vermachen,
verb. festmachen, übermachen, mhd. vermachen,
mnd. vormaken.
in der ältern sprache nicht nachgewiesen. ver
verändert die bedeutung des einfachen wortes nach verschiedenen richtungen. die ursprüngliche bedeutung '
fort, hinweg'
zeigt sich in mhd. vermachen =
vernichten, dann in milderer form in vererben,
ein hinwegschaffen des besitzes an einen andern. die verstärkende bedeutung von ver
in festmachen,
daraus versperren.
das wort hat in alter zeit einen groszen reichthum von bedeutungen, so sind mnd. dieselben theils nach anderer richtung, theils in derselben richtung weiter als hd. entwickelt. nach ersterer zeigt verarbeiten: eyn iewelik goldsmid, de schal vorsmeden und vormaken gud sulver
führt Lübben 5, 401
aus Hamb. zinsrechn. an. das zeitwort gewinnt die bedeutung '
ins schlechte hin arbeiten'
und wird verleumden: dar is eyn tolner to D. unde zome borghers mede, de hebben uns vormaket jeghen den heren, secghende.
ebend. Hans. rec. 1392.
nach der zweiten bedeutung entwickelt sich vermachen
als gut machen, mit eifer machen, daher '
herstellen, bessern',
so mnd. s. Lübben
a. a. o. dann '
erquicken, erfreuen'.
so hat es sich auch noch im holl. bis heute erhalten een. huis, een kleed vermaaken,
ausbessern Krahmer 1, 444
c,
dann zy vermaakte her gansche gezelschap door har liefelyk gezang.
ebend. und vermaak,
das vergnügen (
vgl. auch Frisch 1, 632
a).
diese seite der entwicklung ist im hd. nicht vorhanden. mhd. ebenfalls vielseitig entwickelt und läszt sich nhd. noch nachweisen. aber das zeitwort stirbt ab, nur vermachen
als '
vererben'
ist heute noch mundartlich und schriftdeutsch lebendig. 11) ver
mit verstärkender bedeutung '
mit sorgfalt, vorsicht machen, ordnen': do fert ein furman uber land, ein paur vermacht ein zaun. Thurneisser
archidoxa 10 (1575); nichts glich der sorgfalt, mit welcher ihre zimmer vermachet waren. J. E. Schlegel 3, 489; es war ihr bett auch wol und schön vermacht und mit köstlichen thüchern behenget. Simrock 2, 246.
daraus entwickelt sich '
festmachen, zumachen, zuschlieszen, versperren': daʒ fenster vermachen mit eisen.
Nürnb. pol.-verordn. (14.
jahrh.) 291; an dem Meyne yederman sin finster zu vermachen und wol zu versorgen.
Frankf. stadtarch. (1444)
Frankf. (
bei armierung der festung gesagt); das neyd (
neidete) der veind und brach das dach und den bruch kan niemandt vermachen.
heiligenleben (1472) 38
a; auch haben wir alle handlunge in gegenwertikeit ewer poten getan und darnach bede insigel mit unserm betschapen vermachet (
mit unserm petschaft geschlossen).
Weim. staatsarchiv (
Wien) 1439; begerend mit vleis zu verfaren, und dieser pestilentz und umb sich fressende kranckheit den weg zu vermachen. Luther 1, 258
b; darum sihe, ich wil deinen weg mit dornen vermachen und eine wand dafür ziehen, das sie jren steig nicht finden sol.
Hosea 2, 6; und geusz dorin guoten wein, unn vermach den hafen zuo mit eim deyglin von mel. Gersdorf
feldb. d. wundarzneik. 30 (1528). vermachen
verzeunen, intersepire, consepire, obstruere: die strasz vermachen und beschlieszen,
includere viam Maaler 425
a; allendhalben wol vermacht und verschlossen,
cataphractus ibid.; mochten sie mich nicht daselbst, sondern bey einem andern thor, welche doch alle vermacht, einlassen. Schärtlin v. Burtenbach (1777) 130; seindt auch drei stück lucken und porten unvermacht. Fronsperger 3, 101 (1562); item ladt ein böller mit pulver, den vermach mit einem klotz oder stroh.
kriegsbuch 2, 178
a; es ist die alt kriegsregel, eim fliehenden feind baw ein guldene bruck, dasz er nur bald und sicher drüber ruck, aber vermach dem fuchs die luck, dasz er nicht wider umbruck und meh hennen zuck.
