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gedulden

mhd. bis sprichw. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
14 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gedulden

Bd. 4, Sp. 2047
gedulden , nebenform von dulden mit verstärkendem ge-, später aber blosz als zeitwort zu geduld aufgefaszt (s. 3), was doch dulden von haus aus gleichfalls ist; ahd. gidultian, gidultan Graff 5, 139, mhd. gedulten, gedulden Lexer 1, 776, hier doch selten, wie es nl. ganz fehlt; mnd. gedulden. wegen der schreibung mit -t s. unter geduld; s. auch gedülden unter 4. 11) oft kann das ge- auch blosz von dem begleitenden hilfszeitwort herbeigezogen sein (s. sp. 1614), z. b.: er (der papagei) mag des regens nicht gedulden. Megenberg 222, 11, kann den regen nicht ertragen, nicht leiden; ir mögent wol erachten, das Aymont nit gedulden mocht, das seine sun zerstört wurden. Aimon Y 1; dasz die röm. kirch vil lieber gedulden wil, dasz u. s. w. Fischart bienk. 153b; etliche (von einem tollen hunde gebissene) mögen kein liechtlin gedulden. Wirsung arzn. 612; dann wir (der kaiser) kennten gar nicht gedulten, ehbruchs ein frombs weib zu beschulden. Ayrer 463b (2328, 11); Rosimund könnte den schimpf nicht gedulden. Micrälius Pomm. 1, 91; hat solches kaiser Otto nicht gedulden wollen. 2, 183. auch im folgenden einige stellen der art. 22) selbständiges gedulten ist aber sicher in folgendem. 2@aa) als gewichtigere form z. b. in der canzleisprache: das dann an im selbs ain unloblich straflich ding und aim rate (so) hinfüro zu gedulden sovil müglich ganz nit gemaint ist. Nürnb. poliz. 27 (15. jh.); wo er ichtzit verhandlt haben solle, dasz er darumb was recht sei gern gedulden welle. Chmel urk. Max. 4; so vil mit leidlichem (erträglichem) nachtheil zu gedulden stnde. 36; s. auch die stellen aus Ayrer, Micrälius unter 1. 2@bb) auch sonst: wo das evangelium nicht gepredigt, sol man ein zeitlang von wegen der schwachen gedulden. Luther 3, 411b; es (acc.) würd auch kein heilig gedulden, vielweniger begehren. br. 1, 598; mich wündert, wes doch ist die schuld, das got bei (neben) guotem pös gedult. Schwarzenberg 129b; die weinstöck gedult disz land ettwas. Frank weltb. 86b, kann den weinbau eben noch ertragen; der könig hat mich also angsthaft gemacht, dʒ ich besorg, dʒ wir keinen trost mehr haben wider zusammen zu kommen, das mir warlich minder denn der tod zu gedulden wer. buch der liebe 247c, weniger erträglich; männer, die solche meisterschaft (pantoffelherschaft) gedulden. Fischart ehz. 59; wenn es ein irrthumb wer ohn schaden, so wer es dester basz zu gedulden. Parac. 1, 281a; das ist mir nicht zu billichen, viel weniger zu gedulten. Ayrer proc. 1, 15; ob zwar nun es ihm beschwerlich gefallen, meine verdrüszliche gegenwart zu gedulten. Simpl. 1, 33 (1, 9), sich gefallen zu lassen; hat mein unglück solches nicht gedulden wollen. Laz. de Tormes 53. 2@cc) auch mit persönlichem obj., wie dulden, leiden, z. b.: die geweihten laszen keinen leyen bei inen aufkommen, die leyen mügen die pfaffen nicht gedulden, verjagt einer den andern. Aventin 369c; solches alles aber wolte ihn noch nicht bewegen, mich vor einen reisgefehrten zugedulden. Simpl. 1, 447 (5, 1). vergl. 'mich dulden' bei Luther unter e und ich kann ihn nicht leiden, eigentlich nicht in meiner nähe ertragen. 2@dd) auch bloszes gedulden, wie leiden, dulden auch; ein verstoszner liebender z. b. klagt: urlaub hab ich on alle schulden, ich musz gedulden. Uhland volksl. 