neben,
adv. und präp. 11)
herkunft und form. die ahd. präpositionale verbindung in ëban
wurde durch anschlusz zu inëben
und durch aphärese schon bei Notker
zu nëben (Graff
ahd. präpos. 99),
mhd. enëben, enëbene,
auch ennëben (
besonders md.),
gewöhnlich aber nëben
und besonders alem. mit unechtem t (
als ob ent
localsuffix wäre) nebent,
welche form im mundartlichen nebend, nebet (nAebend
und nebend Maaler 301
b. 303
d, nebet Tobler 330
b, nebend Schm. 1, 1713
Fromm., henneb. nabet Fromm.
mundarten 2, 268, 21. 3, 135)
sich erhalten hat, schweiz. auch mit schwund des auslautes neba, nAebe Tobler
a. a. o. Seiler 217
a.
in ähnlicher weise entwickelt sich aus alts. an ëBan,
ags. on ëfen
das nd. neven, neffen.
vgl. auch die bildung von gegen
aus engegen,
dessen en
ganz abgefallen ist, während das n
in neben
durch seinen anschlusz an den tonvocal erhalten worden ist (
th. 4
1, 2, 2201).
vgl. nebst. 22)
die casusfügung. zum ahd. in ëban
fügt sich wie zum adj. ëban
nur der dativ, zum mhd. und nhd. neben
auch der genetiv und (
indem ähnlich wie bei gegen
der begriff der bewegung, der ursprünglich nur dem verb angehörte, auf neben
übergieng)
der accusativ, der seit dem 12.
jahrh. zuerst in ndrh. und md. denkmälern sich zeigt (ineben dich
k. Rother 2223, nebin dich
glaube 1844)
und von da aus nach Oberdeutschland vorgedrungen zu sein scheint (
gr. 4, 802. Weigand 205). 'neben
hat einen ablativ bei der frage wo?
und einen accusativ bei der frage wohin?' Frisch 2, 10
c. II. neben
adv. I@11)
ahd. in ëben, inëben (Graff 1, 96),
mhd. enëben, nëben,
in gleiche linie (
ad aequum),
an die seite, zur seite, daneben; gewöhnlich mit einem dativ verbunden: daʒ ich ir gienge nebene.
Nibel. 295, 2; unz er im quam eneben.
krone 29116; dô er disem bilde quam enneben.
pass. 279, 83
H.; des ist sîn lop nu harte breit und ist den heilegen eneben (
gleich). L. v. Regensb.
Franc. 1550; eneben vor und hinden.
jüng. Tit. 1857; nebent unde ouch unden. G. v. Neifen 45, 5.
nach verdunkelung der ursprünglich in ëneben
enthaltenen vorstellung wurde der dativ von hinzugefügtem bî
abhängig gemacht (
vergl. nebenbei, beineben): enebene bî dem mere.
h. Ernst 4819
Bartsch; nebent bî dem esel. Boner 52, 21. I@22)
nhd. ist es in dativischer fügung zur präposition geworden und ist sonst als adv. fast ganz vom decompositum daneben
verdrängt: do sü alsus nebent abe (
zur seite weg) zogetent. Closener 82, 3; neben umb hin und beseitz lugen (
schauen). Keisersb.
herr künig 70
a; das gesetz aber ist neben ein komen.
Röm. 5, 20; da etliche falsche brder .. neben eingeschlichen waren.
Gal. 2, 4; alda umb das gepirg vornen, neben und hinden. Aventin. 4, 295, 9; artlich geformt vornen und neben. H. Sachs 4, 247, 11; neben setzen
mit dativ Schottel
vorr. b 3
b; neben abbrechen,
circumcirca defringere. Stieler 235; dort neben leuchtet was mit ganz besondrem schein. Göthe 12, 211; doch neben am gebüsche zieht ein licht, das gar bescheiden glüht. 41, 148; leb ich doch schon lange jahre da in diesem kloster neben (
statt daneben in diesem kl.). J. Kerner
dicht. 2, 72; neben und auf den seiten. Heinse (1857) 5, 315.
