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vorschieszen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorschieszen verb.

Bd. 26, Sp. 1464
vorschieszen, verb. , vgl. fürschieszen th. 4, 1, 1, sp. 796. mhd. vürschiezen mhd. wb. 2, 2, 171b; Lexer 3, 587; ahd. farisciozan Graff 6, 561; mnld. vorenschieten Verwijs-Verdam 9, 1047; eyn vorschieszender balck (unter proceres) Diefenbach gl. 461b; vorschieszen Stieler 1771; 1788; Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 519b; für- et vorgeschossen, ich schisse vor Steinbach 2, 500; vorschieszen Adelung; Campe; nd. förschêten ten Doornkaat-Koolman 1, 543b. aus dem deutschen entlehntn. foreskyde. — altertümliche formen: wenn nach brechung des wassers solches alles auff einmal leuffig vorscheust Wittichius tröstl. unterricht f. schwangere weiber (1591) 10b; wenn ihres fürsten freygebigkeit ihnen nicht mittel vorschüsse (conj. prät.) Lohenstein Armin. (1689) 2, 1188a. 11) sich heftig, schnell, plötzlich nach vorn oder aus etwas herausbewegen. von flüssigkeiten: ein vorschieszender strahl; blut aus einer wunde vorschieszend; der strom schieszt vor Adelung. — von lebenden wesen: er schosz plötzlich aus dem winkel vor; dasz er der furcht war, hinter jedem baumstamm könne ein — ungethüm vorschieszen W. Alexis d. hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 266; plötzlich, da er eben stolpernd vorschosz Dörfler abenteuer d. Peter Farde (1929) 331; ein eber schieszt getroffen vor Erlach volksl. d. Deutschen 3, 545. vor-, fürgeschossen, vorausgeeilt schweiz. idiot. 8, 1412. — in der jägersprache: so lasse ich meinen hund wieder vorschieszen Döbel neueröffn. jägerpractica (1754) 1, 100; Kehrein waidmannsspr. (1871) 314. — dann übertragen, voreilig sein: haben wir nit vorschieszen wollen, sondern gut befunden, soliches zuvor e. g. zu überschreiben quelle von 1690 im schweiz. idiot. 8, 1410. 22) freiere anwendung: es strömte das abendopfer erdwärts mit vorschieszender glut Klopstock Messias 10, 1031. wie ich an den schatten sehen konnte, die plötzlich über den mondbeglänzten platz vorschossen Eichendorff (1864) 3, 35. — übertragen: (wenn) der geist vorschieszt, zu haschen und zu ereilen Klinger theater 2 (1786) 164. 33) mit aufgabe der vorstellung einer plötzlichen, heftigen bewegung, hervorsprieszen, -keimen, -wachsen, vgl. schöszling: die blume schieszt vor, ist vorgeschossen Braun dt. orthogr.-gramm. wb. (1793) 293a; gleich wie die verständige gartner den forschisenden spröszling ire bestandstecken, grundstäb, pfäl ... suchen und beistellen Fischart 3, 285 Hauffen; das vorgeschossene gezweig Jean Paul 7/10, 80 H.; alsdann kömmt sie (die blüte) so plötzlich vorgeschossen Triller poet. betrachtungen (1750) 1, 13; er (der sprosz) schien zwar welck, jedoch er ist frisch vorgeschossen Chr. v. Scheyb Theresiade (1774) b 1a. von diesem gebrauch aus ist vorschieszen in der folgenden stelle zu verstehen: also gefiel dir auch, dasz aus dem klumpen erden der menschen gantze schaar gemachet sollte werden: auff dasz ein jeder leib, der vorschosz auff der stet hier mit dem element ein recht verständnüs hett T. Hübner siebentageszeit (1661) 285. 44) mit der vorstellung einer gedachten bewegung wie vorspringen, aber seltner als dieses; von bauteilen: eyn vorschieszender balck Diefenbach gl. 461b (proceres); dasz dach schieszt eine elle vor Adelung; 'vorschieszen ... hessisch für vorstehen von einzelnen backsteinen gesagt' Mothes baulex. (1882) 4, 436; (bilder) auff die vorschieszende hauptbalcken gesetzt theatrum amoris (1626) 135. — körpertheile: ein weib mit etwas vorgeschossenen bauch, die er schwanger zu sein vermeinte Harsdörffer Heraclitus (1661) 535; (zur vollkommenen schönheit gehört) ein kinn mit einem grüblein, nicht zu weit, auch nicht zu wenig vorschieszend Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1757. — von einem landgebiet: dahero es terra procurrens, das vorschieszende land ... genennet wird Weigel erdspiegel (1665) 2. 55) vor etwas bewegen, so dasz es deckt, schlieszt (vgl. vorschieben 7): 'besliezet mir die tür': starker rigel viereschôz man dar vür Gudr. 1330, 2. den riegel vorschieszen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 524b; Adelung; als veraltet bei Campe; schweiz. idiot. 