gefreund,
gefreundet,
adj. (
subst.)
und part. zu freund. II)
Die form. I@aa)
mhd. gevriunt,
nicht participisch, sondern eine adjectivische bildung einfachster art unmittelbar von vriunt
mit dem ge-
das ein verhältnis bezeichnete, s. darüber sp. 1611.
das tritt z. b. deutlich vor in der bindung ich bin gevriunt unde geman
Trist. 9194 (231, 36),
habe freunde und mannen. ebenso von vîant
gebildet, was nhd. gefeind
wäre, aber hochd. sich gar nicht entwickelte, gevîant
nrh. nl.: priester Johan were gefiant mit desem koenink. Harf
pilgerf. 142, 17,
verfeindet, in fehde (
vgl. unter b).
auch nhd. einzeln noch richtig gefreund: weil sie mit einander gefreund waren. Luther 2
Macc. 5, 9,
verwandt; s. auch Fischart
nachher unter II, 1,
b und Henisch,
der gefreundt
davon unterscheidet. I@bb)
aber gevriunt
konnte auch als subst. verstanden und gebildet sein, wie gebrüder,
mhd. gebruoder
plur., zumal vriunt
selber schon auch als pl. galt ohne pluralzeichen, also zwei oder mehr als gevriunt,
freunde zusammen. aber auch mit pluralzeichen, gevriunde (
vgl. unter gebrüder 1,
b): wir sîn sô niht gevriunde,ich und Hartmuot.
Gudrun 1620, 2,
nicht so sehr freund zusammen (
s. auch u. II, 2).
ebenso nrh. nl. gevîande: greve Gerart ind her Arnolt .. de geviande waren.
Cöln. chr. 2, 37, 20; ind wurden under einandern geviande. 1, 354, 5;
mnl. geviande
pl. Oudem. 2, 634, gevriende 643. I@cc)
doch die auffassung der form als participisch konnte nicht ausbleiben nach dem ge-
und -t (
s. sp. 1612),
zumal sich ein zeitwort gevriunden
daneben, vielleicht daraus bildete, auch im anschlusz an gevriunt
verwandt, z. b.: sô ir vil gevatern habet unde sô ir iuch danne gefriunden sult mit iuwerem kinde .. Berthold 32, 20,
durch seine verheiratung in eine verwandtschaft kommen, gefriunt
werden (
vergl. befreunden 1).
so wird denn gefreunt
im schreiben auch zu gefreundet zerdehnt (
im sprechen gewiss seltener),
z. b. bei Closener
jenes: nu was ein schultheisze zuo Kolmar, der hies Johannes, und was der gar wol gefrünt und ouch gar geminnet zuo Kolmar.
Straszb. chron. 78, 26,
bei Königshofen
das andere: und Dieterich von Berne gap sine swestern den künigen in den landen do umb, das er von allen herren gefründet wart. 379, 8.
im 16.
jh. läszt die gewöhnliche schreibung gefreundt
die auffassung in der schwebe, aber gefreundet
ist häufig, auch nahe neben jenem. ebenso dann substantivisch die gefreundeten. I@dd)
auch gefreundet
aber ist endlich untergegangen in unserem befreundet (
vgl. übrigens II, 5),
wobei der rein äuszerliche tausch von ge-
und be- (
s. sp. 1623
fg.)
besonders deutlich ist, da es sich um bezeichnung des verhältnisses von freundschaft und verwandtschaft handelt, ein verhältnis aber von ge-
bezeichnet wird, nicht von be-; befreundet
sagt genau genommen nur: mit freunden versehen (
wie mans doch eben nicht braucht, s. aber hier II, 1,
d),
doch im 17. 18.
jh. galt der befreunde, befreundte
völlig gleich der gefreundte (befreund
amico, parente, befreundung
amitié, parentage Rädlein 119
b),
selbst befreundin
gleich gefreundin,
und noch in dem heutigen einem befreundet, unter einander befreundet
steht eben be-
völlig an der stelle des ge-
als eindringling, wie z. b. in bedicht
für gedicht S. Brant
moretus 444,
in befahr
für gefahr (
sp. 2061). IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
zu freund
im eigentlichen sinne: gefreund,
coamicus. Henisch 1420 (
das lat. wort nach dem deutschen gebildet),
daneben gefreundt
cognatus das. II@1@aa)
zwei sind oder werden gevriunt, gefreund: als Ysaac wart begraben, Esau und Jacob der rîche wurden gevriunt stætechlîchen.
