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glucksen

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glucksen vb.

Bd. 8, Sp. 353
glucksen, vb. , auch gluxen, iterativbildung zu glucken (grundformen *gluckezen, *glucksen), daher in der bedeutung diesem sehr nahe stehend (s. o. sp. 280). vgl. auch unten das subst. glucksen, n., m. form. neben dem g-anlaut steht bei den meisten varianten auch der mit k, s.klucksen, kluxen teil 5, 1260; kluckzen ebda 1261; kluchsen, kluchzen ebda 1257; klocksen, kloxen, klockzen ebda 1221. wie schlucksen neben schluchzen, lecksen neben lechzen, kräcksen neben krächzen, mhd. mukzen neben muchzen, ahd. krockezzan neben mhd. krochzen, nhd. kröchzen, ahd. gickazzen, mhd. gigzen, gecksen neben gichsen, mhd. gagzen neben kachzen, mhd. wakzen neben gleichbedeut. wochzen steht neben glucksen, wenn auch seltener, glucksen, z. b. Fischart Garg. 139 ndr.; Sebiz feldbau (1579) 79; Hafenreffer (1625) bei Fischer schwäb. 6, 2050; Stieler (1691) 674; Lichtwer äsop. fabeln (1748) 115; Herder 27, 293 S.; Musäus volksmärchen (1826) 2, 68; Eichendorff Lucanor (1840) 53; ebenso gluchzen, z. b. J. Barth weiberspiegel (1565) o 5a; Sartorius d. schneider widerlegung 19; Paullini phil. feierabend (1700) 398; S. Geszner schr. (1777) 1, 129; Adelung umst. lehrgebäude (1782) 2, 771; J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 2, 114; Schubart leben u. gesinn. (1791) 2, 313. auch der stammvokal schwankt (s. o. die entsprechungen mit k-anlaut), so glocksen Fischer schwäb. 3, 715; gloxen H. Österreicher Columella 2, 138 Löffler; glockzen Comenius janua (1644) 48; glochsen Männling exotiens cur. (1717) 382; glochzen s. o. sp. 141. die schreibung mit -cks- überwiegt bei weitem, aber auch die mit x geht daneben bis ins 19. jh., z. b. Cyr. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 475b; theatrum amoris (1628) 108; Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 144; Blancard med. wb. (1710) 368; Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 222; vereinzelt auch geluxen H. Österreicher Columella 2, 121 Löffler. die formen mit -ckz- erscheinen fast nur im 16. und 17. jh., z. b. Eppendorff Plinius (1543) 145; problemata Aristotelis (1585) 57a; 58a; simplizian. Jan Perus (1672) 23; Marperger küchendict. (1716) 294b; s. Wackernagel voces var. anim. (1869) 52; 82. daneben glugzen J. Behm artzneibuch (1625) 245; Frommann dt. maa. 2, 561. formen wie glutzen (< gluckezen, vgl. blitzen, schmatzen), glutzgen (z. b. Österreicher Columella 2, 138 Löffler) s. o. sp. 223 unter glotzen; eine verteilung der formen nach geographischen oder bedeutungsmäszigen gesichtspunkten ist nicht möglich, wenn auch in einzelnen gegenden unterschiede gemacht werden; doch gibt Adelung (wb. 2, 724 u. 729) gluchzen als gehobenes wort für glucken, glucksen und die bedeutung 'schluchzen' als auf 'einige obd. gegenden' beschränkt an. die verbreitung des wortes ist heute ziemlich allgemein, wenn auch nicht so wie die des einfachen glucken bzw. klucken; so ist es auf niederdeutschem boden nur sehr spärlich belegt. klucksen: Mi mecklenburg.-vorpomm. ma. 43; Berghaus Sassen 2, 163a; Frischbier preusz. wb. 1, 382; Gutzeit livländ. 2, 55b; Hönig Köln. 93; Wegeler Coblenz 30; Schön Saarbrücken 84; Kisch vergleich. Nösner u. moselfrk. wb. 130; (neben glucksen) rhein. wb. 2, 1285; 4, 786 u. 789. glucksen: Christa Trier 99; (neben kluxen) Follmann lothr. 209 u. 296; (auch glugse) Crecelius oberhess. 426; Kehrein Nassau 167; Müller- Fraureuth obersächs. 1, 427a; 2, 781a; Hertel Thür. 107; (neben gluchzen, glochzen) Jungandreas schles. zeitwortbildung 78; 86; klucksə (g > k) Meisinger Rappenau 73; gluxen Martin-Lienhart elsäss. 