lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gruft

ahd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
20 in 20 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
Verweise rein
62
Verweise raus
72

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gruft f.

Bd. 9, Sp. 628
[]gruft, f. II. ursprung und form. I@11) offenbar sind in gruft zwei worte zusammengeronnen, eine abstractbildung zum verbalstamm grab- 'graben' u. griech. lat. crypta. daran ist festzuhalten, obgleich die anderen germ. sprachen ein abstractum mit diesem vocal nicht kennen. das germ. wort, noch völlig unbeeinfluszt von crypta, scheint vorzuliegen in: a summitate vallis, ubi se Saxones et Thuringii disiungunt, quę Teutonice dicitur Girophti mon. Germ. dipl. 2, nr. 191 (urk. v. 979); gleich nachher: usque ad fossam suprascriptam Girophti; eine abschrift der urkunde in einem Hersfelder copialbuch (mitte 12. jh.) schreibt Girufde, grovfde G. Schmidt urk. buch d. hochst. Halberstadt 1, 29; vgl.uf die gruft als flurname Schmidt elsäss. 208b (Lipsheim 1268). im übrigen lassen die ahd. belege, die sich erst seit dem 10. jh. häufen, im schwanken des anlauts bereits die formale vermischung erkennen; gewöhnlich als glosse zu crypta (zumal in der Prudentiusstelle pass. Hippol. 154, auf katakomben bezüglich) gruft, giruft, chruft, am häufigsten cruft und zwar auch fränk. und in nd. glossen, s. Graff IV 309; vgl. auch unten II A 2 b. I@22) die mhd. überlieferung zeigt die k-form schon seltener als die mit g- (s. Lexer 1, 1100), aber sie ist nicht etwa an obd. mundart gebunden (in den himel ûzer cruft erlös. 1020 Bartsch; lijgen ... under dem eyme altair in der krufft Arnold v. Harff pilgerf. 25); sie läszt sich bis zur wende des 17. und 18. jhs. nachweisen und beschränkt sich keineswegs auf die bedeutung crypta: der erden crufft schausp. engl. com., s. u. II A 2 d; heit früh wol voller freuden ... und morgen in der kruft Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch 143; ein echo in den krüfften Schottel, s. u. II A 2 a; crufft dicitur a crypta Besold thes. pract. 1, 183b; auch nd. kroft, croffte vel korfft, krocht Diefenbach 158a s. v. crypta; vgl. mnl. croft(e), crocht(e); nl. croft, crocht höhle; weitere belege unter kruft th. 5, 2430. I@33) im älteren obd., zumal in Augsburger quellen, erscheint eine nasalierte form: ain grunft, in der lag ain ris M. Füetrer bayer. chron. 153; warde im ausz der grunfft (in Delphi) dise antwort gegeben Marc. Tatius troj. krieg 69a; in die klufft, höle oder grunffte hinab steigen Steph. Vigilius de rebus memor. (1541) 68a; vgl. städtechron. 4, 295, 19; 296, 6; 22, 82, 12; 23, 345, 11 u. öfter in den Augsburger chroniken; 3, 155, 7 (Nürnberg). I@44) schwache flexion vereinzelt schon ahd.: thuruch cruftun Graff 4, 309; aber erst im nhd. häufiger: in die unflätigen böhemischen krufften J. Dietenberger christl. vermanung d 2a; an der stat der greber oder grünfften offenb. d. hl. Birgitte (1502) 4, cap. 107; namentlich im 17. jh. nicht selten: (sie sollen den grenzstein) wider sezen an den orth ... da er zuvorn gestanten in die alte grüften österr. weisth. 