[]gruft,
f. II.
ursprung und form. I@11)
offenbar sind in gruft
zwei worte zusammengeronnen, eine abstractbildung zum verbalstamm grab- '
graben'
u. griech. lat. crypta.
daran ist festzuhalten, obgleich die anderen germ. sprachen ein abstractum mit diesem vocal nicht kennen. das germ. wort, noch völlig unbeeinfluszt von crypta,
scheint vorzuliegen in: a summitate vallis, ubi se Saxones et Thuringii disiungunt, quę Teutonice dicitur Girophti
mon. Germ. dipl. 2,
nr. 191 (
urk. v. 979);
gleich nachher: usque ad fossam suprascriptam Girophti;
eine abschrift der urkunde in einem Hersfelder copialbuch (
mitte 12.
jh.)
schreibt Girufde, grovfde G. Schmidt
urk. buch d. hochst. Halberstadt 1, 29;
vgl.uf die gruft
als flurname Schmidt
elsäss. 208
b (
Lipsheim 1268).
im übrigen lassen die ahd. belege, die sich erst seit dem 10.
jh. häufen, im schwanken des anlauts bereits die formale vermischung erkennen; gewöhnlich als glosse zu crypta (
zumal in der Prudentiusstelle pass. Hippol. 154,
auf katakomben bezüglich) gruft, giruft, chruft,
am häufigsten cruft
und zwar auch fränk. und in nd. glossen, s. Graff IV 309;
vgl. auch unten II A 2 b. I@22)
die mhd. überlieferung zeigt die k-
form schon seltener als die mit g- (
s. Lexer 1, 1100),
aber sie ist nicht etwa an obd. mundart gebunden (in den himel ûzer cruft
erlös. 1020
Bartsch; lijgen ... under dem eyme altair in der krufft Arnold v. Harff
pilgerf. 25);
sie läszt sich bis zur wende des 17. und 18. jhs. nachweisen und beschränkt sich keineswegs auf die bedeutung crypta: der erden crufft
schausp. engl. com., s. u. II A 2 d; heit früh wol voller freuden ... und morgen in der kruft Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch 143; ein echo in den krüfften Schottel,
s. u. II A 2 a; crufft
dicitur a crypta Besold
thes. pract. 1, 183
b;
auch nd. kroft, croffte
vel korfft, krocht Diefenbach 158
a s. v. crypta; vgl. mnl. croft(e), crocht(e);
nl. croft, crocht
höhle; weitere belege unter kruft
th. 5, 2430. I@33)
im älteren obd., zumal in Augsburger quellen, erscheint eine nasalierte form: ain grunft, in der lag ain ris
M. Füetrer
bayer. chron. 153; warde im ausz der grunfft (
in Delphi) dise antwort gegeben Marc. Tatius
troj. krieg 69
a; in die klufft, höle oder grunffte hinab steigen Steph. Vigilius
de rebus memor. (1541) 68
a;
vgl. städtechron. 4, 295, 19; 296, 6; 22, 82, 12; 23, 345, 11
u. öfter in den Augsburger chroniken; 3, 155, 7 (
Nürnberg). I@44)
schwache flexion vereinzelt schon ahd.: thuruch cruftun Graff 4, 309;
aber erst im nhd. häufiger: in die unflätigen böhemischen krufften J. Dietenberger
christl. vermanung d 2
a; an der stat der greber oder grünfften
offenb. d. hl. Birgitte (1502) 4,
cap. 107;
namentlich im 17.
jh. nicht selten: (
sie sollen den grenzstein) wider sezen an den orth ... da er zuvorn gestanten in die alte grüften
österr. weisth. 7, 49; adeliche und andere begräbnussen und grufften eröffnete Chemnitz
schwed. krieg 1, 454; in den sandicht oder surricht gruften Prätorius
wünschelruthen (1667) 224; in hölen und gruften auf dem felde W. Schultz
ostind. reise (1676) 6
b; gruften
dat. pl. Comenius
sprachenth. (1657)
nr. 189; in unser grufften
dat. sg. Abr. a St. Clara
merks Wien 46; Kramer
teutsch-ital. 1, 571
b schreibt noch die grüften;
aber Steinbach 1, 630
empfiehlt den plur. grüfte;
indessen noch bei Nicolai: die gruften im münster zu Basel,
s. u. II B 1;
weitere belege unter kruft. IIII.
bedeutung. II@AA.
bedeutungen, die von dem deutschen verbalabstractum aus zu verstehen sind: II@A@11)
eine künstlich hergestellte vertiefung, ganz wie grube II A 1,
wenngleich sehr viel seltener: der ain marchstain mit willen verrucket, dasz man demselbigen soll nemben und solle ihne mit dem haubt in die geruft setzen
österr. weisth. 8, 107 (15.
jh.)