1, 263b; gluxen, gluchsen Staub-Tobler schweiz. id. 2, 656; gluxe Seiler Basel 139; glugse Hunziker Aargau 108; glutzen, gluchzen, kluckezen Schmeller-Fr. 1, 980; 1325. wie oft neben den verben auf guttural + -zen, -sen statt dessen -tschen steht (Winteler beitr. z. gesch. d. dt. spr. u. lit. 14, 455 ff.; Wilmanns 2, 110), so auch hier glutschen Tschumpert bündn. id. 608; (tirol.) Schmeller-Fr. 1, 980; Staub-Tobler 2, 656 (vgl.glutsch bruthenne Schöpf tirol. 197; bündn. glutsche dass. Tschumpert 608. 11) als tierischer laut. 1@aa) vom ruf der haushenne, die brüten will oder brütet oder junge führt: (das huhn) gluckst, wann es brüen wil oder gebrüt hat Alberus (1540) H h 2b; (sprichwörtlich) nun beginnt die henne zu glucksen Schütz hist. rer. prussic. (1592) buch 3, 4e; leg sie (die eier) einer solchn gloxenden hennen unter J. B. Porta natürl. magia (1617) 377; die henne glocktzet und glucket (gallina gracillat et glocitat) Comenius janua (1644) 48; (hühner) die da glochtzten, müste man nach der ordnung umb und an in die stub und nester setzen Dan. v. Czepko weltl. dicht. 228 Milch; glucke ... heiszet eine alte henne, welche, wenn sie gebrütet und ihre küchelchen führet, eine gluchzende stimme annimmt, und dieselben damit locket Zincke allg. öconom. lex. (1744) 967; indesz dasz der majestätische hahn seine gluchzenden hennen im hof umher führt Sal. Geszner schr. (1777) 1, 129; die gluchzende henne vor meinem fenster Schubart leben u. gesinnungen (1791) 2, 313; gluchsen glucken Schrader dtsch-franz. wb. 1 (1771) 557. auf das brüten selbst bezogen, vgl. beglucksen anbrüten Pfister nachtr. z. hess. id. 80. auch von dem gewöhnlichen laut des nahrungsuchenden huhnes: glucksend trippelten die hühner im hof umher und scharrten im schnee Ganghofer doppelte wahrheit (1893) 196. von dem laut vor dem eierlegen: wann die hüner sehr gluckzen und eier legen Marperger küchendict. (1716) 294b; vgl. die henne glutzt, wenn sie eier legen will Schmeller-Fr. bair. 1, 980. 1@bb) von dem ähnlichen laut anderer vögel, und zwar sowohl vom muttertier wie vom hahn: und die geschwaig folgt nach die gloxenden hennen (pfau) als ir muotter H. Österreicher Columella 2, 138 lit. ver.; auf letzterem (dem misthaufen) krähen, gackern, glucksen und schnattern hähne, hennen, truthühner, enten Holtei erzähl. schr. (1861) 37, 168; so kam die schneehenne eifrig wieder herbeigelaufen und gluckste leise, und in wenigen augenblicken schlüpften alle neun küchlein wieder unter ihre flügel Fr. Tschudi d. thierleben d. Alpenwelt (1856) 532. von tauben: in ihm (einem groszen waschkorb) gurrt, gluckst und gurgelt es durcheinander. es ist ihr taubenschlag K. Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 1, 10. vom auer- und birkhahn: kein laut jemals die stille störet, als wenn der aurhahn glucksend ruft Immermann s. w. 13, 60 Boxberger; drauszen im moorgrund fliegen zwei stahlblaue birkhähne glucksend in die höhe Th. Storm s. w. (1899) 4, 120. von weiteren vögeln wie dem raben, der nachtigall, der eule (s.glucken o. sp. 282): es bedeutet etwas seer böszes, wenn sye (die raben) also glucktzen als ob sye gehenckt weren Eppendorff Plinius (1543) 145; er (Agenor) will um hülfe schreyn, und gluchzt als nachtigall J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 2, 114. verstummet ist Demosthenes, verhallet Platos rede. in seinen gärten gluchset jetzt die attisch-weise eule Herder 27, 293 S. vgl. noch: der burunduk ... wird ... sogar mit dem zaunkönig verglichen; denn wie dieser soll er durch die zweige huschen ... unter beständigem auszstoszen seiner seltsamen, angenehmen, etwas glucksenden stimme Brehm thierleben (1865) 2, 79. 1@cc) von anderen tieren: so hört man auch dann und wann ein gluchtzen, welches alles der aberglaube dem so genandten hauszuncken zueignet ... sie solten das gluchtzende thier ersäuffen ... da wars ... nichts mehr denn eine spitz- oder reitmausz Paullini philos. feierabend (1700) 398; das sicherste zeichen von der anwesenheit des wurmes (eines sehr groszen australischen regenwurmes, megascolides australis) ist ein deutlicher glucksender laut (gourgling sound), den das in sein erdloch sich zurückziehende tier hören läszt Leipz. tageblatt, 10. märz 1889, sp. 1500d; einzelne arten (der eidechse) ... geben töne zu hören ... die ... glucksend ... sein können Brehm tierleben (1890) 7, 34. vgl.glucksen, n. 22) vom menschen. 