7, 49; adeliche und andere begräbnussen und grufften eröffnete Chemnitz schwed. krieg 1, 454; in den sandicht oder surricht gruften Prätorius wünschelruthen (1667) 224; in hölen und gruften auf dem felde W. Schultz ostind. reise (1676) 6b; gruften dat. pl. Comenius sprachenth. (1657) nr. 189; in unser grufften dat. sg. Abr. a St. Clara merks Wien 46; Kramer teutsch-ital. 1, 571b schreibt noch die grüften; aber Steinbach 1, 630 empfiehlt den plur. grüfte; indessen noch bei Nicolai: die gruften im münster zu Basel, s. u. II B 1; weitere belege unter kruft. IIII. bedeutung. II@AA. bedeutungen, die von dem deutschen verbalabstractum aus zu verstehen sind: II@A@11) eine künstlich hergestellte vertiefung, ganz wie grube II A 1, wenngleich sehr viel seltener: der ain marchstain mit willen verrucket, dasz man demselbigen soll nemben und solle ihne mit dem haubt in die geruft setzen österr. weisth. 8, 107 (15. jh.); vgl. 8, 43; 7, 49; des brunnen grufft, daraus ir gegraben seid Jes. 51, 1; miniren ist unter der erde graben und in die gruft pulver legen Stieler zeitungs lust u. nutz 467; da man eine gruft machete zur grundlage einer auffahrt zu dem palaste [] imperiale Winckelmann 6, 256; doch in jüngerer sprache mehr poetisch: sie hat aus eines gerbers grüften .. das schurzfell an den tag gebracht J. J. Schwabe belust. 1, 44; irrgänglich-klug minirt er (der feuerwerker) seine grüfte Göthe 2, 17 W.; die jünglinge hatten das thal gewählt, gegraben die gruft (jagdgrube) Klopstock w. 9 (1806), 204; und da er die gruft erwühlet, hat die erde ihn umfangen Brentano 3, 6; aber mundartlich noch vielfach: gruft gegrabenes, furche Hertel Thür. 110; hoch in de luft! den pal in de gruft! lied der Bremer zimmerleute bei Bücher arb. u. rhythm. 4201; 'man ... sagt von ausgefahrnen wegen, dasz sie voller gruften (grüfte, lieber gruftig) sind' Hupel 83; gruft in den werderdämmen eine auf der landseite ausgestochene stelle Frischbier 1, 257a; vgl.grüftel, n., grübchen im boden für ein kugel-kinderspiel Unger-Khull 310a. II@A@22) häufiger von natürlichen vertiefungen in der erdfläche, wie grube II A 3, und zwar mit ganz ähnlicher specificierung des sinnes: II@A@2@aa) tiefes loch, schlund, abgrund (vgl.grube II A 3 a): bodenlose, sehr tiefe gruft barathrum, abyssus, vorago Stieler 689; mhd. ganz gewöhnlich: (daz er wære) von dem aller hôsten luft unz in die nideristen gruft gewaltic swes er wolte klage 500; auch bildlich: (der glockenklang bricht) durch der wolken grüfte Loh. 372; der sorgen gruft 3713; dies denkmal liebt bildlichen gebrauch von gruft, s. u.d; gott heiszt volle gruft der gnaden unde aller güete minnes. 3, 67a v. d. H.; oder aller tiufe ein tiefe gruft 3, 102a; auch dem nhd. noch geläufig: wie Q. Curtius (sich stürzte) in die stinckende grufft zu Rom Harsdörfer teutscher secret. 2, 70; ein hirsch ... kam zu einen brunnen .., es war aber das wasser in einer tiefen grufft Ad. Olearius Lokmans ged. u. fab. (1654) 183; wie es dampft und braust und sprühet aus der unbekannten gruft! (in Karlsbad) Göthe 4, 232 W.; halb eingebrochene schneebrücken überspannen die grüfte H. v. Barth Kalkalpen 437; erst in jüngerer sprache zuweilen stärker oder schwächer durch die bedeutung B gefärbt: wie unter dir der trügerische firn einbricht und du hinabsinkst, ein lebendig begrabner, in die schauerliche gruft Schiller 14, 339 G.; ähnlich: der hauch der grüfte 14, 117; etwas anders: schlucht, kluft: dat erste leger is gewesen thor aversten moelen, up dem berge unde in den grüfften script. rer. Livonic. 2, 114; darein gieng undter sich ein klufft ab, durch diese stickfinstre grufft fürt er mich in ein dunckles thal H. Sachs 3, 594 K.; in dieser bedeutung festes requisit lyrischer sprache seit dem 17. jh.: dass grüft' und klüft' und büsch' erfreuet wiederklingen Zesen rosenthal 71; ein echo in den krüfften Schottel bei Fischer-Tümpel 5, 50b; so dringt ein sonnenstrahl durch wald und thal und grüfte Lenz ged. 244 Weinh.; (ihr monaden) schreibt dem stein in allen seinen grüften die festen formen vor Göthe 3, 77 W.; vgl.grüft schluchtartige uferstelle Schumann Lübeck 23. II@A@2@bb) höhle (vgl.grube II A 2 b): ir tatut iz (mein haus) thiobo cruft Tat. 117, 3 (speluncam latronum); uuas thar [] cruft, inti stein uuas gisezzit ubar sia 135, 23 (erat autem spelunca); der wirt in fuorte in eine gruft, dar selten kom des windes luft Parz. 459, 5; do er ein gruft oder höle ersahe Arigo decam. 