; vgl. 8, 43; 7, 49; des brunnen grufft, daraus ir gegraben seid
Jes. 51, 1; miniren ist unter der erde graben und in die gruft pulver legen Stieler
zeitungs lust u. nutz 467; da man eine gruft machete zur grundlage einer auffahrt zu dem palaste
[] imperiale Winckelmann 6, 256;
doch in jüngerer sprache mehr poetisch: sie hat aus eines gerbers grüften .. das schurzfell an den tag gebracht J. J. Schwabe
belust. 1, 44; irrgänglich-klug minirt er (
der feuerwerker) seine grüfte Göthe 2, 17
W.; die jünglinge hatten das thal gewählt, gegraben die gruft (
jagdgrube) Klopstock
w. 9 (1806), 204; und da er die gruft erwühlet, hat die erde ihn umfangen Brentano 3, 6;
aber mundartlich noch vielfach: gruft
gegrabenes, furche Hertel
Thür. 110; hoch in de luft! den pal in de gruft!
lied der Bremer zimmerleute bei Bücher
arb. u. rhythm. 4201; '
man ... sagt von ausgefahrnen wegen, dasz sie voller gruften (grüfte,
lieber gruftig)
sind' Hupel 83; gruft
in den werderdämmen eine auf der landseite ausgestochene stelle Frischbier 1, 257
a;
vgl.grüftel,
n., grübchen im boden für ein kugel-kinderspiel Unger-Khull 310
a. II@A@22)
häufiger von natürlichen vertiefungen in der erdfläche, wie grube II A 3,
und zwar mit ganz ähnlicher specificierung des sinnes: II@A@2@aa)
tiefes loch, schlund, abgrund (
vgl.grube II A 3 a): bodenlose, sehr tiefe gruft
barathrum, abyssus, vorago Stieler 689;
mhd. ganz gewöhnlich: (daz er wære) von dem aller hôsten luft unz in die nideristen gruft gewaltic swes er wolte
klage 500;
auch bildlich: (
der glockenklang bricht) durch der wolken grüfte
Loh. 372; der sorgen gruft 3713;
dies denkmal liebt bildlichen gebrauch von gruft,
s. u.d;
gott heiszt volle gruft der gnaden unde aller güete
minnes. 3, 67
a v. d. H.; oder aller tiufe ein tiefe gruft 3, 102
a;
auch dem nhd. noch geläufig: wie Q. Curtius (
sich stürzte) in die stinckende grufft zu Rom Harsdörfer
teutscher secret. 2, 70; ein hirsch ... kam zu einen brunnen .., es war aber das wasser in einer tiefen grufft Ad. Olearius
Lokmans ged. u. fab. (1654) 183; wie es dampft und braust und sprühet aus der unbekannten gruft! (
in Karlsbad) Göthe 4, 232
W.; halb eingebrochene schneebrücken überspannen die grüfte H. v. Barth
Kalkalpen 437;
erst in jüngerer sprache zuweilen stärker oder schwächer durch die bedeutung B
gefärbt: wie unter dir der trügerische firn einbricht und du hinabsinkst, ein lebendig begrabner, in die schauerliche gruft Schiller 14, 339
G.; ähnlich: der hauch der grüfte 14, 117;
etwas anders: schlucht, kluft: dat erste leger is gewesen thor aversten moelen, up dem berge unde in den grüfften
script. rer. Livonic. 2, 114; darein gieng undter sich ein klufft ab, durch diese stickfinstre grufft fürt er mich in ein dunckles thal H. Sachs 3, 594
K.; in dieser bedeutung festes requisit lyrischer sprache seit dem 17.
