gezeigen ,
verstärktes zeigen. 11)
das mit zeichen
und zeichnen (
s. oben gezeichnet)
wie mit zeihen (
s. unten gezeihen
vgl. auch Brugmann
indogerm. forsch. 12, 28)
stammverwandte verbum zieht in der älteren sprache einen weiteren bedeutungskreis, an dem auch die verstärkten formen theilnehmen. unserem sprachgefühl ist die sinnliche verwendung des verbums in verbindung mit einem entsprechenden obj. ausschlaggebend: sie quamun filu ferroiʒ zeigota in ther sterro. Otfrid 2, 3, 19; dîne wega die grehten zeîge mir (
vias ... demonstra) Notker
psalm 24, 4 (zeige Luther).
dagegen bevorzugt die ältere sprache abstracte wendungen mit oder ohne eigentliches object, vgl. Graff 5, 589,
vgl.: thes kruces horn thar obana thaʒ zeigot uf in himila; thie arma joh thie henti thie zeigont woroltenti. Otfrid 5, 1, 20.
entsprechend ist der gegensatz zwischen relativem und absolutem gebrauch auch für die ersten zusammengesetzten formen bei Otfrid
gestaltet, der im zweiten fall das verbum für das stammverwandte lat. dicere eintreten läszt (
vgl. auch unʒ ih thir zeigo 1, 19, 5;
usque tum dicam tibi Matth. 2, 13 uncʒ das ich dir sag
cod. Tepl.).
vgl.: so er in gezeigota tharso ward er unfrawer sar. 4, 12, 1 (
cum haec dixisset Joh. 13, 21);
gegen: giwisso, so ih thir zellu,thiu werk bisihit si ellu; si iʒ alleʒ gote reisotjoh sinen io gizeigot. 4, 29, 26. 1@aa)
gern ist an stelle des objects ein ganzer satz angegliedert (
vgl.: daʒ tier im zaigen kunde das er nider sasz Heinrich von Neustadt
Apollonius 6728
Singer): ich bitte dich vatter, das du in sendest in meines vatters hausz. wann ich han fünff brüder, das er in gezaige auff das si nit auch kumen in dise statt der pein
Gregors dialoge IV
cap. 29. und enkunnet niht gezeigen, wer iuch betwinge dar zuo oder welher hande nôt eʒ tuo. Gottfrid
Tristan 6088
u. a. 1@bb)
die ältere Wiener rechtssprache weist verbindung mit zielbestimmungen auf: erlangt ein man ein gelt mit recht auf den andern und chan auf sein phant nindert gezaigen, so zaig er auf in selber und haiz in datz dem nachrichter behalten vierzechen tag
Wiener stadtrechtbuch 9
s. Schuster 50;
u. a. vgl. auch: swo seu denn furbaʒ auf den ê genanten Heinrichen ... oder auf sein gût gezaigen mochten
Wiener urk. (1362)
s. Loersch-Schroeder-Perels (
nr. 216) 159;
vgl. auch unten sp. 6986. 1@cc)
auch in der verbindung mit objecten bringt das verbum anfangs einen reicheren, auf innere thätigkeit weisenden bedeutungsgehalt zum ausdruck: 1@c@aα) gaceigonti,
sternens (
viam bonae institutionis)
glossen zu Gregors
cura past. s. Graff
a. a. o.: ich sage iu, lieben süne mîn, iun wahset korn noch der wîn ichn kan iu niht gezeigen diu lehen noch diu eigen. Spervogel
s. minnes. frühl. 25, 15; kunde ich mit vuoge mînen muot gezeigen nach dem willen gar. v. Gliers
s. minnes. Hagen 1, 106
b. 1@c@bβ)
eine äuszerlichere, der heutigen hauptverwendung entsprechende beziehung auf das object übernimmt unser verbum hier erst später; es tritt damit in wettbewerb mit einer lautähnlichen sippe; vgl. ougjan, gaaugjan Graff 1, 124
ff.; ougen, zougen, zöugen
u. a. mhd. wb. 2, 453. 1@c@b@11)) hitz ... kelten ... fäuchten ... der ist kainz an den steinen, daz man müg gesprechen oder gezaigen oder priefen Konrad v. Megenberg 427; wol her swer mir ein boeser dinc gezeigen kan.
meisterlieder der Kolmarer handschr. 136, 36
Bartsch s. 509; do dise ... uff das alter kam wol uff nutzig jar ... ward si recht als ain kind ... mocht nit gon und kund ... nit reden ... so man ir och die hochzit vor namt, und man si denn fragt was man zuo ieklichem begiengi, so kund si es wol gezaigen oder gesagen Elsbeth Stagel
leben der schwestern zu Tösz 94
Vetter. 1@c@b@22))
mit persönlichem object: das ich min lieb verlorn han den mir nieman gezaigen kan.
Christus und die minnende seele 1233
Banz (erzaigen
Donauesching. handschr.) 1; daʒ ich gezeigen möht die man an die diu wîp sich solten lâ
n. Ulrich v. Lichtenstein
vrouwen buch 633
Lachmann; kunnet ir mir iendert gezeigen under kristen unde under heiden ein küniginne edele und rîche.
Münchener Oswald 153
Baesecke, desgl. 178. (
var. zeigen) 215. 22)
in einer von bezeigen (
s. th. 1
sp. 1796)
jetzt übernommenen verwendung ist gezeigen
nur handschriftlich, aber noch aus dem 18.
jahrh. bezeugt: umbartheische gedanckhen über dasz gezeigen desz chur-bayerischen hoffes 1735
titel einer staatsschrift über das benehmen des hofes s. Schmeller
dtsch. handschr. 577 (
ergänzt durch E. Petzet
München).