tonne,
f. das wort ist in deutscher rede und schrift zuerst im mittelalter von den niederd. hansefahrern verwendet worden, die es als tonne
in Frankreich, als tunne
in England und im skandinavischen norden kennen lernten. ein ahd. oder as. tonna, tunna,
das vielfach in den etymol. handbüchern verzeichnet erscheint, ist nicht nachweisbar; die von Graff 5, 431
angeführten belege dafür erweisen sich durchaus als undeutsch, und dasz der ausdruck zunächst als fremd [] empfunden wurde, erhellt auch aus seinen verdeutschungen durch chuofa, cōpa (Graff 4, 377; Gallée
vorst. 181).
dagegen findet sich tunna, tonna
auf franz. boden schon in denkmälern der Merowingerzeit (Ducange 8, 209).
da nun das wort nicht dem altlat. wortschatz angehört, liegt die vermutung nahe, dasz es keltischer herkunft ist (Meyer-Lübke
roman. etym. wb. 683),
und die annahme, dasz das zur aufbewahrung von flüszigkeiten dienende grosze holzgefäsz mit einem gallischen terminus benannt ist, kann auch gestützt werden durch den hinweis auf die bemerkung des Plinius in der naturgesch. 14, 27,
die den gebrauch von gefäszen aus holz zur aufbewahrung des weines als eine für die alpengegenden besonders charakteristische gepflogenheit hervorhebt. nach Weigand 2
5, 1052
und Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 2, 1317
ist ein zusammenhang der gallischen gefäszbezeichnung mit kelt. tunnā '
haut, oberfläche' (Fick 2
4, 135)
zu erwägen. mit dem worte konnte zunächst auch der ursprünglich zur aufbewahrung von flüszigkeiten dienende schlauch oder sack aus einer thierhaut, dann auch das demselben zweck dienende holzfasz benannt worden sein. der gebrauch von tunna
als bezeichnung für das '
gefäsz'
hat sich dann von Frankreich aus weiter verbreitet; es entsprechen ags. tunne,
engl. tun, ton,
altnord., norw. schwed. tunna,
ält. dän. auch tunde,
neudän. tønde.
auf franz. boden entwickelte sich aber alsbald auch die form tonna,
auf der einerseits die entsprechungen in den roman. sprachen beruhen, und die anderseits als tonne
im mnl., als ton
im nnl. erscheint. im afries. und mnd. stehen tonne
und tunne
nebeneinander; der wechsel in der bezeichnung des stammvocals ist lediglich in der wechselnden beeinfluszung durch die schreibgepflogenheiten in den verschiedenen nachbargebieten an den nord- und ostseeküsten begründet und veranschaulicht somit die mannigfachen handelsbeziehungen zum skandinavischen norden, zu England, zu den Niederlanden und zu Frankreich. das wort begegnet in den hansischen acten und urkunden, seit uns solche erhalten sind, zunächst in lat., dann in deutscher form und umgebung. in kölnischen documenten steht neben der u-
form auch die mit o,
in solchen aus Hamburg, Lübeck, Mecklenburg, Pommern ist u
durchaus vorherrschend, in Deutschordensland gewinnt o
gröszere verbreitung, in den baltischen gebieten, in Riga und Reval, ist wieder u
regelmäszig. den in den mnd. aufzeichnungen festgehaltenen formen entsprechen die lautungen in den heutigen niederd. maa. vom norden ist das wort mit der kaufmannswaare auf den handelsstraszen auch in das mittlere und südliche deutsche sprachgebiet gewandert und es erscheint bereits am ausgange des mittelalters gelegentlich auch in hochd. aufzeichnungen. in ihnen begegnen naturgemäsz wieder u-
und o-
formen in buntem durcheinander, überdies wird hier für nn
oft einfaches n
geschrieben und das anlautende t
vielfach durch d
wiedergegeben, was in dem theilweisen zusammenfall der fortis und lenis in manchen mitteld. und oberd. maa. seine ursache hat. es finden sich auch andere, mehr entstellte lautbilder für den vom norden kommenden ausdruck, dessen wiedergabe im süden noch durch keine feste orthographische tradition geregelt war;
vgl. die belege bei Lexer 2, 1571
und Fischer 2, 257.
die bezeichnung hat sich im eigentlich volkstümlichen wortschatz des hochd. sprachgebietes nicht durchzusetzen vermocht; ihre mundartliche verwendung gerad im äuszersten südwesten auf elsäszischem boden beruht auf dem unmittelbaren einflusz der franz. nachbarschaft; vgl. Martin-Lienhart 2, 688.
sein fester gebrauch in der maszgebenden norddeutschen kaufmannssprache hat aber das wort in der nhd. schrift- und umgangssprache zur geltung gebracht. Luther
verwendet tunne
und tonne
und beide lautungen bestehen im literarischen gebrauch des 16. und 17. jhs. weiter, bis etwa um die wende des 17.
zum 18.
jh., wohl unter franz. einflusz, tonne
als normalform allgemein durchdringt. in der schrift- und umgangssprache wird nach Adelung
die tonne
vom fasz
mitunter als das gröszere gefäsz unterschieden, '
welches mehr als einen eimer hält'
; nach Campe
ist tonne
der mehr spezielle ausdruck, wofür fasz
als der mehr allgemeine besonders dann beibehalten wird, wenn das gefäsz '
auf dem einen boden aufgerichtet stehet, und der andere als deckel abgenommen ist'.