jh.: dass grüft' und klüft' und büsch' erfreuet wiederklingen Zesen
rosenthal 71; ein echo in den krüfften Schottel
bei Fischer-Tümpel 5, 50
b; so dringt ein sonnenstrahl durch wald und thal und grüfte Lenz
ged. 244
Weinh.; (
ihr monaden) schreibt dem stein in allen seinen grüften die festen formen vor Göthe 3, 77
W.; vgl.grüft
schluchtartige uferstelle Schumann
Lübeck 23. II@A@2@bb)
höhle (
vgl.grube II A 2 b): ir tatut iz (
mein haus) thiobo cruft
Tat. 117, 3 (
speluncam latronum); uuas thar
[] cruft, inti stein uuas gisezzit ubar sia 135, 23 (
erat autem spelunca); der wirt in fuorte in eine gruft, dar selten kom des windes luft
Parz. 459, 5; do er ein gruft oder höle ersahe Arigo
decam. 638
lit. ver.; vgl. 248; und kamen .. in eine grufft oder loch, darinnen der heilige Johannes ... seine wohnung gehabt
M. v. Seydlitz
wallfahrt (1580) g 3
b; biszweilen laszt er ihnen (
den winden) lufft, herfür zutringen aus der grufft Spreng
Än. 3
b; gienge ich ... in eine grufft, von welcher ausgegeben worden, dasz sie 4 meil weges in die erde gehen ... sollte Zend. a Zendoriis
winternächte 379; angenehme gruft! (
Velledas za berhöhle) maler Müller 2, 169; '
bisweilen soviel wie grotte'
Chomels öcon. lex. 4, 1375; '
oberdeutsch gartengruft = grotte' Krünitz 20, 161; Stieler 689
setzt grube
und gruft
gleich im sinne scrobs, caverna, fodina, antrum, specus, spelunca, betont aber: sed gruft
in specie hypogaeum dicitur; das dürfte auf der einwirkung der bedeutung B
beruhen; do furt man uns ein steg ab in finstere krufft under die velsen
F. Fabri
eig. beschreib. (1557) 40
a; einige anachoreten haben in Palästina in kleinen grüften unter der erde gewohnt Zimmermann
einsamk. 1, 237; dünste .., die aus ... unterirdischen grüften aufgestiegen seien Herm. Schmid
alte u. neue gesch. 188;
bildlich: es (
das trojan. pferd) schüttert durch und durch, und weit umher antworten dumpf die vollgestopften grüfte Schiller 6, 349
G.; den ausgang weis' ich aus des elends grüften Arent-Conradi-Henckell 213. II@A@2@cc)
einige speciellere verwendungen: gruft
als wildlager (
vgl.grube II B 1): (
der adler) sach vor dieser holen grüeft die fuechslein liegen vor der sünnen H. Sachs
fab. u. schw. 2, 100
ndr.; begeben sie (
die thiere) sich wieder zu ihren wildlägern (gruften) und verborgenen schluffwinckeln Comenius
sprachenth. (1657)
nr. 189; die wallfische sprangen ... aus ihren grüften hervor Breitinger
crit. dichtk. 1, 435; in des drachen gruft Brentano 2, 116; wo der freie untersuchungsgeist erst anfängt, seine fackel in die gruft des ungeheuers, autorität, zu tragen G. Forster 5, 211;
auf dieser linie mag sich die glosse gruft
cuna Diefenbach 162
b erklären; zwinger: nider wurden sie en lan unden in der lewen gruft
Daniel 8085
Hübner; gruft
als minerallager (
vgl.grube II B 5): dasz man .. in den unterirdischen grüften an denen metallen die sieben irr-sternen .. findet Lohenstein
rosen 117; dasz durch die aus den grüften (
goldgruben) aufsteigende .. spiritus ... die menschen umbkommen Olearius
in v. Mandelslo
morgenländ. reisebeschr. 97
anm.; grufft
als schwefelgrube persian. reisebeschr. 257;
