rasseln,
verb. lärmen, klappern; iterativ zu rassen,
mhd. raʒʒen,
in verschieden entfalteter bedeutung. 11)
alt, aber wesentlich auf Oberdeutschland beschränkt ist die bedeutung lärmen, toben, sich toll gebaren: rasszlen,
grassari, toben wie abkommen leüt, das raszlen,
grassatio Maaler 325
b; wo iemant sicht die lüte mit einander rasslen oder
[] unworten, daʒ da hinfür ein yeklicher burger macht und gewalt haben sol, menglichem der stett friden ze gebieten.
Basler rechtsqu. 1, 122 (
von 1439); wir .. saufen trinken raslen praslen werchtag, feiertag die nacht bis an den tag, das es oben wider herausz muesz. Aventin.
bayr. chron. 1, 60, 7
Lexer; alle andre land und nation reden uns gar übel, schelten nun uns als die nichts künnen, zue nichte guet sein dan zue rasln und prasln, saufen und trinken, schlemmen und demmen. 116, 28.
am häufigsten in verbindung mit spielen,
wobei man indes zunächst nicht an glücksspiele, sondern an das bewegen in lärmender lustbarkeit zu denken hat: aber du beschampst dich zuo werken, du meinst du syest zuo guot dor zuo das du soltest lyplich werken sölche erliche wirkungen, aber spilen und raszlen ist dir wol gemesz, das selb dünkt dich wie es dir wol zim. Keisersberg
bilg. 133
d; da (
an den festen) treibt man nüt anders weder das man spilt und raszlet und den huren nachlauft.
brösaml. 1, 89
b; ich hab aufs bischofs hof fressen, saufen, spilen, raszlen, schweren, fluochen, huorerei und alle leichtfertigkeit erfaren und gelert. Schade
sat. und pasqu. 3, 162, 34; trinken sich voll, spilen und raszlen zuletzt. S. Frank
weltb. 131
b; wann er dann nun genug gespielet, gerasselt, gefesselt, gekesselt, und die zeit verrammelt hett.
Garg. 170
b; geht die unsinnigkeit im spilen, raszlen, huren und dergleichen in solcher uppigkeit. Paracels.
opp. 2, 172 C; soll man sich hüten vor zorn, saufen, raslen, spielen und dergleichen uppigkeit. Albrecht
fluch ABC (1664) 47; fressen und saufen, hunger und durst leiden, huren und buben, raszlen und spielen, schlemmen und demmen.
Simpl. 1, 55
Kurz; wenn man alle tag dem spielen und raszlen obliegt.
Simpl. 3 (1684), 163; si tuond och spilen und raszlen in hüsern und in den gassen und sind zuo aller uppkait geswind recht als des tüfels hofgesind.
teufels netz 8260; man zücht all sünd und schand harfür, in suffen, fressen, buoben, brassen, in hoffart, schwören, spilen, raszlen.
trag. Joh. II 4; (
grosze schande) die man täglichs zu vil thut treiben mit rasseln, spilen und mit weiben. Montanus
gartengesellsch. A 2;
doch auch ausdrücklich auf das glücksspiel bezogen: welchen .. der spilteufel eingenommen, der wird nach und nach (er gewinne oder verspiele) so verpicht darauf, dasz ers weniger lassen kan als den natürlichen schlaf; wie man da sihet, dasz etliche die ganze nacht durch und durch raszlen, und vor das beste essen und trinken hinein spielen.
Simpl. 1, 188
Kurz; kein tag zu lang kein nacht zu spet, do man in spiln und raszeln leth auf der erd und hinter der thür, bei halben licht und hat sein spür jetz auf die pöden dan in keller und umb ein pfennig oder heller.
fastn. sp. 1292; (
frauen) spyelen, rasslen spat und fruo. Brant
narrensch. 77, 35 (
von glücksspielern); ein mancher tanzt und springt, der spiehlt und rasselt stehts, da jener geigt und singt. Rompler 211. 22) rasseln,
das geräusch des schnarchens oder röchelns machen: er scheiszt und hust, er schnarcht und raslt.
fastn. sp. 236, 15; ich erdroslet jn in seinem pedt. hörst nicht wie das im blut rasseln thet. H. Sachs 3, 1, 239
a; rasseln
deutet auch einen laut in der kehle an, als die saufenden einen rauhen laut hören lassen. Frisch 2, 88
a; (
franz.)
raller, rasseln oder ziehen als ein sterbender mit dem athem.