[] 11)
die herstellung von tonnen
ist der wichtigste zweig des böttchergewerbes, ihre bedeutsamste verwendung finden sie im kaufmannsleben. ihr aussehen ist oft der anlasz zu vergleichen und bildlichen redewendungen. 1@aa) 1@a@aα)
für die regelung des böttcherhandwerks sorgten die satzungen der zunft, die technische ausbildung des gewerbes verfolgt die literatur über die böttcherkunst: vortmehr en schall neen bodeker tunnen maken effte rumpe vören in zineme spiekere effte in zineme hove, zunder in zyneme wonehuse
hamb. zunftrollen (1415) 32
Rüdiger; werdet weme ene olde tunne bracht to makende, dar he enen bodem schal insetten
liv-, esth- u. curl. urk. 4
nr. 1522
der bodeker schraa (
Riga 1375) § 14; dat se (
die alten tonnen) ohre rechte mahte gelyk den nygen tunnen holden
hamb. zunftrollen 36; item alle manyere van droghen tonnen ofte vaten, die onbereven zijn, zo wes daerin is, elc last twe labay. item elke bereven vat ofte tonne ... twe labay
hans. urk. 4,
nr. 980; das bodenholz wird gebraucht, den boden der tonne zu bilden
böttcherkunst (1765) 8; gegen den theil, den man bauch oder rumpf der tonne nennt 18; diese stäbe, wenn sie durch bänder aufrecht gehalten werden, bilden dasjenige, was man eine aufgesetzte tonne nennt 7; gegen das frühjahr schlägt der böttger seine tonnen zusammen, oder setzt sie auf 23; wenn die reifen von der tonne fallen Fontane I 1, 258; ein prächtig proletarierkind, ein derber küferjunge. er schrie, dasz in der werkstatt rings des vaters tonnen hallten Freiligrath 3, 177. 1@a@bβ)
im sprichwort: jede tonne musz auf ihrem eigenen boden stehen Wander 4, 1265; er setzt die tonne auf den boden
ebenda. im bildlichen vergleich: als ich von Dresden abreiste, war es mir, als sollte ich durch eine tonne mit zwei papierböden ... auf das harte steinpflaster fallen Grabbe 4, 366; der erzbischof von Posen hat der tonne vollends den boden ausgetreten Görres
briefe 3, 527. volle, leere tonne
im sprichwort, und darnach in bildlicher übertragung: die volle tonne musz man sparen (schonen), die leere spart sich selbst Wander 4, 1265; in einer leeren tonne sind selten viel ameisen
ebenda; volle tonnen klingen nicht
ebenda; leere tonnen geben groszen klang
ebenda; leere tonnen geben groszen schall; daher schreien die mönche auf den kanzeln so laut
ebenda; er ist keine von den hohlen tonnen, die gleich gewaltig von innen hervorhallen, wenn das glück von aussen nur im geringsten an sie anschlägt maler Müller 2, 50. 1@bb) 1@b@aα)
in tonnen
auf schiffen versendet der kaufmann seine waare (
vgl. besonders im folg. 2): dats sich ure gnaden underwynden soulden, vremde koufflude zo toeven mit yrre kommanschaff ind yn packen, tonnen, kisten upslain ind besyen
hans. urk. 8,
nr. 14; (
sie) glaubeten, dasz sie im meere wären und schiffbruch leyden müsten: derowegen zu verhütung desz undergangs alles was sie umb sich erwischten, zu dem fenster hienausz warffen, auch theils ihre kleider selbsten, als ob es kauffmanns güter und thonnen gewesen, und sie dasz schiff dergestalt erleichtern wolten Moscherosch
gesichte 2, 228. 1@b@bβ)
die tonnen
werden zur aufbewahrung von waaren verwendet, sie gehören zur geräthschaft des kaufmannshauses: brennholz, stangen, geräthschaften, tonnen und leitern, und was man nur wollte, war übereinander geschoben Göthe, 24, 20
Weim.; nun ordnete sich die übrige gesellschaft ... um tisch und herd, auf kübeln und tonnen Brentano 4, 227; daneben standen tonnen und fässer Alexis
hosen 1, 87; ballen, tonnen, leitern, keller, geschäftige diener, deuteten darauf, dasz ... auch noch der handel im groszen die quelle war, aus der der reichthum des hauses noch immer sprudele
Roland 1, 72. 1@b@gγ)
die aufgestellte tonne
wird gelegentlich als erhöhter standort benützt: zwey fiedler, von aufrecht stehenden tonnen auf die versammlung herabschauend, versahen den ganzen orchesterdienst Matthisson 7, 359; die tonne, worauf an der groszen säule Mercurius sitzt Welcker
alte denkmäler 4, 37;
der redner steht in der tonne: de avkat Rein war presendent worden, hei klingelte also, kröp in de tunn rinne un bedankte sick velmal för de ihr un säd tauletzt: 'meine herrn ...' Fr. Reuter 3, 109; (
er) befahl dem pfarrer, das maul zu halten, indem er sagte:
[] 'denk nicht, dasz du in deiner hölzern tonne stehst, wenn du da stehst, muss ich dir wohl schnacken lassen, was du willst Bode
Thomas Jones 5, 377. 1@b@dδ)
die tonne
ist der aufenthaltsort eines sträflings oder eines sonderlings wie des Diogenes: der könig war so aufgebracht, dasz er sie und das kind ... in eine tonne stecken und aufs meer setzen liesz Grimm
