Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
ein
1.1 Zähleinheit; eine Größe von mehreren bezeichnend
1.1.1 nicht-attr.
1.1.1.1 in Verbindung mit anderen Zahlen
1.1.1.2 auf eine unbestimmte Menge bezogen
1.1.1.3 in Verbindung mit ander (vgl. einander )
1.1.2 attr.
1.2 bei Verblassen der Zahlbedeutung treten verschiedene Konnotationen und Funktionen hervor
1.2.1 etwas mehreren Größen Gemeinsames bezeichnend ‘ein und derselbe (dieselbe, dasselbe), ungeteilt’ (vgl. auch 1.2.6.1 )
1.2.1.1 nicht-attr.
1.2.1.2 attr.
1.2.2 die Einheitlichkeit einer Größe bezeichnend
1.2.2.1 präd.
1.2.2.2 attr.
1.2.3 Singularität ausdrückend ‘einzig, allein’
1.2.3.1 nicht-attr.
1.2.3.2 attr.
1.2.3.3 als adv. Gen. ( eines ) ‘einmal’
1.2.3.4 verstärkt durch vorangestelltes alters ( alterseine )
1.2.4 ‘einsam, verlassen’
1.2.4.1 präd.
1.2.4.2 in Verbindung mit einem Gen. ‘ohne etw., frei von’
1.2.5 adv. ‘nur’ , häufig in Verbindung mit einer Negation
1.2.6 in Verbindung mit al
1.2.6.1 die Feststellung von Identität bzw. Einheitlichkeit verstärkend
1.2.6.2 die Konj. al verstärkend (vgl. aleine ) ‘wenn auch’
1.2.7 in Verbindung mit einer Präp. ein reziprokes Pron. bildend (oft synonym gebraucht zu einander )
1.2.7.1 after ~ ‘nacheinander’
1.2.7.2 bî ~ ‘beieinander, zusammen’
1.2.7.3 in ~ ‘zusammen, miteinander’ (vgl. enein )
1.2.7.4 mit ~ ‘miteinander, zusammen’
1.2.7.5 über ~ (vgl. überein )
1.2.7.6 under ~ ‘ineinander, zusammen’
1.2.7.7 von ~ ‘von-, auseinander’
1.2.7.8 wider ~ ‘gegeneinander’
2 Indef.-Pron.
2.1 eine Person oder Größe bezeichnend, die nicht vorerwähnt ist
2.2 eine im Kontext benannte Größe bezeichnend (mit Genuskongruenz zwischen Bezugsgröße und Pron.)
2.3 ein nicht genauer angegebenes Obj. bezeichnend
3 unbest. Art.
3.1 in Verbindung mit Subst.
3.2 beim Prädikatsnomen, bezogen auf Personenbezeichnungen
3.3 in Verbindung mit Pron.
3.3.1 Poss.-Pron.
3.3.2 Interr.-Pron., wëlch ~ ‘was für ein’
3.3.3 Indef.-Pron.
3.3.3.1 ~ solich ‘ein(e) derartige(r/ s)’
3.3.3.2 ~ iewëlch, ~ iegelich ‘jeder’
3.4 beim Vokativ
3.5 bei Personennamen ‘ein gewisser’
3.6 in unspezifisch pleonastischer Verwendung (vgl. 2 5 Mhd. Gr. § 133b; § 134)
3.6.1 bei Abstrakta
3.6.2 bei Stoffbezeichnungen
3.7 in Verbindung mit einem best. Art.
3.8 anstelle eines zu erwartenden best. Art.
3.9 in pl. Verwendung
3.10 Besonderheiten der Wortstellung
3.10.1 vor einem attr. Gen
3.10.2 zwischen Attr. und Subst.