genes. 72, 17
D., sie versöhnten sich am grabe des vaters (
mit dargereichten händen, wie das bild es darstellt),
nachher z. 19 dô wurden die zwêne bruodir geliep,
deutlich adjectivisch, einander lieb, freund. auch nhd. gewiss noch, obwol es an belegen fehlt. II@1@bb)
mit dativ, man ist, wird einem gefreund: die vîende werden dir gevriunt. Hoffm.
fundgr. 1, 261, 19; doch die schoshündlin man nicht maint, dan sie den weibern sind gefreund, also das sie die flöhen msen. Fischart
flöhh. 2554 (2, 69
Kz., 849
Sch.); die erst (
von den drei fräulein) die ist mein schwester, die ander ist mir gefreund, die dritt die hat kein namen, die musz mein eigen sein. Uhland
volksl. 61,
wo freilich auch verwandt gemeint sein kann. II@1@cc)
subst. mein gefreundter: ich hab gewölt .. die tochter meins gefreundten zu einem weib nemen. Bolz
Terenz 206
a; lug das du nit unrecht thuest wider dein gefreundte. 206
b. II@1@dd)
auch vom einzelnen, gefreundt,
mit freunden versehen, mhd. gevriunt
s. u. I,
a: weit beherrt und nahend gefreundt (
ist gut). Frank
spr. 1, 89
a,
mit der erklärung: die herrn ist guot das man sie weit hab ... aber guot ist es recht freund, so in nöten dein stütz und trost sind, haben (
genauer: nahe haben),
wonach an freunde wenigstens mit gedacht ist neben verwandten.
also be herrt,
aber nicht befreundet,
mhd. vielmehr auch geherret.
mhd. auch ungevriunt,
freundlos (
vergl. dazu 4,
c): ich bin ein ungefreunder mann.
Limb. chron. 14
R. s. auch nahe gefründt
und wol gefreundt
unter 3,
a. b. II@22)
zu freund
geliebter, mhd. und noch nhd.: daʒ sie (
er und sie) gevriunde wæren, ê ich sie ie genæme.
krone 10312; ein gefreunder hätte einsten gern seine gefreundin zu seinem willen gebracht
u. s. w. Matth. Hammer
hist. rosengarten Zwickau 1654
s. 394. II@33)
am häufigsten aber von verwandtschaft, die ja unterm volke noch weitverbreitet freundschaft
heiszt. II@3@aa) einem, einander gefreundt
u. ä., verwandt: das wir (
euch) so wol gefreunt sein ped von der vierten gesippt her, ich und mein Gred.
fastn. sp. 53, 10; zum selben (
mönch) kam auf einen tag ein landsknecht, der im war gefründt. Waldis
Es. II, 79, 3 (
s.ohm v. 9); ei nein, er sei ihme nicht gefreundt. Ayrer
proc. 2, 10; sie stellen diejenigen, so einander gefreundt sein, an einen haufen zusammen. Micyll.
Tac. 440
a;
besonders von verschwägerung, freundschaft durch verheiratung: wiewol sie (
die von Alba longa) den Römeren nahe gefreundt, denn noch nam der unwill zwischen inen tägklich zuo, dasz es zuo einem offnen krieg erwuchs. Kirchhof
wend. 1, 21
Öst.; diese sechs (
Horatier und Curiatier), wiewol sie gefreundt und schwäger zusammen waren, wurden zuo obgemeltem kampf erwehlet.
das.; darnach der adel unternander gevettert, geschwistert, geschwegert,
gefreundet u. s. w. Luther 8, 41
b (
s. unter gebrüdert),
jetzt mit ver- verschwägert, verschwistert (
wol nach verwandt)
und landschaftlich, wie bair., heiszt es denn auch verfreundt
neben gefreundt
und befreundt Schm. 1, 615,
wie noch verfeindet.
