewicht fallen könnte; denn morgen, so bald es tag wird, so werd er sich erzeigen (
erscheinen).
b. d. liebe 12, 3; jetzund, da eben der hundsstern sich auch erzeiget. Weckherlin 867; was sieh ich aber dort für gaben einher bringen? es scheinen weise leut aus morgen da zu sein. wie kommen sie daher? und was doch für ein schein erzeigt sich ob dem haus? Rompler 27; sobald sich aber der liebe tag im osten ein wenig erzeigte
Simpl. K. 948. 3@cc)
von thieren und menschen leiblich sichtbar werden, vortreten, sich vorstellen: ein igel, als lang sich der erzeiget und herfür tut (
aufrollt), so reizet man in. Keisersb.
selenpar. 22
a; Fockens von Morillons süne kamen und erzeigten sich dem keiser (
stellten sich ihm vor).
Aimon E 1
b; und da die jungen ritter gewapnet waren, si gingent und erzeigtent sich dem keiser. E 2
a; kamen und erzeigten sich alle underthanen desselbigen schlosz, ihm als ihrem herrn erbhuldigung zu thun.
Amadis 127; sich dem volk, vor dem volk erzeigen,
committere se in conspectum. Maaler 120
c; hie sprechen sie, hat Christus befohlen, dem priester sich zu erzeigen, das ist er sol dem priester heimlich beichten seine sünde. Luther 1, 507
b; das sie nu Christus heiszt zu den priestern gehen und sie sich den priestern erzeigen. 4, 487
a (
in der bibel selbst, Matth. 8, 4.
Marc. 1, 44.
Luc. 5, 14
setzt er einfaches zeigen, Ulf.
überall ataugjan); herr, es ist lange satt, dasz ich dich nicht gesehen. erzeige dich, mein arzt! (
erschein mir). Fleming 30. 3@dd) sich erzeigen,
sich erweisen, benehmen, betragen, bewähren: darvon sollen die hausvetter in iren hüseren nicht gestatten, das das gesind iemans sein eer abschneide. aber bist du geladen und bist bei den lüten und hast den gewalt nicht, und gezimt dir auch nit, das du eim darin redest, so soltu dich mit deiner angesicht (
in deinen gebärden) erzeigen (
es steht erzeugen), das man merkt, das du es nit gern hörest, und solt in nit anglefzen (
anschmunzeln, 1, 354
nachzutragen) und anlechlen. ist er denn vernünftig, so zücht er die pfeif in den sack und hebt den trüssel zuo und schweigt. Keisersb.
s. d. m. 28
b; nun lobest du die person allein darumb, das du dir sie geneigt wilt machen, das sie deinen willen thüg, darum gleffest du sie an (
machst du ihr süsze mienen) oder erzeigst (
steht erzeugst) dich sunst mit geberden gegen ir früntlich, oder kartest mit ir, so dick du der ding eines thuost, so dick sündest du tödlich. 32
a; und mich dermaszen in meiner kindheit erzeiget und gehalten, dasz männiglich daraus gespürt, dasz ich zu einem kriegs oder reitersmann gerathen würde. Götz von B.
lebensb. 6; dasz ich mich wol weisz zu erzeigen. Ayrer 243
c; und in den nngewittern erzeigt sich erst der muth. Göthe 11, 77. 3@ee) sich erzeigen,
sich anstellen, simulare: Triege ist ein valsch geselle, und kan sich doch erzeigen, als ob er helfen welle. Hadamar 450;
mit gen. der sache: er aber erzeiget sich der flucht und wiche zurück. Tacius
bei Fronsp. 3, 249
b; ungeacht nun, dasz er im ersten schlaf war, erzeigten sich dennoch die bürger alles gehorsams. Schweinichen 2, 100; da nu Nicanor sich erzeigen wolte, wie bitter feind er den Jüden wäre. 2
Macc. 14, 39. 3@ff) sich erzeigen,
erscheinen, hervortreten: wo nutz sich nicht erzeigt, wo kein gewinn sich weist, ist freundschaft nicht daheim. Logau 3, 244, 144; an dem sich gut verstand und tugend wird erzeigen, der redet nicht, bis er vermerkt ein stilleschweigen.
pers. rosenth. 4, 7; und sagten was ich habe erzeigt in ihrem angesicht (
in ihrer gegenwart). P. Gerhard 29, 50; als er (
der webergesell) sahe, dasz in seinem gewebe sich sichere bildnisse mit einigen zieraten erzeigeten.
pers. baumg. 5, 10. 3@gg)
mit einem praedicierenden subst., dem aber in neuerer zeit 'als'
vorgehen musz: sich ein freund erzeigen. Dasyp.; so hab ich dörfen gar allein der phariseer schützer sein, und mich erzeiget einen man. Lobwasser
Cal. p. 56; sich einen redlichen, frommen burger erzeigen. Maaler 120
c; Sintia wehrt ihrer ehren, wer ihr was wil muten an, ei der musz es schwer entgelten, sie erzeigt sich als ein mann. Logau 2, 55, 9; ich komme endlich auf das dritte, wodurch ich mich als den advocaten des ungenannten erzeigen soll. Lessing 10, 228; dort erkletterte sie den mast und erzeigte sich als ein kühner matrose. Göthe 22, 126.
diese stellen lehren, dasz der casus, wie bei ähnlichen verben (sich bewähren, bekunden, ankündigen, darthun)
im nom. sowol als acc. stehn darf. 3@hh)
häufiger ist das adjectivische keines als
bedürfende praedicat, wieder mit zulässigem nom. oder acc.: friuntlich si sich erzeiget.
Hätzl. 22
a; da aber einer auch die warheit beschirmbt und aber unbescheiden ist, alsdann ist es teglich sünde. wan er aber also unmäszig sich in seinem schreien erzeiget, also das die leut darab geergert würden, so möchten todsünde daraus entstan. Keisersb.
s. d. m. 41
a; ich wil eine fewrige maur umbher sein und wil drinnen sein und wil mich herlich drinnen erzeigen.
Zach. 2, 5; also erzeige dich herlich an inen fur unsern augen.
Sir. 36, 5; welchen er sich nach seinem leiden lebendig erzeiget hatte.
apostelg. 1, 3; sich frölichen erzeigt.
verwarung landgr. Wilhelms 1552 a 2
b; sich dankbar, tapfer, standhaft, rauh erzeigen; sich stark erzeigen.
pers. rosenth. 8, 34; sich widerspenstig erzeigen.
Lokman fab. 20. 22; solchem unheil (
dem alpdruck) zuvorzukommen, wollen sie für rathsam halten, wenn man sich im bette verkehrt erzeige und allda die füsze hinlege, wo vorher der kopf gewesen. Praetorius
weltb. 1, 28.
doch mögen einzelne dieser adj. für adv. gelten, wie es auch z. b. heiszt: erzeigte mich nicht anders.
Simpl. K. 282.
früher konnte auch der acc. in abhängigem satz folgen: da erzeiget er sich ganz gerad und geleich sein. Braunschweig 9.