638 lit. ver.; vgl. 248; und kamen .. in eine grufft oder loch, darinnen der heilige Johannes ... seine wohnung gehabt M. v. Seydlitz wallfahrt (1580) g 3b; biszweilen laszt er ihnen (den winden) lufft, herfür zutringen aus der grufft Spreng Än. 3b; gienge ich ... in eine grufft, von welcher ausgegeben worden, dasz sie 4 meil weges in die erde gehen ... sollte Zend. a Zendoriis winternächte 379; angenehme gruft! (Velledas za berhöhle) maler Müller 2, 169; 'bisweilen soviel wie grotte' Chomels öcon. lex. 4, 1375; 'oberdeutsch gartengruft = grotte' Krünitz 20, 161; Stieler 689 setzt grube und gruft gleich im sinne scrobs, caverna, fodina, antrum, specus, spelunca, betont aber: sed gruft in specie hypogaeum dicitur; das dürfte auf der einwirkung der bedeutung B beruhen; do furt man uns ein steg ab in finstere krufft under die velsen F. Fabri eig. beschreib. (1557) 40a; einige anachoreten haben in Palästina in kleinen grüften unter der erde gewohnt Zimmermann einsamk. 1, 237; dünste .., die aus ... unterirdischen grüften aufgestiegen seien Herm. Schmid alte u. neue gesch. 188; bildlich: es (das trojan. pferd) schüttert durch und durch, und weit umher antworten dumpf die vollgestopften grüfte Schiller 6, 349 G.; den ausgang weis' ich aus des elends grüften Arent-Conradi-Henckell 213. II@A@2@cc) einige speciellere verwendungen: gruft als wildlager (vgl.grube II B 1): (der adler) sach vor dieser holen grüeft die fuechslein liegen vor der sünnen H. Sachs fab. u. schw. 2, 100 ndr.; begeben sie (die thiere) sich wieder zu ihren wildlägern (gruften) und verborgenen schluffwinckeln Comenius sprachenth. (1657) nr. 189; die wallfische sprangen ... aus ihren grüften hervor Breitinger crit. dichtk. 1, 435; in des drachen gruft Brentano 2, 116; wo der freie untersuchungsgeist erst anfängt, seine fackel in die gruft des ungeheuers, autorität, zu tragen G. Forster 5, 211; auf dieser linie mag sich die glosse gruft cuna Diefenbach 162b erklären; zwinger: nider wurden sie en lan unden in der lewen gruft Daniel 8085 Hübner; gruft als minerallager (vgl.grube II B 5): dasz man .. in den unterirdischen grüften an denen metallen die sieben irr-sternen .. findet Lohenstein rosen 117; dasz durch die aus den grüften (goldgruben) aufsteigende .. spiritus ... die menschen umbkommen Olearius in v. Mandelslo morgenländ. reisebeschr. 97 anm.; grufft als schwefelgrube persian. reisebeschr. 257; dies aber je später je mehr poetischem gebrauch vorbehalten: die ihr aus dunkeln grüften den eiteln mammon grabt Brockes ird. vergn. 2, 142; den ton, der in die nacht der silberreichen gruft gefallen Gottsched ged. (1751) 1, 64; dir im innern lieget edelgestein und gold; da grabe in den grüften Herder 27, 29 S. II@A@2@dd) feste fügungen: gruft der hölle (vgl.grube II A 2 c): der himele kôr, der helle gruft Konr. v. Würzburg gold. schm. 696; in der helle gruften j. Tit. 6008, 4; dasz eine hölle sey, das ist eine grufft der verzweiflung des guten Jac. Böhme 2, 25; die höllsche grufft Gryphius trauersp. 