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gewimmer

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewimmer n.

Bd. 6, Sp. 5844
gewimmer, n. verbalsubstantiv zu wimmern s. d. 11) die ältesten belege für das substantiv erfordern zunächst eine abgrenzung gegen das eben besprochene gewimmel. für neuern mundartlichen gebrauch ist bereits beobachtet worden, dasz die bildungen wimmern, gewimmer in verwendungen auftreten, die sonst für wimmeln, gewimmel vorbehalten sind, vgl.: voll gauckler wimmern würd' alsdann das gantze haus. Wenzel Scherffer übers. d. Desideria 15 (vgl. Hoffm. v. Fallersl. in Frommanns d. mundarten 4, 191); vgl.: wimmern, gewimmer, plattdeutsch wimmeln, gewimmel. Latendorf bei Frommann 2, 228, in gleicher weise berührt sich schon der älteste beleg für das substantiv zu wimmern mit gewimmel: dort auff den matten gespannet wardt die garn schon hoch; was wilds entging von hegen, man in garnen fing. da was von jägern ein gewimmer, auch sah man ein schön frawenzimmer. Jörg Wickram (pilger cap. 4 v. 810) 4, 157 Bolte. [] wenn demnach aus demselben stamme (wimmen), dem wimmeln und gewimmel angehören, auch ableitungen mit er gebildet wurden, so weist doch die hauptmasse der zu wimmern, gewimmer gehörigen belege auf eine andere wurzel, auf einen empfindungslaut, wie er ähnlich auch für weh und seine ableitungen anzunehmen ist, vgl. auch englisch whimper, whimple, fries. wimerje. 1@aa) nicht in zusammenhang damit scheint die sachbedeutung des masc. wimmer (vgl. Schmeller 22, 912) zu stehen, die in den beiden hauptrichtungen der bedeutung als warze, schwiele, bläschen (veruca, pustula) einerseits, als auswuchs an bäumen, knorre, knote andererseits belegt ist. allerdings würde auch in dem schwäbischen wiwi (vgl. Schmid 536) eine ähnliche entwicklungsreihe vom empfindungslaut bis zu der sachbedeutung pusteln zur seite stehen, und zwischen warze, schwiele und knorre, knote konnte ohnedies eine bedeutungsübertragung vermittelt haben. da aber in dem althochd. verbum wemmian (polluere, corrumpere, emaculare) eine durch auszerdeutsche frühe zeugnisse gestützte sippe entgegentritt, so ist wimmer jedenfalls mit dieser zunächst in zusammenhang zu bringen. 1@bb) zu diesem masc. wimmer könnte man versucht sein, als collectivbildung die folgenden verwendungen von gewimmer zu stellen: ain schlos das haisset immer, darumb ain schön gewimmer gewachsen ist zu ainem hag, das darein niemant komen mag, dann vorn zu dem hag hinein. Hätzlerin 2, 14, 76 Haltaus s. 153. dazu vgl.: die aerndte aller übrigen feldfrüchte, von der edlen gerste an bis zu bohnen und wicken herab, die im Werder den ehrennamen 'gewimmer' (wahrscheinlich für gewimmel, weil sie unordentlich durcheinander liegen und sich nicht in regelmäszige garben binden lassen) führen, wird mit der sense bewerkstelligt und von einheimischen vollendet. wenn nun das ganze aerndtefeld leer ist und das letzte fuder, mit 'gewimmer' beladen, bereit steht, seine reise in die scheune anzutreten: dann wird der berüchtigte strohmann fabrizirt. E. Heinel die preus. aerndtegebräuche, s. neue provinzial-blätter 2 (1846), 405. vgl. auch Frischbier preusz. wb. 2, 524; auffällig wäre jedoch beim ersten beleg der übergang von der bedeutung knorre, knote zu der von unterholz, strauchwerk, der sich auch aus dem collectivbegriff nicht genügend erklären läszt. schon hier und noch deutlicher beim zweiten belege scheint das tertium comparationis in der vorstellung der regellosigkeit, des wirren durcheinander zu liegen, die dem bedeutungsgehalte von gewimmel angehört; beide verwendungen sind also den er-ableitungen zu wimmen an die seite zu stellen. 