oheim,
ohm,
öhm;
ohme,
öhme,
m. avunculus, patruus, cognatus. II.
formelles und etymologisches. I@11)
in voller form ahd. ôheim (
nur in glossen),
mhd. ôheim, œheim
und schwachformig ôheime, œheime;
md. ôhême;
nhd. oheim (
doch nicht volksmäszig). —
mit übergang des auslautes in n:
mhd. ôhein, œhein,
nhd. ohein (ochein Baumann
quellen 1, 113). I@22)
in verkürzter form: ags. eâm (
aus eahâm),
mit tonlosigkeit des zweiten theiles: mhd. ôham, œhan;
md. ôhem
und mit schwund des h ôem;
nhd. (
s. die belege bei II) öham, öhem, ohem, ohen, öhen, öchin
und echin (Th. Platter 63. 113
B.), öchi Staub-Tobler 1, 74;
mit schwund des inlautes: altfries. em;
mnd. nd. ôm;
md. ôm
und ôme;
nhd. ohm, öhm
und schwachformig ohme, öhme. I@33)
dem ahd. ôheim
würde ein goth. áuhaims
entsprechen, bei dem es schon zweifelhaft bleibt, ob es in áu-haims,
in áuha-ims
oder in áu-h-aims
aufgelöst werden soll, so dasz das wort dem ursprunge und der bildung nach noch nicht aufgeklärt ist. nur so viel scheint gewiss, dasz die erste silbe verwandt ist mit lat. avus,
goth. ava (
zu folgern aus avô
groszmutter),
altn. afi,
altsl. uj (
aus uju, auja);
der bildung nach ist zu vergleichen das lat. avunculus
und lit. avínas.
vergl. J. Grimm
kl. schriften 4, 194. Dief. 1, 83. Fick
2 343. Miklosich 1044
a. IIII.
bedeutung. II@11)
avunculus, der mutterbruder, manchmal aber auch patruus, vatersbruder (
wofür schon in der lex salica das lat. avunculus
gebraucht wird Du Cange 1, 1, 492. Diez
4 649),
sowie der schwestermann von mutter oder vater (
vgl. onkel).
ahd. ôheim
avunculus, ôheimes sun,
consobrinus Graff 1, 152;
mhd. sînes ôheimis sune redeten ubil von im.
Milstäter genes. 60, 5; dô Jacob chom in daʒ lant,dâ er sînen ôheimen vant, 55, 5; sô sult ir heiʒen gân nâch mînem (
Ortwin v. Metz) œheim Hagnen.
Nib. 82, 4; sîn vater wær sin œhein (: mein). Hartmann
Greg. 565;
nhd. oheim, muterbruder
voc. 1482 x 8
b; wie die schœn Isald iren Oehem also toten hinweg fürte.
Tristrant 16, 3
Pfaff; er (
Tristan) ... fuor heim in seins Oehems künigreich. 21, 10; Walpurgis kam zu irem öhem S. Bonifacio.
heiligen leben (1472) 27
b; o herr ohem, ihr thut nicht wol an mir. Henneberger
landtafel 316; wann sie fromme kinder sein, so sollen sie zu ihrem ohmen sagen: herr ohm, wir wollen lieber bei unserm vater mit wasser und brodt verlieb nehmen, als bei euch gesottens und gebratens essen. Schuppius 581; ich freue mich zum höchsten über des herrn oheimbs (
vatersbruders) guter gesundheit. Gryphius
lustsp. 499
P.; (
ein feld) da des groszvatern rumpf der öhmen leichen deckt.
trauersp. 492; dein eidam und dein ohm regiert, wie du, beglückt. Günther 975; sohn, sprach sein oheim zu ihm (sprach zu ihm sein öhm
in den ausgaben 1780—1796). Wieland
Oberon 1, 10; mein alter oheim (alter öhm). 1, 38; drum nennt mir nur geschwind den mann, der ihr als bruder oder ohm, als vetter oder sonst als sipp verwandt. Lessing 2, 326 (
Nathan 4, 7); ihr (
der mutter) bruder, euer ohm, der euch erzogen. 358 (5, 8); Asios, welcher ein ohm des rossetummelnden Hektor war, der Hekabe bruder. Voss
Il. 716; da kamen vettern, kuckten tanten, es kam ein bruder und ein ohm. Göthe 1, 211; das staatsrecht, das mir in meiner frühesten jugend schon durch meinen oheim verleidet wurde. 38, 73;
Gianettino. gönnen sie mir gehör, durchlauchtigster oheim.
Andreas. dem zerlumptesten bettler .., wenn er es werth ist, einem buben niemals und wär er mein neffe. gnädig genug, dasz ich dir den oheim zeige; du verdientest den herzog ... zu hören. Schiller 3, 64 (
Fiesko 2, 12); ihr (
Parricida) habt den kaiser erschlagen, euern oh'm und herren. 14, 419 (
Tell 5, 2); ich segne meinen öhm, den kardinal. 12, 556 (
M. Stuart 5, 6); seine stolzen öhme Bedford und Gloster standen neben ihm. 13, 202 (
jungfr. von Orl. 1, 5); aus der heimath bin ich getrieben von dem eigenen ohm (
später oheim). Freytag
ahnen 1, 22; die kinder hatten einen ohm. Auerbach
ges. schriften 9, 31
ff.; (
er) trat zum bischof, seinem öhmen (: nehmen).
F. W. Weber
Dreizehnlinden 78;
schweiz. öhm Usteri 2, 55
ff.; nd. eerst oom, denn ooms kind (
der oheim geht vor dem vetter).
brem. wb. 3, 265. II@22)
früher auch für schwestersohn, neffe: œhem
vel nefe Dief. 63
c; er embot dem künig die zuokunft seines öhems.
Tristrant 21
Pfaff. buch der liebe 80
b f.; Tristrant, der öham mein, der sol nach mir der könig sein. H. Sachs 12, 150, 5.
vergl. öhmchen. II@33)
überhaupt blutsverwandter, vetter: diser Boos .. ist unser oham.
bibel von 1483 123
b (unser freund
Ruth 3, 2); sie verlyhen ettwan die pfründen den vettern, iren öhem und magen. Keisersberg
wannenkr. 86
b; das einen jglichen sein vetter und sein ohme nemen, und die gebeine aus dem haus tragen mus.
Amos 6, 10; glücklich find' ich mich nun von solchen öhmen zu wissen; denn zu zeiten der noth bedarf man seiner verwandten. Göthe 40, 200; die alten öhme und vettern wollten sich ausschütten über seine einfälle. Immermann
Münchh.2 1, 179. II@44)
als höflichkeitswort in vertraulich ehrender anrede: mhd. (
der könig zum grafen Mai): œheim, nû wol mich, der mære, diu ich hœre von dir.
Mai 117, 10;
nhd. unsern lieben ocheinen und vettern, ... herzogen zu Sachsen. Baumann
quellen 1, 113;
nd. oem, oeme '
nennt der bauer hier einen vetter'.
brem. wb. 3, 265. II@55)
genosse, kumpan: lustig, ihr brüder und ohmen desz weins. Logau 2, 2, 7;
ein zunftgenosse der münzer, münzerhausgenosse (Frisch 2, 30
a,
vgl.hausgenosse 4): die öhamen
münzordn. von 1525
eingang; lasz mich meinen pfarrkindern und allen christlichen öhmen und müntzverwandten was seligs .. sagen. Mathesius
Sar. 160
b.
vergl. ohmel.