gedulden ,
nebenform von dulden
mit verstärkendem ge-,
später aber blosz als zeitwort zu geduld
aufgefaszt (
s. 3),
was doch dulden
von haus aus gleichfalls ist; ahd. gidultian, gidultan Graff 5, 139,
mhd. gedulten, gedulden Lexer 1, 776,
hier doch selten, wie es nl. ganz fehlt; mnd. gedulden.
wegen der schreibung mit -t
s. unter geduld;
s. auch gedülden
unter 4. 11)
oft kann das ge-
auch blosz von dem begleitenden hilfszeitwort herbeigezogen sein (
s. sp. 1614),
z. b.: er (
der papagei) mag des regens nicht gedulden. Megenberg 222, 11,
kann den regen nicht ertragen, nicht leiden; ir mögent wol erachten, das Aymont nit gedulden mocht, das seine sun zerstört wurden.
Aimon Y 1; dasz die rö
m. kirch vil lieber gedulden wil, dasz
u. s. w. Fischart
bienk. 153
b; etliche (
von einem tollen hunde gebissene) mögen kein liechtlin gedulden. Wirsung
arzn. 612; dann wir (
der kaiser) kennten gar nicht gedulten, ehbruchs ein frombs weib zu beschulden. Ayrer 463
b (2328, 11); Rosimund könnte den schimpf nicht gedulden. Micrälius
Pomm. 1, 91; hat solches kaiser Otto nicht gedulden wollen. 2, 183.
auch im folgenden einige stellen der art. 22)
selbständiges gedulten
ist aber sicher in folgendem. 2@aa)
als gewichtigere form z. b. in der canzleisprache: das dann an im selbs ain unloblich straflich ding und aim rate (
so) hinfüro zu gedulden sovil müglich ganz nit gemaint ist.
Nürnb. poliz. 27 (15.
jh.); wo er ichtzit verhandlt haben solle, dasz er darumb was recht sei gern gedulden welle. Chmel
urk. Max. 4; so vil mit leidlichem (
erträglichem) nachtheil zu gedulden stnde. 36;
s. auch die stellen aus Ayrer, Micrälius
unter 1. 2@bb)
auch sonst: wo das evangelium nicht gepredigt, sol man ein zeitlang von wegen der schwachen gedulden. Luther 3, 411
b; es (
acc.) würd auch kein heilig gedulden, vielweniger begehren.
br. 1, 598; mich wündert, wes doch ist die schuld, das got bei (
neben) guotem pös gedult. Schwarzenberg 129
b; die weinstöck gedult disz land ettwas.
Frank weltb. 86
b,
kann den weinbau eben noch ertragen; der könig hat mich also angsthaft gemacht, dʒ ich besorg, dʒ wir keinen trost mehr haben wider zusammen zu kommen, das mir warlich minder denn der tod zu gedulden wer.
buch der liebe 247
c,
weniger erträglich; männer, die solche meisterschaft (
pantoffelherschaft) gedulden. Fischart
ehz. 59; wenn es ein irrthumb wer ohn schaden, so wer es dester basz zu gedulden. Parac. 1, 281
a; das ist mir nicht zu billichen, viel weniger zu gedulten. Ayrer
proc. 1, 15; ob zwar nun es ihm beschwerlich gefallen, meine verdrüszliche gegenwart zu gedulten.
Simpl. 1, 33 (1, 9),
sich gefallen zu lassen; hat mein unglück solches nicht gedulden wollen.
Laz. de Tormes 53. 2@cc)
auch mit persönlichem obj., wie dulden, leiden,
z. b.: die geweihten laszen keinen leyen bei inen aufkommen, die leyen mügen die pfaffen nicht gedulden, verjagt einer den andern. Aventin 369
c; solches alles aber wolte ihn noch nicht bewegen, mich vor einen reisgefehrten zugedulden.
