triftern,
vb. ,
mit iterativer bedeutung '
hin und her werfen', '
schütteln'; '
träufen'.
dem stammsilbenvocal liegt u.
bzw. dessen umlaut zugrunde, vgl. truphtreti, trufterit, trufterete, trufuroti
ahd. gl. 1, 385, 8-10
Steinmeyer-Sievers, mhd. trüftern,
doch ist das wort mit entrundetem vocal in die schriftsprache eingegangen. mit anderem vocal: trofftern (
s. d. belege u. 2), treftern Hintner
Deferegg. 262 (
aus tröftern?).
im 17.
jh. mehrmals triffern (Abr. a
s. Clara, Abele,
s. u. 1),
vermutlich infolge dissimilierung (
ahd. trufuroti
scheint schreibfehler).
neben der alten ableitung mit r-
suffix ist ein (
wohl erst aus dieser gebildetes)
unerweitertes verb bezeugt, vgl. triften des getreides Unger-Khull
steir. 173;
südböhm. abtriften '
abmengen, durcheinandermengen' (
mündlich).
das scheinbar damit identische dän. drøfte '
getreide schwingen, sieben',
norw. dryfta '
worfeln, schwingen',
schwed. dial. dröfta '
korn sieben',
schwed. dryfta
uneigentl. '
genau erwägen, verhandeln'
u. ä., geht auf germ. *drupatjan '
tropfen lassen'
zurück, s. Torp
nynorsk etym. ordb. 75
a; Hellquist
svensk etym. ordb. 102.
vgl. auch oben trifteln. 11) '
schütteln, schwingen, hin und her werfen'.
früh vom getreide (
vgl. oben die ähnlichen bedeutungen in den skandinavischen sprachen),
ahd. truphtreti
u. ä., gl. 1, 385, 8,
zu der stelle: cumque Gedeon filius eius excuteret atque purgaret frumenta richter 6, 11;
zur gleichen stelle der vulgata: und do Gedeon trüfterte und vegte getreide in der presse
Wenzelsbibel, ende des 14.
jh., nach Jelinek
mhd. wb. 727;
die lexikalische bezeugung wiegt vor: triftern
vanner Schrader
dt.-frz. wb. 2, 1383;
in den mundarten: driftən
hin und her werfen, mit der schaufel das getreide von der spreu säubern (
bair. wald) Brenner-Hartmann
Bayerns maa. 1, 80; triftern
z. b. den haber in der schwinge Schmeller-Fr. 1, 653;
dazu triftermolter
molter zum triften des getreides Unger-Khull
steir. 173.
dann in verschiedener, anderer anwendung: welcher (
ochse), nachdem er sie (
die martyrer) auf seinen hörnern ein zeitlang getrifftert, sie endlich tod gestoszen hat P. Crocius
grosz matyrbuch u. kirchenhist. (1617) 10
b; triftan
hin und her schütteln, von in butter geschwenkten neuen kartoffeln, s. Neubauer altd. idiotism. d. Egerländ. ma. 51; trüftern
butter in der hand oder in einer mulde hin und her werfen, um sie zu runden und zu formen Schmeller-Fr. 1, 653;
componiert: die nudeln in der rein (
pfanne) auftriftern, aufschudeln, dasz sie locker werden
ebda; triftern
schütteln, rütteln, lockern Unger-Khull
steir. 173.
weiter abliegend: triftern
hüpfen, von kindern ebda; '
stoszen, schütteln': der wagen triftert Höfer
österr. ma. 3, 239.
bildlich: mein vatter hat dich dir zu gut vom teufel in sein sieb schleppen und drinn sichten und trieftern lassen, damit du ein rechter conversz und warer büszer würdest und dein sünde und schwachheit ... erkennest J. Mathesius
d. tröstliche de profundis (1571) e 2
a; die sach ward so lang unter ihnen getriffert, bis sie endlich einhellig beschlossen Abele
gerichtshändel bei Schmeller-Fr. 1, 653; (
von den mängeln der mitmenschen) man schreits aus, man schreibts aus, man liffterts, man triffterts Abr. a
s. Clara
ebda; auf allen kanzeln ist schon getriffert jene geschichte von einem eremiten
ders., ges. werke (1835) 10, 193;
im österreichischen: eine sache triftern
sie genau prüfen, untersuchen Höfer 3, 239,
s. oben die bedeutung im schwedischen. 22)
bergmännisch ist triftern
das schütteln und schwingen des gesteins (
erzes),
besonders im waschvorgang, vgl. succutere trofteren Agricola
de re metall. (1556) v 5
a (
register): (
sie) fuhren ein in die gäng, schecht, stollen und geschick, sahen schürffen, weschen, rösten, quetschen, zermalmen, räden, schroten ..., durchlassen, troffteren, stampffen, graubstreichen Fischart
Gargantua 294
ndr.; dasz man das bley körnen und zum allerkleinesten sand machen kan, wenn man es trifftert oder schwinget in einem trog, weil es noch heisz ist Mathesius
Sarepta (1571) 101
a; als denn ... schüt man die werck in ein wasser, schrenckt und schreckt sie abe, das sie zufaren wie getriefftert bley
dass. 195
a; aber die Böhmer brauchendt (
bei der erzwäscherei) einen korb ... dem zwo handthaben seindt, welche, so sie denselbigen ergreiffendt, so treibendt sie und troffteren ihn im fasz (
agitant et succutiunt) Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 235; in dises (
sieb) wird das werck geworffen und in eim fasz vollen wassers geräden und das sib wird getroffteret, ausz welchem troffteren, disz welchs under der erbsen grösze ist, in das fasz durchgelassen wird, das ander bleibet an seinem boden liegen ... darnach wirt ein andere matery in das sib geworffen und getrofftert 250; dieweil aber wann das sib nicht recht troffteret, sonder sich auff ein seitten henget, so werden die steinlin oder steinbruch von eim theil hinweg gethon und fellt also widerumb das werck und auch das dün herab in das fasz 251. 33)
von flüssigkeiten, '
träufen', '
tropfen lassen': wenn man si (
die viol) seudet mit wasser und trüeftert die füez dâ mit und daz haupt an der stirn, daz pringt den siechen slâf in hitzigem siehtum Konrad v. Megenberg
buch d. natur 425
Pfeiffer, vgl. hierzu tirolisch: treftern
flüssiges oder halbflüssiges tropfenweis fallen lassen Hintner
Deferegger dial. 262.