kluppe,
f. ,
auch m. (
s. 3,
c),
subst. zu klieben,
wie klobe, kluft,
und diesen in der bed. ähnlich; mhd. kluppe
zange (
wb. 1, 846
a),
auch gespaltenes stück (
s. unter 3),
ahd. chluppa
forceps, forcipula Graff 4, 547.
In der bildung fällt das p
auf mit der steigerung des auslauts (
neben dem gleichbed. klub),
wie in gestüppe
staub von stieben;
doch fehlt in kluppe
der umlaut und damit das ursprüngliche i (j)
zwischen stamm und endung, das sonst die steigerung der lautstufe und verdoppelung herbeiführt. ähnlich schnuppen
m. (schnupfen)
zu schnieben.
doch wie bei diesem ist auch bei klieben
eine verschiedenheit der auslautstufe im stamme heimisch, das zeigen kloper, klauper
neben klauber, klaupe
neben klaube
sp. 1024 (
vergl. chluipit
findit Graff 4, 547).
übrigens gibt eine hs. des 11.
jh. auch ahd. 'chlubba
forcibula',
wie freilich auch gar
für kar
u. a. Haupt 5, 198,
s. dazu klub 2.
ganz auffallend aber auch nd. kluppe (
s. 1. 2). 11)
das ahd. mhd. wort bedeutete zange, eig. gespaltenes stück holz mit beweglichen armen, wie kluft 7 (
s. dort)
; ein früh mhd. glossar unterscheidet forceps zange,
forcipula chluppe Mone
anz. 7, 599;
mit dem lat. wort kann indessen auch schere gemeint sein, wie kluft
auch lichtputze, lichtschere ist, und aus der grafschaft Mark gibt Woeste
nd. kluppe
schere an, aber auch gespaltnes holz (Kuhns
zeitschr. 2, 90). 1@aa)
die älteste art, und vermutlich die allererste bed. von kluppe
ist ein gespaltnes holz das man zum festhalten, einklemmen brauchte: darnach sol man nemmen ein stück speck und ausz einem stecken von häselin holz oder weiden ein
kluppen machen,
den speck darein thuen und anzünden, also dasz er uber die kluppen abtriefe. Seuter
rossarznei 418,
der stecken wird gespalten dasz er den speck einklemmt. man brauchte diese kluppe
vielfach, selbst zu wichtigeren zwecken, z. b. zum tragen von briefen, papieren: am sambstag seind absagbrief durch zehen knaben (
pagen, als gesandte) und 3 trummettern zuo herzog Ulrich von Wirtenberg geschickt worden. hat ietlicher knab ain offen brief in der kluppen offenlich gefürt, aber herr Jörgen von Früntsperg knab .. hat drei brief in seiner kluppen gefürt.
des schwebischen punds hörzug im land zu Wirtenberg A 1
b,
es sind briefe die feierlich überreicht werden, offenbar die altherkömmliche form, die in den kreisen der reichsritter wie andres alte noch im 16.
jh. festgehalten wurde; Elberich der zwerg geht ein, tregt ein brief in einer kluppen. J. Ayrer 209
a (1040, 21),
gleichfalls ein absagebrief; zwen brief in einer kluppen. H. Sachs 5, 233
a.
noch in unserm jh. gab es diese kluppe in Schleswig-Holstein, um amtliche schriftstücke bei der gemeinde umgehn zu lassen, sie war aber von eisen und mit verschiebbaren ringen zum festhalten und öffnen, hier dingstock
genannt, s. den 20.
bericht der schlesw.-holst. ges. für vat. alt. 1861
s. 33. 1@bb)
ähnlich wol folg.: das man einen zu der staupen schlegt und windet im die haar mit einer kluppen oder knebel aus dem heupt.
glosse zum Sachsensp. 2, 13. 1@cc) kluppe
zum vogelfang, wie kloben,
decipulum Schottel 1328, Stieler 984,
M. Kramer: ein vogel auf einer kluppen (
gefangen). G. Forsters
frische liedlein 1552 III
nr. 45. 1@dd) kluppe,
ein zum theil gespaltener stock, den man näschigen katzen zur plage an den schwanz hängt. Frisch 1, 525
c,
auch hunden wird sie angelegt, s. kluppen.
in Österreich heiszt die wäschklammer kluppen. Castelli 143, gluppen Loritza 52
a. 1@ee)
dann auch von eisen, z. b. steinkluppen,
zum aufzug der steinen dienlich (
beim hausbau),
forfex ferreus. Maaler 386
b.
