schwinge,
f. etwas das (
sich)
schwingt, gerät zum schwingen, flügel. die bildung ist auf das westgermanische sprachgebiet beschränkt und erst in neuerer zeit recht üblich geworden: ahd. suinga
noch nicht sicher bezeugt (svingan, suuinkan,
flagellis, '
scheint verbum' Graff 6, 887,
dagegen sicher das compositum âsuuingâ,
quisquilias, ebenda),
mhd. swinge Lexer
handwb. 2, 1377
f., mnd. swinge Schiller-Lübben 4, 500,
mnl. swinghe
[] (
jetzt holländ. dafür zwingel),
altfries. swinge
schwingbalken Richthofen 1062
b,
ags. swinge, swynge
peitschenhieb, züchtigung (
auch noch mittelengl.) Bosworth-Toller 958
a f.,
vgl. Wachter 1497. Weigand 2, 671. Kluge
5 343
a (Grimm
gr. 1
3, 462. 3, 410
stellt damit altn. vængr,
schwed. dän. vinge
zusammen).
die form bietet keine abweichungen. die flexion ist in der alten sprache überall die schwache. in neuern mundarten ist schwinge
weit verbreitet: schweiz. Hunziker 237. Seiler 267
a,
tirol. Schöpf 663. Frommann 4, 219,
österr. schwing'n Hügel 147
b,
bair. Schm. 2, 639 ('
wie hd.'
; cimbrisch entspricht nicht genau sbinko,
m. dreschflegel. cimbr. wb. 226
a),
hess. Pfister 273,
thür. Hertel
sprachsch. 225,
preusz. Frischbier 2, 332
a. Schemionek 38,
nd. swinge Strodtmann 342. Schambach 222
b. 11)
in der ältern sprache nur als bezeichnung von geräten zu mannigfacher verwendung: schwinge (die)
ventilabrum, vannus. Steinbach 2, 556. 1@aa)
ahd. suuinga
scheint '
peitsche'
zu bedeuten; diese bedeutung ist im deutschen sonst nicht üblich, vgl. indessen: als Hans vom markt heimging und seinem schatz ein neu spinnrad mitgebracht und sich eine neue peitsche gekauft hatte, sang er lustig: buchsbaumes rädle, eine flächsene schwing; mein schatz heiszt Antonele, wie freut mich das ding!
wunderhorn 2, 593
Boxberger. augenscheinlich liegt sie der ags. bedeutung '
peitschenhieb, schlag'
zu grunde. diese abgeleitete verwendung findet sich ganz vereinzelt auch im nhd.: zugleich fügte er bei, er habe einem knechte eine 'gute schwinge' (festen schlag) gegeben. Schertlin
herausg. von Herberger (
Augsb. 1852)
einl. s. xxxiv.
vielleicht leitet man diese bedeutung besser direct vom verbum (
als nomen actionis)
her, vgl. schwingen I, 2
und II, 1. 1@bb)
ein gerät zum schwingen
des flachses, ein dünnes breites brett (
oder eisernes brett, s. besonders die ältern wörterbücher)
mit griff, womit der flachs nach dem brechen an einem gestell geschlagen wird, um die stengeltheilchen von der faser zu entfernen. Adelung. Karmarsch-Heeren
3 3, 517.
besondere arten heiszen schwingbrett, -messer, -stock,
s. daselbst. diese bedeutung ist am allgemeinsten verbreitet, so schon mnd., siehe Schiller - Lübben 4, 500,
und mhd.: contus, comptus lini ... swinge,
hd. swing. Dief.
gl. 148
b; schwinge, swingen
nov. gl. 112
a;
cifraculum ... har- o. flachsz-schwingen 118
b;
ciffrabilium har swing,
sifacrisa (
lini) swinge,
sifa, safacrisa swingghe
nov. gl. 89
b,
hispil swinghe
gl. 279
a,
safatrila, -trisus eyn swinge 506
c,
sifa swinge 533
a,
sitirissa ain schwin 539
a,
stata swinge 550
c (
hierher?); der ander hieʒ ain swingen im von haimen bringen. Laszberg
liedersaal 3, 409, 381; myn swert dat het Klynghe unde is scharp rechte so en swynghe.
