glucken,
vb. ,
schallnachahmende bildung, die mit klucken (
s. teil 5, 1258)
wechselt, aber erst später als dieses bezeugt ist. mit anlautendem k
ist das wort gemeingermanisch:
ags. cluccian '
glucken, lärmen',
engl. cluck
dass., engl. dial. clock
und clutch '
glucken, brüten' Wright 651
b u. 671
a, Murray 2, 511; 541,
dazu dial. cluck, cluckish,
adj., '
bereit, geneigt zum brüten, brütig' Wright 666
a;
mnl. clocken '
kehllaute hervorbringen, glucken',
holl. klokken '
glucken, glucksen'
; mhd. klucken, glucken, gluggen,
mnd. klucken;
norw. klukka,
shetl. klukk '
klucken (
von hühnern)' Torp
nynorsk et. ordb. 288;
schwed. klukka,
älter auch klokka,
jetzt besonders vom truthuhn, auch '
gurgeln (
den hals)' (
seit dem 17.
jh. bezeugt)
svenska akad. ordb. 13, 1384;
daneben neuerdings auch glucka
s. ebda; schwed. dial. klokka, klkka '
glucken', klykka '
brütig sein',
von hühnern, klukka '
glucksen',
von flüssigkeit Rietz 329
b u. 330
a; Wessmann
östsvenska (1925) 1, 371
b; Vendell
östsvenska (1904) 1, 446
a;
dän. klukke '
glucken, glucksen, gluchzen',
älterdän. klukke
und (
seltener) glukke '
glucken, seufzen, schmeicheln, gurgeln'
ordbog over det danske sprog 10, 688; Kalkar
ordbog til œldre danske sprog 2, 540
a;
dazu norw. kluk,
adj., von hühnern, die brüten wollen. wegen der dialektformen sind die skandinavischen wörter schwerlich aus dem deutschen entlehnt. die parallelen bildungen lat. glōcīre,
afrz. glocir, clocir,
prov. closir,
frz. clousser, cloquer,
prov. closar,
it. chiocciare,
gallur. čučča,
span. cloquear,
port. clocar,
griech. κλώσσειν,
κλώζειν,
sämtliche in der bedeutung '
glucken'
oder ähnlich, frz. glougloter '
kollern',
lit. žliúgauti '
schluchzen',
kirchenslav. klъcati '
klopfen',
lit. klukšéti '
den schluckauf haben', kliukčióti '
schlucken, gackern'
sind wohl eher selbständige (
auch innerhalb der romanischen gruppe nur z. t. von einander abhängige)
schallworte, als urverwandt, wenn auch das fehlen der lautverschiebung bei der germ. gruppe nicht notwendig gegen zusammenhang spricht (
s. Wackernagel
voces variae animantium [1869] 79
u. 88);
vgl. Walde-Pokorny 1, 497; Meyer-Lübke
roman. etymol. wb. (
31935) 3795; Gamillscheg
etym. wb. d. frz. spr. (1928) 472
a; Bloch - v. Wartburg
dict. étym. (1932) 1, 338
b; Falk-Torp 1, 537; Hellquist 322; Berneker 1, 525.
die form mit anlautendem k
ist in den meisten nd. mundarten bezeugt, ferner in teilen des rheinischen und im luxemb. (
rhein. wb. 2, 1285; Gangler 242).
den g-
anlaut hat das sonstige md. und das obd. (
ausnahme lusern. klukn Bacher 285;
cimbr. klucken Schmeller 199);
in dem letzten, namentlich im süden, ist inlautende geminata nicht selten, z. b. gluggn Hintner
Defregg. dial. 82; Lexer
kärnt. wb. 117; glugge
n schweiz. id. 2, 620. 11)
vom laut mehrerer vogelarten. 1@aa)
in der regel vom laut der henne, die brüten will, bzw. brütet und junge führt, vgl. glocidare glucken (
md., 15.
jh.) Diefenbach
gl. 265
c;
pipare schreyen oder gluggen wie die hennen Frisius (1556) 1006
b;
glocire, gallinarum est, cum ovis incubiturae sunt glucken B. Faber
thesaurus (1587) 360
b.