aber schweiz. klupe
zange, feuerzange (
wie kluft) Stalder 2, 111
musz doch vielmehr klûpe
meinen, samt klupen
kneipen das. nebenform zu klaube, klauben (
s.klauber f. 1,
a),
letzteres hier in der bed. kneipen, wie schweiz. klieben,
s.klupp 2.
auch die zange kann danach vielmehr als '
die kneipende' kluppe
genannt sein, vgl. klemme 1.
ebenso 1@ff) kluppen,
pastomis, die man den pfärden an die nas oder an das maul legt, auch bremen. Maaler 246
b, Frisius 955
b,
die klemme womit man wilden pferden das maul oder die nase klemmt Adelung,
nasenband, maulkorb Stieler 984 (
vgl.klupp 1, klub 2): wie man ein ross und maulthier mit zaum, kluppen und scharfbisz musz underwerfen und bezwingen. Weckherlin 148 (
ps. 32, 17).
ebenso klupper. 1@gg)
noch jetzt z. b. in reiszkluppe,
von messing, den bleistift zu halten. kluppe
bei messerschmieden, schlossern u. a., eine hölzerne zange, darin etwas in den schraubstock einzuspannen zum polieren; schraubenkluppe
zum anfertigen von schrauben; im bergbau und sonst eine zange, einen abgebrochnen bohrer aus dem loche zu ziehen (
vgl. klub 2);
bei den kammachern eine bank worein die kämme gespannt werden, sie mit den zähnen zu versehen. Adelung.
schafböcke werden mit einer kluppe
castriert (
ders.),
vgl.kluppen 1. 1@hh)
eigen ist kluppe
zum umrühren: rühret den wein mit einer kluppen in einem schaff. Hohberg 3, 1, 286
b,
quirlartig gespaltener stock? vgl. unter kluppert 2. 22)
häufig in übertragnem sinn gleich klemme, doch mit unsicherer sinnlicher bedeutung. 2@aa)
am sinnlichsten vom teufel, wobei man sicher an seine klauen, krallen dachte: vast auf dergleichen schlag gehet der teufel mit den menschen umb, und wann er sie in sein kluppen gebracht hat, spilt er mit ihnen wie die katz mit der maus. Albertinus
der welt tummel- und schawplatz 299,
daher hellisch teufelskluppen
pl. Fischart
flöhhatz 2579
Kurz (850
Sch.),
als bild für die flöhe den jungfrauen gegenüber; aus furcht, der schlaue höllenwicht könnt unvermerkt ihn in die kluppe kriegen. Wieland 18, 73.
die klauen des teufels u. ä. heiszen auch klaubern, klaupern, klopern, kloppern,
und wie klammer oder zange und klaue öfter gleich benannt sind, z. b. in klaue
selbst (
sp. 1030),
so könnte selbst in kluppe
neben '
klammer'
gar wol auch die bed. klaue urspr. enthalten sein, wie schweiz. klûpe (
klaue und zange)
und kluppe
wirklich verflieszen. freilich ist wol auch beim teufel der gedanke an die klauen schon im 16.
jh. nicht sicher, sonst würde nicht der sing. stehen wie im folg., Beelzebub sagt: die ganz welt ist in meiner kluppen. Stephani
geistl. action 1568 B 5
b. 2@bb)
gewöhnlich erscheinen schon im 16.
jahrh. die redensarten damit in der unsinnlichen allgemeinheit wie '
einem in die hände kommen'
u. ä., in die gewalt: dem küng hend märe (
d. i. hend d'märe) nit wol gfallen, wirt im Joannes recht in dkluppen, er wirt sinr zungen fast grob luppen.
trag. von Joh. dem täufer H iij; die alt wird in mit diesen dingen der königin wol int kluppen bringen. H. Sachs 3, 2, 67
c; wenn sie (
die alchymisten) ein in die kluppen bringen, lernens in das fortuna singen. 5, 326
c; brecht ich ihn in mein kluppen nur, so müst er siegen oder sterben. Ayrer 311
b (1555, 21); bekomme ich ihn in meine kluppen, den teufel wil ich ihn ausbannen.
engl. komöd. I, Ff 1
b; weil ich aber sorgen muste, wann ich ihm (
dem gastherrn) wieder in die kluppen käme, würde er mich härter als zuvor halten.