8, 1411; übertragen: hiermit aber will ich dem reichthumb ... kein riegel vorgeschossen haben Kalchus Sallust (1629) 338. 66) wenn schieszen auf den gebrauch einer waffe bezogen wird, kann vor in verschiedenem sinne, räumlich oder zeitlich zu verstehen sein: vorschieszen, primo loco jaculari Stieler 1771; schieszet ihr vor, ich will nachschieszen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 524a; (leute,) die hinter den steinhaufen der barrikaden vorschossen Ruge briefw. u. tageb. (1888) 1, 35; dasz es in dieser gegend nicht sitte sei, den nachbarn vorzuschieszen (bei der treibjagd) W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 1, 367; vor dem eigentlichen wettschieszen zur probe und übung schieszen schweiz. idiot. 8, 1411; Fischer schwäb. wb. 2, 1670. 77) im entwickelten nhd. wird vorschieszen wie leihen gebraucht mit einem object, das in bestimmter oder unbestimmter weise geld bezeichnet: eine gröszere summe, tausend mark vorschieszen; vgl. vorschusz. daneben kann aber das verbum eine bestimmte sinnesfärbung haben, dasz nämlich die hingegebene summe vom schuldner zu einem bestimmten zwecke, z. b. einem unternehmen, verwendet werden soll: er schosz mir geld vor, pecuniam mihi suppeditabat Steinbach 2, 500; die kosten vorschieszen, vorschusz thun; 'in noch weiterer bedeutung, schieszet man jemanden geld vor, wenn man ihm selbiges leihet oder borget, ohne zu bestimmen, ob es auf zinsen geschehe oder nicht, wofür auch vorstrecken üblich ist' Adelung. er meint, weil vorschieszen eigentlich bedeute 'schuszweise vorzählen', könne es nur bei gröszeren beträgen gebraucht werden: 'vier groschen leihet oder borget man, aber zehn thaler kann man auch vorschieszen.' im gebrauch der beiden verben vorschieszen und vorstrecken aber sei kein unterschied, wie man gemeint habe, nur sei das erste im 'hochdt.' üblicher als das zweite. vgl. auch Schirmer wb. d. kaufmannsspr. 207: sollten ihr hochgräfliche gnaden ihnen die mittel ausz ihrer cammer vorschieszen Schupp schr. (1663) 58; (Massilia) hätte alles gold zum lösegelde des capitolium vorgeschossen Lohenstein Armin. (1689) 1, 482b; ach, kannst du mir nicht 6 reichsthaler vorschieszen (forstrœkke)? Holbergn. schaubühne (1743) 4, 81; sollte er zu seiner rückreise geld brauchen: so schiesze es ihm vor Lessing 18, 262 M.; 1000 gulden ..., welche sie die gefälligkeit hatten meiner frau ... vorzuschieszen Göthe IV 20, 304 W.; ihr seyd hier auch noch geld für eure zehrung schuldig, sir John, für getränk und vorgeschossenes geld Shakespeare könig Heinrich IV. I 3, 3; er hatte die gefälligkeit, ihm alte röcke abzukaufen, ja sogar geld vorzuschieszen Freytag (1886) 4, 318; zehn tausend thaler ihm, womöglich, vorzuschieszen Gökingk ged. 3 (1782) 235; noch seh ich nicht, wie sie zu ihren vorgeschossnen geldern, zum wohlverdienten lohne kommen werden Schiller Piccolomini 2, 7. (wucherer,) die gegen achtzig prozent, stets dienstbeflissen aus purer nächstenlieb ein geld vorschieszen Meisl theatr. quodlibet (1820) 6, 46; so hab ich sie gewählt und euch als preis, was ihr im spiel verloren, vorgeschossen Hebbel w. 2, 110 W. seltener ohne object: dasz ihm vielleicht schon jemand auf das honorar vorgeschossen hat Caroline 2, 54 Waitz; hat ihnen anleihen gemacht, hat ihnen vorgeschossen Bauernfeld (1871) 7, 32; so zieht ihr eure schleusen auf: schieszt vor, und nehmt an zinsen, was euch nur gefällt Lessing Nathan 2, 3. 88) in der älteren sprache wird die räumlich-sinnliche vorstellung, dasz etwas vor jemanden hingeschoben wird, noch gefühlt, jemandem geld hinlegen, hinzählen; auch ein zeitlicher sinn von vor kann vorhanden sein, so kann das verbum in der bedeutung von vorausbezahlen gebraucht werden: vorschieszen, praenumerare, sumtus suggerere Stieler 1788; vorschieszen, contare i danari in presenza ò gli occhi di alcuno Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 519a; einem die kosten, den arbeitslohn, die fracht, seinen gehalt vorschieszen, voraus bezahlen Adelung; vgl. schweiz. idiot. 