Aber auch als allgemeinster ausdruck, auch nächste blutsverwandtschaft einschlieszend: vatter und muetter und ire kind sind anainander gefreundt in der ersten sipt, geschwistergit sein einander gefreundt in der ander sipt
u. s. w. bair. landr. 1568
bei Schm. 1, 615 (ungefreundte vormünder
das.). befreundte
sive gefreundte vom vater (
her)
agnati, gefreundte von der mutter
cognati Stieler 557. II@3@bb)
mit adv. zur näheren bezeichnung des verwandtschaftsverhältnisses, z. b. weit
oder nahe (
vgl. unter 1,
d): wo zwo partien sind so gschwind, si sigind wyt ald nach gefründt. Ruff
etter Heini 2162,
d. h. dem rate, der ihnen richten soll, verwandt, verschwägert, die eine partei weit, die andere nahe. etwas gefreundet,
einigermaszen verwandt: ich hab von einer gehört, die mir etwas gefreundet. Kirchhof
wend. 315
b. II@3@cc)
vom einzelnen im verhältnis zur ganzen '
freundschaft',
besonders wol gefreundt,
mit guter, groszer, hoher verwandtschaft, mhd. z. b. im munde der fischersfrau, die gegen ihren mann über Gregorius zürnt, dasz er ihr kind geschlagen: daʒ er mir bliuwet mîniu kint, so wol si hie gefriunt sint! dînen friunden zimet daʒ niht wol, daʒ ich diz laster dulten sol von einem sô gewanten (
verwandtenlosen) man, der nie
mâge hie gewan. Hartmann
Greg. 1138,
d. h. es ist eine schande für die ganze '
freundschaft'; und wie das (
obschon) Sergius von dem mereteil wart zuo bobeste erwelet, so was doch Formosus wol gefründet und versties disen Sergium. Königshofen,
Straszb. chron. 546, 5,
also vom sog. nepotismus; dirre (
papst) was wol gefrundet .. und vorhte nieman. 550, 19,
vergl.wol gefrünt Closener
unter I,
c; wol gefründet,
der ein groszen anhang und fründschaft hat. Maaler 162
b. so gefreundet,
so gut gefreundet: aber unser gnediger herre were gottlob so gefreundt, das er sich nicht dringen liesze. Haltaus 611,
vom j. 1476.
dazu als gegensatz nüt gefründet,
ohne mächtige, einfluszreiche freundschaft: und andere herren (
im lande) sattent sich ouch wider in (
den bischof), das daʒ bistum underwilent geschediget wart, und wan (
da) er nüt gefründet was, do kunde er es nüt erweren. Königshofen 677, 6,
d. h. nicht aus den adeligen geschlechtern des landes. das ist also wie geboren
schlechthin gleich wol geboren,
adelich sp. 1646,
vergl. auch geblüt
sp. 1797
und die geschlechter
nachher (4,
c). II@44)
dazu dann substantivisch II@4@aa) mein gefreundter
u. ä., verwandter: ein gefreunder des, dem Petrus das ohr abgehawen hatte. Luther
Joh. 18, 26; grüszet Herodionem meinen gefreundten.
Röm. 16, 11,
τὸν συγγενῆ μου; die meine gefreundte sind nach dem fleisch. 9, 3; ire nachbarn und gefreundten.
Luc. 1, 58; suchten in (
den kleinen Jesus) unter den gefreundten und bekandten. 2, 44; sprach die fraw einen irer gefreundten
an. Kirchhof
wend. 31
a.
auch in der hofsprache: bei i.
f. gnaden gefreundten. Schweinichen 1, 204; churfürstliche gnaden wüsten wol, wie sie ihre nahe gefreundten und andere fürnehme leute halten sollen.
verhandlungen der schles. fürsten und stände 1621
s. 96. alle gefreunte,
die ganze freundschaft: bei den Arabiern, so die glückselige Arabiam in wonent, was der brauch das alle gefreunten nun (
d. i. nur) ein weib haben solten. Alpin
Vergilius 7
b (consanguineis). II@4@bb)
auch als fem.: und sihe, Elisabet deine gefreundte ist auch schwanger mit einem son. Luther
Luc. 1, 36,
ἡ συγγενής σου.
