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zunft

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zunft f.

Bd. 32, Sp. 574
zunft, f. , ein oberdeutsches wort, ahd. zumft Graff 5, 666, mhd. zumft, zunft mhd. wb. 3, 891b; Lexer 3, 1177. den andern germ. sprachen und dem nd. fehlt es (bis auf einmaliges, dem hochd. nachgebildetes missetumft Wadstein 17). erst in der anwendung auf die handwerkerverbände hat es sich über Mitteldeutschland und als lehnwort ins niederdeutsche verbreitet. von der Schweiz aus ist es in roman. maa. übergegangen als chomffe, das früher eine handwerkergenossenschaft, dann das eintrittsgeld in eine solche, auch ein lösegeld bei der verheiratung bezeichnete, jetzt eine gesellschaft unverheirateter burschen Tappolet alem. lehnw. 2, 194 f. auch das lat. der urkundensprachen übernahm zunfta, monopolium, collegium W. Brack 2b; Ducange 8, 434c. s. a. bei zünfter, zunftmeister. mit dem aufkommen der bed. II brauchte man einen pl., der regelmäszig zünfte heiszt, wofür gelegentlich zunften Logau 682 Eitner u. ö.; Lohenstein Armin. (1689) 1, 359b; M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 179, auch zünften Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 22; Hohberg georg. cur. 1, 43. II. zunft als verbalsubst. zu ziemen steht dessen allgemeiner moralischen bedeutung fern. man musz für dieses eine ältere an rechtsbrauch und -formeln gebundene anwendung annehmen, die jener zu grunde liegt, 'einverständnis abgeben', 'übereinkommen', wie noch in dem wörtlich übersetzenden goth. gatimid συμφωνήσει Luc. 5, 36, so auch ahd. gizamida decretum, gizamunga conventiones. ahd. zumft, gizumfti ist überall pactum, consensus, conventio, foedus: hic continet quoque populos iunctos sancto foedere tiu selba minna habet auh tie mennisken zesamine mit heiligero gezumfte Notker 1, 125 P. IIII. von der bedeutung 'vertrag', 'abrede' ist die benennung der handwerkerverbände ausgegangen. zunft verhält sich in diesem sinne zu dem älteren wie orden zu ordo 'ordnung' th. 7, 1317, zu vergleichen ist auch das neuzeitliche fremdwort trust. die bedeutung wird so alt sein, wie die sache, u. ist älter als die belege, die erst mit der verwendung des deutschen in urkunden u. chroniken auftreten. früher erscheint es in der dichtung, aber in abgeleiteter anwendung, die den ausdruck als fest eingewöhnt voraussetzt: zwên ritter die sich niht bewarn kunnen an ritterlicher zunft Wolfram Parz. 122, 17; er hete nâch des tôdes zunft enphangen (vgl. die zunft gewinnen) Konrad v. Würzburg Troj. 33 534. dazu gezunfte für 'gefolge': sie (die drei könige) brâchen ûf iesâ zustede und allez ir gezunfte erlösung 3382 Bartsch. in gleichem sinne schon im 12. jh.: welhe semfte mit dere meisten zumfte da guinnent die hie durh got die viante tragent unde minnent himelriche 219. die engere heimat dieser benennung innerhalb des oberd. liegt vermutlich auf alem. gebiete. dort hat sich zunft besonders lebendig erhalten und besonders viele im zunftleben entstandene ableitungen gebildet, s. zünfter, zunftbüchse, -büttel, -freiheit, -gesicht, -gesellschaft, -herr, -meisterlich, -pfleger. in rascher ausbreitung ist es im ma. vom ganzen hochd. gebiet aufgenommen, daneben blieben andere, ihrer bildung nach deutlichere wörter, wie einung, innung (mittel- u. niederd.), amt (niederd.), auch gilde (niederd.), landschaftlich beschränkt. zunft wurde zugleich zum träger der gesinnung des durch die ausbildung nach festen regeln, durch seine satzungen gebundenen, zur ordnungsmäszigen ausübung verpflichteten handwerks, s. Jacobsson 2, 208b, überhaupt zum inbegriff bürgerlicher ordnung: daher dann die poeten sagen, das durch das künstlich lautenschlagen die stätt gebawen seyen worden und gbracht zuo zünften und in orden Fischart ein artl. lob der lauten 510 Hauffen. II@11) die mittelalterliche zunft im eigentlichen sinne: II@1@aa) in mannigfacher paarung mit verwandten wörtern: handwerke und zünfte Stolle thür. chron. 