181 lit. ver.; schnell wanken jene schwarze grüfte, als Christus sich der hölle zeigt Göthe 37, 7 W.; vgl. 15, 247; von hier aus erklärt sich: [] du mörderischer schelm, in Plutos gruft erzogen Fleming 1, 20 lit. ver.; (Neptun) wirfet in die lufft das schwache fichten haus, bald wieder in die grufft, wo Radamanthus wohnt Rachel sat. ged. 22 ndr.; gruft des meeres: in des meeres grufft Osw. von Wolkenstein 113, 60 Schatz; kein fisch so tief in meres grufft H. Sachs 7, 53 K.; ich hab offt auch dem unglücksmeer in seiner gruft gesessen Joh. Heermann bei Fischer-Tümpel 1, 337b; der heut hat in des meeres gruft gelegt den weltbezwinger Rückert 1, 169. gruft der erde als poetische formel fast im sinne 'das innere der erde': durch erdes gruff Hugo v. Montfort 12, 14; (ich schuf) das gewürm in der erden grufft H. Sachs 1, 20 K.; sammt dem g'würm in der erden gruft volksschausp. in Bayern 40 Hartmann; doch kann, zumal in gewissen antithesen, auch die bedeutung B hereinklingen: das dein sele .. dort in himelischer wonunge, dein leib .. alhie in der erden gruft wesen solten ackerm. a. Böhmen 30; vom himmel auf der erden grufft Lohenstein geistl. ged. 6; doch wil ich trachten nach, damit dich mög empfangen der erden crufft schausp. engl. com. 90, 23 Creiz.; vgl. aus diesem tiefen schlund, aus dieser schwarzen gruft hab ich so oft und oft, o herr, zu dir geruft Fleming 1, 10 lit. ver.; von bildlichen wendungen ist fürs mhd. formelhaft die gruft des herzen: daz ez muoz dem keiser .. dringen durch ôren in des herzen gruft Loh. 3958; vgl. 1523. 1797. 3030; mhd. wb. 1, 563b; wär ich die luft, berauscht wär ich in rosenduft und strömt in ihres herzens gruft Brentano 2, 505. II@A@33) nur in poetischer sprache erscheint ein gebrauch, der sich bei grube voll entwickelt zeigt (s. d. II C 1): vertiefung am menschlichen körper: durch sîner sûren wunden gruft Parz. 491, 8; wie ich mich zu dir soll wenden und mit meinen glaubens-händen mich erhalten an der gruft (deiner seitenwunde) Chph. Arnold bei Fischer-Tümpel 5, 105b; sieh, dieser augen dunkle gruft, dein Gretchen kalt und todt Herder 25, 562 S. II@A@44) mundartlich taucht das reine abstractum auf: gruft, graft begräbnis Kleemann nordthür. id. 7c; doch dürfte dieser gebrauch jung entwickelt sein; literarisch jedenfalls nicht sicher nachweisbar; vielleicht gehört hierher: die schöne, der der Kolcher thron nach ihres vaters gruft als eigen zugehöret Gottsched neueste ged. 94. vgl. ged. (1751) 1, 15. II@BB. die andere hälfte der verwendungen liegt auf der bedeutungslinie, die von crypta ausgeht. II@B@11) im eigentlichen sinne die kellerartige anlage in kirchen, auch anderen geistlichen gebäuden, gewöhnlich unter dem altar, die zur beisetzung von toten dient. in den ahd. glossen vielfach für crypta Graff 4, 309; crypta grufft unter der kirchen Golius 16; (der papst ging) von oben eine grêden abe in die gruft zuo dem grabe Lampr. v. Regensburg Franz. 4992; sent Primus ind sijnt Maximinanus .. lijgen .. under dem eyme altair in der krufft A. v. Harff pilgerf. 25; Ulrich ... liess im da ain grab und grunfft machen städtechron. 4, 296; dasz ich nicht kan mit meinem liebsten ordensgenossen ruhen .. in unser grufften Abr. a [] St. Clara mercks Wien 46; die gruften im münster zu Basel Nicolai reise 12, 67; er ist heraufgestiegen zu Aachen aus der gruft Geibel 1, 2; in ländlichen katholischen kirchen eine künstliche höhle, in der Christus im grab ausgestellt ist: unser herrgott in der gruft Aurbacher nach Fischer schwäb. 3, 866; mit ähnlicher bedeutung schon früh: (man baute) in sant Peters ere ein pfarrkirchen und darumb etlich grüft (var. grunfft, gerunfft) in eren etlicher hailigen städtechron. 