nobis,
obis,
ein noch nicht mit voller sicherheit erklärtes wort. selbständig (
aber wol erst aus nobishaus, nobiskrug
[] gefolgert)
kommt es vor bei Kilian 338
b nobisse (
pluralisch gefaszt),
daemon nanus, cacodaemon, ferner im nl. zwergnamen nobis (Wolf
beitr. zur deutschen myth. 2, 310),
in der holländ. redensart hij is nobis,
er ist trunken (Wander
sprichw. 3, 1038)
und im Simplic. 1, 787, 27 (
mit der variante nocis): da war es nun auch nobis (
futsch, beim teufel).
sonst erscheint es nur als erstes wort in den folgenden (
auch getrennt geschriebenen)
zusammensetzungen nobishaus, nobiskrug
u. a., deren nobis
schon von F. Junius (
observ. in Willerami paraphr. cant. cant. Amstelod. 1655
s. 207)
vom griech.-lat. abyssus
hergeleitet wird: '
huc etiam (
wie nast
statt ast
u. a.)
pertinet illud nobis-gat, nobiskroeg,
quod Hollandis septentrionalibus est barathrum, antrum Plutonis. ac primo quidem videntur corrupte dixisse obis-gat
vel obis-kroeg
pro abysse-gat
vel abysse-kroeg;
nomine videlicet mutato e graeco ἄβυσσος,
abyssus. sed quum frequenter ipsi dicerent atque alios quoque dicentes audirent een obisgat,
quemadmodum et in den obiskroeg voeren,
coeperunt ex propere loquentium consuetudine nobis-gat
et nobis-kroeg
usurpare etc.'
dieser nun ziemlich allgemein herschenden ansicht (
s. besonders myth.4 672. 837),
dasz nämlich obis
mit verdunkelung des a
in o
aus mhd. abis
d. i. abyssus
und nobis
aus der verbindung in abysso (
mhd. in dem abis),
die ital. zu nabisso
geworden ist (Diez
4 3),
entstanden sei, wurde von Laistner (
nobishaus und verwandtes. Germania 26, 65—95
u. 176—199)
eine neue herleitung aus goth. ubizva (
halle, vorhalle),
ahd. opasa, opisa, obisa,
mhd. obese (
s.obse)
entgegengestellt mit der schlieszlichen bemerkung (
s. 198),
dasz es sich bei der anknüpfung der jenseitsvorstellung an opisa
vielleicht nur um nachträgliche anlehnung einer älteren, unverständlich gewordenen bezeichnung handeln könne, wie sie von Kuhn (
nordd. sagen 486)
angedeutet sei durch die möglichkeit, dasz nobis
mit dem goth. naus (
gen. navis)
der tote, altn. nâir
zusammenhänge (
vgl. die zusammenstellung mit Nörvi
oder Narfi
bei Müller
myth. 401
und Simrock
5 147).
andere erklärungsversuche mögen hier nur kurz erwähnt werden: Spangenberg
in anm. weish. lustg. 282,
wo er das sprichwort anführt 'in nobiskrug, da man die öpffel auf den simsen oder in den fenstern bratet',
erwähnt, er habe in einem alten, in sächsischer sprache geschriebenen buche eines mönches bruder Odo, genannt Wedeman, von Halberstadt, gefunden: '
das in orbiskrug
das fewr und hitz so grosz ist, das die öpffel in offenen fenstern braten'
und der mönch sage 'orbiskrug
sei die höll, der welt letzte herberg, da die weltkinder mit schwefel und bech werden gespeiset und der teufel, ihr würt, ihnen die zech machet'. Spangenberg
fügt hinzu: '
mit dem wort krug
werden in Sachsen die offenen würtshäuser genennet, und verstehet der mönch bei dem wort orbis
den weltkreisz, wie es etwa auch in lat. sprach gebraucht wird.'
eine anekdote, wornach nobiskrug
aus lat. ora pro nobis
entstanden sei, mit welchen worten ein beim stadtthore wohnender schuster ein steinchen in einen krug geworfen habe, so oft man eine leiche hinaustrug, erzählt Frisch 1, 551
a f. (
vergl. dazu Germania 26, 92); Schütze 3, 150
sieht in nobis
nur das lat. nobis (
vergl. nobisthor)
und hält die herleitung aus abyssus
für allzu gezwungen (
wie schon das brem. wb. 3, 254); Leo (
in den neuen mittheilungen u. s. w. 4, 375)
zieht nibel
in Nibelunc
herbei (
vergl. ags. wb. 295 nivelnis,
der abgrund); Tittmann
zum Simpl. 2, 154
und zum vogelnest 275
leitet nobis
her '
vom soldatischen nobissen, nobitzen
futuere: liederliche wirtschaft, lupanar, dann hölle' (
s. nobisen).