148 lit. ver.; B. Schupp schr. (1663) 8; vil löblich bruoderschaft und burgerlich zunft Berth. v. Chiemsee 335; alle zunft und brüderschaft Joh. Nas antipap. eins u. hundert 4, 204a; zünfte und innungen urkundenb. d. stadt Freiberg i. S. 3, 169, s. bei b; E. M. Arndt f. u. an s. l. Deutschen 2, 118; kein werck, z. oder gilde Schütz hist. rer. pruss. (1592) 3, x ia; zünfte und gilden Alexis Roland v. Berlin 1, 18; 33; kaufleute, compagnien, zünfte, innungen Leibniz dtsche schr. 1, 243; jeglich handthierung, göffel (gilde, wie gaffel A. Götze frühnhd. gl.2 94b) und zunfft Fischart bienenk. (1588) 202a; zech oder zunfft Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 525; Lori baier. bergrecht 140; i. f. d. wolten ihnen (den evangelischen) alle privilegia bey zunfften und zechen nehmen acta publ. 2, 237 Palm. später versuchte man diese ausdrücke begrifflich zu unterscheiden, wobei man die wirtschaftlichen verbände zünfte nannte, 'sofern sie abtheilungen der bürgerschaft sind' (vgl.d) Hübner-Rüder 4, 1038a; Eberhard syn. 4, 189. II@1@bb) das leben der zünfte zeigt sich in bestimmten ordnungen u. gebräuchen: item es sal ouch kein fremder uff ir handwerg genomen werden, er habe danne das handwerg alhir bey yn addir in andern .. steten, do sy ouch czumpffte und ynnunge haben, und nicht uff dorffern gelernt urkundenb. d. stadt Freiberg i. S. 3, 169; und als nun das crütz mit allem hailtuomb für in kam und der thuombherren kertzen und aller zunft kertzen Richental chr. d. Constanzer conz. 99 lit. ver.; es hett auch ein yeglicher stand und z. ir zaichen A. Dürer tageb. 55; krämer ... die sollend haben ein z. und ein panner Tschudi chr. helvet. 1, 342; als ihre zunft den jarstag hat Fr. K. v. Erlach volksl. d. Dtschen 1, 473; die ältesten einer zunft (müssen) von der arbeit eines jungen meisters urtheilen Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 482; soll man nicht eher als bis ein meisterstück vorhanden ist, die z. gewinnen? Hippel über die ehe (1779) 46; der bauer hat keine z. W. Riehl die dtsche arbeit 41. dementsprechend die z. verlieren. sonstige formeln: ein zumfft ... zuosamen beruoffen Frisius 245b; einen in die z. aufnehmen. aus der z. stoszen Stieler 2646; um in meiner z. zu bleiben Lindenborn Diogenes 1, 15; die z. beachten (die begrüszungsformen) R. Thomas unter kunden 28. je mannigfaltiger die gewerbe unterschieden wurden, um so mehr zünfte gab es: das holtz ward ihm von der z. der kärchelzieher heim gefärtiget Fischart geschichtklitt. 247 ndr.; die leineweber haben eine saubere zunft F. L. Mittler dtsche volksl. 944. II@1@cc) zunft als versammlung und versammlungshaus der zünfte: auf das man dich nicht in der zunfft schelt einen groben unvernunfft Barth. Ringwaldt lauter warheit v. 104; der wynrieffer ist ein michel teil, die eim syn ere yetz tragent feil uff den zünfften, uff der gassen Murner narrenbeschw. 123 ndr.; des sontags buochstab suoch man auff den zünfften und stuben (beim trinken) Fischart praktik 3 ndr.; Oporinus aber hatt sins vatters zunfft zum himel (name e. hauses,) den derselb was ein verriempter maler Th. Platter 89 Boos; so dan andre unsre guote günner von unsrer z. zum bären Fel. Platter 314 B.; den 11. octobris wurde die erste séance auf der z. zum göldnen ancker gehalten bibl. ält. schriftw. d. Schweiz II 1, 12; noch vor acht tagen auf der z., sagt ich, es würde schwere händel geben Göthe 8, 202 W. allgemeiner: damit die verheissung vom weibs samen in öffentlichen zünfften oder versammlungen bey der ertzväter altar erkleret ... würde Mathesius Sarepta (1571) 7b. II@1@dd) in den ständekämpfen wurden die zünfte politische verbände gegenüber dem rath und den geschlechtern und bekamen in vielen städten ihren antheil am stadtregiment, vgl. zunftmeister 3: ze dem ersten haben wir unsern rate also geordent ... us allen hantwercken der gemeine unser stat achtzehen zunfte, der ieglichiu einen zunftmeister haben sol, der an den rat ge zweites Augsburger zunftbuch (1368) chr. dtscher st. 4, 135; also fragten (wegen der abschaffung der abgaben) die zunftmaister ir zunftlút. do sprachen all zünft in der statt chr. dtscher st. 4, 109 (Augsburg); des aber .. durch grosen fleisz kunig Karels ... wyderbracht, auch solche auffrur (der Gaisbärte 1348) gestilt, nyder getruckt, die zunfft abgetan und die statt wider in das alt regiment der erbern gesetzt ebda 3, 276 (Nürnberg); ein rath hieng Carolo an, die zünfften aber waren im wider Seb. Franck chron. Germ. (1538) 204b; dise statt (Schaffhausen) ... wirt regiert durch zween burgermeister, räht und zünfft Stumpf Schweytzer chron. 