glucksen,
n. ,
älter auch m. (
nur in bedeutung 3
und 4),
subst. zum verbum glucksen,
und zwar ist das n. der substantivierte infinitiv, das masc. urspr. -en-
stamm, bei dem das n
aus den obliquen casus in den nom. verschleppt ist, vgl. hesche, -n (
teil 4, 2, 1266), heschge, -n (
ebda 1267), kluckse, -n (
teil 5, 1260), schluchzen,
m. (
teil 9, 797
f.), schlucke
und schlucken,
m. (
ebda 800, 803), seufze
und seufzen (
teil 10, 1, 700)
u. s. w. 11)
vom huhn und verwandten vögeln: das glutzgen der (
pfau-)hennen Österreicher
Columella 2, 138
lit. ver.; wie eine gluckhenne ... mit ängstlichem glucksen (
Gotha [1826] 2, 68: gluchsen) vorerst ihre küchlein in den sicheren hühnerkorb lockt Musäus
volksmärchen 1, 44
Hempel; (
das steinhuhn) unter stetem gluchsen wandelnd Fr. Tschudi
bei Fr. Körner
d. prakt. schulmann (1852) 3, 328; das wunderbarste aber war, dasz die (
künstliche) henne die stundenzahl und die hühnchen die viertelstundenzahl mit süszem gluchsen und piepen angaben Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 105; bald will man sie (
die stimme des alpenschneehuhns) dem glucksen ... der haushennen ähnlich finden J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 6, 417. — das gluchsen der auerhenne
M. L. Lehmann (1790)
bei Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 657; das glucksen der kalkuttischen hühner Liliencron
s. w. (1896) 1, 102. —
auch vom gackern nach dem eierlegen, bildlich: das überlaute hühnergluchzen über jedes ei Musäus
physiognom. reisen (1778) 1, 151. 22)
von anderen tieren: die damthiere ... rufen sie (
ihre kälber) mit einem lauten gluksen oder ruf zu sich Heppe
jagdlust (1783) 1, 167. 33)
der schlucken, schluckauf, hetscher (
hierfür besonders das alte mascul.),
vgl. singultus das glugsen Frischlin
nomenclator triling. (1603)
bei Diefenbach
gl. 536
c; gluxn,
n., sanglot, hocquet, singultus Widerhold
dict. (1669) 148
b; gluxen, den gluxen haben
sanglotter, hocqueter souvent, singultire ebda 148
b;
lygmos (
von λύζω ich kluxe), das hixen, gluxen oder schlicken
le hoquet, ist eine gichterische zusammenziehung der speiszröhr, desz magens und zwerchfells Blancard
med. wb. (1710) 368; gluxen,
m., das gluxen oder glucksen ...
hoquet, sanglot Rädlein
europ. sprachschatz (1711) 397
a: sehr viel krancken ..., die vom schlucken oder gluxen, dessen kein auffhörens bei ihnen gewesen, grosse marter gehabt Cyr. Spangenberg
mansfeld. chronica (1572) 475
b; für den gluchssen ist gut, das man offtmals und lang den athem halte Sebiz
feldbau (1579) 79; also zerschüttelt er auch zuweilen den magen im leib mit zu vielen ungewöhnlichen schlicken und gluchsen J. Fuglinus
de prästigiis daemonum (1586) 30
b; vertreibt den heschen oder gluchsen J. J. Nüscheler
arzneyschatz (1608)
bei Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 657; dasz einem die augen vor groszem langweil darüber möchten in einen siebenschläfferischen schlaff sincken, und dem leser die gluchtzen (
plur. oder fem.?) oder der hesch damit ankommen B. Sartorius
d. schneider widerlegung 19; zeichen seind etwan kleiner trucken husten, etwan glugzen, in den schlaff schreien J. Behm
artzneibuch (1625) 245. 44)
aufstoszen, rülpsen: ich glaub es hab geschlagen vier der han den tag ankrät ... wir wöllen heyme zu, wir gahn schier an den wänden, der gluchssen hat kein ruh ... das schafft allein der gute wein Fischart
Gargantua 139
ndr.; (
das zu reichliche essen) bricht über sich aus durch das kluxen oder durch görpsen St. Spleiss
Comenii sprachenthür (1667)
bei Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 657. 55)
schluchzen; schluchzer (
beim weinen): mit thätlicher gefärdschafft begleitet, nicht allein der zähren, thränen, gluxen, sondern auch der ziemenden gebährden und cerimonien Dannhawer
catechismusmilch (1657) 7, 61; mit glucksen weinend Aler
dict. (1727) 1, 962
a; hierbey fienge er an zu weinen, dasz er fast kein wort ohne stammeln und glucksen hervorbringen konte H. Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 797; die königin Eilegia war so entsetzt, dasz sie unter glucksen und schluchsen in nervenzu- und umstände ... sank Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 144; als wären sie (
die auf die wache gebrachten kinder) schon alle erschossen, so schwiegen sie still. nur verhaltenes glucksen stieg auf Ehm Welk
d. heiden von Kummerow (1937) 253.
