gezahnt,
gezähnt,
participiale adjectivbildungen, die mit umfassender bedeutung unmittelbar vom subst. abgeleitet sind. 11)
die ältere sprache hatte zwei diesbezügliche adjectivbildungen: 1@aa) er was starke gezan als ein eber, nicht als ein man: uʒerhalp des mundes tür ragten si im her vür, lanc, scharpf, grôʒ, breit. Hartman v. Aue
Iwein 455; verwâʒe von mir den Satân der ... als ein eber ist gezan.
Mariengrüsze 60
s. ztschr. d. d. alt. 8. 1@bb) Antilopus ein tier genamet ist mit namen ... mit einem horne, daʒ eʒ treit ... gezanet ze beiden siten scharf. Boppe
s. minnes. v. d. Hagen 2, 379
a. grôʒe swîn gezanet. Ulrich v. Eschenbach
Alexander 21663;
s. Jelinek
mhd. wb. 319.
vgl.farzanoten,
laciniosis Graff 5, 685. 22)
die zweite bildung wird von der neueren sprache aufgenommen, die dabei zunächst umgelautete formen bevorzugt —
unverkennbar namentlich bei der beziehung auf organische gebilde, während die beziehung auf kunsterzeugnisse im dienste der technik den umlaut mehr und mehr meidet. 2@aa)
serratus ... zerkärffet oder gezänet wie ein säge Ambros. Calepinus
dict. undec. linguarum (1590) 1399; gezähnt,
denticulatus Reyer (1645)
g 4
a; gezähnt,
denté, dentelé Schwan 1, 751
a. 2@a@aα)
für werkzeuge der technik: darnach ist ... die ur erfunden worden, wölliche man stätigs sihet von mettallen, von gezennten redern, unnd gewichten Tat. Alpinus
übers. des Polydor. Verg. v. erfindung der dinge (2, 5) 36
a; noch ist eine manier das wasser zu heben durch gezähnte räder, die in einander schliessen Becher
närrische weiszheit 199; ein gezäntes werkzeug,
outil dentelé, qui a plusieurs dents Rondeau 2, Uu 4
c;
desgl. (gezähntes w.) Schwan 1, 751
a; gezänte mauerkelle,
tuelle brettée Rondeau, Schwan; ein gezänter mauerhammer,
marteau bretté desgl.; mit gezäntem werkzeug abkratzen lassen Rondeau. 2@a@bβ)
für organische gebilde. 2@a@b@11)) sieh, in dem kraut versteckt, die krummgezähnete natter ritzt der entfliehenden fuss, und hauchet ihr gift in die wunde. Voss
Ovid 2 (
d. taucher 29), 248; die käfer haben harte, hornige und meist stark gezähnte oberkiefer Oken
allgem. naturgesch. 7, 12 (
vgl. oben gezähnelt); die eigentlichen sirenen lassen sich daran erkennen, dass ihre kiefern gezähnt sind Brehm
thierleben 2, 813; da vertraute die junge thierwelt, als ihr morgen graute, den flügeln sich, noch ganz in harten schuppen. noch stoben rauch der berge nackte kuppen, und wie die wasserfluth allmählig staute, so schwang es sich empor, gezähnt, und schaute begierig aus nach grünen inselgruppen. Hermann Lingg (
urzeit) 2, 310. 2@a@b@22)) bei dem gezähnten blatte finden sich zwischenräume zwischen den spitzigen hervorhebungen, welche bei dem gesägten rande in einander übergehen Röhling
Deutschlands flora 1, 150; gezähnte wurzel ... gezähnte staubfäden
ebenda, kerbig ... grobgezähnt
desgl.; die gezähnte hebenstreitie behauptet als zierliche form unter den schöneren kapppflanzen einen ansehnlichen rang Matthisson (
er. 3 Pavia) 4, 102; und so schütt ich denn diese gezähnten sennesblätter in den fliehenden breiten strom des dunkeln lebens Jean Paul
paling. 1.