vgl.nebenaus,
nebenbei, nebenher, nebenhin, nebenzu. I@33)
in den unerschöpflichen zusammensetzungen hat neben
die bedeutung '
zur seite (
in zweiter linie),
daneben, bei',
meistens als gegensatz zu haupt- (nebenbau, hauptbau; nebengut, hauptgut; nebensatz, hauptsatz
u. s. w.),
oft gleichbedeutend mit mit (nebenbruder, mitbruder; nebenerbe, miterbe; nebenmensch, mitmensch),
in welchem sinne mhd. das einfache ëben
als erstes compositionsglied gebraucht wurde: ëbenerbe, ëbenmensche, ëbenkristen (
doch seit dem 14.
jahrh. auch nëbenkristen). IIII. neben
präpos. II@11)
schon ahd. ist aus der verbindung des adverbs mit dem dativ eine präpositionale fügung entstanden: aus sizze mir in eben
wird sizze neben mir (Notker 109, 1);
mhd. er was drî ellen breit eneben sîner ahseln.
Rolandslied 60, 24; ob dû iemer man gelobest neben im.
Iwein 1818. II@22)
nhd. neben,
juxta Aventin. 1, 457, 9. Albertus
teutsch gramm. (1573) M 2
b. Dasyp. K 7
b. Stieler 1320. Denzler 210
b. Steinbach 2, 115. Frisch 2, 10
c; nAebend Maaler 301
b. II@2@aa)
in gleicher linie mit (
im vergleich mit),
zur seite, an der seite von, nahe bei. II@2@a@aα)
mit dativ der person oder sache: nAebend dir, nAebend dem weg. Maaler; neben einem, neben dem ufer gehen. Stieler; do sah er ston einen feigbaum neben dem weg. Keisersberg
evang. (1517) 71
d; ein jeder .., der sein bchlin neben seinem (
vergleichend) lesen wird. Luther 2, 188
a; neben mir .. reit des wirts son. Kirchhof
wend. 3, 125
Öst.; neben der spindelmetzen. Fischart
groszm. 21
neudruck; nAebend eim wiger (
weiher). Th. Platter 6
B.; nAebend dem felsen. 8; baldt kamen wir ... nebem (
neben dem) hochgericht uf die velder vor der stat.
F. Platter 187; nun ligt ein grosz riet nebent dem dörfli. Tschudi
chron. 146; der studien halber konte ich neben dem berühmten A. hin passiren.
Simpl. 1, 28, 19; doch gönnete sie mir, auff irem bett neben ihr ligen zu bleiben. 499, 13; ich sasze neben der alten .. und ist demnach meine schönheit .. neben einem so alten geribb desto besser hervor geschienen. 554, 30; wir wanderten neben den regimentern daher. 321, 11; auff dasz sie solte neben dir im himmel wohnen für und für. S.
Dach 173
Öst.; neben ihm .. sasz Dorothe. Stilling
jug. (1780) 16; sein schwert, so neben ihr lag. Bürger 267
a; er wünscht, sie neben sich in London einst zu sehen. Gellert
fab. u. erz. (1763) 48; neben ihm ruhte der held Peisistratos. Voss
Od. (1781) 3, 400; und zwei mädchen schliefen .. neben den pfosten. 6, 19; jene tugend, .. die den, welchen du liebst, neben dir glücklich macht. Klopstock 1, 66; neben ihm neigte sich Abel an einen felsen.
Mess. 10, 569; rauschend wie pfeile .. flieget er neben gestirnen vorbei. 1, 713; neben deinem lager stehen, wann du lauschtest, wollt' ich hier. Bürger (1778) 31; bin immer um und neben ihr. 187; neben dem durstenden in der wüste. Göthe 2, 66; lasz mich an der felsenwand hier .. neben dir ausruhn. 176; die erde, die sich neben uns in die breite verlor. 25, 347; Charlotte gab ihm seinen platz neben Ottilien. 17, 414; neben der thüre. 24, 12; neben der anlage. 121; ich sah sie neben mir in den staub sinken. Schiller 3, 403 (
kab. 2, 3); emirn und sklaven stürzen zappelnd neben göttinnen des serai'
s. Wieland
Oberon 5, 53; die arme über ihre brust gefaltet, steht sie glühend neben dem jüngling da. 5, 69; oft liesz er neben mir sich nieder. Pfeffel 2, 133
Hauff; indem ihre perüken neben der thür auf einem hauffen lagen. Hermes
Soph. 2, 26; er war allein neben der nacht. J. Paul
Hesp. 2, 104; neben ihm fällt ein getroffener. Heinse (1857) 5, 166. II@2@a@bβ)
mit dem genetiv: mhd. dâ wære du ie neben mî
n. klage 863; der erbeiʒte nider neben sî
n. Biterolf 10421;
nhd. und mit dem sach ich neben mein ain tiefen weg. B. Zink 107, 23; neben des Gäsenpach.