Simpl. 1, 447 (5, 1).
vergl. 'mich dulden'
bei Luther
unter e und ich kann ihn nicht leiden,
eigentlich nicht in meiner nähe ertragen. 2@dd)
auch bloszes gedulden,
wie leiden, dulden
auch; ein verstoszner liebender z. b. klagt: urlaub hab ich on alle schulden, ich musz gedulden. Uhland
volksl. 100,
wo freilich nach der sprache des 16.
jahrh. auch in musz
ein es
versteckt sein könnte; gedulde, o Bacone, damit ich dir kürzlich das gespräch erzehle. Schuppius 751 (1700
s. 706),
was zugleich übergeht in: habe geduld, was auch in der vorigen stelle schon mit anklingen kann. 2@ee)
daher auch wie sonst geruhen,
so gnädig sein: den ring gibt sie ihr hin, und bittet, sie gedulde zu nehmen sie, und mehr Ruggier, in ihre hulde. Werder
Ariost VII, 49, 1.
es wird in seiner entstehung deutlich z. b. aus Luthers
wendung bei einem gesuch an den churfürsten, e. gn. wolle mich gnädiglich drinnen dulden,
s. unter geduld 3,
a von der geduld hoher herren; s. auch Frank im
folg. 3,
a und unter geduldigen
mhd. 33)
sich gedulden,
das ich trotz mangelnder zeugnisse schon mhd. und ahd. voraussetzen möchte; vergl. sich dulden,
auch gleichbedeutend sich leiden.
das sich
ist da noch in seiner ursprünglichen kraft deutlich: sich, d. h. seine innere unruhe, seinen drang, zorn u. s. w. ertragen, leiden, 'seinen geist halten können' (
s. Henisch
unter geduldig 2
a. e.),
vergl. Alers
lat. se pati
unter 4,
das nicht alt ist, aber jene auffassung noch fürs 18.
jh. belegt. vergl. auch bei Rädlein 330
a sich gedulten,
patientarsi, se patienter. 3@aa)
mit geduld oder duldend ausharren, sich in etwas ergeben u. ähnl.: ist sie aber etwas sanftmütiger, so sagt sie (
zum manne, der sie in schlechten kleidern gehen läszt), ich wolte mich gern mit den alten lumpen gedulten, mir ist nur um das, dasz die leut alsdann sagen, ihr habt mich nicht lieb. Abele
gerichtsh. 2, 292; es geduld sich oft einer so lang, dasz er zum bettler darüber wird. Lehman
floril. 1, 268.
auch sich geduldig herbeilassen, nachgeben u. ä.: do er sich aber ze letst geduldet ein gott ze nennen .. ward er vom engel geschlagen. S. Frank
chron. 129
a,
was sich an gedulden
unter 2,
e gleich geruhen
anschlieszt. s. auch nd. sik gedulden
mit gen. Sch.
u. L. 2, 31
a,
sich geduldig in etwas fügen, wie noch bei Arndt: eine halbe stunde geduldete man sich meiner abwesenheit.
erinn. 18. 3@bb)
geduld, nachsicht haben mit einem oder mit etwas, z. b. der schuldner bittet den gläubiger, sich noch zu gedulden,
der andere sagt: ich habe mich schon zu lange geduldet Adelung,
der gedulden
überhaupt nur noch so als refl. kannte. 3@cc)
jetzt fast nur noch von geduldigem warten, abwarten (
sieh geduld II, 4),
im 17.
jh. als ausdruck der höflichkeit auftretend: nam darauf mit einem höflichen bückling von monsieur erlaubtnus (
beurlaubte sich), mit bitt, sich ein kleine zeit bis zu ihrer wiederkunft zugedulten.
Simpl. 3, 297
Kz. (
vogeln. 1, 2).
noch jetzt als höfliche wendung, urspr. vielleicht im anschlusz an den höfischen gebrauch von geduld 3,
a, s. auch vorhin 2,
e. 44)
bemerkenswert gedülden bei Aler,
der auch dülden
schreibt: gedülden
aliquid ferre, sich gedülden
se pati 857
a; bist du verständig, so leide und gedülde dich. 857
b; der sich gedülden kan, der ist ein tapfer mann. 858
a.
der umlaut stimmt zu der ahd. form, sodasz auch mhd. gedülten
zu erwarten ist. s. auch gedültig
neben gedultig.