dem begriff '
seufzen, stöhnen'
nahestehend: bittet ihn (
gott) um seine hilfe und gnade, wenns auch gleich ... ohne worte, mit unaussprechlichem seuftzen, mit bloszen gluchtzen und stöhnen geschehen solte
de la Motte-Guion d. leben (1727) 1, 54. 66)
vom (
halblauten)
lachen: er lachte, bis sich seine stimme in einem tiefen glucksen verlor J. Petri
rothe erde (1895) 235; (
man) hörte ein ersticktes glucksen (
kinderlachen) von nebenan her Helene Voigt-Diederichs
auf Marienhoff (1925) 115. 77)
von ungewöhnlicher, tremulierender, erregter, fremdartiger sprechweise: mit gluxen
mit abgebrochnen worten Henisch (1616) 1670; denn sie reden fort und fort mit glochsen wie die auerhüner Männling
eroticus curiosus (1717) 382; eine ärmlich gekleidete frau trat herein. herr Specht ... frug: 'was wollen sie?' man hörte klägliche töne, welche mit dem gepiep eines kranken huhns ähnlichkeit hatten, der kaufmann griff schnell in die tasche, und das piepen verwandelte sich in ein behagliches glucksen G. Freytag
s. w. (1887) 4, 60; ein ungewöhnlicher lärm ruft uns in das dorf zurück; es ist ein vielstimmiges grunzen und glucksen, vermischt mit schrillen schreien, deren misztöne einem ... vollkommenen rhythmus untergeordnet sind (
bei den Bantunegern) K. Bücher
arbeit u. rhythmus (
61924) 273.
unter hereinspielen der bedeutung 5
auch von einer art des singens: er (
Vogler) war der erste, der dem ekelhaften schluchzen und gluchzen der italiänischen schule steuerte Schubart
ästh. d. tonkunst (1806) 135. 88)
vom geräusch von flüssigkeit, wasserläufen, körpern, die das wasser treffen u. dgl. 8@aa)
vgl.glucksen,
vb., 3 c
α: nur dann und wann hörte man das klucken und glucksen eines bergabschieszenden wasserlaufes Fontane
ges. w. I 6, 89; das rinnen und glucksen eines bachlaufs H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 3. 8@bb)
vgl.glucksen,
vb., 3 c
β: man hörte ... aus der schiffshütte das glucksen der wellen an den leise geschaukelten kähnen P. Heyse II 3, 189; während das wohlige glucksen der wellen (
am meeresgestade) sein ohr umspielte W. Hegeler
Pietro d. korsar (1906) 163; dasz das würmchen unaufhörlich hintereinander kleine weinende jammerlaute von sich gab, etwa wie das glucksen des meeres, wenn es ganz still liegt und nur leise ... anbrandet R. Huch
aus d. triumphgasse (1908) 160; es (
das gespräch der drei '
pfeifer') klang wie das ruhelose glucksen und plätschern in einem wasserfang Alverdes
d. pfeiferstube (1929) 16. 8@cc)
vgl.glucksen,
vb., 3 c
γ: P. (
nahm) den stein ... und schleuderte ihn ins wasser, in dem er mit einem glucksen versank
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 5, 254; wann am erwachenden flusse allein der trieb des wassers und das glucksen der fische ... zu hören sind H. Grimm
volk ohne raum 1, 126. 99)
vom klopfen des herzens: Aristoteles saget, wie die art und eygenschafft desz hertzens fast durch sein klucktzen der pulst erkannt wirt
problemata Aristotelis (1585) 58
a.