2@aa) im vergleich von 1 a her: er (Christus) girret wie eine taube, glochzet wie eine henne V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 658; der mitleidige Jesus gluchset uns nach, wie eine henne ihre küchlein versammelt J. J. Ulrich (1733) bei Staub-Tobler schweiz. id. 2, 656. gern im vergleich mit der um die untergeschobenen entchen besorgten henne: jetzt ... läufst du wie eine glucke am ufer, wo das entchen schwimmt, und glucksest dich ganz müde Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 343; und sorge um dich, wie die henne, deren junges entel auf dem wasser schwimmt, und ich glucke und locke unruhig G. Freytag br. an s. gattin 556 Strakosch. wie gackern im sinne von 'prahlerischen lärm machen': und ich hörte manchen, der einen schwertschlag empfangen, darüber glucksen wie ein huhn über sein ei G. Freytag ges. w. (1886) 8, 34. 2@bb) von menschlichen naturlauten; diese verwendung von Campe und Adelung als oberdeutsch bezeichnet. 2@b@aα) schlucken, schlucksen, den schluckauf haben, hetschen: ... das man dem gluchsenden kalt wasser inns angesicht spritze und in erschrecke Sebiz feldbau (1579) 79; die, so gluxen oder den hesch haben Thurneiszer erdgewächse (1578) 13; gluchsen oder neschen S. Hafenreffer beschr. d. sauerbrunnens zu Niedernau (1625) 25; gluxen singultum mittere, hetschen (vgl. teil 4, 2, 1266 u. 1269) Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 144; gluchsen, gluxen ... singliozzare M. Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700) 543a; glucksen für hetschen (hoqueter) Popowitsch versuch (1780) 158; gluxen hoqueter Schrader dt.-frz. wb. 1 (1771) 559; glucksen aufstoszen beim schlucken (klucksuma) Sallmann dt. mundart in Estland (1877) 13a; Paul hat vom vielen heulen den schluckauf bekommen, er gluckst wie ein krankes hühnchen K. H. Waggerl mütter (1935) 197; so auch Hönig Köln 93; Follmann lothr. 209; Crecelius oberhess. 427 ('nicht mehr üblich'); Seiler Basel 139; Staub-Tobler schweiz. id. 2, 657; Fischer schwäb. 3, 715 u. 6, 2050; Martin-Lienhart elsäss. 1, 263. 2@b@bβ) aufstoszen, rülpsen: vber alle menschen thettensz juchxen, vor völle huobents an sgluockxen, sy theten sich keins lasters bschemmen (schämen) bei Bächtold schweiz. schausp. d. 16. jh. 2, 204; gluksə rülpsen Baumgartner Berner Seeland 41; Staub-Tobler schweiz. 2, 657; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 427a; Martin-Lienhart elsäss. 1, 263. 2@b@gγ) schluchzen (beim weinen): die ... heben ihre hende gen himmel, heulen, weinen und gluchtzen J. Barth weiberspiegel (1565) o 5a; diese wenig mit seufftzen vnnd gluchsen vnderbrochene ... wort öffneten der gantzen gesellschaft die thränenquell der augen theatrum amoris (1626) 329; die gluxende seufftzen (seufzer) und heiszen zähern ebda 108; ... war mir das hertz so weich, dasz mir gantz glukzend die thränen über die backen herab lieffen simplizian. Jan Perus (1672) 23; die wort ... die er (der weinende David) ... in seiner noth zu gott ... heraus gegluchzet Carpzow auserlesene trost- u. leichensprüche (1698) 2, 674; (erst) wenn das hertz gleichsam beginnt zu glucksen und zu seuffzen, so ist das gebet vollkommen und kräfftig G. Schuster christerbauliche sendschreiben (1742) 313; er stöhnte mit der brust und gluchste so betrübt Lichtwer äsopische fabeln (1748) 115; es fehlet ihm noch, dasz er weinet und gluchzet polit. hanswurst (1759) 43; glucksen für schluchzen (sangloter) Popowitsch versuch (1780) 158; was (die mahnung der polizei, nach hause zu gehen) zur folge