8, 1412; sonst musz ich meine zuflucht zu dem h. von Röder selbst nehmen, mir ein oder zwey quartale vorzuschieszen Lessing 17, 19 M.; ich will ihn bald nach Carlsbad schicken und ihm das Michaelsquartal vorschieszen Göthe IV 23, 400 W.; bis er mir vorschieszt (vorausbezahlt) J. u. W. Grimm briefw. (1881) 414; jetzt müsse er die kosten vorschieszen, sonst bleibe die sache stecken Scheffel (1907) 3, 136; die kosten der quittung hat der schuldner zu tragen und vorzuschieszen bürg. gesetzb. § 369. — fourniren, vorschieszen, in die compagnie einsetzen, wie die handelsleute tun Spannutius (1720) 248; pränumerieren auf ein buch: die namen der vorschieszenden personen sind hinten beygedruckt d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 7, 885. 99) auf ein anderes object als geld wird das verbum selten bezogen: zu welchem behuff ... er landgraff Georg zu Hessen-Darmstadt viertausend malter korn vorzuschieszen ersuchet Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 378; die vorgeschosznen schuhe, hembde u. s. w. nicht über den effectiven werth anrechnen v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 156; Jacob Tomms hatte lange zeit die vorgeschossnen früchte genau abgezahlt Lessing 5, 70 M.; die grundherren wurden gezwungen, ihren bauern getreide zur aussaat vorzuschieszen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 143. in freier übertragung; das wort acrostichon muszte ihr mein vater vorschüszen Hippel lebensl. (1778) 1, 78; den mann vielmehr beneid ich, dem ein freund den sold der ehe vorschieszt H. v. Kleist Amph. 1, 5. 1010) gegenüber der alten sprache ist in der neuzeit die bedeutungsentfaltung des verbums sehr beschränkt, s. oben fürschieszen und besonders schweiz. idiot. 8, 1409ff. einzelnes erhält sich in der fachsprache, landschaftlich, gelegentlich auch in der älteren nhd. schriftsprache. 10@aa) trans. vorragen lassen, vorbauen, vgl. schweiz. idiot. a. a. o. 1411 unten; 1412 vorgeschossen 1 c; vorgeschossene gebäu, protecta ac projecta Dentzler clavis ling. lat. (1716) 337a. 10@bb) sich vorschieszen, sich vordrängen schweiz. idiot. 8, 1410. 10@cc) vorbringen, vorschlagen: dann wurden drei, nach andrer angabe vier für dieses amt 'vorgeschossen', d. h. bestimmte namhaft gemacht L. v. Hörmann wander. in Vorarlberg (1895) 27. 10@dd) als ausdruck der schneider, an-, besetzen: einen beltzrock mit marder vorschieszen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 524b; 'die schneider schieszen einen saum, ein gebräme vor' Adelung; barcht ahn beiden orden mit leinen vorgeschossen Frankfurter amts- u. zunfturk. (1914) 1, 326; (der anzug) ist blau, gelb vorgeschossen Bäuerle kom. theater (1820) 4, 26. 10@ee) vorschieszen im bergbau, 'wenn sich ein festes gestein, harter kamm oder knauer vorleget und den gang verdruckt' Jacobsson technol. wb. 8, 114b; harte kemme und knawer, so vorschieszen Mathesius Sarepta (1571) 62a; wenn ein fest gestein vorschiest A. v. Schönberg ausführl. berginformation (1693) 2, 91. 10@ff) aus der bedeutung über etwas hinausragen (4) entwickelt sich die anwendung im sinne von überschüssig sein, übrig bleiben: wenig schieszt für seinen haushalt vor, noch minder wird zurük gelegt quelle von 1807 im schweiz. idiot. 8, 1411. 10@gg) mit leichtem übergang, helfen, verschlagen: auch wird vorschieszen nichts alsdann grosz macht und pracht, vil zwang und bann Fischart dicht. 2, 382 Kurz. vgl. vorschieszlich.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    vorschieszenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    vorschieszen , verb. , vgl. fürschieszen th. 4, 1, 1, sp. 796. mhd. vürschiezen mhd. wb. 2, 2, 171 b ; Lexer 3, 587 ; ah…

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Zerlegung von vorschieszen 3 Komponenten

vor+(schie+s+zen)

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Cotta, M. (2026). „vorschieszen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorschieszen/dwb
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Cotta, Marcel. „vorschieszen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorschieszen/dwb. Abgerufen 16. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vorschieszen". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorschieszen/dwb.
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