österr. weisth. 6, 178, 5 (17.
jahrh.); neben des windischen thörls. 1, 170, 25 (18.
jahrh.); bestehet nur wacker neben meiner, dort kombt gewisz der obrist Preiner.
das Fadingerlied (1626)
in Görres
hist.-polit. blättern 33, 961; neben meiner war a waib. Blumauer (1839) 3, 154;
baierisch - österreichisch noch neben meiner, deiner, seiner
u. s. w. Schm. 1, 1713
Fromm. Frommann
mundarten 3, 392. 6, 339. II@2@a@gγ)
schon hier zeigt sich md. im 12.
jahrh. der accusativ: der nebin dih an dem crûce stuont.
glaube 1844.
nhd. sprach abermahl der neben ihn (
vorher dieser, so darbei stund). Kirchhof
wend. 3, 367
Öst. II@2@bb)
zugleich mit, nebst, auszer. II@2@b@aα)
mit dem dativ: ob nicht der Luther gläubte, dasz der kaiser auch ein christ wäre und wurde diese sachen neben andern fürsten und ständen ... örtern und urtheilen. Luther
tischr. 1, 66; und solt erzu bringen neben einem brot sieben jerige lemmer.
3 Mos. 23, 18; du solt kein andere götter neben mir haben.
2 Mos. 20, 3; neben dem vater regiert der son. Albertus
teutsch gramm. (1573) M 2
b; das sie (
kinder) neben dem schreiben und lesen in dem wort gottes .. unterwiesen werden. Ickelsamer
die recht weis lesen zu lernen A 4
a; das t hat neben seiner eignen aussprach auch das es ts gilt. Helber
syllabierb. (1593) 9, 19
neudruck; etliche aus inen neben den albmaistern.
österr. weisth. 6, 15, 31 (
vom j. 1577); neben zwaien andern nachbarn. 367, 16; das alle christliche herrschafften neben allen andern hohes und nidrigs standes personen auch also thun. Ringwald
tr. E. A 4
b; und hatt er alle morgen geprenten wein feil neben seiner andern war. Wickram
rollw. 48, 17
K.; hat ihm gesendet ein vögelein .. neben fünff scharpffen pfeilen. Kirchhof
wend. 3, 20; ein baurenpferd, so sie neben andern mehr auch erbeutet hetten.
Simpl. 1, 40, 15; botte er im selbst ein stücke butter und brot neben einem trunk bier
an. 357, 33; bringen den wisir neben zweien söhnen umb.
pers. rosenth. 1, 5; dasz das schreiben ihm neben andern dingen abgenommen seie. Schuppius 809; dasz neun grafen neben vielen edelleuten zu mir seien .. kommen. 810; desz du neben uns hast grosz schand. Kehrein
kirchenl. 201, 28; es giebt damen, die, neben allen häuslichen und geselligen tugenden, neben der edelsten einfalt des charakters und neben der anmuth weiblicher schönheit .. gelehrte vom handwerke beschämen. Knigge
umg. 2, 112; du hast noch eine klugheit neben deiner liebe? Schiller 3, 371 (
kab. 1, 4); andre möchten noch neben dem boten im hinterhalt liegen. Göthe 40, 22; neben dem
nebstdem, auszerdem (Heynatz 2, 284): neben dem allem ist zu vermelden.
Zimm. chron. 4, 88, 29; hatte, neben dem er gar blind war, einen unleidlichen schmerzen. Tabernaemont. 456; ist eine köstliche arzenei, neben dem dasz es auch den leib speiset. 634; neben dem ist bei einer rechtmäszigen ursache zu kriegen nicht allezeit glück und sieg. Schuppius 367; neben dem so sind deine göttliche augen überaus scharffsichtig. 444; neben dem, dasz er schön ist, ist er auch fromm. Aler 1456
b; neben dem, dasz dieser hof durch französische rathschläge geleitet wurde .., zwang ihn die sorge für seine eigne sicherheit, sich gegen einen nahen und überlegenen feind .. zu versichern. Schiller 8, 48. II@2@b@bβ)
mit dem genetiv: die vier verordneten neben des ambtmans.