416; für ihm wurden unterschiedene taffeln getragen, auf welchen .. die unterscheidung des adels und der zunften .. zu schauen war Lohenstein Armin. (1689) 2, 423b; die rege Zürich waffnet ihre zünfte Schiller 14, 384 G., burg gegen burg, stadt gegen stadt, zunft gegen adel fehde hat Göthe 15, 1, 254 W. (Faust 10 265); indem viele ... ihre zuflucht nach Aachen nahmen, wurde hier im jahre 1574 mit einwilligung der rathsverwandten und der zünfte eine neue rathsordnung gemacht Ranke 7, 121. II@1@ee) zunft für ähnliche verbände und gliederungen in der stadtgemeinde, besonders in Rom für tribus Frisius 459a; 1043a; 1329b; Bas. Faber (1587) 884b; Hulsius (1618) 2, 421a, curia Frisius 356a; Maaler 524b; Corvinus 225, decuria Frisius 370b, centuriata comitia 210a; Corvinus 178, s. zunftmeister: da stelten die zünfte (tribus) das gesetz von der theilung der äcker ab Heyden Plinius 47; ferner errichtete der senat, die ritter und die zünfte zahllose bildsäulen H. Meyer gesch. d. bild. künste 3, 184. auch von weiteren stammes- und volksgliederungen: es sind auch die Boier so mächtig gewesen, dasz sie 112 gemeinden oder zünfft gehebt haben Stumpf Schweytzer chr. (1606) 159a; die zünfte Israel Hulsius; Kramer 2, 1485c; der Athener rott oder zunfft, phratores genant, erschluogen alle hund, so in ihren rath, zunfft und versammlung kamen Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 62a; die stadtquartiere, zünfte (φρατρίαι) und geschlechter hatten über ihre mitglieder schirmrechte J. v. Müller 1, 72; sondere jetzo die männer nach ihren stämmen und zünften, und lasz zunft der zunft und stamm dem stamme dann beistehn Bürger 199a Bohtz (Il. 2, 362). neuerdings nur in engerem anschlusz an b und d: die z. der seidenhändler (Kleinasien) Ritter erdk. 17, 494, der eisenarbeiter Mommsen m. gesch. 14, 179, der Bramanen J. Albr. v. Mandelslo morg. reisebeschr. (1696) 100 Olearius, der Schamanen Peschel völkerk. 277, der fishmongers Moltke 6, 361, der bettler Ratzel völkerkunde 3, 601. II@22) zunft in lobendem oder tadelndem sinne. II@2@aa) zunft als inbegriff des ehrlichen handwerks: alle ehrliche zünfte und collegien haben unechte und unzüchtige leut ausz irer zunfft geschlossen Mathesius 3, 289 bibl. dtscher schriftst. aus Böhmen; ein lecherlich zunfft ist mir das, da niemant sein eygen handwerck recht kan Luther 7, 637 W.; die ämter und zünffte müssen so rein seyn, als wenn sie von denen tauben gelesen Pistorius thes. paröm. 762; bosheit entehrt die zunftgenossen, aber niemals die zunft H. P. Sturz schr. 1, 163; wollen wir also ein festes .. ehrbares und gehaltenes bürgerwesen haben, so müssen wir unsere bürgerschaften ... wieder in sichere schranken von innungen und zünften schlieszen E. M. Arndt für und an seine lieben Deutschen 2, 118; ehrbare, ehrliche, ehrenwerte zünfte. II@2@bb) man sieht in z. das ausschlieszende, eigensüchtige, hindernde, veraltete, vgl. zunftgeist: das einem frey zugelassen werde, sein hantwerck zu arbeiten, unverhindert durch die z. Luther 18, 536 W.; männer von zünfften regieren mit schlechten vernünfften Hans Sachs bei Lehmann floril. (1662) 2, 592; handwercksleute haben zunfften, haben ordnung und gesetze, dasz sich niemant in ihr mittel, sein gewerb zu treiben, setze, ... der nicht meisterstücke machet, macht ihn gleich das werck zum meister Logau 642 Eitner; von den geschlossenen zünften ..., welche ein augenscheinliches hindernisz des wachsthums der städte sind Gottsched neueste aus d. anmuth. gelehrsamkeit 1, 36; der finstre despotismus der zünfte G. Forster 3, 92; im bann der zunft und schule deutsche arbeit 38; stell wieder her das halsgericht, das peinliche Karls des fünften, und teile wieder