1@cc) alle andern belege dagegen weisen auf gefühlsäuszerungen hin, sie halten sich streng im rahmen eines nomen actionis und geben dem empfindungslaute, den sie überwiegend als äuszerung des schmerzes erscheinen lassen, den charakter des gedämpften, kraftlosen. schon der älteste einschlägige beleg zielt in diese richtung: hei, sie (die bauern) thuond dem adel wol zieren. nun thetten sie doch nie nichts leren dann in dem feld die schollen keren. folg mir und dich gar nichts hekümmer, was sie joch hand für ein gewimmer, und lasz sie an ein kerbholtz reden! Jörg Wickram (knabenspiegel 1, 9 v. 652) 6, 260 Bolte. 1@c@aα) den belegen aus Wickram schlieszt sich erst zu ende des 17. jahrh. ein weiterer aus Besser an. eigentlicher litterarischer gebrauch setzt erst nach der mitte des 18. jahrh. ein, gewimmer ist bei Boie, Bürger, Gotter, Goecking, Schubart, Gerstenberg, K. Ph. Moritz, Babo zu belegen. während die meister des deutschen stils, voran Göthe, das substantiv anscheinend meiden (nur ein einziger beleg aus Klopstock und aus Schillers jugendprosa) wird es von der romantik gepflegt und auch später viel in der verssprache gebraucht, es ist bei Müllner, Fouqué, Tieck, Brentano, Arndt, Heine, bei Strachwitz, Lingg, Leuthold, Gerok u. a. beobachtet. 1@c@bβ) die reihe der lexikalischen buchungen eröffnet erst Stieler, sie zeigen aber dann eine nur wenig unterbrochene überlieferung. alle heben den empfindungslaut des schmerzes scharf hervor; in einigen gleichungen tragen sie auch der [] vorstellung der kraftlosigkeit rechnung: wimmerung die, das wimmern, et gewimmere, idem quod winselung, planctus, murmur, gemitus, ululatus. Stieler 2480; gewimmer, pianti, lamentazioni, gemiti, plaintes. Rädlein 383a; gewimmer, vagitus, planctus, gemitus. Aler 936b; ebenso Steinbach 2, 491 (fügt quiritatio bei); ähnlich Matthiae 2, 181a; Hederich 1, 1423; Frisch nouveau dict. 2, 279; gewimmer, das gewinsel, le gémissement, plaintes, lamentations. Schwan 1 (1783), 745b; das gewimmer, das wimmern, desgleichen ein anhaltendes und wiederholtes wimmern. Adelung 2, 662. ähnlich Campe u. a. vgl. auch gewimmer, planctus G. Chr. Lichtenberg aphorismen 2 (litt. denkm. 131) 217. mundartlich werden, falls überhaupt an diese sippe angeknüpft wird, andere ableitungen bevorzugt, s. gewims, doch vgl.: geweimers, gewimmer. wb. d. Luxemb. mda. 144b. 1@c@gγ) auch gewimmer wie gewimmel und gewinsel ist fast ausschlieszlich ohne auslautenden suffixvocal belegt. vereinzelte ausnahmen bieten wörterbücher, vgl. gewimmere bei Stieler und Matthiae. dazu vgl. den charakteristischen gebrauch bei Tieck. 1@c@dδ) auffällig ist der vereinzelte plural bei Arndt: solchen jammer und solches wehgeschrei der entführten oder geschändeten unterbrachen nur die gewimmer derer, die ... auf den gassen erschlagen wurden. geist der zeit 3, 110. 22) unter den gebrauchsformen empfiehlt es sich, zuerst 2@aa) die verbindungen darzustellen; sie beschränken sich auf verhältnismäszig wenige, aber charakteristische typen: 2@a@aα) die verbindung mit substantiven dient nicht so oft der kennzeichnung des logischen subjects wie bei gewimmel (s. sp. 5847); verhältnismäszig häufig begegnen einerseits synonyme gruppen, andererseits verbindungen mit substantiven, die einen im bedeutungsgehalt des substantivs liegenden zug eigens hervorheben; diese verbindungen verengern sich meist bis zur composition. 