Redentiner osterspiel 170;
nl. swinghe,
asser sive baculus linarius, scutula, scytala, vulgo lintopta, quassorium, sumella. Kilian.
nhd. bacillus ferreus, quo lini cortices dequutiuntur, die schwinge. Corvinus
fons lat. 367
b,
ebenso Schottel 1414; flachs-
etc. schwinge,
scotola, maciulla, gramola da lino etc. Kramer
diction. 2, 725
c; flachsschwinge,
malleus stuparius, bacillus ferreus, quô lini cortices decutiuntur. Stieler 1984.
s. auch theil 3, 1704: nun zerquetschen wir in hast dir den bast, den die schwinge reinigt. Voss 4, 139.
ebenso in lebenden mundarten, s. Pfister 273. Hertel
sprachschatz 225.
nd. swinge Schambach 222
b (
als einzige bedeutung),
daher das sprichwort eenem en egg (
ei) up der swingen to hollen,
einen vexiren, da das ei leicht von der flachen schwinge
herabrollt. Strodtmann 342. —
in der Lausitz auch ein anderes werkzeug mit einer schneide unten und oben, womit der flachs vor dem brechen dazu vorbereitet wird, auch hilkner
genannt. Adelung. —
ferner bei den seilern ein ähnliches werkzeug zum reinigen des hanfes von den '
schäben'. Jacobsson 4, 108
b;
s. hanfschwinge
theil 4, 2, 35. 1@cc)
mhd. auch verächtlich für schwert; so noch nhd.: schwingen (die) ein lang unnd breit schwärdt,
spatha Maaler 367
d;
auch nl.: swinghe,
spatha gladius maior et latior. Kilian (
oder zu b? es ist jedenfalls dabei an die eiserne schwinge
gedacht, vergl. Redentiner osterspiel unter b, Neidhart 59, 10
unter hanfschwinge
und: myt bessem un myt swyngen plegt man ungerne to vechten.
koker s. 333).
[] 1@dd)
in der landwirtschaft eine länglichrunde geflochtene wanne, um das korn durch schwingen von spreu und unreinigkeit zu säubern. Adelung;
vannus .. futer-wann, -swinge, -schwingen,
vulg. wannen; swinge zu dem futer. Dief.
gloss. 606
b; futterschwing
nov. gloss. 376
b; schwinge zum getreidig,
sive futterschwinge,
vannus, ventilabrum Stieler 1984; eine schwinge zum getraid oder futter,
vannus ad purgandum frumentum et pabulum, futter - schwinge. Frisch 2, 251
a;
vgl. auch getreideschwinge, kornschwinge (
theil 5, 1831) Steinbach 2, 556; die aus ruten geflochtene wanne oder schwinge, um das korn von der spreu zu sondern III, 134, ward an einem tage des eleusinischen festes, in dem feierzuge des Jacchus (denn so hiesz Bacchus den eingeweihten), als sinnbild der reinigung, mit erstlingsfrüchten vorgetragen. Voss
Virgils ländl. ged. 3,
s. 95 (
bem. zu: mystica vannus Jacchi. Georg. 1, 166;
daraus erklärt sich die folgende stelle); Silenus aller truncken kam auff dem esel her fein langsam nach gehuncken, hatt' eine kanne wein, und in der lincken hand die schwinge dem geschirr des heiligthumbs verwandt. Opitz 1, 437; disz ist die schwinge hier, durch die das korn bleibt liegen, hergegen staub und sprew in lufft und wind verfliegen. Tscherning
ged. frühling 357 (
vgl. Opitz
bei Adelung —?);
so im bilde: und sie als dichter ... fallen gewisz unter die spreu, wenn man den abfall auf die schwinge bringt, um noch das hinterkorn oder die drespe zu gewinnen. Möser
patr. phant. 4, 46. —
so auch futterschwinge,
um das futter, körner, häcksel, zu reinigen, zugleich auch um es mit wasser zu mengen und durch einander zu schütteln, vgl. oben und theil 4, 1, 1095
f., ferner öcon. lex.2 845
f. Jacobsson 1, 846
a. Campe. Hertel
sprachsch. 225: futter-schwinge,
vaglio, vanno da biada. v. wanne. Kramer
dict. 2, 725
c;
vannus Steinbach 2, 556; hab' ich dir nicht gesagt, sollst bei der schwinge sitzen bleiben und bohnen klauben. Anzengruber
3 3, 11 (
hierher?). 1@ee)
ähnlich bezeichnet schwinge
vielfach ein körbchen, besonders mundartlich, so in Wien '
ein aus fingerbreiten holzspänen geflochtener ovaler, ausgebuchter korb, dessen sich die bäcker zur transportierung ihres gebäckes bedienen, z. b. a schwing'n voll kipfel' Hügel 147
b;
in Preuszen ein '
flacher, länglicher, offener futterkorb' Frischbier 2, 332
a. Schemionek 38;
thür. '
muldenähnlicher korb' Hertel
sprachschatz 225.