kinder- u. hausmärchen 1, 250; er vergleicht sich mit dem Regulus in der tonne, umgeben von bösewichtern Dahlmann
gesch. der franz. rev. 179; als Diogenes still in seiner tonne sich sonnte Göthe 2, 129
Weim.; eine ungeheure haushohe tonne, wo Diogenes wie ein einsiedler angezogen ... aus der öffnung heraussieht Pückler
briefw. 2, 38; (
die entsagung) macht uns zu hunden, wie den Diogenes in der tonne Schopenhauer 2, 680; (
eine zeit, die ihre fürsten) zur tonne des Diogenes verurtheilt Herder 3, 408. längst lehrten uns, aus tonnen und von thronen, der narr Diogenes, die weisen Salomonen, es sey des weibes herz kein zuverlässig gut Wieland
Oberon 6, 70; drum wieder hübsch herab in deine tonne! Arndt 5, 243 (
an meinen Diogenes); komm' je ich aus meiner tonne heraus, ist's nur mit der laterne Grillparzer 3, 217 1@cc) 1@c@aα) seine tonne wälzen,
in der übertragenen bedeutung '
sein steckenpferd reiten'
entspricht dem franz. '
rouler son tonneau',
se livrer à quelque travail sans objet, par allusion à Diogène, qui, pour ne pas paraître oisif au milieu des Corinthiens se préparant à soutenir un siège, se mit à rouler son tonneau Littré 2, 2, 2254. er sprach gleich von seiner tonne, die er wälzte (
von den verschiedenen unterweisungssystemen) mit vieler einsicht Schubart
leben 1, 269; wie ich in dieser letzten unruhigen zeit meine tonne gewälzt habe, wird ihnen, werther mann, aus beyliegendem bekannt werden Göthe IV 10, 303
Weim.; ich habe indessen fortgefahren meine tonne zu wälzen IV 11, 134. 1@c@bβ) dem walfisch eine tonne zum spielen hinwerfen
um ihn damit zu locken und zu verhindern, dasz er das schiff angreife. in eigentlicher bed.: wie will man kinder stillen ohne puppen; oder wallfische fangen ohne tonnen Göthe 38, 367
Weim.; bildlich und übertragen: den pöfel mit schauspielen und anderm unnützen zeitvertreib von der bekümmerung um die herrschaft abziehen, und diesem so wie dem sonst erschrecklichen wallfische eine tonne zum spielen fürwerffen Lohenstein
Arminius 1, 92
a; du wirfst dem walfisch, wie das sprichwort sagt, zum spielen eine tonne vor Kleist 2, 351; zum spielwerk werf' ich ihrer meuterei wie einem walfisch leere tonnen hin Rückert 10, 394; eine tonne, für unsere kritische wallfische! ich freue mich im voraus, wie trefflich sie damit spielen werden Lessing 10, 216; der bürgermeister, der ein heimlicher feind des schöppen war, ... warf ihm schnell eine tonne hin Klinger
werke 3, 67.
vgl. auch den titel von Swifts satire '
the tale of a tub' (1704),
welche die feinde der kirche von einem angriff auf die religion abhalten sollte: das märchen von der tonne
wurde schon von den Schweizern und von Gottsched
den deutschen lesern empfohlen; vgl. auch Herder 3, 312, J. G. Forster 6, 142. 1@dd) 1@d@aα)
körperliche wohlbeleibtheit legt den vergleich mit der tonne
nahe: wir haben bAeuch wie tonnen Fischart
geschichtklitterung 149
neudr.; wat hat der mensch vorn ne tonne vor'n leib! Glaszbrenner
Berlin wie es ist und —
trinkt 2, 23; eine tonne von einem mann ist deine gesellschaft
Shakespeare, Heinrich IV 1, 2, 4.
auch der '
schwangere frauenleib'
wird als tonne
aufgefaszt Leihener
Cronenberger wb. 124.
ebenso wird der durch üppige kleidung aufgebauschte leib mit einer tonne
verglichen: Herder 17, 372; Ebner-Eschenbach 5, 44. 1@d@bβ)
in der zoologie wird vergleichsweise die fliegen- und seewalzenlarve als tonne
bezeichnet (
vgl.tönnchen, tonnenpuppe): (
die fühlerblase der fliege wird vorgeschoben [] bis) die tonne zerreiszt Oken
allg. naturgesch. 5, 784; Brehm
thierleben 10, 512. 1@d@gγ)
in der naturbeschreibung nennt man auch die dicken, aufgeblasenen, runden, dünnschäligen, etwas durchsichtigen und zerbrechlichen trompeten- und posaunschnecken tonnen,
auch bauchhörner Campe.
vgl. tonnenschnecke. 1@d@dδ)
im sprichwort wird der hut als tonne
aufgefaszt: mit der tonne laufen '
stolz, eitel, geputzt einhergehen'
aus Leipzig bei Wander 4, 1266. 22) tonne
wird in constanter verbindung mit der waare genannt, zu deren beförderung und aufbewahrung sie dient; von der zur aufnahme flüssiger waaren bestimmten und daher dichter gefügten tonne
wird die für trockene waaren (droge tunne)
unterschieden. tonne
gilt dann auch vielfach als masz der betreffenden waarengüter. 2@aa) tonne
mit flüssiger waare. 2@a@aα) tonne bier: we ber bruwet, ... de schal setten syn brandemerke uppe de tunnen
lüb. zunftrollen 181
Wehrmann; vor 9 sack meles unde 4 tunne beers, dat eme unse utliggers nemen, 10 mr.