Simpl. 1, 601 (2, 190
Kurz); bis man sie alle beid, der gwinnt und der verlieret, fein in der kluppe recht mit vollem seckel hab. 2, 260,
die juristen die processierenden; dasz Saul den David allerdings umbringt und in seine kluppen gebracht (
haben würde), woferne ihn nicht der Palestiner schnelle einfall mit seinem kriegsheer anderwerts hingezogen hätte. 3, 485 (1713); ist der vater auf geld ersessen ... und nutzt sogar die lampenschnuppen, kriegen sie den sohn in die kluppen, juden und huren die werdens fressen. Göthe 47, 230.
fast in allen diesen fällen könnte auch klauen
dafür stehen, weil es sich um ein anthun von gewalt handelt. aber auch im 16.
jh. schon weit milder: wirt mir denn der abt in kluppen (
schweiz. für dkluppen), so bitt ich in umb ein suppen. Utz Eckstein
richstag (
kloster 8, 835,
von 1526),
kommt er mir unter die hände dasz er meiner bitte nicht ausweichen kann, ein bauer sagt es; das zeigt, wie abgeschwächt, d. h. wie alt die redensart schon damals war. wenn daher die bed. hände förmlich angegeben wird, wie aus Nassau für kluppe,
als plur. Kehrein 231,
so kann das wol erst aus der redensart entnommen sein, zumal in den alten belegen kein einziges sichres beispiel für den pl. ist, wol aber für den sg. auch als masc. sg. (
vgl. 3,
c): noch hab ich in diesen kluppen kumen mueszen. Joachim Imhof
bei Knaake
beitr. zur gesch. Karls V. (1864)
s. 59. 2@cc)
zuweilen tritt mehr die bed. der enge, einengung hervor, die freilich überall mit drin ist, gleich klemme
aus der einer nicht oder kaum mehr entrinnen kann: als er (
kaiser Karl) a. 1529 den Türken für Wien auch fast in seiner kluppen hatte. Luther
tischr. 436
b; bis sie ihn endlich, als er auch gar zu keck ward und sich öfters ohne not allein weit hinaus begab, einmal in die kluppen brachten. Schütz
Preuszen (
Eisl. 1599) 36,
die städter einen gefährlichen landstreicher; wie sie etwa durch list aus dieser kluppen kommen möchten. 20.
vgl. das sprichw. er ist in der kluppen wie eine laus zwischen zwei daumen Schmid
schwäb. wb. 625.
auch bildlich, geistig, schon im 16.
jh.: ich wiln anreden mit worten spech (
listig), ob ich den in die kluppen brecht, so stünd der handel wol und recht. H. Sachs 4, 3, 19
c; ihr werden mich in die kluppen nit treiben, das da ein andere anatomei in physico corpore seie. Paracelsus
chir. schr. 263
a,
in die enge treiben und zwingen (
anzuerkennen). 2@dd)
dabei könnte als urspr. bed. falle, fallstrick o. ä. unterliegen, woran z. b. Stieler
dabei dachte: einen in die kluppe bekommen,
irretire, comprehendere laqueis. 984.
auch an die kluppe 1,
c zum vogelfang dachte man wol, daher mit kloben
zusammen: was (
von speisen aus dem magen) in den tartarum coagulatum gehen soll, das soll destruirt werden und durch den urinam expellirt werden, also dasz er (es?) nicht komme in die conjunction spiritus salis, das ist in sein kloben und kluppen. Paracelsus
op. 1, 290
c.
dazu stimmt auch die form klippe (
fallstrick, falle)
bei Luther, Weckherlin,
s. sp. 1203
unten. 2@ee)
aber diesz klippe
und kluppe
mit ihrem ablaut nebst klappe (6)
falle, fallstrick könnten sogar eine bildung für sich darstellen, von klieben
zu sondern, wie klappe
von klappen;
und dabei fänden wol auch klappa
forcipula Graff 4, 547
und klaper, klaber
klaue ihr unterkommen (
vgl.klauber 2,
d).
selbst altengl. cluppe, clippe
und cleppe
fassen, packen (Stratm. 113)
könnten da in frage kommen trotz der andern lautstufe, vgl. engl. dial. clip
durch eine schraube u. ä. zusammenhalten Hall. 255
b,
schott. clips
pl. enterhaken u. ä., schwed. kläpp
m. fuszfessel für thiere (
auf Bornholm klipp Adler 47)
u. ä., haken zum fischfang (
schott. clip), kläpped
adj. gleich '
in der klemme' Rietz 329
a.
wegen des stamms s. klospe.