kleinere schwingen
gebraucht man auch, z. b. um nähsachen oder geld (geldschwinge
theil 4, 1, 2921)
hineinzulegen, s. Campe. 1@ff)
andre gebrauchsweisen gehören der technischen sprache gewisser gewerbe an. so bezeichnet schwinge
im bergwesen '
die ausgearbeiteten hölzer an den wasserkünsten und feldgestängen mit einem eisernen zapfen in der mitte, sich darauf hin und her zu schwingen
oder zu bewegen, und zugleich das feldgestänge damit hin und her zu schwingen' Jacobsson 4, 109
a, '
ein an seinem ende oder in seiner mitte auf einer axe aufgelagerter arm, an dessen anderm ende oder an jedem ein gestänge befestigt und dadurch getragen, geleitet wird'.
quelle bei Veith 439. liegende schwinge
an einem treibgöpel, die nicht senkrecht, sondern wagerecht gerichtet ist. Jacobsson
a. a. o. 1@gg)
bei den walkmüllern, der arm, stiel an den walkhämmern. 108
b. Karmarsch-Heeren
3 8, 114. 1@hh)
in papiermühlen, die stiele an den stampfen. Adelung,
vgl. Jacobsson 7, 312
a. 1@ii)
bei stellmachern und landwirten, die breiten sprossen an einer wagenleiter, die den ober- und den unterbaum in einer gewissen weite auseinanderhalten, auch sperrhölzer, -leisten, spangen,
vgl. daselbst. öcon. lex.2 2682. Eggers 2, 867. Jacobsson 4, 109
a. Adelung. Hunziker 237. Seiler 267
a. Pfister 273;
nl. swinghe van den waghen,
lignum transversum temonis. Kilian. 1@kk)
so im bergwesen auch für die fahrtsprossen. Veith 439. 1@ll)
bei fluszfahrzeugen das querholz am einen ende, das von einem rande zum andern geht und woran man das seil befestigt, womit das schiff angehängt oder gezogen wird. Jacobsson 4, 109
a. —
doch scheint schwinge
auch für ruden gesagt zu werden (
an b. c anschlieszend): da kommt ein alp, steigt in den kahn, löst ihn vom ufer ab und rudert mit einer selbst mitgebrachten schwinge hinüber. Grimm
sagen 81. 1@mm)
an einem strumpfwirkerstuhl die in der kupperlade beweglichen stücke von dünnem eisenblech, woran die bewegliche platine befestigt wird, auch unden.
ebenda. Karmarsch-Heeren
3 10, 732. 1@nn)
bei zimmerleuten ein pfostenähnliches plattes gerades holz, besonders beim wasserbau angewendet, franz. limande. Jacobsson
a. a. o. [] 1@oo)
bei den tuchmachern das, woran die lade hängt. 7, 312
a. 1@pp)
in Tirol schwing,
f. schleuder, schleusze zur niederhaltung der pflugrute. Frommann 4, 219. Schöpf 500. 1@qq)
mhd. auch für thorflügel, bezeugt in Frankfurter urkunden des 15.
jahrh.: die swingen an der porten (
am stadtthor, vom j. 1400); ein keden, die man uber die swingen der groszen zwefeldigen porten wirfet (
vom j. 1439)
s. Lexer
handwörterbuch 2, 1378. 1@rr)
fries. ein querbalken in scheunen, woran allerlei aufgehängt wird, s. Richthofen 1062
b.
vergl. nl. swinghe
pertica Kilian. 1@ss)
ebenda auch für zügel: swinghe,
lorum, habena. 22)
fittich, flügel eines vogels. 2@aa)
diese bedeutung scheint aus der technischen sprache der falkner und jäger zu stammen: die grossen falcken heissen gerfalcken. jre flügel werden genennt schwingen. Meurer
von forstlicher oberherrligk. (1561) 91
b (
ebenso Sebiz
feldb. 570
und Feyerabendt
falknerei 1582 6
a); schwingen oder pinnen, werden die starken flugfedern an den flügeln derer falken genennet. Heppe
wohlr. jäger 277
a; schwingen,
alae falconum, die flügel der falken. Frisch 2, 251
a; alle falcken haben merteils lang und spitzig schwingen, gleych wie die adler grosz und breit. Geszner
vogelb. 146
a.