hans. urk. 8,
nr. 245; (
sie) wetteten mit jhm umb eine tonne bier Krüger
Clawerts werckl. hist. 47
neudr.; jedoch musz er den freien eine halbe tonne bier geben Möser 3, 227; hatten auch gesoffen daselbs drey tunnen Hamburger bier Luther 18, 238
Weim.; zwei tonnen Hamburger bier Fr. L. Jahn 2, 145.
als masz: eine tonne bier ist in Sachsen ein viertheil oder 90 kannen; in der mark Brandenburg gehen zwey tonnen auf ein fasz bier, und eine tonne hält daselbst vier ähmchen oder 96 quart oder masz; in Westphalen bestehet eine tonne bier aus 27 vierteln oder stübchen, oder 108 kannen Adelung; Campe. 2@a@bβ) tonne wein: unde solden senden dem borchgreve 1 tunnen rodes wyns
liv-, esth- und curl. urk. 9,
nr. 80, 10: das sie jährlich nicht mehr dann eine tonne reinischen wein ... geben MicrÆlius
Pommerland 3, 378; bekränzet die tonnen, und zapfet mir wein Hölty
ged. 176
Halm; herr wirt! herr wirt! eine flasche wein aus eurer besten tonne! Heine 2, 98.
als masz: weisze Bordeauxweine ... nach der tonne von 4 barriken Jöcher
vollst. lex. der waarenkunde 2
3, 188; 1 tonne franzwein mit 4 oxthoft oder 24 anker Nelckenbrecher (
Prag 1809) 177. 2@a@gγ) tonne kirschtrank, met: 1 tunne kerszdranckes
liv-, esth- und curl. urk 9,
nr. 965; 2 tunne kerfdranckes
hans. urk. 8,
nr. 724; vor 1 tunne medes 4 mrc.
liv-, esth- und curl. urk. 9,
nr. 654; 2 tunnen medes vor 5½ mr.
hanserecesse I 6,
nr. 331. 2@a@dδ) tonne essig, öl, wasser: van 1 tunnen etikes 1
s. hans. urk. 8, 1094; wie viel bistu meinem herrn schuldig? er sprach, hundert tonnen öles
Lucas 16, 6; in welch nach allen dingen, vier tonnen wassers giengen Ringwald
evangelia Gvb.; eine tonne mit wasser, zu wasser Campe. 2@bb) tonne
mit fisch-, fleischwaaren und andern thierischen nahrungsmitteln. 2@b@aα)
heringe: dat men in allen steden by der zee de heringhtunnen make allike grot den tunnen, de men maket to Rostok
hanserecesse I 2,
nr. 232; alsemen er dar ghenomen hebbe van ener tunnen haringhes twene penninghe
hildesheim. urk. 3, 288
Döbner; wann sie (
die verdammten in der hölle) also uffeinander in dem feuer werden ligen als genow wie hering in einer dunnen Keisersberg
brosamlin 1, 36
a; rostig hAering ausz der thonnen inn essig gezwibelet Fischart
geschichtklitterung 144
neudr.; bisweilen, etwan um licht-messe herum kommen irgend ein paar donnen frische häringe da an Reuter
Schelmuffsky 28
neudr.; menschen lassen sich nicht wie heringe in tonnen pökeln Fr. L. Jahn 1, 158.
sprichw.: die tonne riecht immer nach dem hering
eine gemeine herkunft, eine rohe erziehung läszt sich nie ganz beseitigen Wander 4, 1265; tonne ist tonne, ob ein hering mehr oder weniger darin ist
ebenda. als masz: eine tonne häringe bestehet aus 1000 bis 1200 stück Adelung; der handel mit häringen ... geschieht nach lasten; eine
[] seelast hält 18 tonnen, eine gewöhnliche last 12 tonnen Jöcher 1
3, 666. 2@b@bβ)
fische aller art: dat die vyssche, die uyss urre stat in tonnen off korven in unse stat komen, nyet gehantiert werden, as von alders gewoenlich geweist is
hans. urk. 8, 491; vil thonnen voller eingesaltzenen fisch Heyden
Plinius 366; eyne tunnen rotschers
lüb. Bergenfahrer, testamente nr. 204
Bruns; 2 tonnen dorsch, item 1 tonne kabelage
hans. urk. 8,
nr. 989; 6 tunnen lasses, de tunne 2 nobelen ebenda 8,
nr. 215; in der preusz. provinz Brandenburg werden viel hechte eingesalzen und ... in viertelstonnen von 60 bis 64 pfund versendet Jöcher 1
3, 699. 2@b@gγ)
fleisch: elc last vleysches in tonnen
hans. urk. 4,
nr. 890; 1 tonne vlesch 8
nr. 989; viel thunnen voll waidelendens hundsbefrtztens wildschweinens Fischart
geschichtklitterung 76
neudr.; vil tonnen mit gesaltznen fleysch hnern und gensen S. Münster
cosm. cl xii; für eine tonne pökelfleisch J. Möser 1, 252; hirschenwildpret in tonnen Schweinichen
denkwürdigkeiten 165. 2@b@dδ)
speck, schmalz, talg, thran: 1 tonne selspeck alse gud alse 4 mark holmsch
hans. urk. 8,
nr. 134; (
ein walfisch), aus welchem man 30 thunen (als heringthunen sein) vol schmalz gezogen hat U. Schmidel