dies aber je später je mehr poetischem gebrauch vorbehalten: die ihr aus dunkeln grüften den eiteln mammon grabt Brockes
ird. vergn. 2, 142; den ton, der in die nacht der silberreichen gruft gefallen Gottsched
ged. (1751) 1, 64; dir im innern lieget edelgestein und gold; da grabe in den grüften Herder 27, 29
S. II@A@2@dd)
feste fügungen: gruft der hölle (
vgl.grube II A 2 c): der himele kôr, der helle gruft Konr. v. Würzburg
gold. schm. 696; in der helle gruften
j. Tit. 6008, 4; dasz eine hölle sey, das ist eine grufft der verzweiflung des guten Jac. Böhme 2, 25; die höllsche grufft Gryphius
trauersp. 181
lit. ver.; schnell wanken jene schwarze grüfte, als Christus sich der hölle zeigt Göthe 37, 7
W.; vgl. 15, 247;
von hier aus erklärt sich: [] du mörderischer schelm, in Plutos gruft erzogen Fleming 1, 20
lit. ver.; (
Neptun) wirfet in die lufft das schwache fichten haus, bald wieder in die grufft, wo Radamanthus wohnt Rachel
sat. ged. 22
ndr.; gruft
des meeres: in des meeres grufft Osw. von Wolkenstein 113, 60
Schatz; kein fisch so tief in meres grufft H. Sachs 7, 53
K.; ich hab offt auch dem unglücksmeer in seiner gruft gesessen Joh. Heermann
bei Fischer-Tümpel 1, 337
b; der heut hat in des meeres gruft gelegt den weltbezwinger Rückert 1, 169. gruft
der erde als poetische formel fast im sinne '
das innere der erde': durch erdes gruff Hugo v. Montfort 12, 14; (
ich schuf) das gewürm in der erden grufft H. Sachs 1, 20
K.; sammt dem g'würm in der erden gruft
volksschausp. in Bayern 40
Hartmann; doch kann, zumal in gewissen antithesen, auch die bedeutung B
hereinklingen: das dein sele .. dort in himelischer wonunge, dein leib .. alhie in der erden gruft wesen solten
ackerm. a. Böhmen 30; vom himmel auf der erden grufft Lohenstein
geistl. ged. 6; doch wil ich trachten nach, damit dich mög empfangen der erden crufft
schausp. engl. com. 90, 23
Creiz.; vgl. aus diesem tiefen schlund, aus dieser schwarzen gruft hab ich so oft und oft, o herr, zu dir geruft Fleming 1, 10
lit. ver.; von bildlichen wendungen ist fürs mhd. formelhaft die gruft
des herzen: daz ez muoz dem keiser .. dringen durch ôren in des herzen gruft
Loh. 3958;
vgl. 1523. 1797. 3030;
mhd. wb. 1, 563
b; wär ich die luft, berauscht wär ich in rosenduft und strömt in ihres herzens gruft Brentano 2, 505. II@A@33)
nur in poetischer sprache erscheint ein gebrauch, der sich bei grube
voll entwickelt zeigt (
s. d. II C 1):
vertiefung am menschlichen körper: durch sîner sûren wunden gruft
Parz. 491, 8; wie ich mich zu dir soll wenden und mit meinen glaubens-händen mich erhalten an der gruft (
deiner seitenwunde) Chph. Arnold
bei Fischer-Tümpel 5, 105
b; sieh, dieser augen dunkle gruft, dein Gretchen kalt und todt Herder 25, 562
S. II@A@44)
mundartlich taucht das reine abstractum auf: gruft, graft
begräbnis Kleemann
nordthür. id. 7
c;
doch dürfte dieser gebrauch jung entwickelt sein; literarisch jedenfalls nicht sicher nachweisbar; vielleicht gehört hierher: die schöne, der der Kolcher thron nach ihres vaters gruft als eigen zugehöret Gottsched
neueste ged. 94.
vgl. ged. (1751) 1, 15. II@BB.