daneben auch in weiterer verwendung, '
weidmännische benennung der flügel alles federwildes' Behlen 5, 599. Jacobsson 7, 312
a. schwinge
bezeichnet dabei zunächst die starken schwungfedern, womit sich der vogel emporschwingt, bez. das '
mit schwungfedern besetzte flügelende' Kehrein
weidmannsspr. 270,
dann die ganzen flügel, s. Adelung,
alae Nemnich. 2@bb)
indessen gehört schwinge
für flügel schon eben so früh auch der gewöhnlichen rede an. so findet es sich im ältern nl.: swinghe,
ala accipitris, aut alterius id genus avis. Kilian.
nhd.: vogel-schwingen, schwingern,
vanni, ale, (
ali)
penne maestre, v. fittich, flügel. die schwingen ausbreiten, zusammenschlagen. Kramer
diction. 2, 726
a; schwinge, die,
ala avium, feder-
sive vogelschwinge. Stieler 1984.
besonders ist schwinge
durch die dichtersprache des 18.
jahrh. verbreitet; die belege zeigen immer noch eine gewisse vorliebe für die groszen, starken vögel, adler, geier u. ähnl.: sie (
die vögel) ermuntern sich zwitschernd, und hüpfen auf schwankenden ästen fröhlich empor, und putzen die schwingen. Zachariä
tageszeiten 6; ein adlersjüngling hob die flügel nach raub aus, ihn traf des jägers pfeil und schnitt der rechten schwinge sennkraft ab. Göthe 2, 77; (
im bilde, von der sonne:) denn der goldne falke, breiter schwingen, überschwebet sein azurnes nest. 6, 106; trau, freund, den bunten vögeln nicht, sie tragen leichte schwingen. Arndt
ged. 202; (
vom wundervogel Simurg:) ich musz jetzo mit sanften schwingen dich fassen und zu ihm hin bringen. Rückert
Firdosi 1, 142.
bildlich: ein kameel kann güter schwer fortbringen, weisheit hat des vogels schwingen.
werke (1882) 4, 54. 2@cc)
weiterhin auch von andern thieren, wie fledermäusen: und tief in allen seinen gedanken steht am hügel Sined, höret den hauch der nacht in nahen wipfeln, und die leise schwinge der kreisenden fledermäuse. Denis
im Leipziger alm. der deutschen musen 1779,
s. 241; da umläuft die verkleinerten glieder dünne haut, und bedeckt mit zarter schwinge die ärmlein. ... immer noch lichtscheu schwärmen sie gegen die nacht als fledermäus' in der dämmrung. Voss
Ovids verwandl. 1, 215 (20, 155).
so auch zusammengesetzt: ach, dasz die zwietracht doch mit federmäuseschwingen Lisettens herz verführt, den grafen aufzubringen! Zachariä
schnupftuch 2, 21.
von insecten: hurtig vor ihnen hüpfte der knab', und verliesz das grünliche himmelspferdchen, das mit glänzenden schwingen auf farrenkraut sich gesezet. Voss 1, 23 (
Luise 1, 142); reizendster der schmetterlinge, willst dich fangen lassen? aber bei der zarten schwinge fürcht ich dich zu fassen. Rückert
ged. (1841) 379.
so auch bienenschwinge,
bildlich: du aber tauchst die heil'ge bienenschwinge herab vom saum des weltenblumenrandes in das geheimniszvolle wie der dinge. Platen 93
b (
an Schelling).
[] 2@dd) schwingen haben,
allgemeiner ausdruck für fliegen können: hätt' ich schwingen, hätt' ich flügel, nach den hügeln zög ich hin. Schiller 11, 334. 33)
überaus mannigfach sind die freiern und bildlichen verwendungen von schwinge (
flügel). 3@aa)
allerlei phantasiewesen haben schwingen,
so engel: wer hebt sich auf den schwingen des seraphs, in die chöre der himmlischen zu singen? Dusch
verm. werke 113.
vergl. engelschwinge
theil 3, 476.