reise nach Südamerika 1
neudr.; 1 smale tunne talges
hans. urk. 8,
nr. 704; die tonne talg (
in Curland) wird zu 13 lispfund oder 260 pfund netto ... gerechnet Nelckenbrecher (
Prag 1809) 111; klarer oder blanker thran, der auf den schiffen, gleich nach dem fang des fisches, aus dem speck in die tonnen tröpfelt Nemnich
neues waarenlex. 1, 1159; eine tonne schwedischer (
thran) hält 60 dortige kannen Jöcher 3, 375. 2@b@eε)
käse und butter: item ½ tonne kese, de stunt 2 mark holmsch
hans. urk. 8,
nr. 134; 1 tonne botteren 6 mark 8,
nr. 207; man rechnet (
in Braunschweig) die tonne butter grosz band zu 280, klein band zu 224 pfund netto Nelckenbrecher 77; bei der Bergener butter ist die tara pro tonne 3 pfd. Jöcher 1, 223; 2@b@zζ)
honig: item 16 scot vor 16 tonnen honigis von Slochow ken Marienburg zu furen
Marienb. tresslerbuch 83
Joachim; 1 tonne honig hält in Nürnberg 99 maasz oder 3 centner Nelckenbrecher 294. 2@cc)
getreidepflanzen und feldfrüchte: 5 cleyne tonnen vlasz
hans. urk. 8,
nr. 989, 32; 2 tonnen hempes
ebenda nr. 37; hundert tunne hoppen
hanserecesse III 4,
nr. 429, 19; mit 5 tunnen havern
liv-, esth- u. curl. urk. 2, 2,
nr. 443, 3; eine tonne echter rigaischer leinsaat Holtei
erz. schriften 1, 288; wir wollten heute ein paar tonnen gerste aussäen Kotzebue
theater 1, 88; mein knecht trägt zwei tonnen waizen Hebbel 8, 41; ich will ihm ... noch heut ein paar tonnen korn in's haus schicken 5, 77.
als masz: vom getreidemasz (
in Stralsund) hat 1 last 8 drömt, 32 tonnen, 96 scheffel Nelckenbrecher (
Prag 1809) 389; in vielen niederdeutschen gegenden ist die tonne auch ein getreidemasz, welches in Ostfriesland z. b. vier verps oder zwey scheffel hält Adelung; Campe. 2@dd)
mehl und brot: dar was inne ... 24 tonnen meel, 2 tonnen brot
hans. urk. 8,
nr. 989, 2; das weizenmehl ist in fässer oder tonnen, jede zu 196 amerikanischen pfunden ... und in halbe tonnen, ... eingeschlagen Jöcher 2, 331. 2@ee)
zwiebeln, kraut, gewürze, früchte: item 4 Traventonnen czipolen also gut also 2 mark prusch ... item 6 tonnen lokes also gut alse 4 mark prusch
hans. urk. 8,
nr. 133; nim die brüh von dem sauren kraut, die da schmeckt ausz der thonnen Gäbelkover
artzneybuch 264; das sauerkraut, ... davon wir sechzig tonnen voll aus England mitgenommen hatten J. G. Forster 2, 412; ene tunnen mit neghelken (
gewürznelken)
hans. urk. 4,
nr. 409; in deme sulven kellere hebbe ik 1 tunne pepers ligghende
V. v. Geldersen
handlungsb. nr. 433
Nirrnheim; ins äcken und tonnen lag die grünliche frucht des kaffebaumes Freytag 4, 69; was bei der stürzung (
der tabackfässer) in England als schadhaft von dem gewichte der tonne abgezogen wird Möser 1, 98; 4 tonnen arbeiten (
erbsen)
hans. urk. 8,
nr. 84, 62; ½ vat mandelen unde ene tunnen
V. v. Geldersen
handlungsbuch nr. 581
Nirrnheim; 13 tonnen vigen
hans. urk. 8,
nr. 732; 1½ thunne appele
liv-, esth- u, [] curl. urk. 7,
nr. 745; üm dei appels in dei tunnen inpacken to helpen Brinckmann 2, 21. 2@ff)
salz: item 2 mark vor 3 tunne zalcz
handelsrechn. d. d. ordens 4, 21
Sattler; in Hamburg hat eine last franz., span. oder portug. salz 18 tonnen, an gewicht 4800 pfd. Jöcher 3
3, 53. 2@gg)
pech, teer, kalk: 1
m. und 9 scot vor eyne tonne pech und vor zwu tonnen schiffther
Marienb. tresslerbuch 22
Joachim; es pflegen etzliche diese garn und seyler, wie schiffseyler in ein tonne pech zu duncken Aitinger
jagd- und weidbüchl. A III
b; 200 tonnen schwedischen theers Nettelbeck
lebensbeschreibung 2, 200; item ½ firdung vor tagelon, die tonne zu furen, do mete man den kalk of gemessen hat
Marienb. tresslerbuch 209
Joachim; in Berlin ist die tonne kalk 7 cubikfusz grosz und soll 4 preuszische scheffel halten Jöcher 2, 77. 2@hh)
häute, pelzwerk: 5 tunnen hude
hans. urk. 8,
nr. 695; 1 thunne mit 2 swarten lakenen 8, 693; 1 tunnam lynen et slachdokes
V. v. Geldersen
handlungsb. nr. 773
Nirrnheim; 10 tunne werks
liv-, esth- u. curl. urk. 8,
nr. 191. 2@ii)
asche, bernstein, erze, metalle: 7 tonnen assche 4 mark, 16 sc.