ein das volk nach ständen, gilden und zünften H. Heine 2, 467 E. auch hält man den zünften ihre gelage vor: zunft und zechen sind verwand, eines zwiefach nur genant Logau 35 Eitner. II@33) zunft bezeichnet einfach die zugehörigkeit zu einer gleichartigen gruppe, classe. von einer z. sein heiszt dann zugehören, in eine z. treten sich zugesellen. II@3@aa) früh erscheint es so in tadelndem sinne, zunächst in naher anknüpfung wie der narren, der schelmen z.: was wunder, wenn er (der student) sich in dieser zunft befindet, weil er sein ganzes wol auf unverstand gegründet Seb. Brant narrenschiff 9 Z.; der schelmen zunfft hat mich erwelt und für eyn schreyber hargestelt Murner schelmenz. 1 ndr. (ähnl. Gäuchmatt 24 Uhl); ob unter uns fraw oder mann auch sey in der ehbrecher zunfft H. Sachs 21, 282 G.; mit der ... romanisten bintnüs und z. (cum romanistarum factione) Hutten 1, 385 Böck.; aus der schwermer z. und gilde werffen Luther 23, 113 W.; wer ... unrecht und ubel straffen soll und denn kein maul hat, der ist in gleicher z. mit dem miszthäter Lehmann floril. (1662) 2, 732; ein unzüchtig weib wolt gern jede in ihr zunft setzen 2, 890; hanreyschaft ist die vornehmste z. Pistorius thes. paröm. 396; die armselige z. jener tyrannenbändiger und regentenwürger Herder 17, 65 S.; der narren z. H. Sachs 7, 192 K.; der säu z. 20, 294 G.; der hurer z. Eyering 2, 494; der thoren zunft Jac. Ayrer 2034 K.; der diebe und rauber z. Gretter erkl. d. ep. Pauli an die Römer (1566) 99; wilder thiere z. Logau 471 Eitner; die z. der galgenvögel J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 307; der spötter z. Pfeffel poet. vers. 1, 154; des teufels z. Abrah. a st. Clara Judas 1, 685; eine böse, schlimme, saubere zunft. II@3@bb) daneben bezeichnet es die zugehörigkeit schlechthin, bes. beliebt im 17. und anfangenden 18. jh.: wo ausz dem (christl. haufen) ein seel oder geist ausz firwitz, hoffart allermeist durch menschlich witz und vernunfft ausz der einfalt christlicher zunfft von gottes wort geht ausz spacirn H. Sachs 6, 202 K.; bist auch villeicht ausz unser zunfft? Nic. Frischlin dtsche dicht. 41 D. Fr. Strausz; ich bin in der kleinen kinder z., die kein zeen haben Eyering 3, 58; lebstu mit vernunfft, so kompst nimmer in der armuot zunfft Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 54b; kein sünder wird ja dann der frommen wohn beflöcken, noch sich under die zunfft der gerechten verstöcken G. Weckherlin 1, 300 Fischer; ein freund, der nie mir hilft, ein feind, der nichts mir thut, sind beyd in einer zunfft, sind beyde gleiche gut Logau 373 Eitner. das kreuz war der gewöhnliche lohn solcher Galiläer und aufrührer, in deren z. man Christum zu mengen sehr bequem finden muszte Herder 19, 184 S.; die weiblich z. H. Sachs 14, 135 K.; der götter z. Opitz t. poemata 179 ndr.; Rachel sat. ged. 58 ndr.; der menschen z. Weckherlin 2, 35 F.; der christen z. A. U. v. Braunschweig Octavia 4, 151; der weisen z. Gottsched ged. (1751) 1, 170; Brockes ird. vergn. 3, 7; der hirten z. Hagedorn poet. w. (1769) 3, 131; weiser trinker z. Gleim s. schr. (1798) 1, 78. überhaupt menge, schar, corpus Frisius 337b; es wirt ein grosse zunft bibl. ält. schriftw. aus d. Schweiz I 5, 28; so lasz uns zu ihren füszen nu werfen in einer zunft G. Weckherlin 1, 102 Fischer; hierauf folgt eine zunft von süszen musicanten P. Fleming deutsche ged. 1, 45 Lappenberg; gantze carawanen, das ist gantze zünfte oder gesellschafften reisender kauffleute E. Francisci luftkreis (1680) 1082; und hofmeistre die tolle zunft (der lärmenden kinder) C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 92; hernach aber wollt ich erschauen, was das für eine heilige junge z. sei, die dort in kutten zur schule geht Scheffel 2, 162. auch übertragen: der düstern sorgen schwarze zunft Stoppe Parnasz (1735) 5. II@3@cc) derselben literatur eigen ist die anwendung auf die gelehrten und dichter, zunächst im sinne der ehrbaren zünfte. ihre zunft ist die berufene pflegerin der edeln und freien künste: Dafnis, der ein schutz der hürten, Dafnis, der die zunft ergänzt, ... welcher