Amor: Amorn, den losesten aller vögel, zierten ein paar regenbogenfarbene schwingen. Göthe 14, 107 (
vögel);
die musen: muse, die sinkende schwinge kann nicht die höhen erreichen, wo der brittische adler im sonnenglanze sich badet. Zachariä
tageszeiten s. 11;
vergl.: doch, muse, wohin reiszt dich die adlerschwinge der hohen trunknen schwärmerey? Wieland
Oberon 1, 7. 3@bb)
personificierte abstracta: wer beklagt unser einen, wenn die ewigkeit um uns her die nie veraltende schwinge schüttelt? Fr. Müller 2, 164; wie ein mächtiger tod, lag mit verbreiteten schwingen die erkältende nacht weit über dem starrenden erdkreis. Zachariä
tageszeiten s. 9; o, bindet die verhaszten schwingen dem kahlkopf dort mit sens' und stundenuhr! Gotter 1, 282; plötzlich entschwanden mir alle goldenen scenen mit der schwinge des morgentraums. Hölty
s. 77
Halm; finstre vergessenheit breitet die dunkelnachtenden schwingen über ganzen geschlechtern aus. Schiller
braut von Messina 1, 3; doch heute lacht der lenz noch mild, .. o möge er mit zarten schwingen dich wie ein blumenhauch umweh'n! Arndt
ged. 119; der liebe leichte schwingen trugen mich.
Shakesp. Rom. u. Julia 2, 2. 3@cc)
concretes als flügel vorgestellt, so besonders die segel eines schiffes, womit es sich fortbewegt: wo eure galeonen, stolz besegelt, ... hinwegsehn über kleine handelsschiffe, die sie begrüszen, sich vor ihnen neigen, wie sie vorbeifliehn mit gewebten schwingen.
Shakesp. kaufmann von Venedig 1, 1; über dieses wasser, sagt' er, kam ein groszes boot mit flügeln, flog ein groszes boot mit schwingen. Freiligrath
5 6, 168 (
Hiaw. 21); nimmer nun des segels schwinge stell' ich aus in's weite meer. Geibel 2, 3.
vom barte eines pfeiles, zumal wenn er aus federn besteht: kieselstein der pfeile spitzen, federn bunt der pfeile schwingen. Freiligrath
5 6, 32 (
Hiaw. 3). 3@dd)
naturerscheinungen werden schwingen
beigelegt als ausdruck der bewegung, namentlich winden: so bald dein warmer hauch, den uns, auf lauen schwingen, des frühlings erstlinge, die muntern weste bringen, den rauhen nord verjagt. Wieland
suppl. 1, 199 (
natur der dinge 4, 149); und selbst ein wind erhob vom lande lispelnd, von allen gleich bemerkt, die holden schwingen. Göthe 9, 70 (
Iphig. 4, 4); du eilst nicht mit des windes schwingen davon, da dir noch flucht verstattet ist? Schiller 6, 413 (
Dido 102); das blatt am baume spricht: o himmelswind! ... wie kommst du nun geschwind, und gibst den todesschlag mit deiner eis'gen schwinge deinem kind! Rückert
ged. (1841) 393; komm, wind der nacht, ... breit' aus die schwingen, hülle sie um mich. Grillparzer
4 6, 91 (
des meeres und der liebe wellen 4); in der zerriss'nen weise, die die schwinge des sturmes aus der äolsharfe wühlt. Geibel 8, 4;
vergl.: es läszt das schiff vom strand auf schnellen windesschwingen. Arndt
ged. 116;
dem blitze: o, dann muszt' er ja auch glauben, dasz ihn jetzt die schwinge des blitzes über die wolken schlage. J. Paul
Titan 1, 143; feuriger schwinge fähret das wetter schmetternd zur erde. Arndt
ged. 152.
