schurren,
verb. mit geräusch gleiten. ein lautmalendes wort, im ablaut zu scharren
und scherren
gebildet, vgl. diese (
th. 8, 2214
ff. 2591
ff.).
es ist zufrühest im mnd. bezeugt (
zuerst in der Braunschweiger reimchronik, ende des 13.
jh.)
und auch jetzt namentlich in nd. mundarten weitverbreitet, doch auch im oberd. (
bair.)
und mitteld. (
hess.-thür.).
in der nhd. schriftsprache ist es seit anfang des 17.
jh. nachweisbar (
frühster beleg bei Sommer, 1605,
s. unten). 11)
zunächst als bloszes schallwort, vgl. Campe: unde de beckenslegere snurden unde schurden myt den becken, dat belderde de stad dorch dat neymet horen konde.
d. städtechr. 16, 336, 32. 22)
meist indes eine geräuschvolle bewegung bezeichnend, von gegenständen: mühlsteine schurren, laufen schurrend. Frischbier 2, 312
a;
besonders mit reibungsgeräusch herabrutschen: die erde schurrt vom rande in den graben, etwas aus der hand schurren lassen. Campe;
niederd. dat glas is vonnen disch eschurret. Frommann 5, 292 (
Fallersleben); der schnee schorrt vom dache. Frischbier
a. a. o.,
vgl. Bernd 279. Liesenberg 211 (schurn); ein schurren des gesteins.
didaskalia 1868,
nr. 241; wey, welches strites men dha plach an hurte und widherhurte, daz daz ysen scurte von dhem kni unz uf dhen vuoz.
Braunschweiger reimchronik 7010.
über eine fläche gleiten: oft war die Weser so voll eis, dasz man das schurren und rutschen der mächtigen eisblöcke auf dem grunde des bodens hörte. Oppermann
hundert jahre 1, 264. —
von menschen, mit den füszen, dem stuhle schurren,
auf dem erdboden geräuschvoll hin und her fahren, so besonders nd. mit den föten, mit'n stool schurren Dähnert 418
b,
s. ferner Richey 248.
brem. wb. 4, 721. Mi 78
a;
ostfries. in den formen schûren, schurren, schûrsen: du must nêt so mit de stôl up de déle schûren
u. a. ten Doornkaat Koolman 3, 163
b;
auch in transitiver fügung schurr (
schieb) 'n disch 'n bt'n ran. Danneil 190
b.
geräuschvoll gehen, indem man mit den füszen auf dem boden schleift, rutschen, voort schurren Richey 248. Strodtmann 376
a.
brem. wb. 4, 721. Schütze 4, 86. Mi 78
b. ten Doornkaat Koolman 3, 163
b: ich sprang, glitt und schurrte über stock und stein. Eichendorff (1864) 3, 206. 33)
andrerseits auch vom gleiten über eine glatte fläche, wobei der begriff des geräuschvollen mehr zurücktritt; dies ist in den mundarten die gewöhnlichste und allgemeinste bedeutung, s. Schm. 2, 462. Vilmar 374. Hertel
sprachsch. 223. Kleemann 20
b. Jecht 100
b. Frischbier 2, 312
a. Sallmann 32. Richey 248. Danneil 190
b. Schambach 188
a: schurren, ein lautwort, glitzschen auf dem eise. Schottel 1410;
in einer stadt-hannov. polizeiordnung vom jahre 1769
wird das schurren auf dem eise
verboten; der bediente .. hatte es vorgezogen, einer hübschen viehmagd im park, da, wo er überschwemmt gewesen und jetzt übergefroren war, unterricht im schurren
* (glitschen) zu ertheilen, wobei er sie überzuschurren und zum fallen zu bringen versuchte.
dazu die anmerk.: *) schurren ist eben provinzialismus in Norddeutschland, wo man unter glitschen schon schlittschuhlaufen versteht. Oppermann
hundert jahre 1, 345. —
auch sonst, auf glattem boden ausgleiten: am gedachten sonntage gegen abend gieng ich unten an der seite des hügels nach dem groszen see zu, .. schurte von ohngefähr auf dem glatten grase, und fiel in einen mit dünnen sträuchern verdeckten graben über 4 ellen tieff hinunter.
Felsenb. 1, 173. 44)
daran schlieszen sich freiere verwendungen, in denen nur die vorstellung des gleitens enthalten ist. 4@aa) schurren
als bezeichnung eines langsamen, schleppenden ganges. brem. wb. 4, 721,
daher afschurren,
sich wegmachen, beschämt abziehen. ebenda, sich wegschleichen: hinweg schurrt Robert, und lacht und lacht. Voss 4, 203.
aber meist als euphemismus für '
sterben' (
wie auch abrutschen),
als verächtlicher ausdruck, s. brem. wb. 4, 721. Schütze 4, 86. Dähnert 418
b. Danneil 190
b,
hochd. abschorren, -schurren Frischbier 2, 312
a: 'ihr vater, herr baron!' — ist endlich abgeschurrt? — 'am schlag!' — nun gute nacht! so hat er ausgeknurrt. Voss 6, 177,
dazu die anmerk.: in Niedersachsen wird abschurren, mit scharrendem geräusch abgehn, und in die grube fahren, spottweise gesagt.
s. 372. 4@bb)
südhannov. auch von der sonne, de sunne schurret,
sinkt, neigt sich Schambach 187
b. 4@cc)
bildlich von einer speise, die nicht mundet: sie will nicht recht schorren (
gleiten, rutschen, nämlich in den magen) Frischbier 2, 312
a; 't t'n will nich schurr'n,
ich habe keinen appetit, es schmeckt mir nicht Danneil 190
b. 55)
weitere besonderheiten. 5@aa)
manchmal findet sich schorren, schürren
auch für scharren,
s. Bernd 279. Adelung. Campe
verweist dafür auf folgende stelle aus Kosegarten: nieder die enge gruft sinkt schon der sarg, die ängstliche schaufel schurrt. 5@bb)
daraus erklärt sich wol folgende stelle, wo es als umschreibung für '
essen'
steht: herr wirth, weil mir der bauch thut murrn, so wil ich weidlich darein schurrn. Sommer
Cornelius releg. E 4
b (3, 4). 5@cc)
cimbr. schurren, schorren,
scegliere, scerre, auswählen. cimbr. wb. 229
b.