billich wird geheiszen eine fakkel von den Preuszen Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 1, 432; ich singe von der frau, die um den Pleiszenstrand den deutschen Harlekin aus ihrer zunft verbannt, sich selbst bezwungen hat, die bühne stets gebessert Rost verm. ged. (1769) 4; neidische schriftsteller, die sich in das fach der kritik werfen, um sich an der ganzen gelehrten z. zu rächen Ramler fabellese (1783) 1, 281; wir verständigern leute, wir z. in prosa Heinse 3, 414 Schüddek.; eine neue zunft von .. meteorologen Lichtenberg verm. schr. 9, 324; der schöpfer Ruszlands selbst, Peter, liesz sich zu ihrer (der akademie) zunft zählen Herder 23, 53 S.; die republik besteht aus aldermännern, zünften und volke Klopstock gelehrtenrep. (1774) 3; die darstellenden zünfte 13; die abhandelnden zünfte 14; wo die nationalgesänge einer solchen z. anvertraut sind W. Schlegel Athenäum 2, 307; das höchste in der physik ist jetzt vorhanden, und wir können nun leichter die wissenschaftliche z. übersehen Novalis 2, 41 Minor (ähnl. 2, 22; 24; 26; 34; 4, 175). daneben aber drückt es auch den tadel der abgeschlossenheit und enge aus: es sind nicht alle gelehrte leute, die grosze ansehnliche bärthe haben, sonst würden die ziegenböck auch mit in die z. kommen Corvinus (1648) 104; stieszen mich auch gleich poeten ausz von ihren klugen zunfften weisz ich schone, freund, dein arten, weisz ich deine wolvernunfften Logau 516 Eitner; der pedanten zunfft Hoffmannswaldau 1, 220 Neukirch; unsre ganze z. von moralisten und wochenblättern mag sich darüber beklagen Herder 5, 233 S. (ähnliches 3, 322; 5, 319); die deutsche sprache wurde nicht in die lehre genommen und in keine zunft zugelassen Jac. Grimm th. 1, vorrede v; den deutschen universitäten musz man überhaupt nachrühmen, dasz sie den deutschen schriftsteller, mehr als jede andere z., mit allerlei narren versorgen H. Heine 3, 347 E.; auch bei der streng gelehrten forschung blickt er fortwährend über die schranken seiner z. hinaus Treitschke hist. und polit. aufs. 1, 367. II@44) vorübergehend hat die naturwissenschaft z. für ihre eintheilungen verwandt: unter diese z. gehören auch die flechten oder zitrachten J. Agricola chir. (1643) 591; gleich wie nun in die z. der feuchten cörperen gehören die festen, zähen, oder schleimigen ölichten, wässerichten sachen, also sind eine gattung der trockenen cörperen die dürre J. J. Scheuchzer physica (1711) 1, 57; es hat aber das edelleberkraut vor andern kräutern seiner z. zur sicheren unterscheidung voraus, dasz ... Ehrhart pflanzenhist. (1753) 2, 59. schematisch bei Oken 1, 17; 629; 3, 29 u. ö. II@55) die verschiedene auffassung und verwendung zeigt sich auch in den zusammensetzungen: II@5@aa) zunft ist das bestimmte: handwerkszünfte Kramer 2, 1485b, schmiedezunft B. Schupp schr. (1663) 474, priesterzunft Rachel sat. ged. 73 ndr., schelms-, diebs-, mörder-, henkerzunft Stieler 2646, schelmenzunft Murner; Kramer, hexenzunft Grimmelshausen 2, 34 Keller, jungfernzunft Rachel sat. ged. 136 neudr., weiberzunft Kramer, rosenzunft Ph. Zesen helikon. rosentahl, titelblatt, poulardenzunft almanach f. leckermäuler (1804) 91. II@66) zunft ist das bestimmende. auszer den alphabetisch angeführten, welche zumeist aus dem lebendigen zunftwesen stammen, bildet man, dieses als veraltet u. dann rein geschichtlich ansehend, eine menge von zusammensetzungen, wie zunft-abgaben, -besitz, -brauch, -ehrbarkeit, -eid, -einrichtungen, -essen, -fest, -freund, -geheimnis, -gemeinde, -gewohnheit, -glied, -grad, -gut, -handwerk, -herberge, -lade, -lasten, -leben, -lehre, -mitglied, -organ, -privileg, -regiment, -richter, -schmaus, -schule, -siegel, -silber, -sprache, -urkunde, -verband, -verfassung, vermögen, -versammlung. adj., wie
19982 Zeichen · 464 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zunftstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    zumft , zunft stf. zunft. zu zemen, wie vernunft zu vernemen, kunft zu komen. ahd. zumft, gazumft lat. convenientia, pac…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zunft