die (
alphabetisch geordneten)
zusammensetzungen mit nobis (obis)
sind folgende: 11)
nl. nobisgat n. (
das aber auch md. vorkommen könnte, s. gat
th. 4
1, 1488)
orci culus, orcus Kilian 338
b.
vgl. oben die stelle aus F. Junius. 22)
nobishaus, n. das überhaupt litterarisch zuerst und zwar in elsäsz.-alem. denkmälern des 16.
jahrh. vorkommt, so dasz wir wol eine vom nd. nobiskrug
unabhängige entstehung desselben annehmen können (
vergl. Germania 26, 84. 91). 2@aa)
das haus, das wirtshaus der hölle, als dessen wirt der teufel erscheint (
mhd. der helle wirt),
die hölle, wofür sonst auch des teufels haus
vorkommt: er mus mit hin in unser (
der teufel) hausz, da schlegt das fewr zum fenster aus. B. Krüger
spiel von den bäurischen richtern und dem landsknecht (1580) 2374
Bolte. vergl. nobiswirtshaus. 2@a@aα)
elsäsz.-alemannisch: dann miest er mit den narren faren ein straszen, die er nimmer kant, sie ist in nobis husz genant. Murner
narrenbeschw. 7, 95;
[] die wil der arzt studieret dusz, so fart der krank in nobis husz. 30, 20; ich halt, das sie in nobis husz dort sehen zu dem fenster usz.
von den vier ketzern b 1
a; noch sehen sie den (
die alten leute den boten des todes, das alter) nit an und andere botten, darumb so faren sie dahin in nobis husz, da der flamen zuo dem fenster usz schlecht. Pauli 179
Öst.; in groszem schmertzen er dann stirbt und also nobis haus erwirbt. Freidank (1539) 18
b; darumb so leben wir (
schlemmer) im sausz, bis wier kummen in nobis hausz. Mone
anz. 8, 277 (
aus St. Georgen im Schwarzwald); der tüfel wirt inen wirten da unden in nobis husz, schlachts hellisch fhür zum fenster usz. Utz Eckstein
concil., kloster 8, 754. 2@a@bβ)
schwäbisch: die feuerwerker kommen in das nobishaus. J. Zimmermanns
Augsburg. dialogus (
vom j. 1572,
Münchener hs. 957
bl. 3). 2@a@gγ)
hessisch: in nobis haus da schleget das hellisch fewer zum fenster hinaus. E. Alberus
der barf. münche Eulensp. E 4; dort nieden in der hellen .. ligt ein wirtshausz, ein grosz tabern, .. da ists so warm, da schlecht der flam auch allezeit zum fenster nausz, man nennt es auch in nobis hausz. Waldis
Es. 3, 87, 42; (
er) fuhr bald hin in nobis hausz, da schlegt der flam zum fenster ausz. 4, 65, 55. 2@a@dδ)
nürnbergisch (
vergl. Schm.
2 1, 1714): fahr ich dahin in nobis-hausz da schlecht das fewer zum gibel ausz. H. Sachs 11, 461, 15; schweig, du bist ietzt in nobis hausz (
im fegfeuer). du wirst noch ein weil hinnen sitzen, bei andern armen seelen schwitzen. 14, 242, 29
u. öfter. 2@a@eε)
die folgenden gebrauchen neben dem hd. nobishaus
schon das allmählich vordringende nd. nobiskrug (
s. 4,
a, γ): als Eulenspiegel ward zu schwach, da wolt man thun auch zu der sach, das er nicht stürb so ungebeicht, und führ in nobishaus vielleicht. Fischart
Eulensp. 277
b; Stephanus der 6 ward, als man vermutet, mit ebenmäszig practik (
mit gift) inns mollenreich oder inns nobishausz abgefertiget.
bienenk. 232
b; und lauft mit im in nobis haus. Heros (
zu Roth an d. Rednitz)
ird. pilgerer 47
a; und will ihn mit gehn helle führn zum dantze in das nobiszhausz. Ayrer 3196, 9. 2@bb)
auf alem. gebiete kommt aber auch die form obishaus
vor, als begräbnisort der verdammten gedacht (
vergl. Germania 26, 80. 178
ff. 197): weil der alte Bappenhaimb (
der so viel übels gethan) gestorben und wohl zu glauben in obiszhausz begraben. S. Bürster 125 (
zum j. 1639). 2@cc)
eine abgelegene schenke (
neben der kirche? s. 4,
b, α):
in einem denkmale baier. mundart: edelman. wann wiltu eigentlich bei mir sein?