seit dem spätmhd. vielfach neben klucken,
vgl. ein volkrüpflu henne diu niht mere geklucken mac (
schwäb. hs. d
von 1447: gluggen;
Kolocz. cod. 164
gegen teil 5, 1258: gelouben) Rüdiger v. Hünchoven
schlegel 257
Pfannmüller; glucken, klucken, klucksen wie die gluckhenne
glocire Widerhold
dict. (1669) 501
b: und stehet noch heutiges tages und ruofft, und glucket den armen zerstreueten hünlein (
bildlich von der glucke, den plejaden) J. Pomarius
grosze postilla (1590) 3, 38
a; und die küchlein wollen die henne lehren glucken und eier legen S. Artomedes
christl. auslegung (1609) 1, 86; die gluck ihr stim verwandelt fern gluckt und lockt freundlich ihr küchlein J. Sommer
epatologia (1605) e 6
b; im sommer ..., da die meisten hüner auffhören zu legen und hingegen anfangen zu glucken und junge auszubrüten J. G. Schmidt
rockenphilosophia (1706) 1, 343; hüner setzen, ist ein amt der häuszlichen weiber, die da, so bald sie mercken, dasz eine henne zu glucken anfängt, selbiger frische und tüchtige eier untersetzen Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 907; der gluckenden henne beneide ich ihre stimme nicht Herder 28, 145
S.; im stroh gluckten die hennen Steguweit
stelldichein d. schelme (1937) 73.
substantiviert: hört! wie sie (
die henne) läszt ihr glucken schallen und sich nach ihren jungen sehnt
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 206.
bildlich: husch, rennen die übrigen gedanken in den winkel und sitzen gluckend wie die brütenden hühner da Tieck
schr. (1828) 17, 211; alsbald brütete an jeder himmelsecke eine grimmige wetterhenne ... ballte sich borstig und mit bösem glucken P. Dörfler
d. lampe d. tör. jungfrau (1930) 369.
auch von dem verwandten laut der hühner, den sie besonders in der angst von sich geben: die haushühner schlüpften unter der thürschwelle ängstlich gluckend in die lauben Rosegger
schr. I 4, 42.
auch von dem laut der küchlein: picke die krume für dich und lasz dein glucken, du küchlein! Voss
ged. (1802) 1, 234.
vom laut auf das brüten selbst bezogen: glucken
ovis incubare Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 1, 357
c; glucken, klucken ...
still sitzen, brüten J. H. Kaltschmidt
ges.-wb. (
31851) 345
b; glukkæ '
brüten' Claus
Uri 49.
so vielleicht auch die bildliche anwendung: und ist doch eyn armer ungelerter mensch seyn leben lang blieben, der widder zu glucken noch zu eyer legen getücht hatt Luther 15, 51
W. 1@bb)
von verwandten tönen anderer vögel. 1@b@aα)
von weiblichen tieren: so volgend sy (
die jungen pfauen) der gluckenden hennen (
pfauhenne) nach Heuszlin
Gesners vogelbuch (1557) 189
a;
cacabo ... glucken wie ein rebhun A. Corvinus
fons latinitatis (1646) 120; das nahe und ferne der gluckenden stimmen (
der brütenden vögel) lag wie ein netz von geheimnissen über den beseligten wäldern R. H. Bartsch
frau Utta (1915) 146; (
ein) thal, in welchem ... keine wildtaube will glucken Rosegger I 10, 88. 1@b@bβ)
von männlichen tieren; besonders vom lockenden ton des hahns, der decken will, vgl. cucurire glucken, locken wie ein han B. Faber