hans. urk. 8,
nr. 84, 63; firniszsteine, ... am werthe die tonne 1 bis 200 thlr. Jöcher 1
3, 130; 9 tonne koppers
hans. urk. 8,
nr. 307; 7 tonnen osemunt 16 mark 8,
nr. 84, 63; 1 tunne tynns 8,
nr. 249; man sol auch haben etwan manche tunnen mit hartz und bech Fronsperger
kriegsbuch 1, 73
b. 2@kk)
nägel, harnische, sporen, pfeile: van elker tonne mit yseren naghelen, verteent of ongheteent, achte penning holl.
hans. urk. 4,
nr. 965, 1; van elker last tonnen mit harnasche 8,
nr. 290, 1; in dat irste was in eynre tunnen 13 par sporen
liv-, esth- u. curl. urk. 8,
nr. 499; twe tonnen pile 9,
nr. 361. 2@ll)
büchsenkraut, pulver: 1 tonne und ein verdendell bussenkrudes
liv-, esth- u. curl. urk. 4,
nr. 1525; 2 tonnen pulvers 9, 834; die pulver thunnen mag man innen in der pastey in heymlichen beheltnussen haben A. Dürer
befestigung der stett E 11; brachten drey tonnen pulver herbey Chemnitz
schwed. krieg 1, 68; die Türcken wurden abgetrieben und etlich tunnen pulver blieben H. Sachs 2, 412
Keller; da fürcht ich nicht wäll', nicht canonen, nicht tonnen, die minen bewohnen Göthe 37, 43
Weim. 2@mm)
geld, münze, silber, gold: von dem gelde und klenode, das sie dem kompthur zcu Sweden in eyner ½ tunnen zcu truwer hant zcu bewarende gethaen hatte
liv-, esth- u. curl. urk. 8,
nr. 321; eilff gantze tonnen voll bahres geldes Schütz
hist. rer. pruss. 3, iv
d; und diese zweiunddreiszig tonnen wären ganz voll geld Raumer
Hohenstaufen 4, 411; ganz tunnen voll (böser münz)
städtechron. 5 (
Augsburg) 111; viertzig tonnen guter ... Dariusgulden Mathesius
Sarepta xiiii
b; was kostet unser fried? o, wie viel tonnen gut! Logau 268
Eitner; er schleudert tonnen silbers, vergoldet ist sein speer Freytag 1, 324. tonne goldes,
als masz-bestimmung 100 000
thaler, mark, gulden usw., vgl. Hübner, Jacobsson, Adelung, Campe.
von der tonne goldes
ist ganz allgemein auch in der umgangs- und literatursprache die rede: eine halve tonne goldes
liv-, esth- u. curl. urk. 9,
nr. 549, 28; magna res, quando quis aufert 1 obulum et amittit 30 tunnen golts Luther 34, 1, 524
Weim.; und gieng zu Venedig ein brunst auff, die vil tonnen golds kostet Stumpf
schwytzer chronik 113
b; (
der fürst begehrte) das erste jahr drittehalb, die folgende zwo tonnen goldes Chemnitz
schwed. krieg 4, 1, 19
b; banquerott auf 2 tonnen goldes Schnabel
Felsenburg 4, 36
neudr.; (
sie wird) gezwungen, dem manne, der tonnen goldes hat, ihre hand zu geben Rabener 5, 109; das volk durch kostbare schauspiele gewinnen, welche tonnen goldes betrugen Gottsched
krit. dichtkunst 49; er kam und brachte ... 'eine tonne goldes mit sich' Fontane I 1, 19; fünfzig tonnen golds seind im zerrunnen
hist. volksl. 2, 54
Liliencron; nicht eures gelds bedarf's — ein herz, wie eures, wiegt tonnen goldes auf und millionen Schiller 12, 162.
[] 33)
im bergbau sind tonnen
gefäsze von verschiedener form, durch die die gewonnenen erze zu tage gefördert werden. ursprünglich waren offenbar beim bergbau grosze holzfäszer im gebrauch, und die bezeichnung ist dann auch auf andere fördergefäsze übertragen worden: tonnen sind gefäsze, damit das erz durch die pferde aus der grube getrieben wird, und sind in der forme, wie ein kübel, oder viel gröszer, welche in göpeln gebrauchet werden Minerophilus 664; tonne ist ein mit eisen stark beschlagenes fasz oder kasten, worin vermittelst göpel die erze aus den gruben gefördert werden Richter
neuestes berg- u. hütten-lex. 2, 520; tonne, ein kübelartiges gefäsz, in welchem die mineralien aus den schächten oder gesenken aufgezogen werden Scheuchenstuel 244;
vgl. Adelung
und Campe.
