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Dulden

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
18 in 17 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Dulden

Bd. 1, Sp. 1569
Dulden, verb. reg. act. 1) Überhaupt, mit Gelassenheit leiden oder ertragen. Er duldet alles Unglück willig und gern. Man verfolget uns, so dulden wir, 1 Cor. 4, 12. Besonders Widerwärtigkeiten mit Gelassenheit ertragen. Dulden wir, so werden wir mit herrschen, 2 Tim. 2, 12. S. Erdulden. 2) Mit Nachsicht bestehen oder fortdauern. Das sollte nicht geduldet werden. Der ist noch weit von der Tugend entfernt, der Schwachheiten in sich duldet, die ihn verführen können, Dusch. Die Juden werden im Römischen Reiche geduldet, sie werden nicht als Juden bestraft S. Duldung. 3) An sich haben. Die hellesten Augen dulden ihre Finsternisse, Mosh. In welcher Bedeutung es doch wenig mehr vorkommt. Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort dulten, bey dem Ottfried thulten. Es ist das Intensivum von einem veralteten Zeitworte dolen, welches von des Ulphilas Zeiten an bis auf die Schwäb. Dichter vorkommt, und ehedem einen weit größern Umfang der Bedeutung hatte, als dessen heutiges Intensivum. Es bedeutete, 1) leiden, ertragen, wie unser dulden; in welcher Bedeutung doleen, kedolen, und fardolen schon bey dem Kero vorkommen. Die mich dur die rechten minne lange pine doln liet, Heinrich von Veldig. In der dienste ich her vil manigen langen strengen kummer dol, Jac. v. Warte. Von schulden ich den kumber dol, Reinmar der Alte. In der Schweiz soll dieses einfache Verbum noch jetzt üblich seyn. Eben diese Bedeutung hat thulan bey dem Ulphilas, tholian im Angelsächsischen, tola im Schwedischen, dol im Isländischen, taale im Dänischen, und τυλαω im Griechischen. Auch in der ältesten Sprache der Römer muß sich dieses Wort befunden haben,[] wie aus dem Frequentativo tolero, der vergangenen Zeit tuli des Zeitwortes ferre, und den Wörtern indulgere, dolere, und dolor, zumahl da Dol in der Bedeutung des Schmerzens bey den Alten gleichfalls nicht selten ist, erhellet. 2) Erlauben; eine figürliche Bedeutung der vorigen, in welcher dolan bey dem Willeram vorkommt 3) Zaudern, säumen, warten. In dieser Bedeutung kommt dualan sehr oft bey dem Ottfried vor. Man könnte dieses für ein eigenes besonderes Wort halten; allein da das Schwed. tola gleichfalls warten und zoudern bedeutet, so scheinet es gleichfalls hierher zu gehören. S. Geduld und Gedulden. 4) Thun. Diese Bedeutung findet sich nur in den Monseeischen Glossen, wo tuldun durch egerint, und tuldet durch agite erkläret wird. S. Stelle und Stellen. 5) Besonders ein Fest begehen, feyern. So gebraucht Kero schon kitulden. S. Dult.
2505 Zeichen · 47 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    duldensw. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    dulden , sw. V. Vw.: s. dulten

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    duldensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    dulden , sw. V. Vw.: s. dülden

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dulden

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Dulden , verb. reg. act. 1) Überhaupt, mit Gelassenheit leiden oder ertragen. Er duldet alles Unglück willig und gern. M…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    dulden

    Goethe-Wörterbuch

    dulden bes beim jg G gelegentl -t- 1 (er)leiden; trans, absol u intr, auch ‘etw d. um’, ‘(etw) d. an’, mehrf (Part) subs…

  5. modern
    Dialekt
    duldenschw.

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    dulden schw. : 1. 'erlauben, zulassen', dulde (auch: dulle), geduld [verbr.]. Ich duld's net, daß du dich mit dem Kerl a…

  6. Sprichwörter
    Dulden

    Wander (Sprichwörter)

    Dulden 1. Besser hie ein wenig dulden, denn dort ewig leiden. – Henisch, 764. 2. Duld viel vnd danck dazu, wiltu zu Hoff…

  7. Spezial
    dulden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    dul|den I vb.tr. 1 (aushalten) tigní fora 2 (ertragen) soporté (-ta), doré (döra), sté fora 3 compatí (-tësc) 4 (erlaube…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit dulden

16 Bildungen · 0 Erstglied · 11 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von dulden 2 Komponenten

dul+den

dulden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

dulden als Zweitglied (11 von 11)

ausdulden

DWB

aus·dulden

ausdulden , perpeti: in des heils kleid, ausduldende märtyrer, zu dem erb in dem lichtreich kommt freudig ihr, die gott rächt, von dem nacht…

bedulden

KöblerMnd

bedulden , sw. V. Vw.: s. bedülden (1)

erdulden

DWB

erdulden , tolerare, perpeti, ertragen, erleiden, aushalten, goth. usþulan, ags. âþolian, ahd. nur fardolên und fardultan, mhd. verdoln, ver…

gedulden

DWB

gedulden , nebenform von dulden mit verstärkendem ge-, später aber blosz als zeitwort zu geduld aufgefaszt ( s. 3), was doch dulden von haus…

ȫverdulden

MNWB

oever·dulden

° ȫverdulden , ōver- (aver-) , swv. : erdulden, aushalten, wô sê it nicht dôn wolden wurden it bê(i)dersîdes vürsten sô nicht van ēn ȫ. (Kan…

undulden

MNWB

° undulden , swv. : sich unduldsam zeigen, „ Dyt enys, truwen, neyn spot: Myner suster undulden, Ik spreket, vater, an hulden, Dat des mynsc…

verdulden

DWB

ver·dulden

verdulden , verb. duldend ertragen, mhd. verdulden, verdulten, stärker als das einfache dulden, heute nicht mehr üblich: mhd. swaʒ hât als u…

vordulden

MNWB

vor·dulden

vordulden , swv. , erdulden, ertragen, über sich ergehen lassen; dulden, zulassen, it mach ênem v. es ist für jem. tragbar.

ōverdulden

KöblerMnd

ōverdulden , sw. V. Vw.: s. ȫverdülden*

ȫverdulden

KöblerMnd

ȫverdulden , sw. V. Vw.: s. ȫverdülden*

Ableitungen von dulden (5 von 5)

bedulden

KöblerMnd

bedulden , sw. V. Vw.: s. bedülden (1)

erdulden

DWB

erdulden , tolerare, perpeti, ertragen, erleiden, aushalten, goth. usþulan, ags. âþolian, ahd. nur fardolên und fardultan, mhd. verdoln, ver…

gedulden

DWB

gedulden , nebenform von dulden mit verstärkendem ge-, später aber blosz als zeitwort zu geduld aufgefaszt ( s. 3), was doch dulden von haus…

undulden

MNWB

° undulden , swv. : sich unduldsam zeigen, „ Dyt enys, truwen, neyn spot: Myner suster undulden, Ik spreket, vater, an hulden, Dat des mynsc…

verdulden

DWB

verdulden , verb. duldend ertragen, mhd. verdulden, verdulten, stärker als das einfache dulden, heute nicht mehr üblich: mhd. swaʒ hât als u…

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Cotta, M. (2026). „dulden". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/dulden/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „dulden". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/dulden/adelung. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „dulden". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/dulden/adelung.
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