thesaurus (1587) 220
a;
cucurriare kantern oder gluggen wie ein han Calepinus
XI ling. (1598) 355
b: frech kräht sogar der hahn und gluckt G. Kinkel
ged. (1868) 2, 16; diese heyden (
die Hottentotten) ... führen eine ... spraach, wie wann sie gluckten als die indianische hahnen Joh. Jac. Saar
ostindian. kriegsdienst (1662) 157; glucken ... von truthähnen
glouglotter Schrader
dtsch-franz. wb. (1771) 1, 358; wie er (
der auerhahn) aber wieder zu glucken beginnt, geht er (
der jäger) ihm von neuem auf den leib Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 6, 443; und gluckend lockt der auerhahn Beda Weber
lieder aus Tirol (1842) 205. 1@b@gγ)
vom gesange der nachtigall (
so auch dän. klukke,
vgl. ordbog over det danske sprog 10, 688): wenn am abend aus dunkelm gebüsche die melodische nachtigall gluckte! Schubart
ged. (1825) 1, 41; gluckt, nachtigallen, zärtliche lieder
ebda 2, 140; empfiehl mich ... der lieben Karschin, die singend lebt, singend stirbt, und einst als himmlische nachtigall in der schönsten paradieseslaube gluken wird
ders., br. 2, 259
Strausz. substantiviert: ihr (
der nachtigall) kleiner hals, woraus ein flötend glucken quillt Brockes
ird. vergnügen (1728) 1, 24; sie (
die nachtigall) lässet, mit flöthen und glucken gemischt ... die reinen gesänge bald steigen, bald fallen
ebda 8, 16. 22)
von verwandten tönen anderer tiere: daher locket er (
der frosch) aus heiszer brunst mit einem gluckenden und dumpfigen geschrey, dasselbige (
das weibchen) zu sich herbey D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 1, 155. 33)
von menschlichen lauten. 3@aa)
in enger anlehnung an 1 a: nebenbei hatte er eine kleine familie mit einem nicht immer harmonisch gluckenden weiblein und drei töchtern Rosegger
schr. II 3, 192; da war es denn nicht verwunderlich, dasz pfarrer und schwesterschaft, bauer und mütter ununterbrochen gluckten und die küchlein (
die mädchen) am herde hielten H. Zillich
siebenbürgische flausen 42.
in übertragung des lockrufes: wie lang man auch nach ihnen (
den vornehmen herren) guckte und gluckte — es kam nicht einer Sohnrey im
grünen klee (1903) 162. —
vgl. hier auch teil 5, 1259
oben goukelklucken
aus dem renner; in der Nürnberger handschr. a. d. 15.
jh.: goukel glucken. 3@bb)
vom nachtigallenglucken (1 b
γ)
aus auf tremulierendes singen angewandt: die jetzigen sänger und sängerinnen seufzen und glucken zu viel Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 53. 3@cc)
von glucksendem, stoszweise töne hervorbringendem lachen (
vgl. ebenso schwed. klucka
svenska akad. ordbok 13, 1385,
dän. klukke
ordbog over det danske sprog 10, 689): aus wild verzerrtem munde gluckt ein gräszlich lachen Boie
bei Weinhold
H. Chr. Boie (1868) 313; und Bamis gluckt noch einmal mit leisem lachen vor sich hin Carl Busse
winkelglück (1916) 132; Goltz lacht aus vollem halse. er gluckt noch eine ganze weile vor sich hin aus vergnügten erinnerungen H. Fr. Blunck
weibsmühle (1927) 265.