2@a@a@11)) synonyme gruppen: nur dasz kein nasses aug disz todten-fest entweih, last, nach der Teutschen art, dem zarten frauenzimmer, das ängstige geschrei und klägliche gewimmer. Besser (lobgedichte oder der zunahme Friedrich Wilhelms des Grossen) (1732) 26; es war der erste ausbruch ihres gewaltsam unterdrückten kummers — die letzte anstrengung der erliegenden natur — untermischt mit geschrei und gewimmer, und dem röcheln der herannahenden zerstörung. Gotter (Marianne 1, 8) 3, 34; (Ludwig.) warum jagst du uns fort? (Otto.) geht, geht! ich kann das gewimmer und gejammer nicht dulden. Babo Otto v. Wittelsbach 5. akt; Musäus faszte die glückliche idee, durch seine volksmärchen das gewimmere und gewinsle der Siegwartianer zu übertönen. Tieck (Peter Lebrecht 1, 1) 14, 165; und der jüngling fuhr fort mit gewinsel und gewimmer, bis jener dem blick war entschwunden auf immer. Rückert (27. makame) poet. werke 11, 435; und die kleine frau heftig schüttelnd, schob er sie, nur um dem geplärr und gewimmer ein ende zu machen (so wenigstens schien es) auf die tür und den flur zu. Th. Fontane quitt 15. cap. 2@a@a@22)) composition mit attributiven substantiven: wie ringt mit grausen wettern dein überwogtes schiff! o wehe mir! nun schmettern es stürm' ans felsenriff! jetzt schwimmst du auf der trümmer durchs weltmeer! sinkend jetzt nennst du, mit angstgewimmer, dein Suschen noch zuletzt! Boie in Matthissons lyr. anthol. 8, 158; das gleiche Heine lyrisches intermezzo nr. 60; Gerok (s. u.); es klingen worte durch die nacht, als wie mit leisem klaggewimmer: 'im mai, im mai, im nächsten mai, wenn andres leben all geht auf, da ist des jungen fürsten lauf (Alexanders) ganz wider blumenart vorbei. Fouqué (die wahrsagenden bäume) ged. 1, 108; was mir so herrlich dünkte, ... jene nordlandshelden und minnesänger, jene mönche und nonnen, jene vätergrüfte mit ahnungsschauern, jene blassen entsagungsgefühle mit glockengelaute und das ewige wehmutgewimmer, wie bitter ward es mir seitdem verleidet! Heine (die romant. schule 3, 5) 5, 344 Elster; [] und wär' es am weltenende, ich jauchzte trinkend fort; und bräche das ganze weltrund in schmerzgewimmer aus, und ständ' ich am himmelsthore, ich schlüg' es trunken ein, und schlösse mich auch Sankt Peter von gottes zimmer aus. Strachwitz (lieder eines erwachenden: ghaselen 2) 158 Weinhold. 2@a@bβ) an stelle dieser ausdrucksmittel treten nicht oft attributive adjectiva (klägliches gewimmer bei Klopstock, Besser); häufiger deuten die adjectivischen attribute auf das moment der wiederholung, das meist als lästig empfunden wird: das ewige — (Schubart, Heine), das verdammte — (Lingg), vgl. auch: die spieler starker tragischer rollen ... pflegen die empfindung ... mit einem gepolter der stimme und der glieder zu überlärmen, wenn im gegentheil die sanften rührenden spieler ihre zärtlichkeit und wehmuth in einem monotonischen gewimmer schleifen, das die ohren zum eckel ermüdet. Schiller (das gegenwärtige teutsche theater) 2, 347; auch das gedämpfte, kraftlose an der stimmentfaltung wird mehrmals durch adjectiva gekennzeichnet: was soll ich thun? vernunft, du prahlest immer mir deine weisen lehren vor, doch lauter steiget noch der liebe sanft gewimmer aus der beklemmten brust empor. Goeckingk lieder zweier liebenden (1779) 18; vgl.dumpfes, verwehendes, feiges gewimmer (s. u.): o, seid mir alle jetzt, ihr schreckensbilder, nah! du letztes lebewohl! du sterbendes gewimmer! geist Agamemnons! geist Orests! — — was für ein schimmer umdämmert mich? Gotter (Elektra 4, 4) ged. 2, 129. dagegen lautes gewimmer (der frösche Stolberg) s. u. es war ein düster gelber schimmer, der um die sonnenscheibe lag; ein unterirdisches gewimmer verkündet' einen schreckenstag. die erde zittert. Tiedge die geburt der freude 5. selten deuten die adjectiva auf das logische subject: weibliches, französisches gewimmer s. u. 2@a@gγ) die verba, mit denen das substantiv in verbindung tritt, stehen meist mit der thatsache in einklang, dasz sich das substantiv vor allem an das gehör wendet: das gewimmer ertönt, steigt, dringt, verliert sich, ächzt, ruft; ein gewimmer hören (Schubart, Rückert, G. Hauptmann), hören lassen, übertönen, vernehmen, stillen, dulden; in ein — ausbrechen, sich auflösen, zum — herabsinken, sich sammeln, auf ein — achten. doch fehlen auch die allgemeiner gehaltenen verba nicht ganz: das — verlassen, lassen, dem — widerstehen, ein ende machen; einem das — verleiden. sehr beliebt sind auch hier wieder die loser angefügten nominative, vor allem im ausrufe: wozu das —? welch ein —! verdammtes gewimmer. unter den präpositionalverbindungen ist mit bevorzugt: untermischt mit —; mit gewimmer suchen, springen, rennen, um hülfe rufen, quälen. 