3, 72. II@B@22) allmählich löst sich die vorstellung auf, die die gruft zunächst als einen theil der kirche dachte, und der begriff der unterirdischen begräbnisstätte, doch immer noch einer gemauerten, raumartigen, schiebt sich in den vordergrund; vgl. schon: dô man die gruft engrûb Eneit 227, 3; fühlbarer erst im nhd.: wie noch fürsten und herrn ir eygen grüffte und gewelb haben Mathesius 1, 30 Lösche; ihr helden Brandenburgs, wofern ihr aus der grufft, da ihr verschlossen seyd, auf uns zurücke schauet Besser schr. 1, 86 König; so habe ich denn ... neben der fürstlichen gruft ein anständiges gehäus projectirt Göthe IV 42, 20 W.; zu dem steinernen hause in der stadt gehörte die gruft draussen auf dem kirchhof Storm 1, 198; wie er selbst in einer grufft (ägyptischer mumien) gewesen Chr. Weise polit. redner 570; die grüfte der Scipionen grafen Stolberg 7, 175; eine todtähnliche erstarrung .., von der sich Jesus nach der abnahme vom kreuz in der kühlen gruft ... wieder erholt habe D. Fr. Strausz 3, 377; mausoleum: stehn alle pfeiler noch? wo ist die schöne grufft, so Artemisia erhöhet in die lufft? Opitz op. geist- u. weltl. ged. (1690) 3, 283; Metellas gruft in der Campagna Tiedge 2, 198; gern in verbindungen wie: (sultane), die ihre thaten mit ihrem namen .. zugleich in der gruft ihrer väter begruben Fr. M. Klinger 10, 3; in meiner väter gruft Mörike 3, 104; wenn er stieg' aus deiner ahnen gruft Müllner dram. w. 2, 67; öfter auch in der stabreimenden koppelung: ausz iren grebern und grüfften Mathesius 4, 17 Lösche; Deutschland (ist) hoch verbunden der hand, so seinen ruhm aus grufft und gräbern hebt Lohenstein Arm. 1, ehrengetichte e 3a. II@B@33) schlieszlich schlechthin = grab, doch wesentlich beschränkt auf poetische oder doch gehobene sprache; schon im 17. jh.: es müssen rosenbäum' ausz eurer grufft fürschiessen Opitz teutsche poem. 67 ndr.; nimmt er gleich mich und mein gebein und scharrt uns in die grufft hinein P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 447a; auch öffnet sich der gräber grufft 3, 305; die grufft der tiefen gräber Sim. Dach 212 lit. ver.; doch erst im 18. jh. in breitem gebrauch: (könnt ich lesen) was der, auf dessen gruft ich geh, in seinem sinn gewesen Canitz ged. 44; freundin! wankt im abendwinde bald auch gras auf meiner gruft v. Salis ged. 33; willst du mit thränen aus der gruft ihn waschen? Göthe 9, 240 W.; vielleicht hat die lautliche nähe von grube diese entwicklung begünstigt; jedenfalls tritt gruft nicht selten in stehenden verbindungen in concurrenz zu grube (vgl. dort II A 4 a—d): dem ämsigen konnte man es nicht vergessen, dass er .. seine frau .. in die gruft gebracht hatte Hippel kreuz- u. querzüge 1, 105; die du mit ungemeinem schmerz zu früh in ihre gruft siehst senken Gottsched ged. (1751) 1, 166; [] wenn sie einst in die gruft hinabfahren J. J. Engel schr. 3, 26; wenn ich auch als greis in die gruft führe H. v. Kleist 5, 35 E. Schm.; entzückt von vergnügen steige ich freudig in meine gruft samml. von schausp. (1764 ff.) 1, 86; du wirst .. deinen heiligen nicht in die gruft sinken lassen allg. dtsche bibl., anh. zu 53—86, 60; er steiget im triumph aus seiner gruft hervor Dusch verm. w. 110; nehm ich mein greises haar mit schande in die gruft Gottsched dtsche schaub. 4, 253; hätte der vater ... sein geständnisz mit in die gruft genommen! Immermann 5, 104; körperlich bis in die gruft gebeugt Caroline 2, 112 Waitz; und vernehme noch am rande später gruft der enkel chor Böhme volkst. lieder d. Deutschen im 18. u. 19. jh. 16; selbige (liebe) soll bisz in die grufft unverletzt dauren Hunold d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. 