münch. auf den künftigen freitag.
edelman. wolan, ich wil in nobishaus dein warten. Schade
sat. 3, 110, 18 (
vom j. 1525). 33)
nobiskratte, m. (
s.kratte
th. 5, 2070
u. Germ. 26, 89
f.),
schweiz. in nobiskratten kommen, der höllen zufahren. Denzler 214
a und darnach bei Aler 1476
a;
in Toggenburg (
kanton st. Gallen)
versteht man unter nobiskratten
den aufenthalt ungetauft verstorbener kinder. Stalder 2, 240.
zeitschr. für myth. 4, 2
und dazu German. 26, 85
ff.; im Luzerner gäu nennt man eine betschwester '
mutwilliger weise' nobiskratten Stalder
a. a. o. und dazu die vermutungen in Germania 26, 90. 44)
nobiskrug, m. ein nd., ebenfalls nicht vor dem 16.
jh. aufkommendes wort, das schon in demselben jahrh. nach Oberdeutschland gedrungen und allmählich ganz an die stelle von nobishaus
getreten ist. 4@aa)
der krug,
das wirtshaus der hölle, die hölle, die unterwelt (
s. th. 5, 2434,
wo auch nobiskrug
schon kurz besprochen ist). 4@a@aα)
nl. nobis-kroech (
hol. septent.)
orcus, antrum plutonium Kilian 338
b;
mnd. nobeskroch Schiller-Lübben 3, 190
b (
von einem ereignisse des j. 1588);
brem. he is na'n obskroge '
er ist nicht mehr in der welt, man weisz nicht, wo er geblieben ist.'
brem. wb. 3, 254. 4@a@bβ)
in nord- und mitteldeutschen schriften: ach wo musz ich armer tropff hin .. ich glaube in nobis krug, da man die
[] öpffel auff dem simsen brat.
V. Schumann
nachtbüchlein (1559) 2, 33
b; so faren wir dann in nobis krug. Römolt (1564) F 1
b; da sol sein die güldne zeit, das man in zum nobis kruge tregt. Buszlebius
spiegel (1568)
v. 1526; sihe, die stunde ist nicht weit, darumb du dich von stund bereit, mit uns zu gehn nach nobis krug.
v. 1659; jene aber sind dahin in nobiskrug gefahren. Luther
tischr. (1571) 418
a; (
der jude) fuhr also hin inn nobiskrug, nicht in Abrahams schosz. G. Nigrinus
fegfeuers ungrund (1582)
vorr. 63
a; darauff sie sagt, sie wirdt dolent (
heute) me in nobiskrug sein. Thurneiszer (
ein geborener Baseler, der aber früh nach Norddeutschland kam)
nothgedr. ausschreiben (1584) 3, 85; so würde in nobis krug ein tantz. Hayneccius
H. Pfriem 2132; an leib und seel viel Cains kind in nobiskrug versuncken sind.
der postreutter (1591) B 2
a; der schwartze engel hole dich, und geb dir noch einmal genug dort in dem roten nobiskrug. Ringwald
l. w. 405; wie ich denn auch in diesem zug noch einen (
verdammten) in dem nobiskrug vernam.
tr. Eck. K 2
b; o jud, wo werd ich dich wol heut oder morgen finden? in nobis krucken (
numquid orci in culo)? O. Melander
jocoseria (1602) 548; dein seel fahr hin in nobiskrug, da ihr ist qual genug. Knösel
kunstbossen (1619) C 3
b; das würde ihnen ein offne thür sein zum himmelreich auff erden, ja zum teuffel in nobiskrug! Schuppius 880; zieht immer hin in nobiskrug und kommet nimmermehr zurücke! Filidor
die Wittekinden (1666) C 1
b; im nobiskrug, da man die äpffel an den fenstern brät. S. Dach
zeitvertreiber (1668) 244; sein leben und wandel war nicht dorthin (
himmel), sondern vil mehr zu nobiskrug und zu desz teuffels weeg gerichtet. Albertinus
narrenhatz 401; doch dieses thun und liederliche scheiden in nobiskrug musz gehen. J. G. Burckhart
Charilene (1672) 26; in nobiskrug gewesen sein. Chr. Weise
Floretto 74; wie Francion auf einem stuhl in den nobiskrug fähret.