3.10.3 beim zweiten Glied einer Zwillingsformel
1 Num. 1.1 Zähleinheit; eine Größe von mehreren bezeichnend 1.1.1 nicht-attr. 1.1.1.1 in Verbindung mit anderen Zahlen: zwên und einer, daz sint drî Walth 95,14; calcedonius ist der zwelf stain ainer, die Johannes sach BdN 438,12. – eins ist kein zal, doch ist es zal ein anefang Mügeln II La 4,4 1.1.1.2 auf eine unbestimmte Menge bezogen: so gewinn ich gerne einen [ vrumen man ] , / und anders deheinen, / den ich sô vrumen erkande / daz er mînem lande / guoten vride bære Iw 1909. – mit partitivem Gen.: den dîemant, den edelen stein, / gap mir der schœnesten ritter ein Walth 80,36; ez was der vrowen eine UvZLanz 4684; daz er [Matthäus] beide ist: der zwelf botin einir unt der vier êvangelistin ein PrMd (J) 350,9; MarldA 73. – er was der rîchsten eine / under den burgæren Flore (S) 3368 1.1.1.3 in Verbindung mit ander (vgl. einander ): nu wurden sî ze râte, / der eine sus, der ander sô Reinfr 15659. – in Aufzählungen: daz einer kamerære / und der ander schenke wære, / und der dritte truhsæze Parz 666,25; einem gît er [Gott] wîsheit. / [...] dem andern kunstrîchen hort. / [...] dem dritten manegerhande list RvEBarl 76 1.1.2 attr.: einez unt zweinzich jâre die dû dînem ôheime dienôtest Gen 1684; ein Erich nach dem andern künik Eriche Rumelant 3,61a. – Abgrenzung vom unbest. Art. oft unsicher: ein vierteil eins korbes WüP 103,3; dar vmbe geben wur vnserre vroͮwvn [...] einen brief vnde haben oͮch wir vns selben ein UrkCorp (WMU) 88,45; so belibet den vrowen nit wan ein pfvnt geltez von allem dem gvͦte ebd. 571,9 1.2 bei Verblassen der Zahlbedeutung treten verschiedene Konnotationen und Funktionen hervor 1.2.1 etwas mehreren Größen Gemeinsames bezeichnend ‘ein und derselbe (dieselbe, dasselbe), ungeteilt’ (vgl. auch 1.2.6.1): 1.2.1.1 nicht-attr.: ich [Christus] unt min uater wir birn ein JPhys 3,20; Eckh 5:44,27; waz ist liep vnd leit / hant sie dehein vnderscheit / ich wene sie beide sin ein Herb 735; die frische rose nvwe / vnde ir [Polixenas] varwe, die von ir schein, / die waren glich vnde ein ebd. 16473; si wârn doch bêde niht wan ein Parz 740,28; Tr 13011; gottes gerihte und gottes gerehtekeit das ist nit alles ein Mechth 7:62,36. – in der Verbindung ~ wërden: daz der wille [...] ein wirt mit gote Eckh (Pf) 496,24; das si mit frúntschaft wurdent ain [in Freundschaft verbunden] / und ainmuͦtic ir frúntschaft schain RvEWh 13759 1.2.1.2 attr.: alle cristen unse brother sint, wande wir alle sin eines vader kint MfrkReimb 316; ich [Christus] unt mîn vater hân einen geist Eckh (Pf) 496,11; ir friunde unt ouch die geste die heten einen muot NibB 1370,1; an deme gebene ist nicht so gutes, / so daz man neme vnd gebe al eines mutes Elmend A 336; ich und er waren ein blut und ein fleisch Lanc 43,23; Kudr 414,4. – verstärkt in der Verbindung ~ und der sëlbe: und wúrket alles ein und der selbe geist Tauler 176,25 1.2.2 die Einheitlichkeit einer Größe bezeichnend 1.2.2.1 präd.: swaz ainvalt ist und aine, / daz enmach niemen getailen Kchr 3249; diu götlîche natûre ist ein, und ieglîchiu persône ist ouch ein und ist daz selbe ein, daz diu natûre ist Eckh 5:115,2; daz etwaz in der sêle ist, daz gote alsô sippe ist, daz ez ein ist und niht vereinet. ez ist ein, ez enhât mit nihte niht gemeine ebd. 1:197,9. – nv was er sinnes also ein [zweifelte nicht] , / daz er sie wand erchennen, / als er si hort nennen Krone 8722 1.2.2.2 attr.: Samson, der [...] tusent manne zuͦ einem male [auf einmal] ersluͦc Lucid 146,15 1.2.3 Singularität ausdrückend ‘einzig, allein’ 1.2.3.1 nicht-attr.: dir einemo, herro, sínt si [meine Sünden] chúnt, du eino máht si uirgéban BambGlB 148,5; si uorchten in ainen / mere denne zehen tusent man Rol 6239; niuwan eine Kâlogrenant, / der spranc engegen ir [der eintretenden Königin] ûf zehant Iw 105; von meinem sterben ain / wirt manig sel erlost Märt 4266; PrOberalt 61,7. – wir zwei beliben eine Iw 331. – subst.: ich bin iemer der ander, niht der eine / der grôzen liebe, der ich nie wart vrî MF:Mor 11b:1,1; Jesus [...], / du bist einer, du bist dri Marner (W) 6:8,2. – Gen. eines in Verbindung mit dem Gen. eines Poss.-Pron.: ad tui solius consilium confugimus. nv gefliehen wir zvo din eines helphe PrWack 10,21; herre got, ich hân hie / keinen friunt wan dîn eines Georg 3647; in der Verbindung (mit sîn/ mîn) eines hant: mir ervaht mîn eines hant / ein vrouwen und ein rîchez lant Iw 3527; die nôtwer mac ein man bewîsen mit sîn einis hant StRZwick 210; so enschuldigot er sich mit sin einis hant UrkCorp (WMU) 248A,4 1.2.3.2 attr.: daz du mir do die einen froͮde / die ih hete benomen hast! Wernh D 510. – pl.: dâ was niemen lebende al der degene, / niwan die einen zwêne, Gunther und Hagene NibB 2308,2. – in der Verbindung ze einem mâle: sin [d.i. si ne, bezogen auf Brangæne] wart niht z’einem mâle [nicht nur einmal; oft] rôt / und missevar [bleich] von dirre bete [bezogen auf den Brautnachtbetrug] Tr 12460; wer siner [Baum des Lebens] fruht ze ainem mavl genoz. der lept ymmer mer [...] vntœtlich PrWack 33,14 1.2.3.3 als adv. Gen. ( → eines ) ‘einmal’ daz ich sîn schœne houbet noch eines müeze sehen NibB 1068,2 1.2.3.4 verstärkt durch vorangestelltes alters ( → alterseine ): diu vrouwe beleip mit ungehabe / alters eine bî dem grabe Iw 1598 1.2.4 ‘einsam, verlassen’ 1.2.4.1 präd.: sô nescult ir mîn gibeine hie nieht lâzzen eine Gen 3031; den palas vint ir eine: / weder grôz noch kleine / vint ir niht daz dâ lebe Parz 561,17 1.2.4.2 in Verbindung mit einem Gen. ‘ohne etw., frei von’ nu lange stât diu heide val, / si hât der snê gemachet bluomen eine MF:Rugge 8:1,2; si ist wandels eine, / dâbî minneklich SM:WvT 3:3,7; MF:Mor 11a:1,1 1.2.5 adv. ‘nur’, häufig in Verbindung mit einer Negation: daz er wol möhte rîten in Etzelen lant, / daz rieten im die besten, die er dar under vant, / âne Hagen eine NibB 1458,3; mich fröit weder loub noch sunne, / niht wan ein ir lîb SM:KvL 10:2,8. – in der Verbindung niht eine …, sunder …: daz wir niht eine sin gemant uf zv stene. suͦnder ouch daz wir ho sten PrLpz (L) 129,9 1.2.6 in Verbindung mit al 1.2.6.1 die Feststellung von Identität bzw. Einheitlichkeit verstärkend: – adv. ‘genauso wie’ swenne sô di sunne / obene an den palas schein, / sô schein daz golt al ein / und der wâch der under [d.h. Gold und Wasser glänzten gleichermaßen] SAlex 5920; daz flêhen unde diu bete / [...] gienc in einen stein / und in ir herze al ein [ging in ihr Herz genauso wie in einen Stein, d.h. gar nicht] Flore (S) 5779. – präd. ‘(ein und) dasselbe’ man und wîp diu sint al ein; / [...] der enwederz sich gescheiden mac Parz 173,1. 