198; ergebe ich mich euch, unvergleichliche Ismene, bis in die grufft zu eigen Menantes allern. artf. u. galant zu schreiben 420; ich werde meinen fehl bis in die gruft bereuen Ayrenhoff 77; dass ich meine ältern noch in ihrer gruft beschimpfe Rabener 5, 7. II@B@44) in anwendung auf profane anlagen. von katakomben und baulichen schöpfungen ähnlicher art: grufft cathabumba Diefenbach nov. gloss. 79a; die grüften, da die märtyrer-cörper ligen le catacombe Kramer teutsch-ital. 1, 571b; die unterirdischen grüfte zu Rom catacombe Jagemann 548; etliche staffeln uber gemeltem Ciceronis bad findt man eine krufft oder gemach under der erden G. Braun beschr. u. contraf. (1581) 3, 56a; das Rom, das annoch prangt mit kunstgewölbten grufften Treuer dtscher Dädalus 1, 80; das befahren der unterirdischen orte und grüfte (bei den ausgrabungen in Pompeji) Winckelmann bei Justi 2, 1, 376; er war in gefahr, .. aus dieser gruft sein grab zu machen .. dieses gewölbe war mit dem bewohnten theil des hauses auszer aller verbindung Fr. M. Klinger 3, 199; allerlei merkwürdigkeiten der natur ... hatten sie in den grotten und grüften desselben (schlosses) aus aller welt vereinigt Ranke w. 8, 54; und ähnlich, von kellerartigen anlagen, schon früh: sî hûbin ûf daz houbit und trûgin iz hin ûz der gruft (einem burgkeller) Nic. v. Jeroschin 6450; ein gewaltigs gpew und tiefe gruft ebenfalls von einem keller Schmelzl lobspruch auf Wien; häufig in anwendung auf kerkerräume, doch auch das gewöhnlich als ausdruck gehobener sprache: ich lig samb gfencklich in einr grufft H. Sachs 17, 30 K.-G.; (am thor) der zwietracht, die in dunkler gruft knirrscht und gefesselt liegt Löwen schr. 2, 128; gefangen! er! sein athem ist die freiheit, er kann nicht leben in dem hauch der grüfte Schiller 14, 380 G.; vgl. 12, 487; 15, 1, 56; in der öden gruft dieses kerkers Schubart leb. u. gesinn. 2, 100. II@B@55) mannigfach in bildlichem gebrauch, doch erst in jüngerer zeit; gewöhnlich an die gebrauchsweisen 2—3 anknüpfend: an der gruft der freuden, die uns starben Stägemann kriegsges. 60; sie (die brust) war kalt, ... wie sichs für eine gruft begrabener schmerzen gebührt Holtei erz. schr. 2, 249; hervor aus euren grüften, ihr alten larven verborgner schwarzer thaten, wo ihr gefangen lebt! Göthe 11, 45 W.; (gesang) der dir erinnerungen, süsze, bange, herauf aus ihrer stillen gruft beschwört Lenau 1, 27 Castle; [] dasz der klare .. geist dieses deutschen stammes, die dünste aus den grüften abschüttelnd, wieder zu sich selbst .. zurückkehren werde W. Alexis hosen xviii; die bilder winkten, wie verbleichte schatten, nur selten aus der vorzeit gruft Fr. Kind ged. 2, 157; dann legte er sich zitternd mit dieser fremden gestalt in die gruft des schlafes hinein Jean Paul 7/10, 206; in die gruft der nacht eingesunken lag er (der schlafende) einsam und starr ausgew. w. (1847) 7, 53 Reimer; an A 1 grenzend: (ich wünsche) die blumen annoch vor der zeit aus ihrer kalten grufft zu ziehen Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 1, 6; der weinstock, welcher bisanher in einer stinkenden und schnöden gruft gelegen Triller poet. betracht. 1, 215; still in die gruft musz es (das korn) sich senken Rückert 1, 195; vor ihrem blick, wie vor der sonne walten .. zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten, der selbstsinn tief in winterlichen grüften Göthe 3, 24 W.
21181 Zeichen · 477 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    gruftst. F. (i)?, sw. F. (n)?