2@bb) der kreis der vorstellungen, die als ausgangspunkt der verbalhandlung gedacht sind, ist bei gewimmer klein; als logisches subject sind hier fast ausschlieszlich menschliche wesen und personificationen gekennzeichnet oder zu ergänzen. 2@b@aα) bei der beziehung auf menschen lassen sich zwei hauptrichtungen des gebrauches unterscheiden. auf der einen seite wird das gedämpfte, kraftlose der stimmentfaltung hervorgehoben; hier sind als logisches subject weiber, knaben, kinder gedacht; die beziehung auf männer erscheint als ausnahme. auf der andern seite wird nicht blosz das gedämpfte, sondern auch das verworrene am geräusche erfaszt, gewimmer erscheint da, wo ein subject des nomen actionis überhaupt nicht wahrgenommen ist oder wo es aus einer mehrheit von personen nicht gesondert werden kann. hier liegen noch heute die nächsten berührungspunkte mit gewimmel, getümmel. 2@b@a@11)) kraftloses, gedämpftes geräusch. 2@b@a@1@aa)) (F. zu Adelheid) nur hAeufe schmerzen nicht auf schmerz, und stille dein gewimmer. Goekingk (die Kelle) ged. 3, 138; (Aeneas zu Dido.) quäle nun weiter nicht mich und dich mit deinem gewimmer! scheid' ich doch ungern fort! denn ich musz — —! Bürger (Dido 410) 250a; und ich dächte schwester, in deinem alter wäre es ziemlich sonderbar, eine romanhafte liebe zu vertheidigen, aber das gewimmer, das weibliche gewimmer, dem kann kein [] weib widerstehen. H. Peter Sturz (Julie 1, 2) schriften 2 (1782), 193; zurück von der kutsche? wen sucht sie? nur ihn? zur kirchthür und rutsche sie dort auf den knien. verdammtes gewimmer, mein haus ist rein — so flucht er und nimmer erbarmt sich der stein. Herm. Lingg (ein alter gerichtssaal) ged. 25, 87; doch ja; man bittet dich dort und hier zum thee ... du vernimmst ein gewimmer, es lispelt mit oder ohne klavier deine verse ein frauenzimmer. Heinr. Leuthold (episteln: deutsches dichterlos). 2@b@a@1@bb)) sie leidet härter als ein bettler noth, sie lebt allein von wasser und von brod, der arme knabe musz beinah verschmachten, doch keiner will auf sein gewimmer achten. Tieck (Genoveva) 2, 171; o jüngling zieh zurück den allzukühnen fusz — zu spät! — welch ein gewimmer! — ach gott! den jüngling trifft sein trauriges geschick. Moritz Anton Reiser (3) 252; sie hielten hier nicht lang sich auf, verlieszen das gewimmer von kindern. A. Blumauer Virgils Aeneis (6, 2) 2, 107. 2@b@a@1@cc)) auch hier kniee vor dir in des erwachendes jahres ersten strahlen und meines psalmes gewimmer verliehrt sich nicht unter dem woogengetöse der tausendmaltausend rufer gen himmel. Schubart chron. 1791. 1, 2; wozu die eitlen klagen, das feige gewimmer über das verlorne? E. M. Arndt geist der zeit (1)2 (1807), 63; sowie wir einfalt und wahrheit in reden und thun ... als ... gesetz vor uns hinstellen, werden auch alle die tugenden wieder frisch und grün werden, die kein gewimmer, sondern nur redliche arbeit wieder herbeischwören kann. schriften f. m. l. D. 4, 43; wahrlich Rom, der Herkules unter den völkern, wurde durch das judäische gift so wirksam verzehrt, dasz helm und harnisch seinen welkenden gliedern entsanken und seine imperatorische schlachtstimme herabsiechte zu betendem pfaffengewimmer und kastratengetriller. Heine (die romant. schule 1) 5, 219 Elster. 