vorr. s. 36. 2@bb) gezant, wol gezant,
dentatus, denticulatus; wie eine säge,
serratus Henisch 1611. 2@b@aα)
die form gezahnt
hat sich vor allem in der sprache der technik behauptet und durchgesetzt: 2@b@a@11)) also mit eingreiffung der zähne in dem trillis Y, den stein umlauffend macht ... das grosse liegende rad B, welches oben und an der stirn gezahnt, und damit in die stecken bei A und C eingreiffet ... gegenwärtige mühl hat auch ein liegendes über sich gezahntes rad, welches in den liegenden trillis B eingreiffet G. A. Böckler
schauplatz der mechan. künsten von mühl- und wasserwercken (
Nürnberg 1661) 6
a; durch den grossen trillis B, in welches stecken das grosse gezahnte rad C zugleich sampt dessen wellbaum K umgehend, und durch die gevierten schauffeln, so in den kasten G gehen, das wasser über sich hebet 6
b.
und so oft im wechsel mit kammrad (kamrad Z welches mit seinem kam in den trillis eingreifet 8
b u. a.),
einmal auch mit dem gezapften rad (
s.gezapft),
welche beide nach den beigefügten abbildungen mit dem gezahnten rad (zahnrad)
identisch sind; vgl. dazu kleine fässer, die sich um ihre axe drehen, indem eine gezahnte stange, welche sich hin und her bewegt, in ein an jeder tonne befestigtes gezahntes rad eingreift Mitscherlich
lehrb. d. chemie 2, 2, 402; gezahnte walze, zahnwalze, verzahnte räder, zahnräder Karmarsch 1
5, 596; sägenartig gezahnte stahlblätter 706. 2@b@a@22)) und mit gezahnter Saturnusklinge verfolgt er scherend verödete reben umher, und bildet sie schneitelnd. Voss
Virgils ländl. ged. (
landbau 2, 249
curvo Saturni dente) 3, 249; hängt sie den kessel an die gezahnte eisenstange, die wie ein schwarzer strich aus dem schwarzen schlunde des kamins auf das feuer herabgezogen ist H. Sohnrey im
grünen klee 88; gezahntes geräte und äxte, jetzt stumpf zerfressen vom dust der urzeit. H. Leuthold
ged.4 279; seine säge besteht aus einem nur zwei zoll langen stück flins, das heisst feuerstein, mit unregelmässig gezahntem rande Vischer
auch einer 1, 140;
u. a. 2@b@bβ)
fast gar nicht dagegen ist die beziehung auf organische gebilde für gezahnt
im gegensatz zu gezähnt
bezeugt: 2@b@b@11)) so ist jeglicher mund geschickt die speise zu fassen welche dem körper gebührt, er sei nun schwächlich und zahnlos oder mächtig der kiefer gezahnt. Göthe (
metamorphose d. thiere) 3, 97. 2@b@b@22))
zwei andere zeugnisse gehören nur scheinbar hierher, in wirklichkeit ist die äuszere form des gezahnten
auch hier durch menschliche thätigkeit hervorgerufen: vor sich die wimmelnde menge der schwarzen gondeln, deren stählerne gezahnte schnäbel bei jeder wendung ihre sonnenblitze über die wellen werfen Paul Heyse (
Andrea Delfin) 2, 1, 156; gesetzt, einer nähme ein kurschwert und schnitte ihn (
den reichskörper) damit wie einen ohrwurm entzwei, so würde sich die gezahnte hälfte, wie der gespaltene ohrwurm umkehren und den hinterrest rein aufspeisen Jean Paul
Titan 1, 25. 2@b@b@33))
anders in berührung mit gezackt: hoch über dem thal fällt eine glühende röte über den gezahnten grat der steilen felswand L. Ganghofer
doppelte wahrheit (1893) 12.