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    gruft , st. F. (i)?, sw. F. (n)? nhd. Gruft, Höhle, Schlupfwinkel, Krypta, unterirdisches Gewölbe ne. crypt, cave ÜG.: l…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gruftstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    gruft , kruft stf. gruft, höle, hölung überhaupt. vgl. auch gr. lat. crypta . — cripta, spelunca sumerl. 4,45. 52, 33. D…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gruftF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gruft , F. nhd. „Gruft“, Grube, Grab, Höhlung, Höhle Vw.: s. īsern- Hw.: s. grōve (1); vgl. mhd. gruft E.: s. mhd. gruft…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gruft

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Gruft , plur. die Grüfte, von dem Zeitworte graben. 1) Eine in die Erde gegrabene Öffnung, eine Grube. Des Brunnen G…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gruft

    Goethe-Wörterbuch

    Gruft vereinzelt -ff-; 68 Belege, fast ausschließl im dichterischen Werk, öfter im (symbolhaft-kontrastierenden) Reim mi…

  6. modern
    Dialekt
    Gruftf.

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Wossidia Gruft Grüft, Pl. Grüften f. Grube, Vertiefung: de Gruft Teil des Schweriner Sees Arch. Landesk. 17, 352; Name e…

  7. Sprichwörter
    Gruft

    Wander (Sprichwörter)

    Gruft 1. Die Gruft sei noch so schön, man wird sie nicht ohne Würmer sehn. 2. Er steht an der Gruft und zankt sich mit d…

  8. Spezial
    Gruft

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gruft f. (-, Grüfte) fossa (fosses) f. , cripta (-tes) f.

Verweisungsnetz

76 Knoten, 101 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 10 Hub 1 Wurzel 2 Kompositum 54 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gruft

72 Bildungen · 23 Erstglied · 49 Zweitglied · 0 Ableitungen

gruft‑ als Erstglied (23 von 23)

gruftähnlich

DWB

gruft·aehnlich

gruftähnlich , adj. : der anblick des gruftähnlichen tempels Ritter erdk. 1, 632 ; vor einem gruftähnlichen höhlenthore R. Wagner 6, 152 . —

gruften

MeckWB

Wossidia gruften s. ingruften.

grufterde

DWB

gruft·erde

grufterde , f. : der letzte dumpfe wurf der grufterde aufs eingesenkte sarg Herder 25, 305 S. —

gruftgewölbe

DWB

gruft·gewoelbe

gruftgewölbe , n. : 'gruftgewölbe für grabgewölbe, besonders wenn es sich unter einer kirche befindet ' Helfft wb. d. landbauk. 161 ; es ist…

grufthaus

DWB

gruft·haus

grufthaus , n. : toten- und grufthäusle quelle von 1587 bei Fischer schwäb. 3, 866 . —

grufthügel

DWB

gruft·huegel

grufthügel , m. : die kapelle, die den grufthügel krönte Ebner - Eschenbach gemeindekind 9 230 . —

gruftig

DWB

gruftig , adj. : grübelicht et grüftig lacunosus, rimosus Stieler 690 ; cavernoso, grottoso ein gruftiger felsen Kramer teutsch-ital. 1, 571…

Gruft II

RhWB

Gruft II RhWBN PfWB -uf(t) Sg. t. f.: 1. nach dem Nhd. a. Krypta in der Kirche. — b. eigene Grabstätte. — 2. übertr. jryfχən n. Unterrock de…

gruftkapelle

DWB

gruft·kapelle

gruftkapelle , f. , über einer gruft errichtete kapelle Stifter 14, 322 Sauer; Fontane I 4, 120. —

gruftkirche

DWB

gruft·kirche

gruftkirche , f. , crypta Motthes baulex. 3, 184 ; S. Andreas, die familien- und gruftkirche der Colonna Gregorovius wanderj. in Ital. 2 (19…

gruftleiche

DWB

gruft·leiche

gruftleiche , f. : pergamentsiebe .. an den teint erinnernd von aristokratischen gruftleichen Bog. Goltz jugendleben 3, 92 . —

gruftstein

DWB

gruft·stein

gruftstein , m. : wo noch heute halb verwischte gruftsteine in den kirchen die gebeine seiner väter decken Moltke schr. u. denkw. 1, 224 . —

Gruftszene

GWB

gruft·szene

Gruftszene -sc- für die in Capulets Grabgewölbe spielende Schlußszene von ‘Romeo u Julia’ GWB B22,292,14 Kirms 7.3.12 Eva Beck E.B.

gruftversenkung

DWB

gruft·versenkung

gruftversenkung , f. : sie setzten des alten sarg auf eine gruftversenkung Fontane ges. rom. u. nov. (1890) 7, 119 . —

gruftwerk

DWB

gruft·werk

gruftwerk , n. : gruft-werck, gruften- oder grottenwerck opera grottesca Kramer teutsch-ital. 1, 571 c ; vgl. DWB grottenwerk .

gruft als Zweitglied (30 von 49)