hatte, dasz er ... schnaufend und glucksend die absicht aussprach ... auf 'den jungen' zu warten W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 158; der ritter gluchst und schluckt Reithard geschichten u. sagen aus d. Schweiz (1853) 285; eine röte fuhr ihm ins gesicht. seine kehle gluckste P. Dörfler d. lampe d. törichten jungfrau (1930) 291; 'wenn ich nicht wiederkomme —', fing er an, aber dann gluckste es in der kehle Ehm Welk d. heiden v. Kummerow (1937) 246. die bedeutung 'schluchzen' auch Jungandreas schles. zeitwortbildung 86; Seiler Basel 139b; Stalder schweiz. 1, 456; Ch. Schmidt Straszburg. 60b; Schmeller-Fr. bair. 1, 970; vgl.glucksen den laut gluck hervorbringen, stöhnen Laven ged. in Trier. ma. 233; im 18. jh. auch die seele ausglucksen 'aushauchen': am end des lebens glucksen sie die seel aus trepidas in limine vitae singultant animas Aler dict. (1727) 1, 962a. 2@b@dδ) von schütterndem, (halb)lautem, unterdrücktem lachen, anscheinend erst in jüngster zeit üblich: als die schwestern immer wieder glucksten und kicherten und mit ihrem geflüster den hüttenfrieden störten Joh. Jegerlehner Simud Oppier in: dtsche rundschau 151 (1912) 9; der regierungsrat lachte ein paarmal glucksend vor sich hin W. Weigand d. gärten gottes (1930) 234; das lachen gluckste über die felsen hin H. Zillich d. urlaub (1933) 38; Anne lachte leise. in die stille der nacht klang dieses glucksende, glückliche geräusch wie eine silberne glocke P. Stühlen aus d. schwarzen wäldern (1936) 20; in allen ecken und enden der klasse fängt es verdächtig an zu glucksen und zu prusten H. Spoerl man kann ruhig darüber sprechen (1937) 49; es wurde mäuschenstill, nur ganz gelegentlich gluckste das unterdrückte lachen aus krampfhaft geschlossenen mäulern Ehm Welk d. heiden v. Kummerow (1937) 144; vgl. kluxen 'vor freude jauchzen' Follmann lothr. 296 und gluckstern 'verlegen lachen' rhein. wb. 2, 1286. 2@cc) von tremulierendem sprechen, sprechen in ungewöhnlicher tonlage oder form, besonders bei erregung, freude, schüchternheit, bitten, trunkenheit u. dgl., aber auch von fremdartiger (besonders gurgelnder), undeutlicher artikulation oder ausdrucksweise: dasz sie (die eingeborenen) im reden gluckseten, als ob sie den hetscher hätten M. Krämer leben u. tapffere thaten (1681) 49; wer ist der winzige, der nach brosamen schnappt und mit dem gaumen gluckst? G. Freytag ges. w. (1886) 17, 204; 'gott vergelt es tausendmal', gluckst die frau ders., soll u. haben (1850) 1, 60; noch fünf minuten gluckste der (betrunkene) professor triumphierend W. Raabe keltische knochen (1869) 45; mit dünn glucksendem kastratenstimmchen Winckler d. tolle Bomberg (1924) 41; plötzlich legte er seine gepflegte hand dem schwager auf die schulter, seine stimme gluckste vor vergnügen R. M. Rilke ges. w. (1927) 4, 199; und er gluckset wieder in sich, als hab er eine legende henn verschluckt E. G. Kolbenheyer Pausewang (1910) 270; (die neger) verhöhnten ihn in ihrer schnatternden und glucksenden sprache P. Alverdes Reinhold (1931) 37. auch von der gesangstimme: die geläuffige, gluchsende und allerlei gestalt annehmende stimme der berufenen K. J. Mattheson kl. generalbaszschule (1735) 13. mehr bildlich von 1 a her: man schnatterte, piepte, gluckste beifall Spielhagen (1877) 9, 16; es gelingen ihr (einer dichterin) reine töne, in die keine frauenrechtlerischen tendenzen hineinglucksen Hegner in: magazin f. lit. (1903) 64; öppis gluxen etwas undeutlich sagen Staub-Tobler schweiz. id. 2, 657; vgl.rumglucksen 'nicht mit der sprache herausgehen' Müller-Fraureuth obersächs. 1, 427a. 2@dd) über übelbefinden jammern, kränkeln, so schon bei Spreng gluksen, s. Seiler Basel 139; im heutigen schweiz. Staub-Tobler 2, 657; Hunziker Aargau 108. 33) von verschiedenartigen geräuschen des wassers und sonstiger flüssigkeiten. 