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schurren

mhd. bis Dial. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
12 in 11 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
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17
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11

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schurren verb.

Bd. 15, Sp. 2053
schurren, verb. mit geräusch gleiten. ein lautmalendes wort, im ablaut zu scharren und scherren gebildet, vgl. diese (th. 8, 2214 ff. 2591 ff.). es ist zufrühest im mnd. bezeugt (zuerst in der Braunschweiger reimchronik, ende des 13. jh.) und auch jetzt namentlich in nd. mundarten weitverbreitet, doch auch im oberd. (bair.) und mitteld. (hess.-thür.). in der nhd. schriftsprache ist es seit anfang des 17. jh. nachweisbar (frühster beleg bei Sommer, 1605, s. unten). 11) zunächst als bloszes schallwort, vgl. Campe: unde de beckenslegere snurden unde schurden myt den becken, dat belderde de stad dorch dat neymet horen konde. d. städtechr. 16, 336, 32. 22) meist indes eine geräuschvolle bewegung bezeichnend, von gegenständen: mühlsteine schurren, laufen schurrend. Frischbier 2, 312a; besonders mit reibungsgeräusch herabrutschen: die erde schurrt vom rande in den graben, etwas aus der hand schurren lassen. Campe; niederd. dat glas is vonnen disch eschurret. Frommann 5, 292 (Fallersleben); der schnee schorrt vom dache. Frischbier a. a. o., vgl. Bernd 279. Liesenberg 211 (schurn); ein schurren des gesteins. didaskalia 1868, nr. 241; wey, welches strites men dha plach an hurte und widherhurte, daz daz ysen scurte von dhem kni unz uf dhen vuoz. Braunschweiger reimchronik 7010. über eine fläche gleiten: oft war die Weser so voll eis, dasz man das schurren und rutschen der mächtigen eisblöcke auf dem grunde des bodens hörte. Oppermann hundert jahre 1, 264. — von menschen, mit den füszen, dem stuhle schurren, auf dem erdboden geräuschvoll hin und her fahren, so besonders nd. mit den föten, mit'n stool schurren Dähnert 418b, s. ferner Richey 248. brem. wb. 4, 721. Mi 78a; ostfries. in den formen schûren, schurren, schûrsen: du must nêt so mit de stôl up de déle schûren u. a. ten Doornkaat Koolman 3, 163b; auch in transitiver fügung schurr (schieb) 'n disch 'n bt'n ran. Danneil 190b. geräuschvoll gehen, indem man mit den füszen auf dem boden schleift, rutschen, voort schurren Richey 248. Strodtmann 376a. brem. wb. 4, 721. Schütze 4, 86. Mi 78b. ten Doornkaat Koolman 3, 163b: ich sprang, glitt und schurrte über stock und stein. Eichendorff (1864) 3, 206. 33) andrerseits auch vom gleiten über eine glatte fläche, wobei der begriff des geräuschvollen mehr zurücktritt; dies ist in den mundarten die gewöhnlichste und allgemeinste bedeutung, s. Schm. 2, 462. Vilmar 374. Hertel sprachsch. 223. Kleemann 20b. Jecht 100b. Frischbier 2, 312a. Sallmann 32. Richey 248. Danneil 190b. Schambach 188a: schurren, ein lautwort, glitzschen auf dem eise. Schottel 1410; in einer stadt-hannov. polizeiordnung vom jahre 1769 wird das schurren auf dem eise verboten; der bediente .. hatte es vorgezogen, einer hübschen viehmagd im park, da, wo er überschwemmt gewesen und jetzt übergefroren war, unterricht im schurren* (glitschen) zu ertheilen, wobei er sie überzuschurren und zum fallen zu bringen versuchte. dazu die anmerk.: *) schurren ist eben provinzialismus in Norddeutschland, wo man unter glitschen schon schlittschuhlaufen versteht. Oppermann hundert jahre 1, 345. — auch sonst, auf glattem boden ausgleiten: am gedachten sonntage gegen abend gieng ich unten an der seite des hügels nach dem groszen see zu, .. schurte von ohngefähr auf dem glatten grase, und fiel in einen mit dünnen sträuchern verdeckten graben über 4 ellen tieff hinunter. Felsenb. 1, 173. 44) daran schlieszen sich freiere verwendungen, in denen nur die vorstellung des gleitens enthalten ist. 4@aa) schurren als bezeichnung eines langsamen, schleppenden ganges. brem. wb. 4, 721, daher afschurren, sich wegmachen, beschämt abziehen. ebenda, sich wegschleichen: hinweg schurrt Robert, und lacht und lacht. Voss 4, 203. aber meist als euphemismus für 'sterben' (wie auch abrutschen), als verächtlicher ausdruck, s. brem. wb. 4, 721. Schütze 4, 86. Dähnert 418b. Danneil 190b, hochd. abschorren, -schurren Frischbier 2, 312a: 'ihr vater, herr baron!' — ist endlich abgeschurrt? — 'am schlag!' — nun gute nacht! so hat er ausgeknurrt. Voss 6, 177, dazu die anmerk.: in Niedersachsen wird abschurren, mit scharrendem geräusch abgehn, und in die grube fahren, spottweise gesagt. s. 372. 4@bb) südhannov. auch von der sonne, de sunne schurret, sinkt, neigt sich Schambach 187b. 4@cc) bildlich von einer speise, die nicht mundet: sie will nicht recht schorren (gleiten, rutschen, nämlich in den magen) Frischbier 2, 312a; 't t'n will nich schurr'n, ich habe keinen appetit, es schmeckt mir nicht Danneil 190b. 55) weitere besonderheiten. 5@aa) manchmal findet sich schorren, schürren auch für scharren, s. Bernd 279. Adelung. Campe verweist dafür auf folgende stelle aus Kosegarten: nieder die enge gruft sinkt schon der sarg, die ängstliche schaufel schurrt. 5@bb) daraus erklärt sich wol folgende stelle, wo es als umschreibung für 'essen' steht: herr wirth, weil mir der bauch thut murrn, so wil ich weidlich darein schurrn. Sommer Cornelius releg. E 4b (3, 4). 5@cc) cimbr. schurren, schorren, scegliere, scerre, auswählen. cimbr. wb. 229b.
5126 Zeichen · 123 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHURREN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)

    SCHURREN s. ich SCHIRRE .

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schurrensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    schurren , sw. V. nhd. schurren, schurrendes Geräusch hervorbringen E.: Herkunft ungeklärt? W.: s. nhd. schurren, sw. V.…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schurren

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schurren , S. Adelung Scharren .

  4. modern
    Dialekt
    schurren

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schurren rutschen, scharren, geräuschvoll schieben Mi 78 a ; 'Wer die am Wagen föhrt un will sick an die schurren' (1721…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schurren

3 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von schurren 2 Komponenten

schur+ren

schurren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schurren‑ als Erstglied (1 von 1)

schurreneⁿ

Idiotikon

schurreneⁿ Band 8, Spalte 1208 schurreneⁿ 8,1208

Ableitungen von schurren (2 von 2)

verschurren

DWB

verschurren , verb. , ' mit sein, durch schurren an einen ungehörigen ort kommen '. Campe. verschorren, verschurren, aus der richtigen lage …

Zerschurren

Campe

Х Zerschurren , v. trs . durch Schurren an etwas zerstoßen  D. Zerschurren .