die verwendung des wortes in diesem sinn ist schon für die sächsische bergmannssprache des 16.
jhs. bei Mathesius
zu erschlieszen; vgl. im folg. tonnenholz
und tonnlage.
vielleicht ist überhaupt in Obersachsen, dessen bergbaueinrichtungen früh ausgebildet und maszgebend waren, der ausgangspunct für die weitere verbreitung zu suchen, die dieser gebrauch des wortes alsbald gewonnen hat: die köbel zwar, dieweil ihnen eine kleinere last ist auffgelegt, werden mit dem haspel, so die menschen ziehen, die donnen aber, dieweil sie schwerer, mit dem köbel, den die pferd umtreiben, herausz gezogen Bech-Agricola
bergwerckbuch 114; in flachen schächten könnte man weder mit säcken noch mit tonnen in ihrer ursprünglichen gestalt der fässer treiben, sondern müszte sächsische vierseitige tonnen und passende leitungen einbauen Becker
journal einer bergmännischen reise durch Ungarn und Siebenbürgen 1, 174; als neben ihm die donnernde tonne in dem treibschachte mit schrecklichem gerassel von ketten vorbeyfuhr Zachariae
poet. schriften 2, 229; dasz wir mit den tonnen des treibwerks die wasser nicht allein halten, sondern auch dergestalt gewältigen, dasz die schachtwasser aus den stollen wieder heraus müssen Göthe IV 11, 251
Weim.; man stöszt beständig an balken und seile, die in bewegung sind, um die tonnen mit geklopften erzen oder das hervorgesinterte wasser herauf zu winden Heine 3, 29. tonnen wechseln (
vgl.tonnenwechsel) Jacobsson 4, 415.
darnach gilt die tonne
auch als masz im bergbau: dass statt der bei den erzen gewöhnlichen kübel, tonnen und treiben, allhier bei denen stein-kohlen das maass der ringel und malter beibehalten werde
clev.-märk. bergordnung (1766)
in den bergordn. d. preuss. lande 887
Brassert; tonne, ein maass für stein- und braunkohlen von 7½ kubikfusz oder 219.85 liter, im durchschnitte 3 bis 4 centner enthaltend Veith
deutsches bergwb. 495. 44)
in übertragenem und bildlichem sprachgebrauch erscheint die tonne
als behältnis und masz von dingen und begriffen überhaupt: und wünschet jhm mehr alsz zwantzig tonnen vol teuffel in den leib Krüger
Clawerts werckl. hist. 29
neudr.; die landsknecht, welche viel tonnen und lastwAegen mit sacramenten schrecklich zu fluchen und zu schwören pflegen Fischart
binenkorb 178
b; ein solcher mann, der viel tonnen mit witz hat 76
b; viel tonnen günste S. v. Birken
ostl. lorbeerhäyn 369; so oft die allmacht Jupiters einen geist hervorbringen will, so schöpft er aus diesen beiden tonnen (
les deux tonneaux de Jupiter, qui contiennent, l'un les biens, l'autre les maux)
M. Mendelssohn 2, 113; weil das glück aus seiner tonnen die geschicke blind verstreut Schiller 11, 393. 55)
bei der schiffsvermessung ist die tonne
normierte raum- und gewichtseinheit. der gebrauch des wortes in dieser bedeutung ist darin begründet, dasz ursprünglich die ladefähigkeit eines schiffes nach der anzahl tonnen
bestimmt wurde, die im stauungsraum untergebracht werden konnte; vgl. 1, b,
α und 2
und s. tonnengehalt. 5@aa)
die ladefähigkeit eines schiffes wird nach der grösze des zur aufnahme der ladung verfügbaren raumes bestimmt; vgl. tonnenraum.
als einheitsmasz war früher die raumtonne
zu 42
cubikfusz normiert: das schiff wird nach tonnen in seinem inhalt berechnet, welches man eichen nennt. hiebey beobachtet man folgende regel: man
[] miszt den raum, das ist der ort, wohin geladen wird, kubisch, und rechnet 42 quadratfüsze für eine tonne Jacobsson 4, 414;
vgl. Adelung
und Campe; er ... beförderte hingegen die ausfuhre und zahlte 5 l. für jede tonne eines neuen schiffes A, v. Haller
tagebuch 2, 6.
das moderne, fast internationale raummasz bei der schiffsvermessung ist die englische registertonne,
ein volumen von 100
englischen cubikfusz = 2,8316
cubikmetern. die anzahl bruttoregistertonnen
veranschaulicht den ganzen raumgehalt des schiffes, die anzahl nettoregistertonnen
seinen zur aufnahme von personen und waaren verfügbaren raumgehalt; vgl. über die moderne '
schiffsvermessung'
den artikel in Meyers
groszem conversationslex. 17
6, 784. 5@bb)
die ladefähigkeit eines schiffes wird nach der gewichtsschwere bestimmt, mit der es belastet werden kann. als einheitsgewicht war früher die gewichtstonne
normiert, die einer halben last oder 20
centnern oder 2000
pfund entsprach: wenn man z. e. sagt, dasz ein schiff 50,000 u.