3@aa) beim flieszen durch eine enge, besonders den engen hals eines gefäszes oder einer flasche, sowie beim schülpern, schwabbeln in einem hohlraum, z. b. einem fasz: als der krug beim trinken zu gluchsen anfieng Eichendorff Lucanor (1840) 53; ich habe die bouteille glucksen hören im nebenzimmer Bettine in: Göthes gespräche 10, 129 W. v. Biedermann. gern von dem verstärkten geräusch beim ausströmen der letzten flüssigkeit: der vater hatte ... sparsam mit dem getränk gewirtschaftet. und nun gluckste beim siebenten male das fasz und träufelte nur noch Ernst Zahn schattenhalb (1904) 170; sie liesz den rest in Lennackers glas laufen, es gluckste leise Ina Seidel Lennacker (1938) 60; dann auch von dem geräusch in den gedärmen, kollern im leib, s. Gutzeit Livland 2, 55b; rhein. wb. 4, 789. 3@bb) vom geräusch beim trinken (auch das trinken selbst) sowie von den schluckenden tönen des säuglings: sie glucksten ihre feldflasche leer Roda Roda krokodilstränen (1933) 80; alles ... von jener art, die ... der natur versippt ist und an ihren brüsten glucksend, schnalzend, lachend, wehend und weinend sich nährt G. Frenssen Jörn Uhl (1902) 228; in den hinteren stühlen ging der kampf um die dorfdinge über die haube der hebammen und über das glucksende paket (das von der hebamme getragene neugeborene) immer wilder hin und her H. Federer berge u. menschen (1911) 60. die bedeutung '(mit geräusch) trinken' mundartlich bei Mi mecklenb. 43; Schön Saarbrücken 84; rhein. wb. 4, 789; 'starke getränke lieben' Berghaus Sassen 2, 163a. 3@cc) von offenem, bewegtem wasser, besonders wenn es auf widerstand trifft oder durch fremdkörper erschüttert wird, vom aufsteigen von blasen im wasser oder im moor, vom tönenden hervorquellen der feuchtigkeit aus lehmigem boden, vom gurgelnden geräusch einer in gärender bewegung befindlichen masse, daher auch gelegentlich vom gären selbst, u. dgl. 3@c@aα) vom strömen von flüssen, bächen, rinnsalen u. dgl.: seit einer halben stunde hör ich nichts als das wasser, das unter dem steg hin gluckst Fontane s. w. I 5, 196; der weg führte über einen zwischen schnee und eis verloren glucksenden bach A. T. A. Krause sonnensucher (1907) 95; es gluckst und sintert in und von den rinnen Alex. Jung d. geheimnis d. lebenskunst (1858) 2, 83; hütekinder, braun wie lazerten ... sonnten sich, staubig und träg, beim glucksenden quellchen Agnes Miegel herbstgesang (1933) 89; die quelle gluckste und glockte P. Dörfler um d. kommende geschlecht (1932) 292; vgl. auch: es fiel eine stille über die leute, dasz das fortglucksen der wellen im bache zu hören war Franz Tumler auf der flucht (1940) 33. 3@c@bβ) von dem geräusch des sich brechenden wassers am schiff oder der welle am ufer: nur dasz am bauche des schiffes in vielfältigen tönen die glucksende welle sich übte Mörike w. 1, 373 Maync; man hörte das wasser vorn am kiele glucksen Th. Storm s. w. 3, 174 Köster; das wasser gluxte am holze Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 222; und in den nächten glucksen leis die wellen am kiele W. v. Polenz (1909) ges. w. 9, 79. dieses feindliche, freundliche, schmeichelnde ... element (das wasser) — mag es nun ... von ... felsen herabdonnern ... oder süsz glucksend am meeresstrande ... den weiszen sand belecken Aug. Sperl d. fahrt nach d. alten urkunde 9-1735; die wellen glucksten an den bauchigen kähnen, die am landungssteg lagen Voigt-Diederichs Schleswig-Holsteiner blut (1926) 78. auch vom schiff gesagt: aber es (das boot) gluckste nur neckend auf dem leichtbewegten wasser R. Binding d. geige (1919) 147. ähnlich, wenn körper den wasserspiegel treffen: das wasser war lau und still und gluckste nur, wenn ein fisch in die luft schnappte nach mücken P. Rosegger schr. II 6, 308; dann und wann gluckste das wasser am ufer, wenn einer der lauten sänger (frösche) aus dem schilf in die tiefe sprang P. Heyse II 4, 191, vgl.glucksen, n., 8 c. 3@c@gγ) vom geräusch