nd. kluppe
dürfte freilich aus dem md. entlehnt sein: in der kluppe hebbn, in de kluppe krîgen Schamb. 105
a,
ganz wie schweiz. in dchluppe nä (
nehmen) Fromm. 2, 483
b.
im md. heiszt es übrigens jetzt in die kloppe
oder klopfe (
s. d.),
an klopfen
angelehnt; das wort war eben heimatlos und haltlos geworden durch vergessen des sinnlichen ursprungs, der sich erst aus älteren sicheren beispielen ergeben wird. 33)
bündel, in gewissen verwendungen. 3@aa)
besonders eine kluppe vögel,
fasciculus avium, quaternio avicularum. Stieler 985,
bei Frisch 1, 525
c kluppe '
von etwa 4
oder 5
vögeln, welches man sonst einen spiesz voll
heiszt, ein spieszlein',
wie es scheine, weil man sie gerupft mit den hälsen zwischen zwei hölzer spanne, zum verkauf. Adelung
gibt dasselbe bestimmt an, und es ist richtig, s. unter 1,
a kluppe
zum brieftragen, die fassung der dinge wie sie in den handel kommen, ist darin wie gewöhnlich gleich zum marktgültigen masz erhoben, und dasselbe zeigt sich bei klobe (8)
und kluft (7,
c)
; man wird die vögel eig. in einen gespaltenen stock geklemmt haben, den man an den enden wol zusammenband (
vergl. unter kluppschiene): spiszet und henket si (
die gefangnen) ie dutzet weis wie die kluppen vögel an die baum. S.
Frank chronica 1531 217
a, 1536 251
b,
schon ganz als masz; s. weiter kluppenweise.
bair. eine kluppen vögel,
wie bändlein (bantl)
vier zusammengebundene stück. Schm. 2, 360. 1, 180.
vgl. das thür. kloppe 6,
auch hess. klopp
bund Frommann 5, 179. 3@bb)
übertragen, von schelmen, entlehnt vielleicht eben vom hängen am galgen (
vgl. 'galgenvogel'): da fand ich grosz kluppen der schelmen. Murner
schelmenzunft. so noch bair. kluppen,
eine bande loser vögel, liederlicher gesellen. Schmeller 2, 360. 3@cc)
aber auch als masc.: einen groszen kluppen schlüssel. Philander 2, 348,
schlüsselbund, auch ein kluppen schlüssel
Garg. 148
a (
Sch. 272)
mag m. sein; deren (
lanzetten) haben sie (
die Walhen) etliche viel bei einander in einem kluppen. Ryff
chirurgie Frkf. 1559 24
b (
mit abbildung); etlich kummen in eim kluppen zuosamen und verspotten den abgestorbenen Lampichum.
blödigkeit 1545 24
b,
trupp. noch elsäss.: e klubbe grosz burzelkrut,
portulak (
im reim auf subbe,
suppe) Arnold
pfingstmontag 39.
ebenso mrh. kluft
schlüsselbund als m. (
sp. 1266
unten).
überhaupt zeigt das wort in dieser bed. eine eigne entwickelung, es heiszt auch klupper, kluppert (
s. d.),
und da auch schweiz. klapf
menge und klüpfel
menge (
s. d. 5)
nahe liegen, mag sich noch etwas andres dahinter bergen. 44)
spalt, stück. wenn im vorigen die zugehörigkeit von kluppe
zu klieben
als spalten unsicher scheint oder ist, so tritt sie im folg. doch bestimmt auf. 4@aa) kluppe,
spalt (
vgl.klub m. spalt),
so bair. steinkluppen
felsenspalt Schm. 2, 360,
wie kluft;
ebenso tirol., auch kluppe
gleich klamme (5,
a),
s. Schöpf 327.
schwäb. kluppe,
rinse im tische in der sich krumen u. dgl. ansammeln (Birlinger.). 4@bb)
als abgespaltnes stück, wie kluft
und klobe
gleichfalls, in folg., mhd. (
s. dazu klüppelein): man kan die rede nû anders snüeren und in manger (
d. i. mehr) kluppen spalten, denn wîlent tâten unser alten.
Renner 21703,
vgl. in gleichem sinne 18187 ein rede in siben stücke spalten;
gemeint ist das künstliche dialektisch rhetorische zerlegen des stoffes, vergl. Vintlers
entschuldigung so kan ich nit rhetorica, die hüpsche rede bricht enzwai (Haupt 9, 114).