die andere hälfte der verwendungen liegt auf der bedeutungslinie, die von crypta ausgeht. II@B@11)
im eigentlichen sinne die kellerartige anlage in kirchen, auch anderen geistlichen gebäuden, gewöhnlich unter dem altar, die zur beisetzung von toten dient. in den ahd. glossen vielfach für crypta Graff 4, 309;
crypta grufft unter der kirchen Golius 16; (
der papst ging) von oben eine grêden abe in die gruft zuo dem grabe Lampr. v. Regensburg
Franz. 4992; sent Primus ind sijnt Maximinanus .. lijgen .. under dem eyme altair in der krufft A. v. Harff
pilgerf. 25; Ulrich ... liess im da ain grab und grunfft machen
städtechron. 4, 296; dasz ich nicht kan mit meinem liebsten ordensgenossen ruhen .. in unser grufften Abr. a
[] St. Clara
mercks Wien 46; die gruften im münster zu Basel Nicolai
reise 12, 67; er ist heraufgestiegen zu Aachen aus der gruft Geibel 1, 2;
in ländlichen katholischen kirchen eine künstliche höhle, in der Christus im grab ausgestellt ist: unser herrgott in der gruft Aurbacher
nach Fischer
schwäb. 3, 866;
mit ähnlicher bedeutung schon früh: (
man baute) in sant Peters ere ein pfarrkirchen und darumb etlich grüft (
var. grunfft, gerunfft) in eren etlicher hailigen
städtechron. 3, 72. II@B@22)
allmählich löst sich die vorstellung auf, die die gruft
zunächst als einen theil der kirche dachte, und der begriff der unterirdischen begräbnisstätte, doch immer noch einer gemauerten, raumartigen, schiebt sich in den vordergrund; vgl. schon: dô man die gruft engrûb
Eneit 227, 3;
fühlbarer erst im nhd.: wie noch fürsten und herrn ir eygen grüffte und gewelb haben Mathesius 1, 30
Lösche; ihr helden Brandenburgs, wofern ihr aus der grufft, da ihr verschlossen seyd, auf uns zurücke schauet Besser
schr. 1, 86
König; so habe ich denn ... neben der fürstlichen gruft ein anständiges gehäus projectirt Göthe IV 42, 20
W.; zu dem steinernen hause in der stadt gehörte die gruft draussen auf dem kirchhof Storm 1, 198; wie er selbst in einer grufft (
ägyptischer mumien) gewesen Chr. Weise
polit. redner 570; die grüfte der Scipionen grafen Stolberg 7, 175; eine todtähnliche erstarrung .., von der sich Jesus nach der abnahme vom kreuz in der kühlen gruft ... wieder erholt habe D. Fr. Strausz 3, 377;
mausoleum: stehn alle pfeiler noch? wo ist die schöne grufft, so Artemisia erhöhet in die lufft? Opitz
op. geist- u. weltl. ged. (1690) 3, 283; Metellas gruft
in der Campagna Tiedge 2, 198;
gern in verbindungen wie: (
sultane), die ihre thaten mit ihrem namen .. zugleich in der gruft ihrer väter begruben Fr.
M. Klinger 10, 3; in meiner väter gruft Mörike 3, 104; wenn er stieg' aus deiner ahnen gruft Müllner
dram. w. 2, 67;
öfter auch in der stabreimenden koppelung: ausz iren grebern und grüfften Mathesius 4, 17
Lösche; Deutschland (
ist) hoch verbunden der hand, so seinen ruhm aus grufft und gräbern hebt Lohenstein
Arm. 1,
ehrengetichte e 3
a. II@B@33)
schlieszlich schlechthin = grab,
doch wesentlich beschränkt auf poetische oder doch gehobene sprache; schon im 17.
jh.: es müssen rosenbäum' ausz eurer grufft fürschiessen Opitz
teutsche poem. 67
ndr.; nimmt er gleich mich und mein gebein und scharrt uns in die grufft hinein P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 447
a; auch öffnet sich der gräber grufft 3, 305; die grufft der tiefen gräber Sim. Dach 212
lit. ver.; doch erst im 18.
jh. in breitem gebrauch: (
könnt ich lesen) was der, auf dessen gruft ich geh, in seinem sinn gewesen Canitz
ged. 44; freundin! wankt im abendwinde bald auch gras auf meiner gruft v. Salis
ged. 33; willst du mit thränen aus der gruft ihn waschen? Göthe 9, 240
W.; vielleicht hat die lautliche nähe von grube
diese entwicklung begünstigt; jedenfalls tritt gruft
nicht selten in stehenden verbindungen in concurrenz zu grube (
vgl. dort II A 4 a—d): dem ämsigen konnte man es nicht vergessen, dass er .. seine frau .. in die gruft gebracht hatte Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 105; die du mit ungemeinem schmerz zu früh in ihre gruft siehst senken Gottsched
ged. (1751) 1, 166;
[] wenn sie einst in die gruft hinabfahren J. J. Engel
schr. 3, 26; wenn ich auch als greis in die gruft führe H. v. Kleist 5, 35