der feuchtigkeit im moor und nassen boden: der erdboden gluckste unter der triefenden nässe Lauff Pittge Pittgewitt (1903) 283; der boden wurde immer weicher und bestand aus durch und durch nassem schlamm, in dem es nach den tritten des pferdes gluckste und patschte Sven Hedin abenteuer in Tibet 16168; die tannen triefen, die wege glucksen O. Gmelin Konradin reitet (1933) 45; überm haus braust der wald. kommt die kirschenblüh bald. knarrt die stadeltür leis, gluckst das wasser im gleis J. Weinheber o mensch, gib acht (1937) 35. das quirlende sumpfwasser kluckst rhein. wb. 4, 789; glucksen vom ton aufsteigender wasserblasen Hertel Thür. 107. 3@c@dδ) von gärender masse, vgl. biblire glucksen Kirsch (1713) bei Diefenbach gl. 73a: von most und neuem wein, der in beständiger gährung unausgesetzt hebt und gluchst Görres ges. br. (1858) 1, 351; der gärende wein kluckst rhein. wb. 4, 789. 44) von den tönen der flöte: sein liebenswürdiges mädchen singt, und in ihren gesang gluchzt seine zärtliche flöte J. N. Götz verm. ged. (1785) 3, 137. 55) vom klopfen des herzens: warumb geschichts ..., dasz in den unvernünftigen thieren, als vögeln und jungen hänlin, so jnen das häupt ist abgeschnitten, das hertz noch klucktzet und lebet? problemata Arestotilis (1585) 57a; das herz gluchset ihm cor ei titubat Stieler (1691) 674; das hertz gluckst ihm Aler dict. (1727) 1, 962a; mir kluckste s herze, dasz ichs nur so bubbern herte G. Schumann Bliemchen in Bayreuth (1882) 22; obersächs. da tat mir s herze doch e bischen glucksen Müller-Fraureuth 1, 427a; vgl. Jungandreas schles. zeitwortbildung 78. 66) vom pulsierenden schmerz in einer eiternden bzw. heilenden wunde, seltener beim kopfweh, s. Höfler krankheitsnamenb. 276b; klukksen klopfen, von kopfweh, oder in geschwüren Berghaus Sassen 2, 163a; coblenz. et gluckst mer em finger Wegeler 30; glucksen, gluckzen von einem theil des körpers, wenn er klopft, z. b. finger, besonders von eiternden, in der heilung begriffenen wunden Kehrein Nassau 167; schwäb. mein finger gluckst Fischer 3, 715; obersächs. glucksen auch von milderem zahnschmerz Müller-Fraureuth 2, 781a. 77) schweiz. gluxe unpersönlich 'in der ferne nur dumpf donnern, wenn ein gewitter im anzuge ist' Staub-Tobler schweiz. id. 2, 657.
21541 Zeichen · 529 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glucksen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Glucksen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und das Intensivum des Zeitwortes glucken ist, aber …

  2. modern
    Dialekt
    glucksenintr. v.

    Lothringisches Wb. · +3 Parallelbelege

    gluckse n intr. v. fast allg. 1. glucksen (Ton der brütenden Henne ). — 2. den Schlucken haben. — els. 1, 263 gluxe; bai…

  3. Spezial
    glucksen

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    glucksen булькать, хлюпать разг. квохтать, кудахтать

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glucksen

0 Bildungen · 0 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von glucksen 2 Komponenten

gluck+sen

glucksen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — glucksen kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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APA
Cotta, M. (2026). „glucksen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/glucksen/dwb?formid=G20377
MLA
Cotta, Marcel. „glucksen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/glucksen/dwb?formid=G20377. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „glucksen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/glucksen/dwb?formid=G20377.
BibTeX
@misc{lautwandel_glucksen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„glucksen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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  urldate      = {2026-05-12},
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