s. auch gefreundin. II@4@cc)
im engeren sinne die gefreundten,
die freundschaft, in vornehmerer red- und denkweise, wie wol gefreundet (
und nicht gefreundet)
u. 3,
c vom einzelnen aus einer verwandtschaft, die sich und ihren einflusz im lande oder in der stadt fühlt. besonders in städtischer rede, von den '
patriciern'
oder geschlechtern:
patricii, dy gefrunten, dy eddelen oder dy von dem geschlechte. Trochus E 3
a.
so seit dem 14.
jh.: die gefreundten bürger in der stadt, die man nante die reichen ... verhuben sich ires gutes und irer freunde und druckten die gemeinen leute. Haltaus 611,
aus Nordhausen vom jahre 1375; zum ersten (
zu wählen) ein gebietsherre .. her si vom adel ader gefrünt ader von der gemeine, also (
doch so, mit dem beding) dasz her ein borger si und ein eigene mol (
mühle) habe.
Erfurter wasserordnung bei Michelsen
rechtsd. 111; (
die '
armen'
in Nürnberg würden) die seniores mit den burgermaistern, geschlechtern und gefreunden tot schlagen und über das rathaus hinaus (
zum fenster) werfen.
Wilwolt v. Sch. 107.
dazu wieder ungefreundt (
vgl. 1,
d. 3,
a a. e.),
von den '
armen'
oder '
gemeinen'
leuten: dieselbten wilkore (
s.kur II, 3) auch der rat bei irem eide den armen als den reichen, den ungefrundten als den gefrundten .. gleichlich zuhalden (
schuldig). Haltaus 611,
aus Halle vom jahre 1479. II@55)
in neuerer zeit ist es doch theilweis wieder gebraucht. II@5@aa)
begreiflich in biblischer sprache: Loth, sein (
Abrahams) gefreundter. Hebel
bibl. gesch. 1, 26; die errettung seines gefreundten. 1, 27; bei seinen gefreundten 1, 54
u. ö. doch im anfang des 18.
jahrh. auch noch in wörterb., z. b. 'gefreundte,
befreundte, die anverwandten' Ludwig 710. II@5@bb)
aber auch sonst, mit alterthümelnder färbung, z. b. in dem deutsch das man sich vor hundert jahren für Homer aus den aufwachenden altdeutschen studien zurecht machte (
s. z. b. Wieland
in Bürgers briefw. 1, 303
Str., vgl. unter kiesen 4,
g): viele vettern hatt' ich daheim und viele gefreundte. Stolberg 11, 311; ihn dort fanden sie feiernd im schwarm der gefreunde die hochzeit seines sohnes daheim. Voss
Odyssee 4, 3,
mit richtigem zurückgreifen auf die älteste form (
s. I,
b),
aber in der ersten ausg. steht noch freunde,
wie im folgenden; für die gefreunde der braut. 18, 279; sehnsucht .. nach vaterstadt und gefreunden.
Il. (1806) 3, 140; verläszt die gefreundeten und das geburtsland.
Odyssee 23, 120; du wirst dich wundern, wie ich zurückzukommen denke (
aus Halberstadt), an leib ein homerischer hirte, an geist ein gefreundeter Gleims. Voss
br. 2, 374 (
an seine frau 1794),
man bemerke den hexametrischen tonfall. II@5@cc)
aber auch mundartlich noch, z. b. bair. (
s. u. 3,
a),
wol auch oberrh., schwäb. nach folg.: als Jakob schon eine zeitlang bei seinen gefreundten sich aufgehalten. Hebel (1832) 4, 34; gegen abend kamen die schwiegereltern des Rodelbauern und andere gefreundete. es musz sich entscheiden. Auerbach
Barf. (1862) 195; alle gefreundeten waren herzugekommen. 199; ich dank euch, ihr gefreundeten alle! vergesset unser nicht ... lebet wol und gesund.
auf d. höhe 2, 286,
hier wol wie nachbarn und gefreundte, gefreundte und bekante
bei Luther
unter 4,
a; s. auch folgendes.