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Zunft , plur. die Zünfte. 1. Eine Anzahl, oder Menge Menschen Einer Art; in welcher weitesten Bedeutung z. B. ein St…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zunft

    Goethe-Wörterbuch

    Zunft [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zunft

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Zunft (Innung, Gilde, Zeche, Gaffel), organisirte Genossenschaft von Handwerkern einer Gemeinde od. eines Bezirks, mit b…

  5. modern
    Dialekt
    Zunft

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Zunft vereinzelt Pl. Zunften Ro AHeide f. 1. in hd. Verordnungen des 18. und 19. Jh. statt des heimischen Amt ( s. Amt 1…

  6. Sprichwörter
    Zunft

    Wander (Sprichwörter)

    Zunft 1. Da kommt auch einer aus unserer Zunft, sagte der Köhler zum Schornsteinfeger, als er einen Priester sah. Holl. …

  7. Spezial
    Zunft

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Zunft f. (-, Zünfte) 1 (Verband) assoziaziun (-s) f. 2 corporaziun (-s) f. 3 lia (lies) f. ▬ von der Zunft sein ester dl…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zunft

204 Bildungen · 136 Erstglied · 66 Zweitglied · 2 Ableitungen

zunft‑ als Erstglied (30 von 136)

zunftälteste

DWB

zunft·aelteste

zunftälteste , m. : die zunftältesten acta publ. 8, 42 Palm; Klopstock gelehrtenrep. (1774) 124 . —

zunftberechtigt

DWB

zunft·berechtigt

zunftberechtigt , zunftwidrig . mit tadelndem sinne: zunftabschlieszung, -bann, -beschränkung, -despotismus, -dünkel, -monopol, -neid, -plac…

zunftbildung

DWB

zunft·bildung

zunftbildung , f. , bildung von zünften Bismarck pol. reden 1, 138 ; 143. anders: das verlangen nach einer höheren als bloszer handwerksmäsz…