203,5; stætiu liebe heizet minne. / liebe, minne ist al ein UvLFrd 430,2. – man und wîp mir sint al ein Parz 116,26; swelche lîche man sô besiht, / gebalsemt vleisch, hût und bein, / der sint tûsent jâr al ein, / als ob si læge die êrsten naht Wh 451,28 1.2.6.2 die Konj. al verstärkend (vgl. → aleine ) ‘wenn auch’ alleine tete im sin wunde we, / er sluc vaste vmbe sich Herb 5904 1.2.7 in Verbindung mit einer Präp. ein reziprokes Pron. bildend (oft synonym gebraucht zu einander) 1.2.7.1 after ~ ‘nacheinander’ er sluc einen slac dar; / des wart genre wol gewar. / do sluc er zwene after ein; / also tet er da engein. / do sluc er dri Herb 5653; so hette er geschozzen dare / tusent phile afer ein ebd. 11741 1.2.7.2 bî ~ ‘beieinander, zusammen’ bî ein si lâgen KvWEngelh 3208; si wâren dâ bî ein gelegen ebd. 3202 1.2.7.3 in ~ ‘zusammen, miteinander’ (vgl. → enein ): zuo uns kam diu werde minne / unde slôz uns beide vaste in ein KLD:UvL 57: 4,2; si vohten freislîchen / zwêne tage al in ein SAlex 2141; biz daz sie in ein vereinet werdent Eckh 5: 33,4 1.2.7.4 mit ~ ‘miteinander, zusammen’ mit ein si aber gingen Elis 921 u.ö. 1.2.7.5 über ~ (vgl. → überein ): – ‘sämtlich, zusammen, gleichermaßen’ sie wolden alle vberein / Achillen hole mit gewalt Herb 13716; wir werden uber ein geschant MarLegPass 25,333; Athis A 96. – ‘übereinstimmend, miteinander einig’ wer möht überein uns bringen, / frouwe Minne, ezn tuo dîn swanc? KLD:BvH 17:5,4; die Salzpurgære / [...] des über ein wâren komen, / daz ze bischolf wart genomen / her Philipp Ottok 5235. – ‘völlig, ganz und gar’ an den [Gott] geloub ich über ein Georg 3099; ez sî wîp oder man, / daz sol mich niender rüeren, / noch über ein zefüeren ebd. 5086; och wais ich daz wol úber ain / [...], / daz [...] SHort 11212. 11080 1.2.7.6 under ~ ‘ineinander, zusammen’ du [Gott] dich ân urhap strickest / unde ân ende dringest under ein KvWLd 1,8; bleich unde rôt wart under ein / gemischet an in beiden KvWTroj 7770 u.ö.; Elis 1495 1.2.7.7 von ~ ‘von-, auseinander’ soliche liebe was in zwein, / daz sie beide sich von ein / verdolten keine wile Elis 1580; da si [...] gescheiden alle also von ein ebd. 5771 1.2.7.8 wider ~ ‘gegeneinander’ her Reimar unde her Walter / von der Vogelweide; / [...] die alle wolden singen / wider ein in kriges wis Elis 199 2 Indef.-Pron. 2.1 eine Person oder Größe bezeichnend, die nicht vorerwähnt ist: da mite vor [l. vuor ] ein der iz [den Transport] wol behote Roth 1041; iz ist niht von einem geschriben, [...] sunder von aller dirre werlt PrStPaul 52,17; lyp, eins ich dir raten wil! Minneb 5302. – in der Wendung âne/ wan daʒ eine: âne swaere / [...] ich waere, / wan daz eine, daz sich sent / mîn gemüete / nâch sîner güete, / der er mich wol hât gewent MF:Reinm 55:1,3; die tugent [...] hette Ector / an daz eine: er schilwete ein cleine Herb 3159; ân daz eine lâz ich vor, / daz mir offen sîn diu tor, / ob ir welt ze Palastîn Georg 4891 2.2 eine im Kontext benannte Größe bezeichnend (mit Genuskongruenz zwischen Bezugsgröße und Pron.): nemet die wal / under der rosse zal, / ein daz iuz liebiste sî Er 3568; der besten gâbe einiu, die got hât / dem menschen geben Renner 22167. – in Verbindung mit ander: ob zwene mit ein ander gingen uf einer strazen, wolde der eine so und der andere suͦs, so mochten sie schire zu strite cuͦmen PrLpz 384,39. – swie oͮch eine dem andern gegen den oͮugen vrevenlich stechende triffet UrkCorp (WMU) 26A,21; einer ist hv́te hie, morn anderswa, einer stirbet, der ander wirt giborn ebd. 2583,38 2.3 ein nicht genauer angegebenes Obj. bezeichnend: pfiff mir ains, daz ich kan / tantzen Bauernh 448. – in der Wendung jmdm. einez gëben ‘einen Schlag, Tritt versetzen’ so mochte is mir gar balde / mit synem beslagen fuße eins geben / under myn augen und mich treffen eben Pilgerf 8773 3 unbest. Art. 3.1 in Verbindung mit Subst.: sô ist dâ iemer ein rouch, ein widerkriec, ein prasteln, ein arbeit und ein strît zwischen viure und holze Eckh 5:34,2; er [Gott] erwelt im ein armeu muter, er wart ze ainer armen stat geborn, er lie sich in ein armeu chrippe legen PrOberalt 31,31. – eines liedes si begunden VEzzo 5; nû nam er einer stiege war Iw 6434; daz daz clain augäpfelein nimpt ain pild aines ganzen menschen oder ains grœzern dinges BdN 10,14. – ez sint auch klaineu läutel, die wonent auf ainem perg in India, die haizent pigmêi BdN 490,35; si stunt an ainer warte Rol 8606; mir ist geschehen als einem kindelîne, / daz sîn schoenez bilde in einem glase gesach MF:Mor 32:1,1. – ein vrouwe sol einen herren nemen Iw 6626; mir ervaht mîn eines hant / ein vrouwen und ein rîchez lant ebd. 3528 3.2 beim Prädikatsnomen, bezogen auf Personenbezeichnungen: Kain was ein accherman Gen 611; du gihst er sî ein koufman Parz 358,13; ir sît ein künegîn NibB 1746,3 3.3 in Verbindung mit Pron. 3.3.1 Poss.-Pron.: mîn kinne und ein mîn wange Walth 8,8; er sach einen sînen mâc NibB 2016,2; ein dîn fürste Turkentâls / den tôt von sîner hende enphienc Parz 128,8 3.3.2 Interr.-Pron., wëlch ~ ‘was für ein’ nu sehet, welich ein wundir da gescach VRechte 462. – im Ausruf: âvoy welch ein poulûn [Zelt] ! Parz 62,18; der meister sprach: ‘deist Tintajêl.’ / ‘Tintajêl? â welh ein castêl!’ Tr 3159 3.3.3 Indef.-Pron. 3.3.3.1 ~ solich ‘ein(e) derartige(r/ s)’ swenne ein sulich ding ergat Herb 1158 u.ö. – mit anschließendem Rel.-Satz (mit konsekutivem Nebensinn): ein solich not, [...] die ich nit begriffen mag Mechth 3:3,42; diu kerge ist ein solich sünde, / diu wîsen kan an bœse tât SM:JvR 1:15,8; ich wil faren in ein solche stat da man mir wol glauben sol Lanc 99,19. – mit anschließendem Konsekutivsatz: ich [...] han ein solich hus gesehen, das mich nie keines dinges so sere gewunderte Mechth 2:24,17; Herb 11631 3.3.3.2 ~ iewëlch, ~ iegelich ‘jeder’ daz tû mich habest ze scalche zeineme iewelichen tage werche Gen 2413; got der wil lazen / der sunde die maze / einem íwelen menschen / al nah sinen gensten Glaub 2192; ein ielich burger ist genoze sines guͦtes daz er koͧfit StRFreiburg 667. – ein ieglich ungefuͤger bauch, / der ist ein trencker und ein slauch Physiogn 345; dri wile sint, die ein iegelich mennessce wol uurhten mac Spec 146,13; Konr 23,25 3.4 beim Vokativ: von Rôme voget [La. ain vogt ] , von Pülle künic [La. ain kv́nic ] Walth 28,1. 118,29; daz mir daz herze trûret tougen. / daz bedenke, ein schoenez wîp! MF:Gottfr 2:6,6; er sprach ‘genad, ain vroͮwe min!’ RvEWh 5165; sint gotte wilkum herre, ein edeler swert degen WolfdD 1363,1 3.5 bei Personennamen ‘ein gewisser’ das wir [...] enhein reht an den selben lúten han, die hie nach geschriben stant: ein Albreht der Mulner vnd sin bruͦder UrkCorp (WMU) 450,45. – vor einem exemplarischen Namen im Rechtsformular: so klagt er uch vber einen Heinriche, daz her ist komen binnen wichbilde UrkCorp (WMU) 51,42 3.6 in unspezifisch pleonastischer Verwendung (vgl. 2 5Mhd. Gr. § 133b; § 134): 3.6.1 bei Abstrakta: dâ nâch er [Gott] in [Adam] ane warf einen slâf vile starch Gen 294; ez wære ein unmanheit Iw 632; ez tet diu hûsvrouwe durch einen grôzen nît NibB 838,2 3.6.2 bei Stoffbezeichnungen: der [ kristenheit ] ist ein gift nû