historie des Francions (
Leyden 1714) 9.
cap.; in nobiskrug kommen,
to go to the devil Ludwig 1077.
die form obiskrug
weist Vilmar 284
nach: zih erst hin, seh mit aller trew ob sie (
die eltermutter) auch in dem himmel sei, dann wann sie wer in obiskrug, da ist ihr ohn das warm genug. J. Gilhausen
comöd. grammatica (
Marburg 1597) 97. 4@a@gγ)
in oberdeutschen schriften des 16.
und 17.
jahrh. (
bei Heros, Fischart
und Ayrer
noch neben nobishaus,
s. 2,
a, ε): jetzt ist sie (
die seele) gfarn in nobiskrug, da man die kalten küchlein buch. Heros
ird. pilgerer 47
a; (
ihr) schreit doch und schreibt on underlon von einer reformation. wenn gschicht es?ja, im eulenflug, ich denck, ir sparts in nobiskrug. Fischart
Dominici leben (1571) X 2
b; sie leckten vor durst die kacheln oder rfften wie der reich man im nobiskrug nach eim nassen finger.
Garg. 53
b; geh zu Chairon in nobiskrug! .. derselbig wirth herbergt dich gern. Ayrer 2669, 9;
teufel. du lebst noch bei drei jaren schir, darnach fehrst du in nobiskrug. 2718, 30;
teufel. sih da mein juncker Stubenrauch .. biss viltzkommen in nobis krug. D. Klein
teuffelische canzelei (
Ulm 1625) 106,
Alemannia 2, 260; welches beide (
krankheiten) gewisse staffeln seind nach nobiskrug.
schreiben des kurf. Karl Ludw. v. d. Pfalz u. der seinen 409
Holland; wann sie wünschen, hundert tausend teufel sollen sie holen, in die lüffte (ja in nobis-krug) hinweg führen und zu hundert stückern zerreiszen.
Simpl. 2, 663, 5; und will dich endlich zu deiner diebeszunft hinunter in den nobiskrug schicken, allwo du .. hitze genug empfinden wirst (1684) 3, 385; im nobiskrug kommen wir alle einmal nach dem tode zusammen; da wird karten gespielt, und die, welche das hier nicht gelernt haben, müssen fidibus pflücken. Kuhn
nordd. sagen 132. 4@bb)
ein wirtshaus, 4@b@aα)
das der teufel neben die kirche baut (
vergl. Germania 26, 78. 197),
zunächst im nd. Agricola (1528?
vergl. Germania 26, 84)
nr. 23
bl. 14
a: by desser kerken ... buwet de düvil einen nobiskroch (bei dieser kirchen .. bawet
[] der teufel einen nobiskrug.
sprichw. 1558 19
b),
sodann bei A. Musculus,
vom hosenteufel (
Frankf. a. d. O. 1556) D 2
a: so will der teuffel auch sein, da die kinder gottes am dickesten stehen, und wie das sprichwort lautet, bawet er alzeit sein capel und nobiskrug, wo got seine kirche hat. 4@b@bβ)
in nd. gegenden ein grenzwirtshaus ('
bei dem man gleichsam im andern lande anlangt.'
myth.4 837,
vgl. Germania 26, 82. 177
ff. mit zahlreichen nachweisen). Schütze 3, 150. Gödeke
in d. zeitschr. für Niedersachsen (1852) 367
f.; ostfries. nobiskroog '
name einiger dorfschenken'. Stürenburg 160
a. 55)
nd. nobiskule, f. (
s.kaule,
grube th. 5, 348)
in einer oldenburg. sage, s. Germania 26, 185. 66)
nobisthor, n. name eines thores zwischen Hamburg und Altona (
Hamburg. unparth. korrespondent 1825
nr. 201),
dessen zusammenhang mit einem nobiskrug
nachweisbar ist (Müllenhoff
sagen 604),
obwol jetzt der name von der inschrift (
nobis bene, nemini male)
hergeleitet wird. Bädeker
Deutschland (1855) 2, 42. 77)
nobiswirt, m. der teufel. Herrig
archiv 26, 398 (
aus einem volksliede vom j. 1585,
in welchem der teufel, der Heinrich den Löwen nach Braunschweig zurückträgt, der nobiswirt
genannt wird).
nobiswirtshaus wie nobishaus 1. Garzoni
schauplatz aller künst (
Frankf. 1641) 739
a.