Zunftbittel

ElsWB

zunft·bittel

Zunftbittel zum Spiegel ’ Testament Spielmann 1782. ‘der Büttel derjenigen Zunft allwo der Tantz gehalten wird’ Strßbg. Hochzeitordnung 1664…

Zunftbrauder

MeckWB

zunft·brauder

Zunftbrauder m. Mitglied einer Zunft von Handwerksmeistern oder -gesellen: 'n richtigen Zunftbroder bün ick nich wäst (Maurer 1921) Ha Witt …

zunftbrief

DWB

zunft·brief

zunftbrief , m. Lexer 1077 ; Adelung : da las man die zunftbrief, wie sich ein yeder halten solt gegen seinen gesellen, gegen den meistern, …

Zunftbritzel

RhWB

Zunft-britzel -ets- ebd. f.: Brezel, anlässlich der Burschenfeiern gebacken.

zunftbruder

DWB

zunft·bruder

zunftbruder , m. Diefenbach 152 c ; Frisius 356 a ; 1329 a ; Dentzler 2, 368 a , mhd. zunftbruoder Lexer ; diweil er sein landsmannus ist un…

zunftbuch

DWB

zunft·buch

zunftbuch , n. Golius 160 ; Kramer 2, 1485 c ; Adelung : ausz dem zunfftbuch der statt Antorff E. v. Meteren niderl. krieg (1614) 16 a ; ein…

zunftbüchse

DWB

zunft·buechse

zunftbüchse , f. : der schlussel zu der zunftbuchsen gehorig urkundenb. d. st. Heilbronn 2, 389. —

Zunftchnëcht

Idiotikon

Zunftchnëcht Band 3, Spalte 733 Zunftchnëcht 3,733

zunftehre

DWB

zunft·ehre

zunftehre , f. : nur wer zunftgerecht seine schule gemacht, darf die wahre zunftehre für seine arbeit fordern W. H. Riehl dtsche arbeit 37 ,…

Zunfter

Campe

Der Zunfter , — s, Mz . gl. ein Mitglied einer Zunft, ein Zunftglied, Zunftgenoß , der Zunftverwandte .

zunftfähigkeit

DWB

zunftfaehig·keit

zunftfähigkeit , f. : z. der schäfer allg dtsche bibl. 69, 359; turnierfähigkeit oder z.? J. Möser 5, 278 . —

zunftfahne

DWB

zunft·fahne

zunftfahne , f. : da die maurer in eine neue herberge zogen, und ihre zunftfahne dahin trugen J. G. Jacobi s. w. 7, 168 . —

zunftform

DWB

zunft·form

zunftform , f. : mit den herkömmlichen zunft- und schulformen Riehl deutsche arbeit 37. —

zunftfreiheit

DWB

zunft·freiheit

zunftfreiheit , f. : und wie sie auch vernommen haben, dasz etliche keszler und andre handwercksleute, die darin und in solche zunfftfreihei…

zunftfriede

DWB

zunft·friede

zunftfriede , m. : der collegial- und zunfftfrieden Dannhawer cat.-milch 6, 482 .

Zunftg(e)wërb

Idiotikon

Zunftg(e)wërb Band 16, Spalte 1115 Zunftg(e)wërb 16,1115

zunft als Zweitglied (30 von 66)

Amtszunft

DRW

amts·zunft

Amtszunft Zunft 1600 DürenWQ. 212 Faksimile eine amptzunfft-schragen oder geschloszene gilde und brüderschafft 1605 Stieda-Mettig 279 (nr. 2…

Ankerzunft

Adelung

anker·zunft

Die Ankerzunft , plur. die -zünfte, eine von den zwanzig Zünften der Bürgerschaft zu Strasburg, zu welcher die Schiffbauer, Schiffszimmerleu…

diebszunft

DWB

dieb·s·zunft

diebszunft , f. manus furum, wie diebsbande. in die diebszunft gehören Lehmann 137 . Stieler 2646 .