gevallen, / ir honec ist worden zeiner gallen Walth 25,18; ein wazzer iesch der junge man Parz 228,1; dâ legen uns an ein gras NibB 1623,3; Kudr 1196,4. – in Vergleichen: wiz als ein sne Herb 8561; wîz lûter sam ein îs En 8795; dar ûfe lâgen steine grüene sam ein gras NibB 436,2 3.7 in Verbindung mit einem best. Art.: er dâhte und dâhte als ein der man, / dem ez ze cleinem liebe ertaget Tr 15228. – in superlativischen Ausdrücken: jâ verlôs ich ein den besten [den Allerbesten] , den ie vrouwe gewan NibB 1233,4; diu was ein diu schœniste maget / von der uns ie wart gesaget Er 310; sî muose tôten sehen / einen den liebesten man / den wîp ze liebe ie gewan Iw 1315 3.8 anstelle eines zu erwartenden best. Art.: Alexander begunde dô streichen / ein ros [das Pferd wurde zuvor ausführlich beschrieben] , daz nie nichein man begunde weichen [lenken] VAlex 316; dannen gie dô Sîfrit zer porten ûf den sant [...], da er ein schiffel vant [sein zuvor mehrfach erwähntes Schiff] NibB 482,2; dô kêrter ûf die niwen slâ. / Cundrîen mûl die reise gienc, / daz ungeverte [Unwegsamkeit] im undervienc [entzog] / eine slâ dier het erkorn Parz 442,29. – ez gienc eines tages [an eben jenem Tag] , als unser hêrre wart geborn / [...] künic Philippes schône Walth 19,5. – bei Standes- oder Amtsbezeichnungen: vnd habin den [ brief ] bisigilt mit ainis erbærin herrin jnsigil, abit Hain. von Jsnj UrkCorp (WMU) 2976,24; swc si dar vmbe gent, daz sol er halbes geben eîner æbtissin von Zivrich ebd. 245,35. – in der Königstitulatur (funktionsgleich mit artikellosem Gebrauch): wir Adolf [...] ein romescher kung vnd ein merer des riches UrkCorp (WMU) 2785B,12; an kvnc Rvͦdolf, von den gnaden gottes ain voct ze Rome an des stat ebd. 1444,39 3.9 in pl. Verwendung: – auf Personen bezogen: die êwiclîchen sterbent, daz sint eine, den ist wê, den andern den ist wirs PrBerth 1:125,39; so sint einu liute [eine Art von Leuten] da bi, / haizent Arimaspi HimmlJer 231. – bei Abstrakta: von einen gnâden ich iu sage Greg 3753; daz wart zeinen êrn getân / froun Cunnewârn der künegîn Parz 336,28; der hêrre [von Böhmen] ist guot, sîn lant ist sam: / wan deich mich einer dinge sêre bî in beiden scham RvZw 150,5. – bei Zeitangaben: zeinen pfingesten Iw 33; daz was in einen zîten [zu eben jener Zeit] , dô vrou Helche erstarp NibB 1143,1; zeinen stunden Wh 9,1 3.10 Besonderheiten der Wortstellung 3.10.1 vor einem attr. Gen: der was ein des keisers neve ErnstA 354,92; ein des wirtes sun Parz 551,19. – dô hôrt ez ouch von Berne ein Dietrîches man NibB 2235,3; des antwurte dem künege ein Kriemhilde man ebd. 1753,1. 1642,3 3.10.2 zwischen Attr. und Subst.: mit zühten wîs ein man Parz 825,8; diu triuwe ist lieht ein spiegel KLD:WvBreis 1:6,1. – in Ausrufen ( ‘was für ein…!’): sô wol dir, wîp, wie rein ein nam! MF: Reinm 14: 3,1; daz die liute iht sprechen hin ze dir ‘wie bœse ein man.’ KLD:RdF 1:4,2 3.10.3 beim zweiten Glied einer Zwillingsformel: dîn werde minn, krôn unde ein lant [eine Krone und ein Land] Parz 302,10; strâze und ein pfärt begunde tragen / Gâwân gein der porte ebd. 403,12 – in mehrgliedrigen Reihungen beim letzten Glied: der durch uns starb, unde ouch genas [Christus] , / der keiser, unde herzoge, unde ein bischof was Rumelant 3,60b. – Lit.: Pretzel, Bed. S. 232ff., vgl. auch ders., Zum Prolog von Hartmanns ‘Gregorius’, in: FS G. Cordes, hg. Debus/ Hartig, Bd. 1, Neumünster 1973, S. 117-125.
MWB 1 1525,39; Bearbeiter: Runow