vorkehren,
verb. ,
vgl.fürkehren th. 4, 1, 1,
sp. 756;
mhd. vürkêren
mhd. wb. 1, 796
b; Lexer 3, 586; vorkêren Jelinek 886; Haltaus 554; vorkehren
et fürkehren,
praevertere, praetendere, praetexere, excusationem afferre Stieler 945; v.,
antevertere Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 337
b; ich kehre vor,
obtendo, objicio, praetexo Steinbach 1, 846; Adelung; Campe;
vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1660;
schweiz. idiot. 3, 440; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 473. 11)
im eigentlichen sinne, nach vorn wenden, so dasz es einem andern in die augen fällt: das hintere v.
u. ä.; sich v.; kehret er (
ein vogel) nun aber nachmittags das gute, das ist, den schwantz vor, so folget das schlimme drauff J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 306; wo er nicht so oft das weisze im auge vorzukehren nöthig hatte Görres
br. (1858) 3, 31.
jetzt fast nur noch im übertragenen sinne gebräuchlich, z. b.: die rauhe seite v.; (
schnöde welt,) gegen die es als einzige waffe nur seinen angeborenen stolz v. kann Mörike 3, 52
Göschen (
vgl. 2 c). 22)
zu bestimmtem zwecke, fördernd oder vorbeugend bereit stellen, ins werk setzen; schon Adelung
bemerkt, dasz es sich gern mit bestimmten objecten verbindet: anstalten, mittel, alles nöthige v.; fleisz, vorsichtigkeit, einsehen v.
bezeichnet er als landschaftlich. immerhin zeigt der gebrauch zu seiner zeit noch eine freiheit, die später immer mehr schwindet; die sprache der gegenwart wendet das verbum überhaupt seltener an als die umschreibung vorkehrung, vorkehrungen treffen. —
nd. verblaszt: ik kann nix mêr vörkêren,
nichts mehr ausrichten Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 473. 2@aa) mittel, anstalten
u. ä. v.: (
was) sie hierwider vor mittel vorzukehren hätten Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1007
a; Merope, die sich zu dieser rache zeit nimmt, anstalten dazu vorkehret Lessing 9, 382
M.; die kaiser kehrten ihrer seits mehrere mittel vor, ihr ansehen zu behaupten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 149; ich muss die anstalten, die dabey vorgekehrt wurden, rühmen Göthe IV 3, 56
W.; zwecke zu setzen und mittel vorzukehren D. Fr. Strausz (1876) 6, 77; die gesetzlichkeit der gegen Cöln vorgekehrten maszregeln Ranke (1867) 4, 296. 2@bb)
noch in andern mannigfachen wendungen; das object wird durch ein pronomen oder adj. gebildet: gemeiner statt schaden zu warnen und bestes vorzukehren
Frankf. zunfturk. 1, 208 (
von 1607); es ist auch das erforderliche hierzu von uns beyden sogleich vorgekehret Lessing 18, 375; ich werde alles mögliche zu ihrem besten v. Stephanie
d. j.
lustsp. (1771) 194; um wegen reparatur desselben (
des quartiers) einiges vorzukehren Göthe IV 16, 163; zur beschleunigung ihres todes etwas besonderes vorzukehren D. Fr. Strausz (1876) 4, 345; was da zu machen, was menschen vorzukehren hätten Gotthelf (1855) 4, 125; kehrte das nöthige zu seiner pflege vor Fr. Th. Vischer
auch einer 2, 203; wohl wäre fast die frist zu kurz dazu, denn vorzukehren hätt ich manches noch
M. Greif (1895) 3, 142. 2@cc)
fremdartiges für uns: allen fleisz vor kehren,
omnem diligentiam adhibere Steinbach 1, 846; es würde mannicher unentlicher aus torstiglicher ermessenheit etczwas umbilligs vorczukeren sich wenigk enthalden
acten d. ständet. Preuszens 5, 496 (
von 1507); erinnerte sie ihn sofort seiner stätserwiesenen groszmut, die er auch diszmal v. ... möchte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 346; (
dasz) er weniger vorsicht als die bienen vorzukehren wüste Lohenstein
Armin. (1689) 2, 370
a;
vgl. unter 1
gegen ende. 2@dd)
der sinn des vorbeugens kann schärfer hervortreten: alles euserste vorzukehren, dasz ... einem so vollkommenen fürsten ihr bruder keinen eintrag thun solte Lohenstein
Armin. (1689) 2, 923
b; wenn man nicht in zeiten vorkehrt, so wird der kaiser alle seine vettern mit deutschen bisthümern ... versorgen Becker
weltgesch. (1801) 9, 621; der verstand darf blosz negativ bei der poetischen arbeit thätig sein, blosz vorkehrend, verhindernd O. Ludwig (1891) 5, 511; was man auch vorkehrt, es hilft nichts, wenn etwas kommen will Anzengruber 2, 117
Cotta. 2@ee)
mit dativ dessen verbunden, gegen das maszregeln ergriffen, das verhindert werden soll: allem solchen übel vorzukehren ist nichts rathsambers als das h. gebett vor dem tisch Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 4, 441;
anders gewendet: ich habe schon oft gewünschet, dasz unsre policey den zeitdieben einige gesetze v. ... möchte v. Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 65. 2@ff)
dagegen mit dativ und acc. im sinne des förderns: das wir allen ... edeln und getrawen gemeinlich geneyget sein ir bestes vorczukeren
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 68 (1469). 33)
in rede vorstellen, auch vorwenden, vorschützen, s. zu anfang die glossierung bei Stieler
und Steinbach: als man dessen unschuld vorkehrte Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 120; den anschlag anzuhören, und nicht ein einzig wort dagegen vorzukehren!
samml. v. schauspielen (
Wien 1764) 5, 34. 44)
intrans., bei jem. vorsprechen, ihn aufsuchen: wenn jemand, den sie leiden mochte, bei ihr vorkehrte und mit ihr plauderte G. Keller (1889) 1, 232. —
nd. verblaszt, sich begeben, geschehen: wat is da vörkêrt Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 473.