Garg. 453 (1590); die blumen in ein glas thun und solches wol vermachen. Tabernaemontanus 959; der biener gehet darfür mit seinem steigzeuge, wil die beuten vermachen, das die mardern nicht mehr hineinkommen mö
gen. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 139; thuos hernach in ein geschirr wol vermacht, behalts auff, dann ye älter ye besser dise artzney ist. Seuter
rossarznei 24 (1599); da konte Solande fast sehen, dasz es eine vermachte kutschen mit vier pferden war.
polit. stockfisch 322 (
vgl. verdeckte kutsche 323); risz die saalthür auf, welche ihm, nachdem die kettel, wormit man sie von innen vermacht hatte, seiner stärke weichen muszte, aufsprang.
avant. 1, 129; dahero wir in einem vermachten wagen unsre reise fortsetzten. 2, 102; verlutiren ist von dem chimicis aufgebracht, von lutum, womit man die gläser fest im feuer vermacht oder verschmiert, wenn man etwas in feuer zubereiten will. Frisch
wb. 1, 629
b; er nimmt mein anerbieten an, und ich führe ihn in eine mit gitterwerk vermachte loge, aus der er das theater sieht, welches er für den pallast des sultans hält. Lessing 7, 382; die 2 bouteillen, die ich recht gut vermacht und mit meinem bittschafft versieglet habe. Schubart
frau in Schubarts leben von Strausz 2, 272; noch diesen nachmittag solle die lücke vermacht werden. Gotthelf
Uli der knecht 65; die andern machen rüdenband, wie die hund im Ungarland, und sind mit schlössern wol vermacht. Murner
narrenbeschw. 113, 44; so ist von nöten auch hernach das man, eh der feindt für sey rucken vermach an der mauer die lucken. H. Sachs 3, 1, 126
a (10, 474, 24
Keller). einen vermachen,
einen festnehmen: jenen wandervogel .. in einen gläsernen käfig steckte, diesen auf die behörige art vermachete.
ehe eines weibes 370. 22) ver
gibt die bedeutung '
anders machen' (
s. oben 54, 3),
d. h. verkleiden, vermummen: da gieng ein mann zu der thür hinein, der hett das maul mit einem kappenzipffel vermacht als einer der leyd traget. Pauli
schimpf 127
b; mit weibskleidern vermachet. Lacius
bei Fronsperger 3, 281
b; Jacob vermacht die hände mit fellen. Fischart
fig. bibl. hist. (1576) 103
a; mancher will nit, das man jn kennt, der sich doch selbst zu letsten nennt, so jm der kopff schon ist vermacht, wil er doch, das man uff jn acht. Brant
narrensch. 110
b, 9 (
s. Zarncke
anm. 464); allein am lincken arm er einen schild mit brachte, den eine rote deck' all' überall vermachte. Dietr. v.
d. Werder
Ariost 4, 17, 2; er liesz jhm seinen leib gar feste stets vermachen, mit einer dicken haut, von schuppen eines drachen. 14, 94, 1. 33)
übermachen: du wollest die (
suma geldes) Wolfen Hofman antwurten, der kan sie uns allemall herein vermachen.
Ernst. ges.-archiv (1522).
hier hat das wort nur die bedeutung '
übersenden, überführen'; derselbig (
Karl Martell) als er nicht ohne grosze mühe und krieg sein vermachtes ampt erhalten. Dillich 2, 95 (1605),
hier '
übermachen'.
gewöhnlich aber heiszt es testamentarisch vermachen,
legere aliquid alieno Maaler 425
a: dieweil herzog Georg ... gestorben war und ihm das Bayerland vermacht het. Götz v. Berlichingen 69
b; ein frei adelich gut, so Julo von seiner mutter schwester vermachet worden.