dict. des passagers (1730) 1, 1382;
das meint wol auch das folgende: wenn ich den schweren zepter über ihn los donnre, rasseln soll er im staub. Fr. Müller 2, 15;
bair. noch jetzt rasseln,
stark und hörbar athem holen, schnarchen, resseln,
keuchen Schm. 2, 137
Fromm.; tirol. rasseln,
laut schnarchen Schöpf 535;
rhein. rosseln,
stark und hörbar athem holen, röcheln, besonders von sterbenden oder solchen, die auf der brust verschleimt sind. Kehrein 332;
engl. to rattle,
röcheln, heiser reden; davon das franz. râler,
älter raller (Littré 2, 1460),
welches ärztlicher kunstausdruck geworden ist, und wonach österreichische ärzte rasseln
als solchen in die deutsche schriftsprache eingeführt haben (
vgl.rasselgeräusch): feuchtes rasseln .. trocknes rasseln. Škoda
abhandlung über perkussion und auskultation s. 120.
vgl. auch rasteln. 33)
im mittel- und niederdeutschen sprachgebiete war rasseln, ratelen,
auf das harte geräusch bezogen, welches durch heftig [] bewegtes holz, eisen, knochen u. a. verursacht wird, in nächster begriffsverwandtschaft zu klappern: deʒ morgens zu drin uren waʒ ein ertzbefung, dat de huse schutten und de duppen (
töpfe) an der want rasselden.
d. städtechron. 13, 82, 11 (
Köln, 15.
jahrh.);
nd. rateln, räteln,
rasseln, klappern, auch geschwind und viel reden, das maul wie eine klapper gehen lassen. brem. wb. 3, 438;
niederl. ratelen,
crotalum pulsare, crepitare, strepere, ratelen ende snateren,
garrire. Kilian;
engl. rattle,
rasseln, klappern und plappern, dessen frühere form so wenig als die im nieder- und mitteldeutschen aufgezeigt werden kann; das schwed. rassla,
dän. rasle
ist aus dem schriftdeutschen eingedrungen. diese bedeutung von rasseln
war oberdeutsch unbekannt, sie muste, als Luther
sich des wortes bedient hatte, im Basler nachdruck des neuen testaments erklärt werden: rasseln, brasplen, rauschen, roszlen. Fromm. 6, 43
b,
wie auch viel später noch dieses letztere roszeln
in elsässischen quellen erscheint: besser fort kam ich zu einer finstern gefängnusz, in welcher ich ein mächtiges klingen und roszlen hörete, von ketten, eisen und banden, von streichen und straalen. Philander 1 (1642), 339;
vergl. dazu rösseln; rasseln
wurde aber bald, da die lautmalerei das wort ohne weiteres verständlich machte, auch im süden allgemein und gieng in die schriftsprache über. die verwendung bildete sich mehrfach aus. 3@aa) rasseln,
ein hartes geräusch verursachen, in der bibel von wagen, rädern, pferdehufen, rauschenden flügeln: fur dem getümel jrer starken rosse, so daher traben, und fur dem rasseln jrer wagen, und poltern jrer reder.
Jer. 47, 3; das rasseln der reder, so hart bei jnen waren, und das gedöne eines groszen erdbeben.
Hes. 3, 14; wie die wagen rasseln.
Joel 2, 5; die wagen rollen auf den gassen, und rasseln auf den straszen.
Nahum 2, 5; da wird man hören die geiszeln klappen, und die reder rasseln, die rosse schreien, und die wagen rollen. 3, 2; da rasselten der pferde füsze fur dem zagen jrer mechtigen reuter.
richt. 5, 22; und (
die heuschrecken) hatten panzer wie eisern panzer, und das rasseln jrer flügel, wie das rasseln an den wagen vieler rosz, die in krieg laufen.