österr. weisth. 6, 12, 31 (16.
jahrh.); der rath und gemein nöben des alten vorgewösten richter. 134, 13 (
vom j. 1547). II@2@b@gγ)
wie es scheint auch mit dem accusativ: dieser esel hat nicht viel an sich, das dem menschen ähnlich siehet, als die äuszerliche gestalt neben kleider und kopfbund.
pers. rosenth. 3, 25. II@2@cc)
gleich mit, ebenso wie: die pflaumwoll ... gleicht der seidin, deren thuoch man neben der seiden verkaufft. Frank
weltb. 202
a. II@2@dd)
in gleiche linie mit, an die seite von. II@2@d@aα)
ahd. nur mit dem dativ (
s. oben 2): sazte in in eben sinemo stuole. Notker
bei Graff 1, 96.
ausnahmsweise kommt diese fügung auch nhd. noch vor, schwankend zwischen dativ und accusativ: Phillis muszte sich neben dem greisen sezen, und er sezte sich neben die Phillis. Geszner 2, 59; Daphnis muszte sich neben ihr sezen, und Phillis .. sezte sich auch neben den Daphnis. 99; ich bat ihn sich neben mir zu sezen. Hermes
Soph. 2, 4; und wehe der fremden schönheit, die das herz hat, sich neben ihr zu stellen! Lessing 7, 329. II@2@d@bβ)
die regel ist der accusativ aus dem oben angegebenen grunde: mhd. (
zunächst ndrh.) her sazte sie inebin in.
k. Rother 1328; ein barn alsô lossam, daʒ iʒ mit zuchtin, Dieterich, mochte gesitzin ineben dich. 2222; nu wil ich mînen stuol nebent in setzen. Wackernagel
altd. pred. 46, 109;
nhd. junkfrau, setzt euch her neben mich.
fastn. sp. 549, 24; den soltu setzen neben dich. Scheit
Grob. 2863
neudruck; ein ieder ist monarch in seines hauses pfälen, es sei denn dasz sein weib sich neben in wil zehlen. Logau 1, 3, 82; man gab im sein kibel mit, den stalt er nebent sich.
Zimm. chron. 4, 184, 24; sie .. stunde so nahe neben mich, dasz sie mich rührte.
Simpl. 1, 360, 24; so dasz ich mich .. neben den Lemelie schlafen legen konte.
Felsenburg 1, 175 (neben Lemelie Tieck 1, 186); er stellte sich neben den ofen hin. Stilling
jug. (1780) 84; er drehte sich mit seinem stuhl neben ihn. 84; dann seh ich mit entsetzen, dasz ich verworfne götzen frech neben dich gesetzt. Hermes
Soph. 6, 306; zärtlich bescheiden setzte er sich neben sie ohne sie zu berühren. Göthe 17, 160; ich setzte .. den kuchen neben mich. 25, 354; setze dich als herr vom hause neben mich. Wieland 18, 78; und warf sich in verzweiflung neben den leichnam hin.
Oberon 1, 41; (
bis) er kraftlos neben seine beute sinkt. H. v. Kleist 5, 12
Hempel; er drängte keck sich neben ihn. Pfeffel 2, 49
Hauff; II@2@ee) neben sich,
bei seite, seorsim Dasyp. K 7
b; nAebend sich weichen,
secedere; nAebend sich legen,
seponere; nAebend sich oder an ein besunder ort fren,
abducere; nAebend sich gon,
digredi. Maaler 301
b; wen ich den stall uff datt und nit glich nAebend sich sprang, stieszen mich die geisz nider. Th. Platter 7
B.; do luogen ich nAebend sich und gsich den streich. 90; wolte ich neben sich dretten, ir blatz ... zu machen.
F. Platter 194; ich trat ein wenig neben sich.
buch d. liebe 202, 4; sich neben sich thun,
neben der schlachtordnung ausrücken. Wilw. v. Schaumb. 59.