s. w. tonnen grosz sey,
d. i. dasz es so vielmahl 2000 pfund ladung tragen könne Hübner (1741) 2125;
vgl. Jacobsson; Adelung; Campe; es wären vorher, die kriegsschiffe ausgenommen, nicht vier schiffe auf der Themse gewesen, und keines davon hätte über 120 tonnen gehalten Möser 3, 174; hier ... kauften wir vier lange, gut betakelte schaluppen, zum segeln, vor anker liegen und rudern gebauet, von 12 tonnen last J. G. Forster 4, 24; das gröszere (
schiff) von 462 tonnen und 16 vierpfündigen kanonen, ward die resolution genannt 1, 21; unausgesetzt wird der kanal von drittehalb hundert numerirten und einregistrierten barken, die zwey tausend centner oder hundert tonnen tragen, befahren Matthisson
schriften 2, 369.
in jüngster zeit ist in Deutschland als schiffs- und handelsgewicht die tonne
von 1000
kg normiert worden, daneben gilt aber auch die englische gewichtstonne
von 1016,042
kg; vgl. Stenzel 421.
das gewicht eines schiffes überhaupt ist gleich dem gewicht der von ihm verdrängten wassermasse, seines '
deplacements'.
von schiffen, deren tiefgang nicht wesentlich von ihrer ladung beeinfluszt ist, besonders von kriegsschiffen, werden nur die deplacementgewichtstonnen
bestimmt; vgl. Stenzel 81. 66)
in Skandinavien und Norddeutschland ist die tonne
auch als feldmaszeinheit gebräuchlich. diese verwendung des wortes beruht auf der früheren gepflogenheit den flächeninhalt eines grundstückes nach der menge des saatgutes zu bestimmen, die darauf angebaut werden konnte und die eben nach tonnen berechnet wurde; vgl. 2, c.
die tonne landes
beträgt in Schweden 49
a, in Norwegen 39
a, in Dänemark 55
a, in Holstein und Mecklenburg 50
a Klimpert
lex. 341; vom feldmasz (
in Schweden) hält eine tonne landes oder aussaat 1400 ellen Nelckenbrecher 362; (
ein bezirk) auf den alten karten zu über vierzig tonnen landes angezeichnet Storm 17, 181. 77)
in der nautischen terminologie sind tonnen,
auch seetonnen, bakentonnen
genannt, wie die '
bojen'
schwimmende seezeichen zur bezeichnung des fahrwassers Stenzel 422.
es ist '
eine schöpfung des mittelalters und eigentümlichkeit der Nordsee',
zu diesem zweck leere tonnen
an langen ketten mit schweren steinen zu verankern; zs. des ver. f. hamb. gesch. 18, 5
ff. in den hamb. kämmereirechnungen (
erhalten seit 1461)
führen die exposita den ständigen posten ad usum tunnarum (et bacarum) supra Albeam 3, cxiii
f Koppmann; (
er soll) mit die tonnen, ketten und anderen gereitschafft getreulich umbgehen
quelle von 1664
in der zs. der ver. f. hamb. gesch. 18, 87; wie vor untiefen eine tonne ... warnt Voss
antisymbolik 1, 331; eine tonne, die vorbeyfahrenden wegen eines felsens zu warnen Lichtenberg
briefe 1, 147; wann auch zu winters zeit wegen eisgangs solche tonnen ausgehacket ... werden müssen
quelle von 1729
in der zs. der ver. f. hamb. gesch. 18, 91; was ich für berglohn an vertriebenen tonnen nothwendig auslegen musz
quelle von 1710
ebenda s. 88; die bojen, tonnen sind nicht an der richtigen stelle Dabovich 141. tonnen legen: dat wi zullen legghen of doen legghen unde houden legghende viertonnen in tgat van der Maze
hans. urk. 3,
nr. 414 (
vom jahre 1358); dat wij ... de Elve mit tunnen unde baken ... belecht ... hebben
lüb. urk. 10, 126; eine weggetriebene,
[] verschlagene boje, tonne wieder auslegen Dabovich 141; weil nirgend warnende tonnen gelegt sind Tieck 5, 413. eine boje, tonne einnehmen (
aus dem wasser nehmen) Dabovich 142. weisze, schwarze, rote, stumpfe, spitze tonnen Röding 1, 215; Stenzel 421.
sprichw.: es fehlt nicht an tonnen, aber an fahrwasser Wander 4, 1265; er hat die tonne verfehlt
er ist in gefahr gekommen, er hat eine tonne in die see geworfen
er hat ein warnungszeichen gegeben 4, 1266. tonnen
mit brennbarem material werden auch am strand aufgestellt und angezündet als warnungszeichen bei deichbrüchen: ich bin ja strandwächter und musz in der stunde der noth und gefahr dafür sorgen, dasz die theertonnen zur rechten zeit angesteckt werden. ... die tonnen brennen schon roth und gelb Hebbel 5, 75 (
die Dithmarschen). 88)
beim mühlenbau nennt man tonne '
eine art horizontaler wasserräder, vermuthlich wegen ihrer ähnlichkeit, um sie von den muschelrädern zu unterscheiden' Adelung. 99)
beim wasserbau in Holland heiszt tonne '
die sogenannte archimedische wasserschnecke oder wasserschraube, wenn sie durch windflügel bewegt wird' Jacobsson; Campe. 1010)
beim hüttenbau heiszen tonnen '
die sandplatten, aus welchen der obere platz des schmelzofens, der gleichsam den herd vorstellet, besteht' Jacobsson; Campe.