Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
ORDEN stm. stf.
1. anordnung, gesetz, befehl. dô gab der keiser ûʒ den orden und die ê Silv. 1882. er leite ûf den orden das. 1892. si lobeten den orden und die niuwen ê das. 2371. die werden burger überal vröuten sich der mære, daʒ in der orden wære ûf gesetzet unde beliben, daʒ nieman würde al dâ getriben in gotes dienest noch dervon das. 2384. der stein wêre von gotes orden zuo einem winkelsteine worden vateruns. 1813. vgl. bihteb. 29. 36. 37. fundgr. 1,386. a. des ist der orden vil guot, daʒ ein tac bî dem andern sî (Stephans tag neben weihnachten) Pass. K. 46,64. diu zît gie hin, der tôt gie her nâch des ordens gewer, den diu gewoneheit kunt uns tuot das. 453,64. sînes loufes orden lieʒ ein sterne Jerosch. Pf. 183. a. daʒ man einen orden sazt, daʒ nieman für den andern tratzt, dass man ein gesetz gebe, dass niemand sich vor dem andern, über seinen stand hinaus, vordränge, Teichn. 237.
2. das gesetz, die regel, unter welcher eine klasse von menschen steht (= leben, vgl. oben 1,955b, 28 fg.); der stand, die würde derselben; endlich die menschen, welche diese klasse ausmachen, selbst. bî im was zallen zîten kristenlîcher orden und ouch der heiden ê Nib. Z. 203,72. wær dîn orden in mîner ê, wärst du christin, Parz. 55,25. daʒ si was kristen worden und denselben orden ir mit willen hete erkorn Pass. K. 27,60. nu halt denselben orden (der cristen) das. 35, 37. durch waʒ der vremede orden an im sî geworden in dirre nûwen geburt das. 78,85. si truc ûf den orden (der christen) grôʒe liebe das. 272,98. cristenlîcher orden, die gesammte christenheit, Silv. 611. der jüden orden und ir ê das. 2425. der orden der jüden und der christen g. sm. 1458. heidensch orden Parz. 13,28. die kristen und die heiden pflâgen krieges umb ir zweier orden Silv. 718. von dem die jüden nâmen ir orden und ir leben das. 2523. vgl. das. 4982. 206. nâch heidenlîchem orden Barl. 12,2. nâch kristenlîchem orden wâren bestatet die tôten gar Mai 126,13. dâ von diu minne ir siges rîch was an in beiden worden nâch minneclîchem orden das. 193,26. swer sînen orden behaltet swelher slaht er ordens waltet, der gêt ze berge inʒ himelrîch. swer danne lebt unordenlîch Teichn. 73. geistlich orden in kappen triuget Walth. 21,36. er trat in den orden, der in tet sælec immer mêr, ward geistlicher, Silv. 460. lobebære werden mit lobelîchem orden g. Gerh. 634, dadurch dass er der preiswürdigen klasse beigezählt wurde. der geschöpfede orden, alles geschaffene, Barl. 26,25. Christes orden, die christliche kirche, Wigal. 8217. rîters orden, der ritterstand, die ritter, das. 11679. vgl. Suchenw. 21,83. die nidern orden, die untern stände, myst. 362,5. der gernde orden, die fahrenden leute, Suchenw. 29,5. — den grâwen orden (Cisterzienser) er enpfienc in dem klôster Zîtes Marleg. 15,6. Benedictus was bî den êrsten geistlichen menschen, di di orden gebûwet haben myst. 106,32 (nicht = kloster, wie die anm. angiebt). er sol varen in den orden der predier das. 99,11. der minner orden (Franciscaner) Frl. 255,1. der drîer ordenen (l. orden) prêlâten Ludw. kreuzf. 6136. muoʒ ich in den orden, daʒ tuon ich gern in kurzer vrist, sô niemen mêr ze Rôme ist Hätzl. 2,7,154. sô solt ich sitzen als ein nunn, diu einen orden halten wil das. 2,8,123. vgl. das. 2, 14,604. der pæbstleiche orden, die päbstliche würde, Suchenw. 35,28. der bettelorden zürch. jahrb. 53, 3 u. 8. der kriuzerorden MS. 2, 153. b. apostata ein abtreter von einem orden Diefenb. gl. 33. apostasia ein abtretung von einem orden ebenda. übertragen. des tiutschen orden bin ich vrô narrensch. 1,28. vgl. die anm. (der buoler orden, der vollen brüeder orden, der rîter orden). ich bin getreten und gekomen vil gar in leides orden Conr. Alex. 1249. in frühteclîchen orden, im stande der schwangerschaft, Suchenw. 41,144. er haltet wuochers orden, treibt wucher, das. 29,101. —
3. das gesetz, unter dem jemand steht, seine eigenschaft, art und weise. daʒ der wîlsælden orden sî ein schîme Pass. K. 654,89. der wîrouch solhen orden treit, daʒ er muoʒ smelzen Suchenw. 41,594.