gezunft

DWB

gezunft , gezunfte , f. später auch neutrum, verbalabstractum zu gezemen ( s. geziemen sp. 7063 ff. ), reicht in dieser form bis in das 16. …

humpelærezunft

KöblerMhd

humpelære·zunft

humpelærezunft , st. F. nhd. Humplerzunft, eine Schifferzunft Q.: Miltenb (1379) E.: s. humpelære*, zunft W.: nhd. DW- L.: LexerN 3, 252 (hu…

koufliutezunft

KöblerMhd

koufliute·zunft

koufliutezunft , st. F. nhd. Kaufleutezunft, Zunftverband der Kaufleute Q.: DRW (1327) E.: s. koufliute, zunft W.: nhd. Kaufleutezunft, F., …

krāmærzunft

KöblerMhd

krāmærzunft , st. F. nhd. „Krämerzunft“, Krämmerinnung Q.: Chr, DRW (1376/1445) E.: s. krāmer, zunft W.: s. nhd. Krämerzunft, F., Krämerzunf…

Meisterzunft

DRW

meister·zunft

Meisterzunft, f. I Verband von Kaufleuten oder Handwerkern von der auffnahm der lehrjungen in die meisterzunfft 1676 Savary,Kaufmann I 275 I…

merzelærezunft

KöblerMhd

merzelære·zunft

merzelærezunft , st. F. nhd. Merzlerzunft, Handwerksverband der Kleinhändler Q.: DRW (1378) E.: s. merzelære*, zunft W.: nhd. DW- L.: DRW

Merzlerzunft

DRW

Merzlerzunft, f. Handwerksverband der Merzler hant darumb drye des rates gesworn und sehs von der mertzler zunft, disú dinge ze ruͤgent 1378…

Metzgerzunft

DRW

metzger·zunft

Metzgerzunft, f. Handwerksverband der Metzger (I) vgl. Metzgerhandwerk, Metzgerkerze, Metzleramt, Metzlerhandwerk (I), Metzlerzunft 1448 Rhe…

Müssiggängerzunft

Wander

muessiggaenger·zunft

Müssiggängerzunft Er gehört in die Müssiggängerzunft. Nach der Stadtverfassung Strasburgs musste jeder Bürger, der nicht dem städtischen Ade…

Mälzenbrauerzunft

DRW

mälzenbrauer·zunft

Mälzenbrauerzunft, f. genossenschaftlicher Zusammenschluß der Mälzenbrauer (I u. II) 1602 ZMarienwerder 29 (1892) 614 1741/42 v.Glinski,Köni…

Müllerzunft

DRW

müller·zunft

Müllerzunft, f. wie Mülleramt vgl. Müllergilde, Müllerzeche welich unser burger ... die ... muͥlinen hie hand ..., daz och die selben alle i…

mülnærezunft

KöblerMhd

mülnærezunft , st. F. nhd. Müllerzunft, Müllergilde Q.: DRW (1376/1445) E.: s. mülnære, zunft W.: nhd. DW- L.: DRW

narrenzunft

DWB

narren·zunft

narrenzunft , f. : das tuot sin grosz und hoch vernunft, die do brucht der narrenzunft. Murner narrenbeschw. 49, 16 ; es war eben fastnacht,…

Pfisterzunft

DRW

pfister·zunft

Pfisterzunft, f. Zunft der ¹Pfister (II) bdv.: Pfisterhandwerk (II) [Übschr.:] wie sich pfister-, mu̍ller-, gremperzunft mit ordnung halten …

Rebleutezunft

DRW

rebleute·zunft

Rebleutezunft, f. Bezeichnung der Zunft für Winzer und Weinbergarbeiter in Basel Sachhinweis: Koelner,BaselRebl. J.S. der rebman, zunftmeist…

Reichkrämerzunft

DRW

reichkrämer·zunft

Reichkrämerzunft, f. Gilde der Reichkrämer obgleich aus der fundation und ordnungen der reichkrämerzunft zu ersehen, daß sie ihre waaren unt…

Rodzunft

DRW

rod·zunft

Rodzunft, f. Vereinigung der Rodfloßleute disen vergleich ... zu halten haben ... angelobt ... ex parte der rott-zunfft in Schongau die ehrb…

Ableitungen von zunft (2 von 2)

gezunft

DWB

gezunft , gezunfte , f. später auch neutrum, verbalabstractum zu gezemen ( s. geziemen sp. 7063 ff. ), reicht in dieser form bis in das 16. …

gezunfte

Lexer

ge-zunfte stn. BMZ gesellschaft, begleitung Erlœs. Elis. 1293. 5513. Hpt. 2,144.

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Cotta, M. (2026). „zunft". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zunft/dwb
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Cotta, Marcel. „zunft". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zunft/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „zunft". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zunft/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_zunft_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„zunft"},
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  urldate      = {2026-05-19},
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