glummen (glümmen),
vb. 11)
ablautende bildung zu glimmen '
schwach leuchten', '
glühen',
vgl.glamme '
glut',
schles. glemmen '
anzünden' (
s. o. sp. 86);
da aber die im folgenden angeführten formen mit û,
sicher zu einer basis glū- (
neben glī-
in glîmen '
glänzen')
gehören, liesze sich auch glummen
darauf beziehen. in nieder- und mitteldeutschen mundarten noch heute lebendig, s. Mensing
schlesw.-holst. wb. 2, 399 (
neben den formen glummern, glmen
und glûmen); Teuchert
neumärk. wortschatz 155; Mi
mecklenb. ma. 27; Schambach
Göttingen 65; Hertel
Thüringer sprachschatz 107; Schultze
nordthür. ma. 35; Pfister
nachträge 80 (
für Niederhessen);
als glomme Crecelius
oberhess. wb. 425 (
für die Wetterau); glommen
vereinzelt auch noch im niederl., s. woordenboek 5, 143;
die ableitungen greifen über dieses verbreitungsgebiet erheblich hinaus, s. u. glummer, glummern, glummsen.
vielleicht rechnet hierhin auch glumeke '
im dunkeln leuchtendes faules holz' (
aus einem Oldenburger vokab.)
bei Schiller-Lübben 6, 142,
doch vgl. glümken
schimmern vom faulen holz (glümkenholt) Strodtmann
id. Osnabrugense 73; glümmeken
schwach glimmen Schambach 65; glimmkenholt Frederking
Hahlen 12.
seit dem 16.
jh. lexikalisch: deflagro, languesco, subardeo ich glimm, glumm, brenn ein wenig Er. Alberus
dict. (1540) cc 1
a;
subardeo ich glumm Hh 1
b;
languescere, fumare, scintillare glimmen, glummen, tunckel leichten Henisch (1616) 1550; glimmen, glummen
fumare, scintillare, caligare, ignescere u. s. w. Stieler (1691) 671;
erst später setzen die literarischen belege ein: die teppichten glummeten Ph. Abelin
historia antipodum (1631) 526; und wo er riecht des dankes duft, viel süszer ists ihm, als ob im feuer aloe glumme Rückert
ges. poet. w. 11 (1882) 458; wo die kohle, hochgepackt, glummte schwarz wie gruft Friedrich Bischoff
schles. psalter (1936) 67; eine wegspur, eine schmale, weist zum busch und glummt
ebda 80;
vgl. ferner verglummen
bei Lohenstein
Ibrahim Bassa (1709) 21,
dazu den unten irrtümlich als verglumen
angesetzten beleg: machen, das dein fet brandopfer z' aschen verglummet sei Schede-Melissus 71
ndr.; unsicher, ob hierhin oder zum folgenden: nach dir ist mir gratiosa coeli rosa krank, und glümmet (glummet?) mein hertz durch liebe verwundet Ph. Nicolai
freudenspiegel (1599) 410. 22)
von der voraufgehenden gruppe ist glümmen,
d. h. gerundetes glimmen —
häufig gedruckt glummen —
zu trennen. seine verbreitung beschränkt sich nicht auf die oben genannten mundarten. durch Luther,
der, obwohl ein Mitteldeutscher, kein glummen
verwendet, hat glümmen
lange schriftsprachlichen wert besessen. vereinzeltes glimmen
bei ihm s. oben sp. 92: indes halten wir das glmmend hOeltzlin vom Niceno Concilio 50, 555
W.; ob hie das liecht David nicht helle leucht, so glümmet es doch in dem kinde Joas, der zukünftig wider helle leuchten und regiren sol 53, 474;
geläufig ist ihm die verbindung mit docht: ein geweiheter und mit cresem gesalbter pfaffe ist gegen andere getaufte gemeine christen gleich wie der morgenstern gegen ein glummend docht 38, 227; glummend tocht (
glosse zu Hiob 12, 5: und ist ein verachtet liechtlin)
dtsche bibel 3, 483, 15
W.; vor allem bekannt durch Matthäus 12, 20 (
wo freilich an der entsprechenden stelle Jesaia 42, 3 das glimmend tocht
steht): das zustossen rhor wird er (
der Messias) nicht zubrechen und das glümende (1522: glumende) tocht wird er nicht ausleschen
dtsche bibel 6, 56
und 57
W.; mit dem wortlaut des bibelverses lebte auch die form Luthers
weiter, so bei Sebastian Franck,
in dessen werken sich nicht nur glümmen (glummen),
sondern auch die zur vorauf genannten gruppe gehörende (
md.)
form glommen
findet (
während gloschen
das ihm als Schwaben allein zukommende wort war, s. o. glosten): damit er die gloschende boszheit nit verstöcket und das glomend dacht der boszheit nit auszleschet
sprichw. (1541) 2, 179
a; eilt in ... gott, des bild er auch erloschen und in im glümend findt, bitt ..., das der gotswind den glümenden tacht wider anblase zu ewigen liecht
ebda 2, 121
b; er wölle das zerbrochen rhor nicht vollen zerknitschen und den glomen (
d. i. glomend) dacht nicht auslöschen
Germaniae chronicon (1538) 124
a; das glummende docht
güldene arch (1569) 191.
die späteren zitierungen der bibelstelle behalten Luthers
form bei: das glüment dach Hans Sachs 6, 244, 20; das glümmende tacht Casp. Gretter
erkl. d. epistel Pauli an d. Römer (1566) 519; das glumende tocht
ebda 685; das glümende dacht
ebda 793;
an Luther
lehnt sich auch an: noch das glummende tächtlin gar auszleschet A. Scherdiger
novae novi orbis historiae (1591) 319;
der sonstige gebrauch: (
er) begert für in zu tragen das glüment eysen, sein unschulding todt zu beweisen Hans Sachs 8, 107
lit. ver.; so hat Serapion (
durch ohrenbläserei) das glümmende füncklein tapfer aufgeblasen Dannhawer
catech.-milch (1657) 2, 369; wenn einer hülf und vorschub zu etwas thut, pflegt man zu sagen, er ... hat das glümmend liecht wider angeblasen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 409; man öfnete die thüre des kamins, aber o elend! das glümmende holtz, so im ofen lag, hat sich von selbsten angezunden
hausball 23
Wiener ndr.