2@b@a@22)) verworrenes geräusch: 2@b@a@2@aa)) doch endlich ertönte tief unten herauf vom kellergewölb' ein gewimmer (: zimmer). Bürger (das lied v. treue) 256 Sauer; langsam und schwer vom thurme stieg die klage, ein dumpf gewimmer zwischen jedem schlage, wie Memnons säule weint im morgenflor. Annette v. Droste (der prediger) 3, 17 Kreiten; da her ich ihn halt a so a gewimmer. erscht denk ich 's macht der blos was vor. da seh ich aber ooch schonn, dass jemand uffn teiche is. G. Hauptmann Hannele 1. th. 2@b@a@2@bb)) so verächtlich auch manche dieser urtheile sind: so sammlen sie sie sich doch nach und nach zum gegewimmer, das durch die nation wiederhallt ... nur die klagende stimme, nur das seufzen der unzufriedenen wird gehört. H. P. Sturz (erinn. an Bernstorf) schr. 2 (1782), 109; und die losgelaszne schar, aufgereizt zu blinder wut durch der kameraden blut, stürzet jubelnd ins gewimmer; läszt am altar weiber bluten. Müllner die schuld 4, 4; bald ächzete das gewimmer der königlichen leibwächter, die sie in ihren quartieren überfielen und ermordeten; und in wenig minuten ringsum nur ein tosen und wimmern des jammers, der wildheit, und mordlust. E. M. Arndt ansichten der teutschen gesch. (1814) 485; vom schlachtfeld klang der sterbenden gewimmer. Herm. Lingg (nacht u. morgen) ged. 25, 330; durch die tiefen ewigkeiten rufts der sel'gen wonnelied, der verworfnen angstgewimmer: herr, du bist alleine grosz! K. Gerok palmblätter (soli deo gloria!) 110; vgl. oben sp. 5846. 2@b@bβ) einige wenige belege zeugen für die übertragung auf phantasiegestalten, sowie auf die thier- und pflanzenwelt. 2@b@b@11)) allerhand geisterchen aus zeitungen oder monatschriften, in welchen diesz buch sehr ist gelobpriesen worden, schleichen herbei, sobald das beschwören angeht, und lassen ein gar klägliches gewimmer von sich hören. Klopstock (gelehrtenrep.) 12, 380; endlich war Jupiter müde, das ewige gewimmer der unterdrückten tugend, und den triumphton des lasters zu hören. Schubart Jupiter; [] 2@b@b@22)) lieber Picas! lieber guter hund! ach! wie schmerzt mich dein gewimmer. bist so blutig, bist so wund? Goeckingk (die parforce-jagd) ged. 3, 17; die füsze streckt er empor, und schrie um hülfe mit lautem gewimmer. Chr. Stolberg (der frösch- u. mäusekrieg) 16, 172; 'wirst du aufhören mit deinem gewimmer, Achitophel, oder soll ich dich in einen noch engeren käfig sperren? und du blutsauger hör' auf mit deinem dummen geflatter'. Hermann Schmidt (erzstufen: die goldsucher 3) 3, 137. 2@b@b@33)) um an den tag zu fördern kalten flimmer, musz sterben ein entwurzeltes geschlecht von pflanzen, und nicht hört man ihr gewimmer. Fr. Rückert (erzähl. 2: Flor u. Blankflor 2). 2@b@gγ) auch auf die musik wird das substantiv bezogen, meist um einen widrigen eindruck zu kennzeichnen: um noch von denjenigen melodien ein paar worte zu sagen ... hätten wir sie aus der ursache entbehren wollen, weil sie keine lieder sind; zum theil auch wegen ihres französischen gewimmers. Gerstenberg rezensionen (litt. denkm. 128) 41; aber je näher ich kam, je toller war die kuriose musik; sie löste sich in ein gewimmer auf, und schon dem baume nah hörte ich, dasz die musik von demselben herunter schallte. Clemens Brentano (die mehreren Wehmüller) 4, 231; in diesem augenblicke sprang mit einem verwehenden gewimmer eine saite auf der guitarre, was mir gelegen kam, da das gespräch eine unbehagliche wendung nahm. E. Helmer prinz Rosa-Stramin (cap. 17) 83 Brümmer.
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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gewimmerstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    gewimmer stn. zusammengewachsenes strauchwerk. darumb ein schœn gewimmer gewahsen ist zuo einem hag Hätzl. 2,14,76.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gewimmer