[] 3@ee)
seltnere verbindungen: ein feuerwagen schwebt, auf leichten schwingen, an mich heran! Göthe 12, 43; auf der düfte leichten schwingen zog er ein, der süsze schmerz. Ludwig 1, 20. 3@ff)
besonders gern wird schwinge
mit bezug auf seelisches gesagt, nicht selten in ausgeführtem bilde: es schmerzte ihn so sehr, da er die auf diese stille gestalt getriebnen leiden ansah, dasz diese weiszen schwingen der unschuld sich an seinen klippen und berghörnern voll blut geschlagen. J. Paul
Titan 3, 50; er hatte sich — der aar! — an dem lichte meiner schönheit bereits die schwingen versengt, als die polnische revolution ihn vor dem völligen verbrennen rettete. Ludwig 3, 685; der stolze wahn fällt aus dem himmel nieder, .. die lahme schwinge streifet müd und müder am boden hin, die einst das sternenzelt mit edler kühnheit wagte zu durchmessen. Arndt
ged. 208. 3@gg)
so im einzelnen schwinge(n) des geistes: die schwingen deines geistes sind geknickt, du kannst und magst dich nicht erheben. Auerbach
dichter u. könig4 2, 67; ach, meines geistes schwingen sind gelähmt, nicht grösze lockt mich mehr. Schiller
M. Stuart 3, 4; der geist, der flieger, stürzt sich in das jähe, zur dunkeln tiefe schnellt er rasche schwingen. Arndt
ged. 237; geister spannen alle schwingen und die trunkne seele stirbt in lust. 254. der seele: ihre seele hatte schwingen, aber sie stieg mit ihnen nicht empor; sie fühlte nur die gewaltige schwungkraft dieser fittiche. Gutzkow
ritter v. geiste 5, 173. — der phantasie: die seele hört auf zu glühen, die schwingen der imagination sinken am ziele. Schiller 2, 393; itzo fliege die phantasie mit kühneren schwingen an die fernen gestade des unempöreten weltmeers. Zachariä
tageszeiten s. 8. der gedanken: die schnellen schwingen der gedanken, wogegen zeit, und schall, und wind, und selbst des lichtes flügel langsam sind, ermüden über dir. Haller
ged. 156.
seltneres: vielleicht ist dieses vermögen des menschen, ... durch doppelbier seine ideen zu verdoppeln, und auf den schwingen des pulses einen wettflug mit den geflügelten engeln einzugehen, kein kleiner beweis seiner grösze. J. Paul
grönl. proc. 2, 108; der menschheit schwingen sind verstand und herz, und ihre schwungkraft reiz und grazie. Herder 29, 218
Suphan. mit ausführendem genitiv: wie jetzt der grösze schwing ihn trägt! Ludwig 3, 324. 3@hh)
verbale fügungen, worin das bild des vogels deutlich ausgeprägt ist; die schwingen regen: doch dieser schatten fiel in eine seele, welche noch in gehobener stimmung und im vollgefühl der kraft die schwingen regte. Freytag
werke 1, 235; hei! wie dem jüngling von dem klingen die brust erschwoll in süszem wahn! hei! wie er oft geregt die schwingen, als mäsz' er schon die sonnenbahn! Arndt
ged. 281.
ähnliche wendungen: nur von ihm (
Matthisson) wird es abhängen, jetzt endlich, nachdem er in bescheideneren kreisen seine schwingen versucht hat, einen höheren flug zu nehmen. Schiller 10, 256; o es sind heilige tage, wo unser herz zum erstenmale die schwingen übt, wo wir, voll schnellen feurigen wachsthums, dastehen in der herrlichen welt. Hölderlin 2, 33
Köstlin; doch musz mich's wundern, Heinrich, dasz deine neigung so die schwingen richtet, ganz abgelenkt von deiner ahnen flug.
Shakesp. Heinrich IV., 1.
theil 3, 2; aber wenn der geist seine schwingen entfaltet. Rückert
ged. (1841) 145. die schwinge senken (
sowol mit fremdem subject als reflexivisch): gern wolte er (
der dichter) dem winke der königlichen muse folgen: aber die furcht und die kenntnüsz seiner schwäche schlägt seine schwingen nieder. Haller
ged. 3
b; bis ihr freund in Maienthal ihr ein krankenzimmer .. bei der äbtissin auf einige lenzmonate ausgewirket hatte, damit da das wehen des frühlings ihre gesunknen schwingen hebe. J. Paul
Hesp. 2, 237; als Zal hinein vor den vater ging, küszt' er den boden und senkte die schwing'. Rückert
Firdosi 1, 188.
[] lähmen: wär ich ein wilder falke, ich wollt mich schwingen auf ... so aber sind die schwingen mir allesammt gelähmt.
wunderhorn 1, 106
Boxberger. ähnlich in umschreibungen für '
sterben': lösen sich die irdschen bande? wird auch mir die schwinge frei? Uhland
ged. (1864) 47; jeder tag macht' ihr die schwingen leichter, dasz ich schon die stunde nahen sah, da sie entflog. Ludwig 4, 98. 3@ii)
unsinnlicher in der sprichwörtlichen redensart: (die) schwingen wachsen im fluge. Simrock
sprichw. 9422. Wander 4, 480; feindseliges neides der Ahrimansluchs macht' anschläge, bis ihm die schwinge wuchs. Rückert
Firdosi 1, 4. 3@kk)
andre bilder: ein dutzend von uns Römern, und eu'r gatte, die schönste feder unsrer schwinge.
Shakespeare Cymbeline 1, 7.