AHNENGRUFT

DWB2

ahnen·gruft

DWB2 AHNENGRUFT f. DWB2 begräbnisstätte der vorfahren: DWB2 ⟨1825⟩ sie zu begraben in der ahnengruft,/ wo herzog Leupold ruht Grillparzer 5 …

beigruft

DWB

bei·gruft

beigruft , f. sepultura, begräbnis, vgl. DWB begreb : bin ich zu derselben fürstlichen begräbnis erfordert worden. auf welcher beigruft ich …

erdengruft

DWB

erden·gruft

erdengruft , f. fossa terrae: dasz deine seele mit der iren dort in der himmlischen wohnung, dein leib mit dem iren allhie in der erdengruft…

erdgruft

DWB

erd·gruft

erdgruft , f. fossa, scrobs: man weisz dasz verschiedene erdgrüfte inwendig desto stärkeren frost zeigen. Kant 1, 41 . s. DWB erdengruft . m…

ërtgruft

Lexer

ert·gruft

ërt-gruft stf. BMZ erdgruft, erdhöle Kl. 500 var. ( Holzm. 1020).

familiengruft

DWB

familie·n·gruft

familiengruft , f. familienbegräbnis: nicht kann geben die mutter der gütigen erde, was pflicht ist, noch zur familiengruft bringen verwandt…

felsengruft

DWB

felsen·gruft

felsengruft , f. kein tag, an dem er nicht wol zwanzigmal den rücken der felsengruft bestieg. Wieland Oberon 9, 32 ; und aus ihren felsengrü…

Felsgruft

GWB

fels·gruft

* Felsgruft in Seidels Abschrift fälschl für Felskluft(sd) GWB B4,356 ChStein 28.10.79 Var Eva Beck E. B.

fürstengruft

DWB

fuersten·gruft

fürstengruft , f. eine gemeinsame begräbnisstätte verstorbener fürsten oder fürstlicher personen, ein grabgewölbe zur beisetzung fürstlicher…

gartengruft

DWB

garten·gruft

gartengruft , f. grotte in einem garten ( J. Paul ), oder grab in einem garten. Campe.

geschlechtsgruft

DWB

geschlechts·gruft

geschlechtsgruft , f. familiengruft, vgl. DWB geschlechtsbegräbnis : ich liesz die leiche ( der adeligen frau ) in einem ehrlichen sarge in …

hellegruft

Lexer

helle·gruft

helle-gruft stf. BMZ höllengruft Helbl. nicht comp. ûʒ der helle krüften Troj. 24685.

höhlegruft

DWB

hoehle·gruft

höhlegruft , f. : in Cyperns rauhen höhle-grüften, vom meergott nicht verschüttet, vom seismos nicht zerrüttet. Göthe 41, 173 .

Keibengruft

ElsWB

keiben·gruft

Keibe n gruft [Khaiwəkrùft Str. ] f. eine arge Verlegenheit: dis is t e K.!

matratzengruft

DWB

matratzen·gruft

matratzengruft , f. das lager auf matratzen eines kranken und dem tode verfallenen menschen einer gruft verglichen: kein grünes blatt rausch…

Menschengruft

Campe

menschen·gruft

○ Die Menschengruft , Mz. — grüfte , eine Gruft in welcher todte Menschen ruhen oder ruhen sollen. Uneigentlich, der menschliche Körper sofe…

mördergruft

DWB

moerder·gruft

mördergruft , f. : da ( in diesem elysium ) sind keine mördergrüfte, da beschleicht kein tod die au. Bürger 74 b .

Mordgruft

Campe

mord·gruft

○ Die Mordgruft , Mz. — grüfte , eine Gruft wo Mord und Tod ist, eine Mordgrube. Hier ist der Pfuhl der verworfnen Natur, des Vergänglichen …

pulvergruft

DWB

pulver·gruft

pulvergruft , f. dasselbe: ( der blitz trägt ) der unterirdischen versteckten pulvergruft den schnellen zunder hin. Pietsch geb. schriften 1…

rasengruft

DWB

rasen·gruft

rasengruft , f. gruft mit rasen belegt: und mein klagegesang ruft der vergangenheit, bis mich hüllet die rasengruft. Hölty 93 Halm.

schattengruft

DWB

schatten·gruft

schattengruft , f. : statt der hoffnung umschwebt ahnung des todes uns, unsre bahn sei erfüllt, und zu den finsteren thalen leite nun endlic…

schlummergruft

DWB

schlummer·gruft

schlummergruft , f. wie schlummergrab: schwebt herab aus kühlen lüften, schwebet aus den schlummergrüften, helden der vergangenheit! Hölderl…