spreisze,
spreiszen,
m. astula. mhd. sprîʒe
zu mhd. sprîʒen,
nhd. spreiszen,
findere (
s. unten).
daneben eine starke form spreisz,
in älterem lautstande sprisz,
wol späte analogie zu spalt.
vgl. die begriffliche verwandtschaft unter 4 (
theil 10, 1, 1850): in sinem oug sehe ich ein sprisz, solt ich mir luogen selbs mit flisz, ein balken fünd ich in dem min. Murner
narrenbeschw. 57, 9
Gödeke; ich söl den wisboum vor usziehn us minem oug, eb dass ich sech, dass dich ein spriss in din oug stech. Manuel 354, 2010
Bächtold. nom. plur. sprisze: es seind doch die sprisse in augen auch so grosz, dasz fürwar schwer davon zu reden ist. dann nit vergebens hat Christus gesagt von den sprissen in augen. Paracelsus (1590) 196.
noch heute hessisch vereinzelt spriesz Vilmar 394;
schwäbisch-augsburgisch sprisz,
kleiner span zum feuern benutzt. Birlinger 409
a,
neben spreisz
ebenda. Schmid
schwäb. wb. 504: und die peyn für ain täglich sünd ist als ain spreisz oder halm. Keisersberg
schiff der pen. 18
a.
gewöhnlich aber ist die form spreisze, spreiszen;
mit älterem vocalstande sprisze: ein stupffel oder sprieszen von einem strohalm, ägel,
festuca. Golii
onomast. 378.
noch heute aargauisch sprisse. Hunziker 248.
in jüngerer form: oder etwas darein (
in die wunde) geschossen als ein pfeil oder dorn oder spreissen wâre. Braunschweig
chirurgie (1498) 27
a; was sichstu aber den spreijssen in deines bruoders aug, und wirst nit gewar des balcken in deinem aug (
Matth. 7, 3).
Züricher bibel (1531) 2, 195
a; halt, ich wil dir den spreyssen aus deinem aug ziehen.
ebenda; zeuch am ersten den balcken aus deinem aug, darnach besich wie du den spreissen aus deines bruoders aug ziehest.
ebenda; von stund an zohe ich unden ausz seinem fusz einen groszen stefften oder spreissen. Kirchhof
wendunm. 203
a; so ist gewisz ein ledige spreissen darinn, der noch nicht gar ledig ist worden, aber doch bald herfür wil, und derselbige mag wol eyn blutadern nach darbey haben, die er auch verseert so er geregt wirdt. Würtz
practica der wundartzney 24.
im plural: du meynst gar sicher tragen disen stab, dich zuo halten und zuo stüren, so bricht er dir in der hant, das dir dye
spryssen in den henden gestecken. Keisersberg
bilgerschaft 25
b;
zweifelhaft, ob nicht zu spriesze,
f. (
s. unten): man soll ihn (
den hafer) aber fein dünne säen, dann wann er zu dick gesäet wird, so hindert eines das ander, dasz er vor dem andern nit wachsen kan, und bleibet stecken ... und bekommt kleine sprissen. Coler
hausbuch 1, 151
a.
in der form spreissen: item wer sich zuo vil stüret auff ein ror, der stat sorglich, wenn das ror brichet, und gond im die spreissen in den leib. Keisersberg
der hellisch löw a 7
a; nach vollendung derselben (
der drei tage) löset sie im das band auf, da hett die zwybel nicht allein die spreissen, sondern das gantz aug verderbet und auszgezogen. Kirchhof
wendunm. 1, 147; diese thier sollen nit wenig krafft haben wider das gifft der scorpionen: item geknütscht auffgelegt sollen pfeil, dörn, spitz, spreissen ... ausz angeborner anziehender krafft herauszziehen. Gesner-Forer
fischbuch 127
b; es bleibt der reinste sand, in welchem das gold stecket zwischen den rauhen spreiszen. Henelius
silexiographia 1 (1704), 321.
zweifelhaft, ob nicht zu unten spreize,
f. gehörig, bezeichnen spreiszen
in der sprache der wagner kleine klötze, welche durch sperren eine allmähliche krümmung der wagenhölzer bewirken. Jacobsson 4, 234
a,
vgl. spreisz,
das spreiszholz am wagen. Schm.
2 2, 706,
mit nebenform spreusz,
die schon auf eine beeinflussung durch die gruppe spreizen,
verb. (
s. unten)
hinweist; sprausz Birlinger 408
b.
auch das bei dieser der technischen sprache eigenthümlichen bedeutungsfärbung sich findende feminine geschlecht (
bei Campe die spreisze
und Birlinger
a. a. o.)
geht wol auf rechnung von spreize,
f. (
s. unten).