E. Schm.; entzückt von vergnügen steige ich freudig in meine gruft
samml. von schausp. (1764
ff.) 1, 86; du wirst .. deinen heiligen nicht in die gruft sinken lassen
allg. dtsche bibl., anh. zu 53—86, 60; er steiget im triumph aus seiner gruft hervor Dusch
verm. w. 110; nehm ich mein greises haar mit schande in die gruft Gottsched
dtsche schaub. 4, 253; hätte der vater ... sein geständnisz mit in die gruft genommen! Immermann 5, 104; körperlich bis in die gruft gebeugt Caroline 2, 112
Waitz; und vernehme noch am rande später gruft der enkel chor Böhme
volkst. lieder d. Deutschen im 18. u. 19. jh. 16; selbige (
liebe) soll bisz in die grufft unverletzt dauren Hunold
d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. 198; ergebe ich mich euch, unvergleichliche Ismene, bis in die grufft zu eigen Menantes
allern. art höf. u. galant zu schreiben 420; ich werde meinen fehl bis in die gruft bereuen Ayrenhoff 77; dass ich meine ältern noch in ihrer gruft beschimpfe Rabener 5, 7. II@B@44)
in anwendung auf profane anlagen. von katakomben und baulichen schöpfungen ähnlicher art: grufft
cathabumba Diefenbach
nov. gloss. 79
a; die grüften, da die märtyrer-cörper ligen
le catacombe Kramer
teutsch-ital. 1, 571
b; die unterirdischen grüfte zu Rom
catacombe Jagemann 548; etliche staffeln uber gemeltem Ciceronis bad findt man eine krufft oder gemach under der erden G. Braun
beschr. u. contraf. (1581) 3, 56
a; das Rom, das annoch prangt mit kunstgewölbten grufften Treuer
dtscher Dädalus 1, 80; das befahren der unterirdischen orte und grüfte (
bei den ausgrabungen in Pompeji) Winckelmann
bei Justi 2, 1, 376; er war in gefahr, .. aus dieser gruft sein grab zu machen .. dieses gewölbe war mit dem bewohnten theil des hauses auszer aller verbindung Fr.
M. Klinger 3, 199; allerlei merkwürdigkeiten der natur ... hatten sie in den grotten und grüften desselben (
schlosses) aus aller welt vereinigt Ranke
w. 8, 54;
und ähnlich, von kellerartigen anlagen, schon früh: sî hûbin ûf daz houbit und trûgin iz hin ûz der gruft (
einem burgkeller) Nic. v. Jeroschin 6450; ein gewaltigs gpew und tiefe gruft
ebenfalls von einem keller Schmelzl
lobspruch auf Wien; häufig in anwendung auf kerkerräume, doch auch das gewöhnlich als ausdruck gehobener sprache: ich lig samb gfencklich in einr grufft H. Sachs 17, 30
K.-G.; (
am thor) der zwietracht, die in dunkler gruft knirrscht und gefesselt liegt Löwen
schr. 2, 128; gefangen! er! sein athem ist die freiheit, er kann nicht leben in dem hauch der grüfte Schiller 14, 380
G.; vgl. 12, 487; 15, 1, 56; in der öden gruft dieses kerkers Schubart
leb. u. gesinn. 2, 100. II@B@55)
mannigfach in bildlichem gebrauch, doch erst in jüngerer zeit; gewöhnlich an die gebrauchsweisen 2—3
anknüpfend: an der gruft der freuden, die uns starben Stägemann
kriegsges. 60; sie (
die brust) war kalt, ... wie sichs für eine gruft begrabener schmerzen gebührt Holtei
erz. schr. 2, 249; hervor aus euren grüften, ihr alten larven verborgner schwarzer thaten, wo ihr gefangen lebt! Göthe 11, 45
W.; (
gesang) der dir erinnerungen, süsze, bange, herauf aus ihrer stillen gruft beschwört Lenau 1, 27
Castle; [] dasz der klare .. geist dieses deutschen stammes, die dünste aus den grüften abschüttelnd, wieder zu sich selbst .. zurückkehren werde W. Alexis
hosen xviii; die bilder winkten, wie verbleichte schatten, nur selten aus der vorzeit gruft Fr. Kind
ged. 2, 157; dann legte er sich zitternd mit dieser fremden gestalt in die gruft des schlafes hinein Jean Paul 7/10, 206; in die gruft der nacht eingesunken lag er (
der schlafende) einsam und starr
ausgew. w. (1847) 7, 53
Reimer; an A 1
grenzend: (
ich wünsche) die blumen annoch vor der zeit aus ihrer kalten grufft zu ziehen Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. 1, 6; der weinstock, welcher bisanher in einer stinkenden und schnöden gruft gelegen Triller
poet. betracht. 1, 215; still in die gruft musz es (
das korn) sich senken Rückert 1, 195; vor ihrem blick, wie vor der sonne walten .. zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten, der selbstsinn tief in winterlichen grüften Göthe 3, 24
W.