100, wo freilich nach der sprache des 16. jahrh. auch in musz ein es versteckt sein könnte; gedulde, o Bacone, damit ich dir kürzlich das gespräch erzehle. Schuppius 751 (1700 s. 706), was zugleich übergeht in: habe geduld, was auch in der vorigen stelle schon mit anklingen kann. 2@ee) daher auch wie sonst geruhen, so gnädig sein: den ring gibt sie ihr hin, und bittet, sie gedulde zu nehmen sie, und mehr Ruggier, in ihre hulde. Werder Ariost VII, 49, 1. es wird in seiner entstehung deutlich z. b. aus Luthers wendung bei einem gesuch an den churfürsten, e. gn. wolle mich gnädiglich drinnen dulden, s. unter geduld 3, a von der geduld hoher herren; s. auch Frank im folg. 3, a und unter geduldigen mhd. 33) sich gedulden, das ich trotz mangelnder zeugnisse schon mhd. und ahd. voraussetzen möchte; vergl. sich dulden, auch gleichbedeutend sich leiden. das sich ist da noch in seiner ursprünglichen kraft deutlich: sich, d. h. seine innere unruhe, seinen drang, zorn u. s. w. ertragen, leiden, 'seinen geist halten können' (s. Henisch unter geduldig 2 a. e.), vergl. Alers lat. se pati unter 4, das nicht alt ist, aber jene auffassung noch fürs 18. jh. belegt. vergl. auch bei Rädlein 330a sich gedulten, patientarsi, se patienter. 3@aa) mit geduld oder duldend ausharren, sich in etwas ergeben u. ähnl.: ist sie aber etwas sanftmütiger, so sagt sie (zum manne, der sie in schlechten kleidern gehen läszt), ich wolte mich gern mit den alten lumpen gedulten, mir ist nur um das, dasz die leut alsdann sagen, ihr habt mich nicht lieb. Abele gerichtsh. 2, 292; es geduld sich oft einer so lang, dasz er zum bettler darüber wird. Lehman floril. 1, 268. auch sich geduldig herbeilassen, nachgeben u. ä.: do er sich aber ze letst geduldet ein gott ze nennen .. ward er vom engel geschlagen. S. Frank chron. 129a, was sich an gedulden unter 2, e gleich geruhen anschlieszt. s. auch nd. sik gedulden mit gen. Sch. u. L. 2, 31a, sich geduldig in etwas fügen, wie noch bei Arndt: eine halbe stunde geduldete man sich meiner abwesenheit. erinn. 18. 3@bb) geduld, nachsicht haben mit einem oder mit etwas, z. b. der schuldner bittet den gläubiger, sich noch zu gedulden, der andere sagt: ich habe mich schon zu lange geduldet Adelung, der gedulden überhaupt nur noch so als refl. kannte. 3@cc) jetzt fast nur noch von geduldigem warten, abwarten (sieh geduld II, 4), im 17. jh. als ausdruck der höflichkeit auftretend: nam darauf mit einem höflichen bückling von monsieur erlaubtnus (beurlaubte sich), mit bitt, sich ein kleine zeit bis zu ihrer wiederkunft zugedulten. Simpl. 3, 297 Kz. (vogeln. 1, 2). noch jetzt als höfliche wendung, urspr. vielleicht im anschlusz an den höfischen gebrauch von geduld 3, a, s. auch vorhin 2, e. 44) bemerkenswert gedülden bei Aler, der auch dülden schreibt: gedülden aliquid ferre, sich gedülden se pati 857a; bist du verständig, so leide und gedülde dich. 857b; der sich gedülden kan, der ist ein tapfer mann. 858a. der umlaut stimmt zu der ahd. form, sodasz auch mhd. gedülten zu erwarten ist. s. auch gedültig neben gedultig.
6395 Zeichen · 154 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    geduldenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    ge-dulden swv. Beliand 1823. freuden gedulde ich armuot, an freuden leide ich mangel Büchl. 1,1785 ;

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    geduldensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gedulden , sw. V. Vw.: s. gedülden

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gedulden

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gedulden , verb. reg. reciproc. Geduld haben, in den drey ersten Bedeutungen des Hauptwortes. 1) Mit Gelassenheit an ein…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gedulden

    Goethe-Wörterbuch

    gedulden -It- (Schreiberhand) B12,344,10 Böttiger 25.10.97 refl 1 etw (Entwicklung, Ereignis) ruhig abwarten, beharrlich…

  5. modern
    Dialekt
    gedulden

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    gedulden s. gedüllen ,

  6. Sprichwörter
    Gedulden

    Wander (Sprichwörter)

    Gedulden 1. Es gedult sich einer offt so lange, das er zum Bettler darüber wird. – Lehmann, 243, 63. »So lange man die G…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gedulden

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gedulden

ge- + dulden

gedulden leitet sich vom Lemma dulden ab mit Präfix ge-.

gedulden‑ als Erstglied (1 von 1)

Ableitungen von gedulden (1 von 1)

ungedulden

DWB

ungedulden , verb. Folz ztschr. f. d. altert. 8, 530, 222 ; mhd. substantiviert Lexer 2, 1834 ; unerträgliche lage Folz meisterl. 84, 40 May…