Simpl. 2, 159, 25; wir vermachten einander alles unser vermögen, also dasz der letzt lebende das verstorbene erben .. solte. 3, 56, 26; die verstorbene frau muhme hat dir in ihrem testamente ihr ganzes rittergut vermacht. Gellert 3, 63; diesem herrn ist von dem vorigen könige die bibliothek des ... bekannten prof. Ebertus, die er an den könig von Spanien wollte vermacht haben, geschenkt worden. Lessing 12, 16; nun ja, dann will ich, beym Herkules! meine nymphen entlassen, mein haus den priestern der Cybele vermachen, und an den Ganges ziehn. Wieland 1, 177; doch, fuhr er fort, indem er sich zu besinnen schien, war doch jener erlauchte besitzer in eben dem fall, er wollte schenken, wollte vermachen, was ihm so wenig gehörte als dir. Göthe 27, 119; ein mann vermachte in seinem testament seinem vetter 11 silberne löffel und setzte hinzu, warum ich ihm nicht den 12 ten vermache, wird er selbst am besten wissen. Kant 10, 205; das beste stück aus der hinterlassenschaft des herzogs war seine armee, die er nebst dem Elsasz seinem bruder Wilhelm vermachte. Schiller
hist.-krit. ausgabe 8, 381; dasz ich ihnen nichts vermachen würde, da ich über mein vermögen schon disponirt habe. Tieck
ges. novellen 10, 55
Br.; an die kirche 1000 thaler vermachen. Adelung 4, 1475; was ihr geiz zusammenscharrte, hat sie dem bruder Hubertus in kloster Himmelpfort vermacht. Gutzkow
zauberer von Rom 3, 201; sein testament uns vermacht. Wackernagel
kirchenlied 3, 80
a, 3; ich verwillig gar nichsen drein, was wurt sprechen die freundschaft mein, solt ich der frawen als vermachen? H. Sachs 2, 3, 27 (8, 102
Keller); wenn nu im auch ist was vermacht, und hat erlangt, darnach er tracht, so kompt der drit mönch Augustiner .. Fischart
dicht. 1, 160, 1093; disz testament ... gott hat es selbst dem Abraham vermacht und gnädig ihn bedacht. Opitz 3, 138; er liesz den ring von seinen söhnen dem geliebtesten; und setzte fest, dasz dieser wiederum den ring von seinen söhnen dem vermache, der ihm der liebste sei. Lessing 2, 277; hingegen ihr vermacht er nichts von aller seiner habe als nur das feenthier. Wieland 18, 306; ich hab in seinem (
Wallensteins) dienst mir was erworben, ich leih es ihm, und überlebt er mich, ists ihm vermacht schon längst — er ist mein erbe. Schiller
hist.-krit. ausg. 12, 162 (
Piccol. 4, 4); es ward von unsern vätern mit treuen uns vermacht die sage, wie die väter sie ihnen überbracht, wir werden unsern kindern vererben sie aufs neu. Chamisso 3, 309.
selten einen (
person) vermachen: bin ich nicht mehr der sohn einer schwester, die mich ihnen sterbend vermachte? Gotter 3, 56; ich war .. willens schon, dir ... mein weib und kinder zu vermachen. Göckingk 2, 72.
bildlich: wer, als die liebe, kann mir die flüche versüszen, die mir der landeswucher meines vaters vermachen wird? Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 371 (
kabale u. liebe 1, 4). 44)
reflexiv, sich verschlieszen, befestigen: auf Petri und Pauli zogen die Dantzker 10, 000 stark fur Margenburg und vermachten sich in ihrem alten lager aufs beste, als sie kondten. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 74. sich in etwas vermachen,
in etwas hineinmachen: er hat sich vermacht in ain vas, da doch wein inne was, dar inn er hoch verporgen lag.
fastn. sp. 459, 32.