offenb. 9, 9;
und nachher allgemein es rasselt: thun kleine steinlein darein, das es rasselt. H. Stade r 3; unterdesz klirrte und rasselte es im hofraum. Freytag
soll und haben 1, 414; da fuhr ein starker donnerschlag über den wald, es pfiff und rasselte in der luft. 2, 206; in dem gebüsch trabt jemand, dort rasselts in den ästen. 202;
von wagen, rädern u. s. w.: die kutsche rasselt gar zu sehr,
essedum istud perstrepit vectando. Stieler 1523; das rasseln der wagen,
curruum fragor horrisonus. ebenda; das schauspiel dauerte sehr lange. die alte Barbara trat einigemal ans fenster und horchte, ob die kutschen nicht rasseln wollten. Göthe 18, 3; eh noch der wagen rasselndes gedränge staub in den schatten (
des praters) mengt. Mastalier
ged. (1782) 175; hilf himmel! wie rasseln die speichen. Lichtwer
schriften 264; schon wälzen schnelle räder rasselnd sich und tragen dich von dem unbeklagten ort. Göthe 2, 154;
vom arbeitenden webstuhl, den spulen und spindeln: wenn man zwischen den unzähligen bewegten spulen und weberstühlen einer groszen fabrik hingeht, und vor lauter schnarren und rasseln .. sich den eigenen rock selbst verleidet fühlt. Göthe 26, 64; das klappern und rasseln der weberstühle. 45, 235; noch tönt das rasseln ihrer spindel. Arndt
ged. 86;
der waffen, schwerter, ketten, des kriegsgetöses, der trommel: wenn die trommel rasselt.
pers. baumg. 4, 6; überall rasselte die trommel, die straszen der hauptstadt füllten sich mit uniformen. Freytag
soll und haben 1, 374; die ketten rasseln,
catenae crepant Frisch 2, 87
c; die waffen rasseln,
strepunt arma. ebenda; seine pfeile rasselten an seiner seite. Göthe 16, 174; sein flug verhüllt den tag; das rasseln seiner flügel gleicht kriegrischem getö
s. Lichtwer
schriften 230; nur dumpfes kriegsgetöse rasselt hier. Schiller
Piccol. 3, 9; dumpf hin kracht er im fall, und es rasselten um ihn die waffen.
Ilias 4, 504; des ritters harnisch rasselt laut. Platen 14;
der zugbrücken, schlüssel, fahrstühle, thore: die zugbrücke ging rasselnd nieder; der fahrstuhl senkte sich rasselnd; schlüssel rasseln; felsenthore knarren rasselnd. Göthe 41, 5;
des hagels, regens, windes, donners u. a.: das rasselen der schlossen auf die dächer,
grandine crepitantia tecta. Stieler
[] 1523; der sturm rasselte an seinen fenstern. Klinger 3, 14; rasselnde donner. 10, 208; wie die regentropfen rasseln an den kleinen runden fensterscheiben! Bettine
briefe 1, 147; der wind rasselt am fenster.
tageb. 24; der boden unter mir fing an zu beben und zu rasseln. Göthe 24, 95; dort an dem fenster, welches im nachtfrost blinkt, oder von hagel und sturm rasselte, sasz er stumm. Voss 3, 124; brüllend umwölkt mich der dampf der geschütze, sprühend umzucken mich rasselnde blitze. Körner 1, 130
des dürren laubes: und jach durchzuckte sie weh auf weh auf ärmlichem lager, bestreuet mit schnee, von reisicht und rasselndem laube. Bürger 62
a; die meute mit geschwollnen kehlen ihm nach wie rasselnd winterlaub. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 30;
eines gespenstes: das gräszliche gespenst des argwohns rasselte hinter ihm, wo er hinfloh. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 80;
hier auch es rasselt: da flistert und stöhnts so ängstiglich; da rasselt, da flattert, da sträubt es sich. Bürger 60
b; die nächste nacht, zur geisterstunde, erschallt im haus ein dumpfes brüllen: Kunigunde! komm! komm heraus! es naht sich rasselnd. Gotter 1, 155;
auch personen rasseln,
wenn sie in kriegsrüstung sind: also Michel Mort heimlich auf seiner flucht, hinter sich vernehmend das rasseln der nachsetzenden. Fr. Müller 1, 366; da hörte er jenseits einen zug geharnischter männer rasseln. Arnim
kronenw. 1, 112; der junge herr (
offizier) dankte mit trotz und ging rasselnd aus der stube. Freytag
soll und haben 1, 394; der wild- und Rheingraf stiesz ins horn: halloh! halloh zu fusz und rosz! sein hengst erhob sich wiehernd vorn; laut rasselnd stürzt ihm nach der trosz. Bürger 69
b;