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Gewimmer , des -s, plur. car. das Wimmern; ingleichen ein anhaltendes und wiederhohltes Wimmern.

  3. modern
    Dialekt
    Gewimmern.

    Lothringisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Ge-wimmer n. allg. wie hd.

  4. Spezial
    Gewimmer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|wim|mer n. (-s) 1 raugnada (-des) f. 2 baudiada (-des) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewimmer

5 Bildungen · 0 Erstglied · 5 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von gewimmer 2 Analysen

ge- + wimmer

gewimmer leitet sich vom Lemma wimmer ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+wimmeln+-er

gewimmer als Zweitglied (5 von 5)

pfaffengewimmer

DWB

pfaffen·gewimmer

pfaffengewimmer , n. : Rom, der Herkules unter den völkern, wurde durch das judäische gift so wirksam verzehrt, dasz .. seine imperatorische…

Qualengewimmer

Campe

qualen·gewimmer

◬ Das Qualengewimmer , — s , o. Mz . von Qual, die man erleidet, verursachtes Gewimmer. Eine Welt voll Qualengewimmer . — Sonnenberg.

sterbegewimmer

DWB

sterbe·gewimmer

-gewimmer , n. : hörst du sterbgewimmer vom röthlichen nord her? Schubart s. ged. (1825) 2, 285 ; aber grauen des orkus! sterbegewimmer! Höl…