wohl auch gehörsmäszig zu verstehen als das girren liebender: klukken
abstrahiert '
liebeln, flattiren'. wo se mit eenander klukkert
wie die miteinander liebeln! Schütze
holst. id. 2, 287. 3@dd)
den schlucken, das aufstoszen haben, vgl. klocken teil 5, 1221: 'glucken
in Niederhessen auch allgemein für singultire' Vilmar 130;
s. auch Höfler
krankheitsnamenb. 276
b. 3@ee) glucken
im thüring. vom rufen der schwangeren Hertel 107. 3@ff)
schweiz. gluggen
andeutend sprechen, ohne die meinung recht herauszusagen: vo
n 1800 guldi glucken '
zu verstehen geben, dasz man etwas für diese summe verkaufen würde' Staub-Tobler 3, 620. 44)
von dem mit dem glucklaut verbundenen stillsitzen, brüten der henne auf den menschen übertragen (
vulgär oder mundartlich) '
gekauert sitzen, zu hause sitzen, ungern ausgehen oder etwas tun': glucken,
uneigentlich '
den ganzen tag ruhig sitzen bleiben und nicht aufstehen wollen' Campe 2, 408
a (
als landschaftlich);
berlin. du kluckst den janzen dach Brendicke 137; klucken
bildlich, immer zu hause hocken, sich nicht von hause rühren Gutzeit
Livland 2, 55
b; in huse klukken Damköhler
Nordharz 100; glucken
sitzen, hocken Schultze
nordthür. ma. 35. 55)
von flüssigkeit (
vgl. ebenso schwed. klucka
svenska akad. ordbok 13, 1385;
dän. klukke
ordbog over det danske sprog 10, 689;
franz. glouglouter). 5@aa)
vom glucksenden, stoszweise tönenden flieszen einer flüssigkeit durch eine enge Frischbier
preusz. wb. 2, 382; dat kluckt ut dat fat '
läuft glucksend heraus' Mensing
schlesw.-holst. wb. 3, 183: ich ... setzte eine flasche Rheinwein an, und liesz es so lange herunter glucken, bis ich den boden sah Bettine
Goethes briefw. m. e. kinde (1835) 1, 333; eine tanzende säule gabs da und eine wasserharmonika, die ein dünnes, zitterndes madrigal glucken konnte H. Hart
wunderlieder (1915) 163; aus dem halse (
des getroffenen) dumpf und zäh gluckt blut Paul Ernst
kaiserbuch (1928) 3, 2, 116. —
seltener vom geräusch beim schülpern, schwabbeln in einem gefäsz oder hohlraum: die alten eyer klucken in schütteln v. Rohr
obersächs. hauswirtschaftsbuch (1722) 418. 5@bb)
daher gern von dem entsprechenden geräusch beim trinken, schlucken (
vgl. teil 5, 1259),
häufig mit übler nebenbedeutung '
starke getränke lieben, schnapsen',
so auch nl. klokken: gern gluck gluck machen
oder mit einem worte glucken, gern trinken Bernd
Posen (1820) 76; klukken '
schlucken; es wird aber nur in bösem sinn gebraucht für: starkes getränk lieben'
brem. wb. 2, 812; klukken
einen schluck über den andern nehmen und sich zum saufen gewöhnen Dähnert
pomm.-rüg. ma. 238;
ähnlich Danneil
altmärk. ma. 106; Berghaus
Sassen 2, 163
a: (
er) gluckte den becher geschwind vollends aus Willkomm
sagen u. märchen aus d. Oberlausitz (1843) 1, 243.
doch auch vom schlucken des säuglings Danneil 106. 5@cc)
von dem gurgelnden geräusch freien wassers: als das wasser so komisch gluckte und gurgelte im hineinstürzen Reichenau
aus unsern vier wänden (1860) 1, 88; dann kletterten (
sie) ... in eine koje und lieszen sich von den gluckenden und klopfenden seen ... etwas erzählen Gorch Fock
seefahrt ist not (1914) 145; in den pappeln sasz ein flüstern, wie die seen es an sich haben, wenn sie um den steven glucken
ebda 230; die hohen linden flüstern, das wasser gluckt und singt
F. Langheinrich
an das leben (1917) 59; im wiesengrunde dunkel gluckt die quelle Paul Ernst
kaiserbuch (1928) 3, 1, 402; das wasser gluckte und spritzte zwischen den filzdecken, die meinen sitzplatz bildeten
Sven Hedin, abenteuer in Tibet 16143.
substantiviert: und bei dem ... glucken des wassers schliefen beide bald ein Gorch Fock
seefahrt ist not (1914) 107.
ähnlich: noch eine blase gluckt im sumpf Paul Ernst
kaiserbuch (1927) 2, 2, 304. 66)
der gehörseindruck wird auch auf andere sinnesvorstellungen übertragen: klukken
klopfen, von kopfweh, oder in geschwüren Berghaus
Sassen 2, 163
a; klucken, glucken
bei abszessen, geschwüren: der pulsierende eiterungsschmerz Höfler
krankheitsnamenbuch 276
b.
vgl. aber klücken
teil 5, 1259,
ferner klocken ebda 1220.