bildlich: welche nordische sprache, mit ihren vielen starkleibigen, ein- oder zweisylbigen wörtern, hinten und vorn mit rasselnden consonanten verpanzert, bei deren niedertritt der boden dröhnt, wäre wohl im stande, den leichten flüchtigen griechischen hexameter ... nachzubilden? Bürger 176
b;
heuschrecken rasseln: als auf dem letzten busch eine von den kleinen heuschrecken rasselte, deren geschwirr er in sorgenvoller zeit oft gehört hatte. Freytag
handschr. 1, 284;
eine klapperschlange (
engl. rattle - snake) rasselt;
endlich im part. rasselnd
auch vom geräusch selbst, dem trab, der eile: es wird dem fuszgänger schwindlig, der einen mann mit rasselnder eile daher fahren sieht. Göthe 8, 216; ein Allobrogenheer .. mit recht rasselnden geräusche strömt es von den alpen her. (Schönaich)
Gnissel 1755
s. 29; spude dich, Kronos! fort den rasselnden trott! Göthe 2, 68. 3@bb) rasseln
von den tönen der harfe, der leier: sang so lustige, vergnügte, schnarrende lieder, die er mit dem raszlen seiner harfe .. accompagnierte. Klinger
theater 3, 116; sage, du begriffne leyer! wem ich dich vermachen darf; tausend wünschen dich ins feuer; denn du rasselst allzuscharf. Günther 120;
ungewöhnlich aber von dem dröhnen der kanonen und dem knattern der flinten: mein Flemming, welcher sich zwar noch an rasselnden canonen vergnüget und ergötzt. Picander 1, 26; der krieg geht an; hier lernt man streiten ... der anfang spühret gleiche kräfte, das rasseln der geladnen schäfte hat gleiche macht und gleichen muth. 3, 14. 3@cc) rasseln,
transitiv, mit angabe der wirkung: der sklave! ketten rasseln ihm silberton, gebeugt das knie, gebeugt die seele, reicht er dem joch den erschlafften nacken! Stolberg 1, 18; raszle den schallenden trab, dasz der Orkus vernehme: wir kommen. Göthe 2, 69. 3@dd) rasseln,
sich rasselnd bewegen, mit adverbien oder präpositionen der richtung; von dingen: der wagen rasselte in einen hof hinein. Göthe 20, 153; er horchte sehnsüchtig auf die wagen, einige rasselten unaufgehalten vorbei. 23, 133;
vergl. auch abrasseln, fortrasseln; gleich darauf fuhr eine unregelmäszige salve nach den fenstern des oberstocks, der bleierne hagel rasselte durch die glasscheiben. Freytag
soll u. haben [] 2, 241; einer der leute auf dem thurm wurde in die brust geschossen, sein gewehr fiel über die mauer hinab und rasselte auf den boden. 248; wie wirbelwind am haselbusch durch dürre blätter rasselt. Bürger 15
a; winde, laszt die flügel fallen, rasselt nicht durch laub und rohr! 72
a; (
als der vater) in eile zügellos rasseln dahin liesz den leicht dahin hüpfenden wagen. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 128; spritzen rasseln durch die gassen. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 286;
von personen, belebtem: Voltaire selbst ... rasselte mehr als éinmahl auf dem windigen triumfwagen der Vana Gloria über die dummköpfe seines zeitalters weg. Wieland 29, 12; flüchtig rasselte die kleine schaar auf der landstrasze dem schlosse zu. Freytag
soll und haben 2, 223; drauf rasselten die schimmel stracks über stock und stein davon mit donnerndem getümmel. Hölty 23
Halm; dragoner rasseln in den feind. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 233; und ihr rasselt, gottes riesenpuppen, hoch daher in kindischstolzen gruppen gleich dem gaukler in dem opernhaus? 343. 3@ee) rasseln,
gegenstände zum rasseln bringen: musten sie an allen ecken mit den ketten und schrauben an den flaschen rasselen.
Garg. 112
a; mit ketten rasseln,
catenis fragorem ciere. Stieler 1523; er rasselt mit talern,
divitias crepat, tinnit cum nummis argenteis, percrepat pecunia. ebenda; raszle dann mit deinen ketten und wimmre: mir ist zu viel geschehen! Schiller
kabale und liebe 2, 6; wenn ich mit den ketten raszle. Arnim
Hollins liebel. 72
Minor; sie hörte den fuchs mit seiner kette rasseln. Freytag
soll und haben 2, 171; er (
der drache) rasselt mit der schuppenhaut. Uhland
ged. 388; am kornmarkt machte der spenglersjunge rasselnd seinen laden zurechte. Göthe
bei Schöll 159. 44) welcher (
papst) schöne griff und mittel kont erfinden, gelt und gut zusammen zu rasselen. Fischart
bienk. 237
b,
für raspeln 1,
sp. 141,
für das es auch druckfehler sein kann.